Ginsweiler in der Pfalz

Ginsweiler

0.1.Allgemeine Angaben

Im Tal des Odenbachs

Ortsgemeinde Ginsweiler, Verbandsgemeinde Lauterecken

Wohnplätze: Ortskern, Naumburgerhof, Ölmühle

Einwohner (2010): 337

Gemarkung: 399 ha, davon ca. 38 ha Siedlungsfläche

und 57 ha Wald

 


0.2.Lage

Der Ort liegt im Odenbachtal mit dem größten Teil der Ortslage rechts des Odenbachs in etwa 180 Metern ü. NN. Hier fließt dem Odenbach der Becherbach zu, der im Osten des Dorfes bei dem Nachbardorf Becherbach entspringt. Die Erhebungen beiderseits des Tals erreichen innerhalb der Gemarkung von Ginsweiler rechts des Tals Höhen von ca. 340 Metern, links des Tals von ca. 350 Metern. Nachbarorte sind Becherbach im Osten, Reipoltskirchen  im Süden, Cronenberg im Westen und Adenbach im Norden. 

 

0.3.Siedlung und Wohnung

Der alte Ortskern liegt im Tal des Becherbachs vor dessen Mündung in den Odenbach. Der ursprüngliche Ort wurde entlang der Durchgangsstraße im Tal des Odenbachs erweitert. Vielfach handelt es sich hier noch um alte Bauernhäuser. Die Talmühle im Norden des Dorfes, die Ölmühle im Südwesten und der Naumburgerhof im Westen gehören ebenfalls zur älteren Bebauung. Ein Neubaugebiet (Nachtweide) entstand 1990 südlich des Becherbachs. Das ehemalige Schulhaus, in dem heute ein ökumenischer Gottesdienstraum eingerichtet ist, steht in der Hauptstraße. Ein Sportgelände mit Fußballplatz liegt im nördlichen Bereich des Dorfes zwischen Durchgangsstraße und Odenbach. Der Friedhof befindet sich im Osten an der Straße nach Becherbach.

Durchgangs-Straße

0.4.Wüstungen

Eigentliche Wüstungen im Bereich der Gemarkung Ginsweiler sind nicht bekannt. Allerdings wurde bereits 1380 im Zusammenhang mit Ginsweiler und anderen Orten der Umgebung ein Ort Nunburg genannt. Dieser dürfte mit dem heutigen Naumburgerhof bei Ginsweiler identisch sein. Man geht von der Annahme aus, dass dieses Dorf oder der spätere Gutshof an Stelle einer Burg oder bei einer Burg entstanden ist. So wird bereits 1268 eine "Niwenburg" (neue Burg) erwähnt. Da auf dem Hof heute noch römische Spolien vorzufinden sind, kann auch darüber spekuliert werden, ob die Stelle des Hofes früher der Standort einer römischen villa rustica gewesen ist. Spätere Nennungen des Hofguts: Hofguth Naumburg, (1585), Nauenberg (1609), Naumberg (1661), Hofguth Naumburg (1673), Naumburger Hof (1773). (Vgl. Wendel 1994 S. 104)

 

0.5.Name

Erstmals wird  in einer Urkunde von 1379 der Ort als "Gundeßwilr" erwähnt. Spätere Namensformen sind Gimswiler (1483), Gintzweiller (1557), Guntzwiller (1580), Ginssweiler (1724), Ginzweiler (1797), Ginsweiler (1824). (Vgl. Dolch Greule S. 164) Das Grundwort Weiler deutet auf ein Gehöft hin, das möglicherweise in frühfränkischer Zeit entstanden ist. Das Bestimmungswort geht auf den alten Namen "Gundlîn" zurück. Ginsweiler müsste also in seinem Ursprung das "Gehöft des Gundlîn" gewesen sein. (Pöhlmann 1928 S. 168)

 

0.6.Wappen

Das zweigeteilte Wappen zeigt links abwechselnd elf blaue und silberne waagrechte Streifen, rechts einen Ginsterzweig auf schwarzem Grund. Die schwarzen und silbernen Streifen weisen auf das Geschlecht der Herren von Boxberg hin, die während des Mittelalters in Ginsweiler Güter besaßen. Der Ginsterzweig soll wohl auf das Bestimmungswort des Namens hinweisen, doch dieser Bezug ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu rechtfertigen. Das Wappen wurde 1978 durch die Bezirksregierung von Rheinhessen-Pfalz genehmigt. 

0.7.Grundriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Frühgeschichte

Aus dem Bereich der Gemarkung von Ginsweiler selbst kennen wir bislang keine vorgeschichtlichen Funde. Wie Funde aus der Nachbarschaft beweisen, lebten schon in vorgeschichtlicher Zeit Menschen in der Umgebung des Ortes. Dass zur gallo-römischen Zeit die direkte Umgebung bewohnt war, mag eine Spolie (Römerstein) beweisen, die heute noch in einem Gebäude des Naumburgerhofes eingemauert ist. 1833 wurden außerdem beim Bau eines Wohnhauses ein römisches Relief und zwei Löwen gefunden. Diese Funde beschrieb der Odenbacher Pfarrer Philipp Wilbrand Jakob Müller wie folgt: "Ein aus feinem Sandstein gemeißeltes 3 3/4 Schuhe hohes Standbild; vorne drei gut gearbeitete, nicht in den Stein eingehauene, sondern statuenähnlich frei hervortretende, bekleidete menschliche Figuren darbietend, der mittleren Figur fehlte der Kopf, der am Rumpf abgebrochen ist. Sie muss der Kleidung und der ganzen Komposition wegen, für eine weibliche Person, für eine Mutter erklärt werden, die mit treuer Liebe ihre Kinder trägt und leitet. Auf ihrem linken Arm sitzt ein über und über mit faltigem Tuch verhülltes kleines Kind. Der Kopf des Kindes ist gleichfalls am Rumpf abgebrochen. Mit der an der rechten Seite herabhängenden Hand führt die Figur einen munter und kräftig dahinschreitenden Knaben. Ein männlicher Löwe, in zwei Teile zerbrochen, halbe Lebensgröße ungefähr, liegend, auf den Vorderbeinen ruhend zwischen diesen einen Schafskopf haltend. Eine Löwin, in zwei Stücke zerbrochen von der nämlichen Größe und Lage: die Vorderseite abgebrochen und mit dem zwischen den Tatzen gehaltenen Schafskopf. Beide Tiere scheinen auf einem Torwege oder Portale einander gegenüber gestanden zu haben" (zitiert nach Wendel 1994 S. 14)

0.7.2.Mittelalter

Ginsweiler lag ursprünglich im Gebiet der Nahegaugrafen, von denen sich um 1127 die Grafschaft Veldenz abzweigte, unter deren Schutz zum großen Teil geistliche Gebiete standen, z. B. die Besitztümer von Verdun um Baumholder und Medard und das Remigiusland des Erzbistums Reims. Auch Ginsweiler lag innerhalb der neuen Grafschaft Veldenz und wurde später wiederholt ganz oder zum Teil an gräfliche Vasallen als Lehen vergeben. Eine erste Nachricht darüber erhalten wir aus der oben erwähnten Urkunde von 1379. In ihr bestätigt der Ritter Mohr von Sötern, dass er von dem gnädigen Junker Friedrich, Graf zu Veldenz, in den Orten Heinzenhausen, Lohnweiler, Lauterecken, Medard, Roth, Schwanden (Wüstung bei Medard) Obersulzbach, Niedersulzbach, Ginsweiler, Mannweiler (Wüstung), Adenbach, Odenbach und in der Gemarkung Meisenheim Güter zum Lehen erhalten hat. (Pöhlmann 1928 S. 164)  Für Ginsweiler, Mannweiler, Adenbach und die beiden Sulzbach (heute Sulzbachtal) handelt es sich dabei um Ersterwähnungen. Allerdings nahm Pöhlmann an, Gundeswilre beziehe sich auf den Ort Gumbsweiler. Vor der Newubelehnung sollen (nach Alfred Wendel) die Ritter von Odenbach Inhaber dieser Lehen gewesen sein. Junker Friedrich ist Graf Friedrich II. aus der jüngeren Linie der Grafen von Veldenz. In einer Aufstellung von 1380 bestätigte ein Ritter Gerhard von Alsenz wiederum dem Grafen Friedrich II., dass er Teil an der Burg Odenbach hatte, aber auch Zinsen aus verschiedenen Dörfern empfing, so aus Ginsweiler, Mannweiler und Adenbach. Die genannten Lehen gingen später zu einem unbestimmten Zeitpunkt an die Herren von Allenbach (Ellenbach) über. Das Dorf Ginsweiler gehörte damals zum Unteramt Odenbach. Der letzte Graf von Veldenz, Friedrich III., starb 1444 ohne Söhne zu hinterlassen. Seine Tochter Anna heiratete den Pfalzgrafen Stephan, einen Sohn des Königs und Kurfürsten von der Pfalz Ruprecht. Stephan begründete nun aus ererbtem pfälzischen Eigenbesitz und aus der Grafschaft Veldenz die Pfalzgrafschaft Zweibrücken, die zumeist als ein Herzogtum bezeichnet wird. Residenz blieb vorerst noch die Stadt Meisenheim, sie wurde aber 1477 nach Zweibrücken verlegt. 

0.7.3.Neuzeit

Die Pfalzgrafen (Herzöge) von Zweibrücken führten bereits 1537 die Reformation ein. Bei den anschließenden Kirchenvisitationen wurden auch Bürger von Ginsweiler erwähnt. Noch während des 16. Jahrhunderts fielen die von den Pfalzgrafen verliehenen Rechte an Ginsweiler von den Herren von Allenbach an die Herren von Kellenbach und an die Mauchenheimer von Zweibrücken. Alle diese Rechte fielen am Ende des 17. Jahrhunderts an die Herren von Fürstenwerther, die Nachkommen aus einer morganatischen Ehe des Pfalzgrafen Ludwig Friedrich von Zweibrücken und einer bürgerlichen Frau aus Meisenheim waren, und denen der Fürst das Dorf und die Burg Odenbach überlassen hatte. Das 17. Jahrhundert war ansonsten weitgehend durch Kriegsereignisse gekennzeichnet, durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und durch die Eroberungskriege des französischen Königs Ludwigs XIV gegen Ende des Jahrhunderts. Mehr noch als durch die Kriegsereignisse hatten die etwas abgelegenen Dörfer durch Hungersnot und durch verheerende Krankheiten zu leiden. Die schlimmsten Nöte für die Glantalgegend waren ab 1635 zu erkennen. Allgemein erfasste eine unvorstellbare Verrohung der Sitten die Menschen. Die Dörfer wurden weitgehend entvölkert und mussten nach dem Kriegsende faktisch neu besiedelt werden. Ginsweiler war allerdings auch vor dem Dreißigjährigen Krieg ein sehr kleines Dorf mit nur sechs Familien nach der Zählung bei der Kirchenvisitation von 1609. Nur drei Familien lebten 1656 im Ort, und unter ihnen mögen schon Zuwanderer gewesen sein. Auch die Gemarkungsgrenzen gerieten weitgehend in Vergessenheit, und das führte vielfach zu Grenzstreitigkeiten zwischen den Dörfern. So lesen wir bei Alfred Wendel: "Die Bauern von Adenbach und Ginsweiler trieben im Jahre 1701 vor der festgelegtenFrist, anstatt an Michaeli (29. September) schon an Mariä Geburt (8. September) auf die gemeinsam genutzte 'Nachtweide'. Die Odenbacher und Rother beschwerten sich bei der schwedischen Administration."  (Wendel 1994 S. 153) Die Administration antwortete, es solle alles so bleiben, wie es zuvor gewesen sei. Die Bemerkung "schwedische" Administration ist so zu verstehen, dass zwischen den Jahren 1681 und 1718 die Könige von Schweden gleichzeitig Pfalzgrafen (Herzöge) von Zweibrücken waren. Über örtliche Ereignisse aus den Kriegen Ludwigs XIV. liegen uns außer Kontributionslisten keine weiteren Nachrichten vor. Die Bevölkerungszahlen stiegen, unterstützt durch Zuwanderungen, sehr rasch an. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts konnten schon nicht mehr alle Menschen durch die heimischen Ernteerträge ernährt werden, und es setzte eine umfangreiche Auswanderung ein. 

0.7.4.Neueste Zeit

Während der Zeit der Französischen Revolution und der anschließenden Zeit des Kaisers Napoleon wurde das linksrheinische Deutschland von Frankreich annektiert, und die Grenzen aus der alten Feudalzeit wurden aufgelöst. Durch die neuen Grenzziehungen kam Ginsweiler nun als ein Ort der Mairie Odenbach zum Canton Lauterecken im Arrondissement Kaiserslautern und zugleich im Département Donnersberg. Nach den Siegen der vereinigten preußischen, russischen und österreichischen Truppen über Napoleon konnte Blücher in der Neujahrsnacht 1814 den Rhein überqueren, und die Franzosen zogen sich aus dem annektierten linksrheinischen Deutschland zurück. Ginsweiler kam 1817 zum bayerischen Rheinkreis im Königreich Bayern, gehörte fortan zur Bürgermeisterei Odenbach im Kanton Lauterecken und im Landkommissariat Kusel. Als nach dem Zweiten Weltkrieg das Bundesland Rheinland-Pfalz gegründet und die Pfalz von Bayern losgetrennt wurde, änderten sich die weiteren territorialen Zugehörigkeiten zunächst nicht. Erst durch die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1968 kam Ginsweiler zur neu gegründeten Verbandsgemeinde Lauterecken. 

 

0.8.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

SPD Zentr. KPD NSDAP Bauern
Reichstag 1928 14,4 40,7 5,9 10,1 6,8
Reichstag 1930 1,8 38,3 14,0 32,6 ---
Reichstag 1933 8,1 32,0 0,5 48,1 ---
SPD CDU FDP Grüne Linke
Landtag 2001 56,1 25,7 6,4 4,1 ---
Landtag 2006 54,8 32,7 3,6 2,4 2,4
Landtag 2011 48,2 29,3 0,6 7,3 3,7
Bundestag 2002 54,3 24,9 3,5 7,5 ---
Bundestag 2005 50,0 26,1 5,7 2,3 7,4
Bundestag 2009 35,3 25,9 12,2 2,9 13,7
Bundestag 2013 40,5 29,7 4,4 4,4 5,7

0.9.Zeittafel

Römerzeit Römische Spolie im Naumburger Hof. Fund eines Reliefs
Frühes Mittelalter Ginsweiler liegt im Nahegau
1127 Ginsweiler in der Grafschaft Veldenz
1379 Ersterwähnung des Ortes. Ritter Mohr von Sötern bestätigt die ihm durch Graf Friedrich II. von Veldenz gewährten Rechte. Diese Rechte besaßen zuvor die Herren von Odenbach und gingen später an die Herren von Ellenbach (Kellenbach) über
1444 Ginsweiler in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken
1537 Einführung der Reformation
1588 Einführung des reformierten Glaubens nach Calvin
1609 In Ginsweiler leben 6 Familien
1656 Nur noch fünf Familien in Ginsweiler
1748 Bau eines kleinen Schulhauses für reformierte Schüler
1801 Ginsweiler in der Französischen Republik
1817 Ginsweiler im Königreich Bayern
1864 Bau eines Schulhauses mit zwei Klassen für evangelische und katholische Schüler
1929 Umbau des Schulhauses von 1864 und Neubau von Lehrerdienstwohnungen
1946 Ginsweiler im Bundesland Rheinland-Pfalz
1972 Ginsweiler Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Lauterecken

0.10.Religiöse Verhältnisse

Seit dem frühen Mittelalter gehörte der Ort zum Glankapitel und war eine Filialgemeinde der Kirche von Medard. Nach der Einführung der Reformation in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken um 1537 mussten sich alle Bewohner des Ortes dem Glauben nach Martin Luther anschließen. In gleicher Weise erfolgte 1588 durch landesherrliche Verfügung der Übertritt zur reformierten Konfession von Johannes Calvin. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg war es der Bevölkerung wieder erlaubt, auch den katholischen Glauben oder wieder die Konfession von Martin Luther anzunehmen. Durch Zuwanderungen im entvölkerten Gebiet und durch Förderung des Katholizismus durch die Franzosen während der Eroberungskriege Ludwigs XIV. wuchs der Anteil katholischer Christen in den  Dörfern. Wir nehmen somit an, dass sich während der Eroberungskriege Ludwigs XIV. in Ginsweiler römisch katholische Christen niederließen. Ein anderer Grund dafür, dass während dieser Zeit der katholische Anteil an der Bevölkerung beträchtlich anwuchs, war wohl die Missionstätigkeit des Franziskanerkonvents, der sich damals in der Stadt Meisenheim niedergelassen hatte. Von der Möglichkeit, sich wieder dem lutherischen Glauben zuzuwenden, wurde wenig Gebrauch gemacht. Zudem vereinigten sich 1818 Lutheraner und Reformierte in der Pfälzischen Protestantischen Union. 1719 lebten im Dorf 21 röm. kath. Christen, 38 Reformierte und 5 Lutheraner. Von den 225 Einwohnern des Jahres 1825 waren 122 römisch-katholisch und 81 evangelisch. Unter den evangelischen Einwohnern während des 19. Jahrhunderts wurden stets auch Mennoniten mitgezählt, (1802 - 8, 1867- 17). Im Jahr 1961 waren wieder die Protestanten in der Überzahl (161 röm. kath., 215 evang.). Eine eigene Kirche gab es in Ginsweiler nicht. Die evangelischen Christen gehören zur Pfarrei Odenbach, die katholischen gehörten ursprünglich zur Pfarrei Reipoltskirchen, gehören seit 1975 zur Pfarrei Lauterecken. 

0.11.Bewohner

Das Dorf blieb bis heute ländlich strukturiert. Der große Teil der Bevölkerung arbeitete bis nach dem Zweiten Weltkrieg in der Landwirtschaft. Daneben gab es Handwerker vor Ort. Die Landwirtschaft beschäftigt heute nur noch wenige Menschen. Die meisten Erwerbstätigen sind gezwungen, auswärts dem Broterwerb nachzugehen, und der Ort erweist sich so als ländliche Wohngemeinde. Das Dorf war im ausgehenden Mittelalter sehr klein, konnte bis zum Dreißigjährigen Krieg allenfalls als eine Ansammlung mehrerer Bauernhöfe angesehen werden. Die Zahl dieser Höfe verminderte sich während des lang fortdauernden Krieges mindestens um die Hälfte. Ein starkes Anwachsen der Bevölkerungszahlen kennzeichnete die Zeit des 18. Jahrhunderts und kann nur durch Zuwanderungen erklärt werden, die anfangs wahrscheinlich auf französische Peuplierungsmaßnahmen (Ansiedlungen) zurück geführt werden. Auch im 19. Jahrhundert und im frühen 20. Jahrhundert setzte sich das Wachstum fort und erreichte 1905 mit 404 Einwohnern einen ersten Höhepunkt. Zwischen den beiden Weltkriegen kam es zu einer Stagnation auf einem etwas niedrigeren Niveau, stieg aber, bedingt durch den Zustrom von Heimatvertriebenen aus dem Osten, nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an. So ist für das Jahr 1950 mit 441 Einwohnern ein absoluter Höhepunkt festzustellen. Nach einem relativ starken Abfall um 1970 stellten sich leichte Wellenbewegungen im beständigen auf und ab ein. Eine Überalterung der Bevölkerung zeigt sich in Ginsweiler nicht so deutlich wie in vielen Orten ähnlicher Größe im Kreises Kusel.

Das Herz des Dorfes

0.12.Einwohnerzahlen

1609 1656 1674 1719 1790 1801 1835 1905 1939 1945 1961 1980 1999 2010
32 12 20 64 112 179 295 404 390 224 378 355 369 337

0.13.Schulen, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schulen

Nach der Reformation waren die Pfalzgrafen von Zweibrücken bestrebt, das Schulwesen in ihrem Fürstentum zu fördern, vorrangig mit dem Ziel den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich selbst mit der Bibel auseinander zu setzen. Zunächst wurden die Kinder vom Pfarrer unterrichtet. Da Ginsweiler damals zur Pfarrei Medard gehörte, konnten die Kinder des Dorfes den Unterricht in Medard zu besuchen, so dieser wirklich stattfand. Die Anfänge erlitten vor allem durch den 30-jährigen Krieg gehörige Rückschläge, und während des 18. Jahrhunderts musste sich das Schulwesen neu entwickeln. In Ginsweiler bestand während des 18. Jahrhunderts lediglich eine Winterschule, und der Lehrer unterrichtete nicht in einem regulären Schulhaus. Namentlich wurde für das Jahr 1728 zum ersten Mal ein Lehrer erwähnt, Johann Martin Grünewald, der sowohl reformierte als auch lutherische Kinder unterrichten durfte. 1749 wollte die Regierung in Zweibrücken Mittel (aus frühen Beischlafgeldern) zum Bau eines katholischen Schulhauses zur Verfügung stellen. (Kramer I, S. 104) Es bestand aber von der Mitte des 18. Jahrhunderts an nur ein sehr kleines Gebäude, in dem lediglich reformierte und lutherische Kinder unterrichtet wurden. Ein Lehrer, über den genauere Nachrichten vorliegen, war Johann Philipp Stoltz. Als Seminarist verdiente er sich in den Winterhalbjahren von 1757 bis 1760 seine Sporen als Pädagoge, anschließend noch vier Winter lang in Cronenberg. Dann konnte er endlich seine Lehrerprüfung ablegen. Dabei musste er schwierige Rechenaufgaben lösen, die auch heutigen Lehrern Kopfzerbrechen bereiten würden. (Kramer I, S. 1151 ff.) Um 1760 wurde Ginsweiler der Pfarrei Odenbach angeschlossen, und der Pfarrer von Odenbach hatte nun in seiner Eigenschaft als örtlicher Schulinspektor die Hauptschule (d. h. ganzjährige Schule) in Odenbach und die Winterschulen in Ginsweiler und Cronenberg zu beaufsichtigen. Der Lehrer erhielt damals für seine halbjährige Tätigkeit im Winter vier Faß und zwei Sester Korn (Roggen) und an Geld einen Gulden, 13 Batzen und 9 Pfennige. Da in Ginsweiler damals wieder viele katholische Einwohner lebten, hätte die Gemeinde mindestens zwei Lehrer einstellen müssen, was sie finanziell nicht verkraften konnte. Es wurde von der Regierung deshalb erlaubt, dass ein Lehrer mit Einverständnis der Bevölkerung auch Kinder unterrichten durfte, die nicht zu seiner eigenen Konfession gehörten. Aber das funktionierte offensichtlich nicht, denn in einem Bericht von 1791 heißt es, Ginsweiler sei das "schwächste Schulinstitut" in der ganzen Pfarrei. Der größte Anteil der Kinder sei katholisch gewesen, und die katholischen Kinder hätten nach Reipoltskirchen zur Schule gehen müssen. Die reformierten und lutherischen Kinder hätten oft in Adenbach oder in Cronenberg die Schule besucht, wenn die Winterschule wegen fehlender Mittel ausgefallen sei. An den bestehenden Verhältnissen änderte sich auch später in der bayerischen Zeit zunächst nicht viel. Die Lehrer, die nun am Ort unterrichteten, sind alle namentlich bekannt. 

Obwohl die Kinderzahlen anstiegen, gab es in dem Ort lediglich das winzige Schulhaus aus dem 18. Jahrhundert für die protestantischen Schüler, die katholischen mussten nach wie vor die Schule in Reipoltskirchen besuchen, wo für jede Konfession jeweils ein Schulsaal zur Verfügung stand. Erst 1864 entstand in Ginsweiler ein Schulhaus, in dem die Schüler beider Konfessionen unterrichtet wurden. Dennoch war damit das Problem der Konfessionsschulen nicht gelöst, denn auch später mussten wieder die katholischen Kinder die Schule in Reipoltskirchen aufsuchen, und es wurde der Bau einer "Sprengelschule" in Ginsweiler für alle katholischen Schüler aus den Dörfern Ginsweiler, Adenbach, Becherbach und Cronenberg gefordert. Diese Schule kam jedoch nicht zu Stande. Das Schulhaus in Ginsweiler wurde 1929 so umgestaltet, dass im Bereich der Lehrerwohnungen ein neuer Klassenraum entstand. Der bisherige kleine Klassenraum der katholischen Schule wurde in ein Lehrmittelzimmer umgewandelt. In einem  neuen  Doppelhaus wurden die zwei Dienstwohnungen für die Lehrer untergebracht. Den Streit darum, ob am Ort zwei Konfessionsschulen oder nur eine christliche Gemeinschaftsschule bestehen sollte, führten die Eltern der Schüler aus  Ginsweiler gelegentlich in heftigen Kontroversen, wobei es in den 20er Jahren zu Schulstreiks kam. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Konfessionsschule erneut eingeführt, die bis zum Jahr 1967 fortbestand. In der dann neu entstandenen Gemeinschaftsschule bestanden zunächst eine Klasse für Grundschüler und eine Klasse für Hauptschüler. Heute besuchen die Grundschüler die Schule in Odenbach und die Hauptschüler die entsprechende Schule in Lauterecken. Das Schulhaus wurde 1982 in ein Bürgerhaus umgewandelt. Nächstgelegene Gymnasien sind die von Lauterecken und von Meisenheim. 

0.13.2.Feste und Brauchtum

Die Kirmes wird am letzten Wochenende im Juni gefeiert, eine "Nachkerb" gab es bis vor wenigen Jahren am letzten Wochenende im September. Jetzt wurde statt dessen am zweiten Adventssonntag ein Weihnachtsmarkt eingeführt. Weiteres altes Brauchtum hat sich kaum erhalten.  

0.13.3.Vereine

Folgende Gruppierungen sorgen in Ginsweiler für ein  reges Vereinsleben: Sportverein-Cronenberg, Ortsgruppe des VDK, Landfrauenverein, Feuerwehrförderverein, SPD-Ortsverein, Theatergruppe, Vogelschutzgruppe, Mutter- und Kindergruppe, Seniorenkreis, DRK-Ortsgruppe, Bauern- und Winzerschaft.

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Allgemeinärzte können in Reipoltskirchen, in Lauterecken und in Meisenheim aufgesucht werden. In Lauterecken und in Meisenheim gibt es auch Apotheken. Im pflegerisch-sozialen Bereich ist die Ökumenische Sozialstation Lauterecken zuständig. Nächstgelegene Krankenhäuser sind die in Meisenheim und in Kusel. 

 

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Ursprünglich lebten die Menschen des Dorfes fast nur von der Landwirtschaft. Neben den üblichen Handwerksbetrieben gab es in früherer Zeit drei Mühlen. Zwei waren nach ihrer Lage am Bach als Untermühle und als Obermühle benannt. Die Untermühle wurde bereits 1570 erwähnt, und sie war in Betrieb bis 1979. Bei der Obermühle handelte es sich vornehmlich um eine Ölmühle. Sie wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und stellte 1954 den Betrieb ein. Für kürzere Zeit gab es auch eine "Pulvermühle", in der Salpeter fein gemahlen wurde. Diese Mühle wurde ebenfalls schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut, und sie stellte im frühen 18. Jahrhundert bereits ihren Betrieb ein. Weitere Erwerbsquellen waren im Bereich Ginsweiler die Sandsteinbrüche, die nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Unrentabilität ihren Betrieb einstellten.  Im späten 18. und im frühen 19. Jahrhundert zogen auch von Ginsweiler aus Wandermusikanten in die weite Welt. Im späten 19. Jahrhundert hatte sogar ein kleines Zirkusunternehmen im Ort sein Standquartier.  

Der Ort liegt an der Landesstraße L 382 (Odenbach - Kaiserslautern). Autobahnauffahrten liegen verhältnismäßig weit entfernt  (Kaiserslautern 30 km,  Kusel 35  km, Wörrstadt 45 km). Der frühere Bahnhof Odenbach lag nur 5 km weit entfernt. Heute ist im acht Kilometer weit entfernten Lauterecken die nächstgelegene Bahnstation.   

0.15.Persönlichkeiten

Lotte Mühlborn geb. Maurer (* 1877 in Ginsweiler † 1965 in Kaiserslautern)

Sie stammte von der oberen Mühle bei Ginsweiler und wurde als volkstümliche Dichterin bekannt. Mit einem Lehrer verheiratet lebte sie in Altrip und in Hirschhorn, verbrachte ihren Lebensabend in Kaiserslautern. Ihre Arbeiten - Gedichte und Erzählungen - erschienen in vielen regionalen Zeitschriften.

 

Weitzel, Wilhelm (*1863 in Kleinkarlbach † 1045 in Bad Dürkheim)

geb. 1883 in Kleinkarlbach, gest. 1945 , war von 1908 bis 1922 Lehrer in Ginsweiler, galt als beliebter Schulmann, beschäftigte sich nebenberuflich mit den Mikroorganismen. Über seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er verschiedene wissenschaftliche Arbeiten. Zusammen mit seiner Frau, einer Schriftstellerin, starb er am Ende des Zweiten Weltkrieges bei einem Luftangriff auf Bad Dürkheim. 

0.16.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Fuhrmann, Marliese: Lotte Mühlborn, die Schriftstellerin aus dem Odenbachtal, in:  Westrichkalender Kusel 2000, S. 89-92.
  • Kramer, Karl: Geschichte des Volksschulwesens im früheren Herzogtume Zweibrücken, 2. Teil, Kaiserslautern 1915.
  • Pöhlmann, Carl: Regesten der Lehensurkunden der Grafen von Veldenz, Speyer 1928.
  • Wendel, Alfred: Gemeinsame Chronik der Dörfer Adenbach und Ginsweiler im Odenbachtal, Adenbach und Ginsweiler 1996.