Görgeshausen im Westerwald

.1.Görgeshausener Schlagzeilen

.1.1.Unwetter 1840

Am 16. Juni 1840, mittags gegen 15 Uhr, zogen von Nordwest schwarze Gewitterwolken heran. In einem fürchterlichen Gewitter gingen Hagelkörner, teilweise so dick wie ein Hühnerei nieder, und zerstörten fast das gesamte Korn, schlugen das Obst von den Bäumen und zerhackten das Gemüse auf den Beeten.[Anm. 1]

.1.2.Teuerung 1854

Laut der Schulchronik, begann Anfang des Jahres 1854 eine große Teuerung »und rief einen Nothstand hervor, der seinen traurigen Einfluß auch auf die Schulen ausübte, zumal es dahier an unterrichtenden Erwerbstätigen fehlt; denn wo der Mensch zu sehr für die Nothdurft der Leiber besorgt sein muß und bei aller Sorge und Mühe dennoch der Mangel drückt, erlahmen die Flügel des Geistes und sinkt der sonstige Muth.«

.1.3.Trockenheit 1857-1859

Aus der Schulchronik: »Eine mit den Sommermonaten 1857 einsetzende Trockenheit währte das ganze Jahr 1858 und den Winter 1858/59. Es herrschte deswegen ein drückender Futtermangel, welcher sehr viel Rindvieh abzuschaffen nötigte. Das Rindfleisch kostete mitunter kaum 6-8 Gulden. Das Futter war sehr teuer, der Zentner Heu wurde häufig mit 4-5 Gulden bezahlt. Die Fruchtpreise waren so verteilt: Weizen 11 Gulden, Korn 9 Gulden, Gerste 6 Gulden 30, Hafer 3 Gulden 30. Ausgezeichnet waren Kartoffeln und Obst geraten, ersteres ganz gesund und von der mit 1845 anfangenden Krankheit [Kartoffelfäule?] war kaum noch eine Spur da. Die Trockenheit dauert auch im Sommer 1859 fort. Der Winter fing früh und streng an, Anfang September fiel sehr tiefer Schnee. Die Kartoffeln waren wohl in der Menge geraten, faulten aber gleich im Herbst stark. Die Fruchtpreise während der Ernte und zu Anfang Herbst waren mittelmäßig, Weizen 8 Gulden 30, Korn 6 Gulden, Gerste 4 Gulden 30, steigen noch im Winter auf Weizen 12, Korn 9, Gerste 7 Gulden

.1.4.Mord am Flurschützen Krämer (1862)

Flurschütze Jakob Krämer wurde beim Versuch, Wilddiebe in der Gemarkung zu stellen und ihre Identität festzustellen, von einem der Verdächtigen ins Bein geschossen. Er erlag seinen Verletzungen am 21. März 1862. Der Mörder wurde gefasst und zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt.[Anm. 2]

.2.Scheunenbrand (1868

An einem heißen Julitag des Jahres 1868 brannte eine Scheune an der Straße nach Nentershausen ab. Das Feuer war durch Blitzschlag entstanden.[Anm. 3]

.2.1.Nächtlicher Überfall (1879)

Eintrag in der Schulchronik: »Von einem hiesigen Einwohner, Chr. N., ließ ich [Lehrer Trum] mich bereden, ihm eine Schuld von 60 Mark an der Gemeindekasse zu tilgen, wogegen er mir seine Kuh verpfändete. Als ich später zu meinem Geld kom(m)en wollte, entstand der große Streit und Feindschaft. N. drohte mich zu erstechen und paßte mir überall auf. Eines Nachts ertappte er jemand und glaubend, es sei meine Persönlichkeit, schlug er wuchtig drauf. Der Angegriffene war jedoch ein anderer, Jak. Klein, Schuhmacher, dieser erhob Klage und N. spazierte ein halbes Jahr in Nr. Sicher nach Limburg.«

.2.2.Hoher Besuch (1900)

Am 29. September 1900 besuchte Bischof Dominicus die Görgeshausener Kapelle. Er hielt in Niedererbach eine hl. Firmung ab und kam dann mit dem Wagen nach Görgeshausen. Er wurde am Dorfeingang mit einer Ansprache eines Schulmädchens empfangen und in einer Prozession zur Kapelle geleitet. Dort wurde er von Lehrer Josef Bender im Namen der Gemeinde begrüßt. In der voll besetzten Kapelle hielt der Bischof eine längere Ansprache und segnete anschließend die Gemeinde mit seinem bischöflichen Segen.

.2.3.Automobilrennen (1910)

Am 8. Juni 1910 fand ein Automobilrennen statt, von welchem auch Görgeshausen berührt wurde. An erster Stelle fuhr Prinz Heinrich durch das mit Ehrenpforten geschmückte Dorf. Das erste Görgeshausener Privatauto kam um 1920 ins Dorf.

Der Streit um den Löwenstein (1981)

Nach einem Beschluss des Gemeinderates Görgeshausen wurde der aus dem Jahr 1492 stammende »Löwenstein« im Jahr 1981 aus dem Wald, wo er über 500 Jahre gestanden hatte, in das neu entstandene Dorfgemeinschaftshaus versetzt. Mit der Verfrachtung des Löwensteins in die Löwensteinhalle wollten sich Heistenbacher Bürger nicht abfinden. In einem von Albert Wilhelm, Walter Rücker, Paul Becker, Bertold Gasteier, Willi Baumann und Günter Melinat unterzeichnetem Schreiben wurde mitgeteilt, dass gegen Bürgermeister Dieter Herz Strafanzeige erstattet worden sei, da er die Wegnahme nicht verhindert, wahrscheinlich sogar gefördert habe. Bei dem »Beutestück« handele es sich nämlich um einen unter Denkmalschutz stehenden Gemarkungsstein an der Grenze zwischen Görgeshausen und bach. Man forderte, den Löwenstein unverzüglich an seinem alten Platz wieder aufzustellen und zu sichern. Der Löwenstein habe - so fuhren die Heistenbacher fort - der Gemarkung ihren Namen gegeben. In der Nähe entspringe der Heistenbach, der Distrikt »Scheuernwiesen« erinnere an das im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) untergegangene Dorf Scheuern. Beim Löwenstein stehe ferner die »Signaleiche«, die aus der gleiche Zeit stamme und als Standort des Wachtpostens gedient habe. Die Empörung der Heistenbacher war gewaltig. Es kam zu einer Verhandlung vor dem Landgericht Koblenz. Das Verfahren endete aber mit einem Freispruch. Der Löwenstein steht heute noch in der Eingangshalle des Dorfgemeinschaftshauses. Am ehemaligen Standort wurde eine Nachbildung aufgestellt[Anm. 4]

Der verschwundene Grenzstein (1992)

Im Sommer 1992 verschwand ein Grenzstein an der Gemarkungsgrenze zwischen Görgeshausen und Altendiez, tauchte wenige Tage nach der Berichterstattung in der Rhein-Lahn-Zeitung jedoch wieder auf. Die Diebe hatten ihn zurückgebracht.[Anm. 5]

Brand in der alten Mühle (2017)

Die alte Mühle aus des dem 16. Jahrhundert zwischen Görgeshausen und Hambach wurde am Morgen des 15. April 2017 ein Opfer der Flammen. Über 150 Einsatzkräfte der umliegenden Feuerwehren waren über mehrere Stunden im Einsatz

Verfasser: Stefan Grathoff

Veröffentlicht am: 01.06.2017

Verwendete Literatur:

Siehe das Verzeichnis: Quellen und Literatur

Anmerkungen:

  1. Schulchronik zum Jahr 1840. Zurück
  2. Schulchronik. Zurück
  3. Schulchronik. Zurück
  4. Rhein-Lahn-Zeitung Nr. 13 vom 16.1.1996. Zurück
  5. Rhein-Lahn-Zeitung Nr.13 vom 16.1.1996. Zurück