Rutsweiler an der Lauter in der Pfalz

Rutsweiler an der Lauter

0.1.Allgemeine Angaben

Dorf mit der berühmten Zweikirche

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Wolfstein

Einwohner (2005): 395

Einwohner (2007): 387

Einwohner (2010): 367

Gemarkung: 432 ha, davon 95 ha Wald und ca.13 ha Siedlungsfläche

0.2.Lage

Rutsweiler an der Lauter liegt im Lautertal nördlich von Wolfstein in etwa 200 Metern Höhe über NN auf dem linken Ufer der Lauter vor den Ausläufern des Königsbergs und des Selbergs. Noch innerhalb der Gemarkung steigen die Berge auf etwa 400 Meter Höhe an. Vom Selberg herab fließt der Kettenbach, der in der Ortslage von Rutsweiler in die Lauter mündet. Dem Ort gegenüber auf der rechten Lauterseite liegt Stahlhausen, ein Ortsteil von Wolfstein. Innerhalb der Gemarkung von Rutsweiler steht die Zweikirche, eine der bemerkenswertesten mittelalterlichen Dorfkirchen in der Westpfalz.

0.3.Siedlung und Wohnung

Der Kern des Dorfes liegt im Schnittbereich von Kettenbach und Bundesstraße 270. Die Besiedlung dehnte sich von hier aus fort, hauptsächlich entlang der Bundesstraße. Abzweigungen bestehen auch im Tal des Kettenbachs und an einer nördlichen Hanglage. Die Zweikirche steht nördlich der Ortslage westlich der Bundesstraße nahe der Gemarkungsgrenze nach Wolfstein hin. Die Kirche ist von dem Friedhof umgeben.

Die Zweikirche im Lautertal

0.4.Wüstungen

Noch bei Goswin Widder wurde 1788 der Standort der Zweikirche als ein eigenes Dorf bezeichnet, und es standen neben der Kirche weitere Gebäude. Es ist also anzunehmen, dass das ganze Mittelalter hindurch diese Kirche neben einem kleinen Dorf stand, das möglicherweise nur ein Pfarrhaus und einen einziger Gutshof mit Stallungen und Scheunen umfasste. Der Ortsname erscheint bereits 1250 als "Zvenkirchen" in einer Originalurkunde. Als eine zweite Wüstung im Bereich Rutsweiler ist ein früheres Dorf Allweiler anzusehen, das wohl schon sehr früh untergegangen ist. Die allgemeine Deutung des Namens Zweikirchen geht dahin, dass ursprünglich in Allweiler eine Kirche und im freien Feld als Mittelpunkt für weitere Dörfer eine zweite Kirche stand. Der Name Allweiler wird von Christmann als "Altweiler" gedeutet, in dem Sinn, dass es neben einem neuen Weiler (Rutsweiler) noch einen alten Weiler gab. Der Name Allweiler ist lange als Flurname erhalten geblieben. Das Dorf als solches erscheint nicht in den mittelalterlichen Urkunden. 

0.5.Name

Der Name setzt sich zusammen aus dem Grundwort Weiler und dem Rud oder Ruod, das auf einen Personennamen Ruod oder Ruodzo zurückzuführen ist. Rutsweiler war also ursprünglich der Weiler oder Gutshof eines Mannes mit Namen Rüod. Ältere Erwähnungen sind bekannt als "Rußwilre" (1303), Rutzweiler (1335), Ruzweiler (1788).  (Vgl. Dolch Greule 1991 S. 408/409) 

0.6.Wappen

Das Wappen von Rutsweiler an der Lauter zeigt auf schwarzem Grund ein goldenes Abbild der Zweikirche. Bei den Farben handelt es sich um die Wappenfarben der ehemaligen Kurpfalz. Das Wappen wurde 1985 durch die Bezirksregierung von Rheinhessen-Pfalz genehmigt.

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit

Wie aus archäologischen Funden zu ersehen ist, war die Umgebung des Ortes in vorgeschichtlicher Zeit und auch zur Römerzeit bewohnt. So wird ein vorgeschichtlicher Grabhügel erwähnt, der allerdings heute nicht mehr aufzufinden ist. Möglicherweise entstand die Zweikirche im Bereich einer gallo-römischen villa rustica. "Auf ein römisches Gebäude verweisen nicht nur freigelegte Fundamentreste, sondern auch zahllose, im bestehenden Bau vorhandene römische Spolien, darunter ein römischer Grabstein aus dem frühen 3. Jahrhundert." (Schmidt 1997 S. 8)

0.7.2.Mittelalter

Rutsweiler teilt weitgehend die Territorialgeschichte der benachbarten Stadt Wolfstein. Die Siedlung lag ursprünglich in dem freien Reichsland rings um Kaiserslautern und wurde etwa ab dem 14. Jahrhundert nacheinander an unterschiedliche Herrschaften verpfändet. 1350 war der Ort in der Treuhandschaft der Grafschaft Veldenz und des Erzstifts Trier, kam noch im 14. Jahrhundert als Reichspfandschaft an die Kurpfalz, wurde im ausgehenden Mittelalter weiter verpfändet an die Herrschaft Sickingen. Von Goswin Widder erfahren wir, dass das Dorf im ausgehenden Mittelalter dem Ritter Hans von Flörsheim zum Lehen gegeben war. (Widder 1788 Bd. IV S. 301)

0.7.3.Neuzeit

Bei der Kurpfalz blieb der Ort bis zum Ende der Feudalherrschaft im Zuge der Französischen Revolution. Die Kurpfalz verpfändete ihn vorübergehend (Mitte 16. Jhd.) weiter an die Grafschaft Sickingen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf zerstört. Durch die Kriegshandlungen wie auch durch die Pest starben viele Bewohner. Wir nehmen an, dass nach dem Dreißigjährigen Krieg eine Neubesiedlung einsetzte. Während der französischen Zeit von 1801 bis 1814 gehörte das Dorf zur Mairie Rothselberg und zum zum Canton Wolfstein des Arrondissements Kaiserslautern im Département Donnersberg mit der Hauptstadt Mainz. In der bayerischen Zeit ab 1816 gehörte das Dorf zu dem Bürgermeisteramt Rothselberg und zum Kanton Wolfstein, jetzt jedoch innerhalb des Landkommissariats Kusel, später Bezirksamt und Landkreis Kusel. Die Gemeinde gehörte im Königreich Bayern, auch innerhalb des späteren Landes Bayern und im Land Rheinland-Pfalz zur Bürgermeisterei Wolfstein. Diese wurde 1972 zur Verbandsgemeinde erweitert.

0.8.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

SPD KPD DVP/BVP NSDAP Bauern
Reichstag 1924 8,9 2,7 86,6 --- ---
Reichstag 1928 3,7 --- 75,7 17,8 0,9
Reichstag 1930 (Sept.) 6,7 1,1 7,9 60,6 15,7*
Reichstag 1933 (März) 2,3 --- --- 89,6 7,5**
*Landvolk
**Schwarz-Weiß-Rot
SPD CDU FDP Grüne Linke
Landtag 2001 51,4 20,5 8,5 5,6 ---
Landtag 2006 57,7 16,1 5,4 2,0 10,7
Landtag 2011 47,9 27,5 2,4 11,4 6,0
Bundestag 2002 50,5 29,2 9,9 4,5 ---
Bundestag 2005 41,3 26,1 12,5 3,3 9,2
Bundestag 2009 33,3 23,7 13,5 5,8 15,4
Bundestag 2013 35,0 30,7 3,1 4,3 15,3

0.9.Zeittafel

Frühgeschichte Hügelgrab in der Gemarkung
Römerzeit Funde im Bereich der Zweikirche
1303 Erste urkundliche Erwähnung des Ortes
14. Jhd. Mehrfache Verpfändung des Ortes
15. Jhd. Verpfändung an die Kurpfalz
1535 Reformation, Übertritt der Bevölkerung zur lutherischen Lehre
1635 Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg
18. Jhd. Rutsweiler im Gericht und Kirchspiel Rothselberg
1801-1814 Département Donnersberg, Arrondissement Kaiserslautern, Canton Wolfstein, Mairie Rothselberg
1817 Königreich Bayern, Landkommissariat (Bezirksamt, Landkreis) Kusel, Kanton Wolfstein
1946 Land Rheinland-Pfalz, Regierungsbezirk Pfalz
1973 Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz, Verbandsgemeinde Wolfstein

0.10.Religiöse Verhältnisse

Von der Reformationszeit her setzte sich im Ort die evangelische Konfession nach Luther durch, auch nach dem 30-jährigen Krieg, als allgemeine Religionsfreiheit gewährt wurde. Heute noch sind 95 Prozent der Bewohner Protestanten. Die evangelische Zweikirche außerhalb des Ortes stammt in ihrem Ursprung aus dem 11. Jahrhundert, weist aber auch Entwicklungsmerkmale aus späterer Zeit auf bis hin zur Spätgotik. Die reichhaltigen Gewölbemalereien stammen aus dem späten 15. Jahrhundert, wurden allerdings während des 20. Jahrhundert nicht immer sachgerecht restauriert.

Die Zweikirche: Unterschiedliche Stilepochen des Mittelalters und Wandmalereien

0.11.Bewohner

Das ursprünglich von Bauern bewohnte Dorf entwickelte sich inzwischen zu einer Wohngemeinde mit Möglichkeiten zur Entwicklung des Fremdenverkehrs. Schon im 18. Jahrhundert ergaben sich auch Möglichkeiten, in den Steinbrüchen und Bergwerken der Umgebung zu arbeiten. Das Wahlverhalten der Bewohner war in früheren Jahren durch stark konservative Einstellung gekennzeichnet. Heute ist eine verstärkte Zuwendung zur SPD zu verzeichnen. 

0.12.Entwicklung der Bevölkerungszahlen

1825 1835 1872 1905 1939 1961 2005
gesamt 237 237 306 318 321 298
katholisch 6 15
evang. 231 282
sonstige --- 1

0.13.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schule

Das Dorf besaß ein eigenes Schulhaus, heute besuchen die Grund- und Hauptschüler entsprechende Schulen in Wolfstein. Gymnasien sind in Wolfstein und in Kaiserslautern zu besuchen. 

0.13.2.Brauchtum

Das Dorf feiert seine Kirchweih am zweiten Wochenende im Oktober. Weiteres Brauchtum entspricht den Gepflogenheiten der Umgebung.

0.13.3.Vereine

Pfälzerwaldverein, Gemischter Chor, Karnevalverein, Taubenverein „Lautertal“, Krankenpflegeverein, SPD-Ortsverein, Landfrauenverein, Blau-Weiß

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Ärzte werden allgemein in Wolfstein aufgesucht, Spezialärzte auch in Kaiserslautern. Nächste Krankenhäuser sind die Westpfalzkliniken I und II in Kaiserslautern und in Kusel. Zuständig für Pflegefälle ist u. a. die Sozialstation Lauterecken – Wolfstein.  

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Die einst bedeutende Landwirtschaft spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Bewohner gehören zu den unterschiedlichsten Berufen und müssen in aller Regel zu ihrer Arbeit auspendeln. Rutsweiler liegt an der Bundesstraße B 270 und an der Bahnlinie Lauterecken-Kaiserslautern, auf der Züge im Stundentakt verkehren. Nächste Haltestelle erreichen erreichen die Fahrgäste im nahe gelegenen Rossbach, einem Vorort von Wolfstein.

0.15.Nachweise

Verfasser: Norbert Schick

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Matzenbacher, Hans: Wolfstein, kleine Stadt im Königsland, Weißenthurm 1975.
  • Rosenberger, Rudi und Schick, Norbert: Rutsweiler an der Lauter im Wandel der Zeit. 745 Jahre, eine kleine Ortschronik, Rutsweiler an der Lauter 2007.
  • Schmidt, Isolde: Die Zweikirche in Rutsweiler an der Lauter, Grabungsergebnisse und Baugeschichte, in: Westricher Heimatblätter Jg. 28 (1997), Sonderheft.