Finthen in Rheinhessen

Das alte Rathaus in Finthen (Poststraße 55) - von Ingo Schlösser

Altes Rathaus in Finthen im Jahr 1969.[Bild: Leo Eggers]
Altes Rathaus in Finthen im Jahr 2002.[Bild: Ingo Schlösser]

Das Entstehungsdatum des Gebäudes ist nicht bekannt. Im Kern stammt es aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg. In diesem stark beschädigt wurde es danach im Stil der Zeit als doppelgeschoßiges, traufständiges Geäude mit Krüppelwalmdach und Dachreiter mit Glocke neu errichtet. Im Erdgeschoß befand sich eine offene Bogenhalle, in der Gericht gehalten wurde, im Obergeschoß befand sich der Ratssaal. Das Gebäude war ursprünglich größer, das ist an den seitlichen Pfeilern und deren unterschiedlichen Mauerstärken noch gut erkennbar. Der Dachreiter verschwand wahrscheinlich 1806 im Zuge einer Renovierung. 1854 wurden die Bogen zugemauert. Die entstandenen Räume dienten als Spritzenhaus und Männerwohnheim. Ab1899 diente das gesamte Gebäude als Bürgermeisterei der Gemeinde Finthen, bis 1927 ein anderes Objekt in der Poststraße 69 bezogen wurde. Bis in die 50er Jahre wurde der ehemalige Ratssaal als Schulraum genutzt. Das Gebäude verfiel und sollte 1969 abgerissen werden um einem Parkplatz Platz zu machen. Die Eheleute Eggers kauften das Haus und sanierten es von Grund auf. Die Bogen wurden wieder geöffnet und damit das ursprüngliche Aussehen hergestellt. Der Baubefund ergab, dass die Wand zur Poststraße nicht im Verbund mit den Seitenwänden gemauert worden war, was im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Hauses nach dem 30jährigen Krieg und dem ursprünglich größeren Ausmaßen des Gebäudes zu sehen ist. Der zum Alten Rathaus gehörende Hof wurde 1969 überbaut und dient mit dem alten Ratssaal seit 1970 als Sparkasse.  Bei dem Gebäude links (Kirchgasse 2), handelt es sich um das Alte Schulhaus das um 1780 als erste Finther Schule errichtet wurde und bis in die 50er Jahre genutzt wurde. Im 1. Weltkrieg waren russische Gefangene dort untergebracht. Im Volksmund ist das Haus deshalb auch heute noch als „Russehaus“ bekannt. Es wurde ebenfalls 1969 durch die Familie Eggers saniert und beherbergt heute eine Kinderarztpraxis.

Nachweise

Verfasser: Ingo Schlösser

Redaktionelle Bearbeitung: Ann-Kathrin Zehender

Verwendete Literatur:

  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2. Aufl. München 1985.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 2.3: Stadt Mainz. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 1997.

Aktualisiert am: 17.06.2014