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Kriegsautoren:

  • VegetiusVitruvius
  • Flav. Veg. Renatus
  • M. Vit. PolloPhilon v. Byzanz
  • Heron von Alexandria
  • Appolodorus v. Damskus

Belagerungsmaschinen (schweres Belagerungsgerät)

Die ausgefeilte Belagerungstechnik der Antike war nach dem Untergang des Römischen Reiches Ende des 5. Jahrhunderts (476) weitgehend in Vergessenheit geraten.

Während nach dem Untergang des Römischen Imperiums das "Gewußt-Wie" der antiken Technologie im byzantinischen Reich fortbestand und sogar noch weiter entwickelt wurde, verhinderten die Wirren der Völkerwanderung in Mitteleuropa eine vergleichbare Weitergabe dieser Kenntnisse. Die Entwicklung stagnierte, d.h. die germanischen Völker übernahmen nur die einfachen Waffenformen, da sie eine andere Kampfweise hatten. Die Kenntnisse und Fertigkeiten zur Herstellung der römischen Belagerungswaffen wurden nicht benötigt und waren bis ins deutsche Hochmittelalter weitgehend vergessen.

Vegetius, Vitruvius u.a.

Die Kenntnisse gingen jedoch nicht gänzlich verloren. Im französischen Raum, wo der römische Einfluss groß war, griffen die Burgbelagerer im 9. und 10.Jahrhundert noch auf die Lehrbücher eines Vegetius und Vitruvius zurück und bauten das darin beschriebene Kriegsgerät nach.

Das Hauptwerk des Flavus Vegetius Renatus, die "Epitoma rei militaris" (Auszug aus dem Kriegswesen) entstand zur Zeit des Römischen Kaisers Theodosius d. Gr. (379-395). Das Werk wurde vielfach abgeschrieben und im Jahr 450 von Flavius Eutropius aus Konstantinopel ergänzt. Karl der Große ließ die "Epitoma rei militaris" übersetzen, doch machte man im fränkischen Heer keinen Gebrauch von den dort beschriebenen Kriegsgeräten.

M. Vitruvius Pollo lebte zur Zeit Caesars (100 - 44 v.Chr.) und Augustus' (63 v.Chr. - 14 n.Chr.). Berühmt geworden ist das 10. Buch seines Hauptwerks "De architectura libri X ad Caesarem Augustum" (10 Bücher zur Architektur in der Zeit Kaiser Augustus'). Vitruv war schon unter Caesar Kriegsingenieur und leitete die Werkstätten zur Herstellung von Kriegsgerät. Sein Buch enthält Beschreibungen aller entsprechenden Maschinen und Werkzeuge. Eine deutsche Übersetzung seines Werkes wurde 1548 von Rivius (Ryff) in Würzburg herausgegeben.

Die Schriften der antiken Kriegsautoren wurden in Mitteleuropa bis ins Hochmittelalter allenfalls von einigen Mönchen gelesen, in deren Bibliotheken sie die Zeiten überdauert haben.

Gemeint sind etwa Philon von Byzanz (3. Jh. v. Chr.), Heron von Alexandria (1. Jh. n. Chr.), Apollodorus von Damaskus (1.-2. Jh. n. Chr.), Biton, Archimedes (um 285-212 v.Chr.), Aeneas Tycitus, Aelian, Athenaeus, Apollodrus von Damaskus und Ammianus Marcellinus, der sog. Anonymus.

Die Kreuzzüge (1096-1291) brachten für die Kunst von Angriff und Verteidigung eine Wende. Die abendländischen Kreuzfahrer hatten bei den häufigen und langen Belagerungen hinlänglich Gelegenheit, die orientalischen, byzantinischen, venezianischen, genuesischen und vor allem armenischen Kriegsgewohnheiten zu studieren. Am erfolgreichsten nutzten die "Profis" des mittelalterlichen Kriegswesens, die Ritterorden der Templer, Johanniter und Deutschherren, die gewonnenen Kenntnisse. Seit dem 11. Jahrhundert taucht in zahlreichen schriftlichen Quellen eine Vielzahl verschiedener Kriegsmaschinen auf: Sturmleitern, Katzen, Rammböcke, Belagerungstürme, Ballisten und Wurfmaschinen.

Kyeser und Mittelalterliches Hausbuch

Die in den antiken Werken aufgezeichneten Anweisungen und Beschreibungen zur erfolgreichen Kriegführung wurden wieder entdeckt und in einer Reihe von Bilderhandschriften für breitere Kreise zugänglich gemacht. Zu den bemerkenswerten Handschriften gehören etwa Konrad Kyesers "Bellifortis" und das "Mittelalterliche Hausbuch" des Grafenhauses Waldburg-Wolfegg.

Konrad "Kyeser, wohl ein studierter Mediziner, bewährte sich in Kriegs- und diplomatischen Diensten als Gefolgsmann Herzog Stephans III., des Kneissel, von Bayern-Ingolstadt in Italien. Die Teilnahme an der Schlacht von Nikopolis am 28. September 1396, in der das Christenheer von den Türken vernichtend geschlagen wurde, geriet ihm zum traurigen Schicksal. Unter dem Vorwurf feiger Flucht - die er stets bestritt - wurde er nach Böhmen verbannt. Diesen Zwangsaufenthalt benutzte er, um von 1402 bis 1405 sein Werk "Bellifortis" abzufassen und mit Illustrationen versehen zu lassen. Diese Handschrift ist nicht nur der mitgeteilten kriegstechnischen Anweisungen und Mittel wegen von Bedeutung, sondern vor allem deshalb, weil der Text in einer Mischung von Wissenschaft, technischer Präzision, von Aberglauben, Zauberei und Mystizismus als Spiegel des Geistes und Ungeistes jener Zeit gelten kann. Das Inhaltsverzeichnis erfasst u.a. folgende Kapitel: Planetenbilder, Angriffswaffen für den Festungskrieg, Wassertechnik, Steiggeräte, Werfkunst - Armbrüste - Wurfmaschinen, friedliche Verwendung des Feuers - Zauberrezepte, kriegerische Verwendung des Feuers - Raketen - fliegende Drachen - Pulvergeschütze - chemische Rezepte, Bäder, Hausmittel usw." (Aus: Werner Meyer, Deutsche Burgen S.204)

"Das "Mittelalterliche Hausbuch", ein im 19. Jahrhundert eingeführter Name für ein erweitertes Büchsenmeisterbuch, ist nur bedingt mittelalterlich und kann kaum als Hausbuch gelten. Zunächst wohl als Sammlung von zwischen 1460 und 1480 entstandenen Einzelblättern im Besitz des Meisters, kam das Buch im 16. Jahrhundert an die Familie Hof; im 17. Jahrhundert erwarb es der Reichserztruchseß Maximilian von Waldburg für seine Bibliothek. Inhaltlich hat das Buch mit "Bellifortis" viel gemein, so die Planetenbilder, die medizinischen und alchimistischen Rezepte, Badesitten und vor allem auch die Darstellung der Kriegsmaschinen und Geschütze. Das Bild des höfischen Lebens im 15. Jahrhundert, das hier vor dem Leser entrollt wird, ist nicht bestimmt vom heldischen Geist, vom Wesen der hohen Minne oder asketischem Ritterdienst. Es stellt vielmehr das schillernde, erotische, auch unbekümmert grausame Treiben der sich vom finsteren Mittelalter befreienden Renaissance dar." (Aus: Werner Meyer, Deutsche Burgen S.204)

Als Johannes Gutenberg (um 1390 - 1468) den Buchdruck mit gegossenen beweglichen Lettern erfand, konnte man die antiken Handschriften in Übersetzungen vervielfältigen und verbreiten.

"Die erste deutsche Übersetzung des Vegez durch Ludwig Hohenwang von Thal Elchingen, dem Grafen von Laufen gewidmet, erschien 1475 unter dem Titel "Des durchleichtigen, wolgebornen Grauen Flavii Vegecii Renati kurcze red von der Ritterschafft zu dem großmechtigsten Kaiser Theodosio, seiner biecher vierer" in Ulm im Druck. 36 Jahre später erfolgte eine Neubearbeitung durch Hans Knappen, Kaiser Maximilian gewidmet. Ein Nachdruck 1529 von Stamer, Augsburg, erhielt einen Zusatz "von Büchsen geschoß, Pulver, Fewrwerk. Wie man sich darmit aus einer Stadt, Feste oder Schloß so von Feynden belägert wär, erretten, auch sich der Feind damit erwören möchte."(Aus: Werner Meyer, Deutsche Burgen S.204)

Wurf- und Schussmaschinen in Deutschland

Kenntnisse darüber, welche Belagerungsmaschinen in Deutschland benutzt wurden, vermitteln zum einen die zeitgenössischen bildlichen Darstellungen, zum anderen die schriftlichen Schilderungen der verschiedenen Chroniken. Aus den Bildern lassen sich die grundlegende Form und Funktionsweise der meisten Maschinen erkennen, während die Schriftquellen nur grob auf Aussehen und Verwendung dieser Waffen eingehen.

In den mittelalterlichen Quellen kursieren eine Vielzahl von Bezeichnungen für Kriegsmaschinen. Von einigen weiß man noch nicht einmal, wie sie ausgesehen haben. Andere, aus der Antike bekannte Maschinen haben ihr Aussehen im Mittelalter verändert. Verwirrung entsteht auch, weil gleich aussehende Apparate verschiedene Namen tragen oder umgekehrt dieselbe Bezeichnung verschiedenen Maschinen zugeordnet wird.

Aus den Quellen lassen sich grundsätzlich vier Arten von Schuß und Wurfmaschinen erkennen, die innerhalb derselben Gruppe aufgrund verschiedener Entstehungszeiten und -orte nicht immer genau baugleich waren:

Wurfmaschinen mit Gegengewicht

Wurfmaschinen mit Knebelkraft

Wurfmaschinen mit Sehnenantrieb

Wurfmaschinen mit Federantrieb

Aegidius Romanus liefert im 18. Kapitel seines Buches De regimine principum libri tres von 1280 eine Beschreibung der Wurfgeschütze. Ihm zufolge gibt es vier Arten von Wurfmaschinen mit Gegengewicht, die als Steinschleuder fungierten: "Ersteres, wenn ein Kasten mit Sand, Steinen, Blei oder anderen schweren Körpern unverrückbar mit dem kurzen Arm des Hebels verbunden ist. Diese Maschine, von den Alten trabucium (Tribok)genannt, wirft am genauesten, weil das Gegengewicht stets gleichförmig wirkt. Die zweite, von den Römern biffa (Blide) genannte Maschine mit einem beweglich an dem Hebel hängenden Gewicht, wirft stärker und weiter, aber nicht so genau und gleichmäßig. Eine dritte Maschine, tripantium geheißen, hat beide Arten des Gegengewichtes zugleich und wirft deshalb sowohl genau als weit. Eine vierte Gattung hat kein Gegengewicht, sondern wird durch Menschen an Stricken gezogen. Dieselbe wirft nicht so große Steine als die anderen, aber man kann sie in kürzerer Zeit schießbar machen und deshalb oft mit ihr werfen (Petraria)".

In den Urkunden und Chroniken tauchen einige Wurfmaschinen auf, von denen keine näheren Einzelheiten bekannt sind. So soll König Heinrich VII. (1308-1313) in Italien sog. Schlinger benutzt haben. Bei der Belagerung von Akkon 1189 setzten die Kreuzfahrer u.a. auch eine "Kocke" und eine sog. Ribolde, wohl eine Karrenarmbrust [Ballisten mit Bogenspannung - Standarmbrüste] ein. Andere Maschinen, von denen man so gut wie nichts weiß, trugen Namen wie Tummler, Swengel, Biblia, Troja, Schneller (=Rutte?), Matafunden usw.

Wurfmaschinen mit Gegengewicht

Seit Anfang des 13. Jahrhunderts sind mehrere Arten von Wurfmaschinen mit Gegengewicht nachgewiesen, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionierten.

Eine lange Rute war durch eine Drehachse in zwei unterschiedlich lange Stücke geteilt.

Der Hauptbalken der Wurfgeschütze war ein bis zu 25 Meter langer Baumstamm, der mit eisernen Bolzen und Klammern zusammengehalten wurde. Eine Vorschrift vom Anfang des 14. Jahrhunderts fordert für die Rute eine Länge von 30 Fuß, wovon 25 Fuß auf den langen Hebelarm fallen sollten. Um die Spannkraft des Holzes zu steigern und angesichts der Beanspruchung einen Bruch des Holzes zu vermeiden, wurde die Rute in ihrer gesamten Länge mit einem mittelstarken Tau umwickelt. Die Durchbohrung für die eiserne Drehachse war ebenso wie die Achslager im Geschützgestell mit Eisen gefüttert.

Am längeren Rutenteil war das Geschoss befestigt, am kürzeren Ende der Rute setzte auf unterschiedliche Weise der Antrieb zum Wurf an. Die bekanntesten Maschinen, die nach diesem Prinzip funktionierten, waren der Tribok und die Blide.

Tribok

Der Tribok (franz. Trébuchet, ital. Trabocco) wurde zum ersten Mal in Deutschland im Jahr 1212 von den Truppen Kaiser Ottos IV. (1250-1254) eingesetzt. Das "teuflische" Werkzeug, wie es von den Zeitgenossen genannt wurde, bedeutete eine entscheidende Wende in der mittelalterlichen Kriegführung. Das Auftauchen dieser Waffe rief bei den zeitgenössischen Chronisten Bewunderung und Respekt hervor, weil man nun in der Lage war, auch dicke Burgmauern zum Einsturz zu bringen.

Der Tribok bestand aus zwei senkrechten Ständerbalken, durch die waagerecht eine eiserne Stange als Drehachse führte. Daran befestigt konnte ein Schleuderarm schwingen, der durch die Drehachse in zwei unterschiedlich lange Abschnitte geteilt war. Am kurzen Arm war ein mit Steinen gefüllter Holzkasten befestigt, am Ende des langen Hebelarms befand sich entweder eine löffelförmige Schale oder eine Seilschlinge, die für das Wurfgeschoß vorgesehen waren. Der lange Arm, der in Ruhestellung senkrecht nach oben stand, wurde mittels Welle, Rad und/oder Muskelkraft nieder gezogen und arretiert. Dadurch wurde das Gegengewicht nach oben befördert und setzte das System unter Spannung. Das Wurfgeschoß wurde eingelegt, die Maschine ausgerichtet und der Geschützmeister löste die Sperre.

Die Schleuder verfügt über einen Unterspanner, der an verschiedenen Ösen an der Schlinge befestigt werden kann. Mit dem Unterspanner konnte man die Schussbahn bestimmen. Je weiter oben an der Rute er eingehakt war, desto horizontaler verlief die Schussbahn. Das Wurfgeschoß wurde in die Schlinge gelegt. Die mit dem Wurfgeschoß geladene Schlinge ruhte vor dem Abschuss in einer Holzrinne am Boden des Tribok. Indem man den Arretierungsbolzen herausschlug, wurde der Schuss ausgelöst

Das Gegengewicht riss den kurzen Arm nach unten und ließ den langen Arm gleichzeitig nach oben schnellen. Das Geschoß verließ den Löffel bzw. löste sich aus der Schlinge und wurde im hohen Bogen fort geschleudert.

Blide

Die Blide (Biffa, Buffa, Bidda), im Mittelmeerraum entstanden und vom beginnenden 13. Jahrhundert bis ins 16. Jahrhundert hinein in ganz Europa nachweisbar, unterscheidet sich vom Tribok vor allem dadurch, daß anstatt des festen ein bewegliches Gegengewicht am kurzen Hebelarm angebracht war. Im späteren Mittelalter gab es auch bewegliche fahrbare Bliden, deren Schußweite mit wenigen Handgriffen zu verändern war.

Eine solche mit einem vierräderigen Wagen verbundene Blide ist aus dem Münchener Codex (Germ. Nr.356) bekannt und gehört wohl in die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Maschine wird auch als Feuerwagen bezeichnet. Auf dem Wagen sind die eisernen Gegengewichte abgebildet, die an drei verschiedenen Haken des kurzen Armes angehängt wurden, während der Brandsatz in einer Löffelschale am Ende des langen Arms bereitlag.

Bliden wurden noch im 16. Jahrhundert eingesetzt, denn von Herzog Albrecht von Sachsen wurde berichtet, dass er 1585 bei der Belagerung der Burg Rieklingen durch einen Blidenwurf umkam.

Tripantium

Es gab offensichtlich noch andere Wurfgeschütze, die nach dem Prinzip des Triboks und der Blide funktionierten. So sollen beim Tripantium beide Formen des Gegengewichtes, starr (Tribok) und beweglich (Blide), miteinander kombiniert worden sein. Nach Aegidius Romanus, der das Tripantium im Mittelalter erstmals erwähnt, soll diese Maschine sowohl sehr weit (wie die Blide) als auch sehr genau (wie der Tribok) geworfen haben. Genaueres über die Konstruktion dieses Geschützes lässt sich nicht sagen. Man muß sich vielleicht den beweglichen Gewichtskasten der Blide noch an das schwere Kolbenende des Tribok angehängt vorstellen. Da die Bezeichnung "Tripantium" in mittelalterlichen Quellen nicht mehr auftaucht, ist davon auszugehen, dass diese Maschinen in Deutschland generell als Bliden bezeichnet wurden.

Petraria und Wippe

Die Pretaria war ein Hagelgeschütz, das mehrere Steine gleichzeitig im Bogenwurf schleudern konnte. Während Tribok, Blide und Tripantium mit Gegengewichten arbeiteten, wurde die Schwenkung des Hebelarms bei der Petraria durch Muskelkraft bewerkstelligt. Bis zu 100 Mann waren für den Schuss erforderlich.

Auch die zuweilen als Wippe bezeichnete Belagerungsmaschine funktionierte nach diesem Prinzip. Auch hier zog eine bestimmte Anzahl von Männern ruckartig an den Seilen des kurzen Hebelarms und schleuderte das auf dem langen Rutenarm ruhende Geschoß gegen das Ziel. Vielleicht sind Wippe und Petraria zwei verschiedene Bezeichnungen für dieselbe Maschine.

Wurfweite

Mit einem 12 m hohen Tribok konnte man Steine bis zu einem Gewicht von 75 kg oder in Töpfen gegossene Bleimassen bis zu 500 Meter weit ins feindliche Lager katapultieren. Bei der Belagerung der Stadt Köln 1257 richtete eine jenseits des Rheins aufgestellte Blide noch über eine Entfernung von 450 Metern großen Schaden an. Die Burg Thurandt an der Mosel wurde 1248 vom ca. 500 Meter entfernten Berg ("Bleidenberg") mit zwei Bliden beschossen. Eine ähnliche Distanz, fast 500 Meter, überbrückte jene Blide, die auf der Burg Trutzeltz gegenüber der berühmten Burg Eltz aufgestellt wurde. Mit ihrer Hilfe hatte der Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg 1331-1336 vergeblich versucht, die ihn störende Ganerbenburg einzunehmen.

Versuche im 19. Jahrhundert haben ergeben, dass ein Gewerf mit 8 Meter langem Hebel, der durch die Drehachse in Stücke von 2 und 6 Meter geteilt war, bei einem Gegengewicht von 3.000 kg eine 100 kg schwere Steinkugel 76 Meter weit schleudern konnte. 1849 wurde mit einem Tribok mit 10,30 Meter langem Hebel bei einem Gegengewicht von 4.500 kg eine 24pfündige Kugel 175 Meter katapultiert. Zur Zeit Napoleon III. (1848-1870) gelang es, mit einem 16,5 Meter langem Hebel bei einem Gegengewicht von 16.400 kg einen 1.400 kg schweren Stein 70 Meter weit zu werfen.

Treffsicherheit der Maschinen und ihre Wirkung

Das feste gleichmäßige Gegengewicht des Triboks ermöglichte eine für den hohen Bogenwurf erstaunliche Treffsicherheit. Fehlschüsse, die von der ungefügen Größe der Steingeschosse herrühren mochten, wurden durch die Veränderung des Gegengewichtes oder eine Standortverlegung des ganzen Triboks ausgeglichen. Erfahrene Tribokmeister verwendeten je nach Erfordernis schwere oder leichte Geschosse. Mit einer kleinen Schleudermaschine konnte ein geübter Geschützmeister faustgroße Steine sogar direkt durch ein Kemenatenfenster katapultieren. Bei der Blide erlaubte das bewegliche Gegengewicht zwar größere Wurfweiten, doch nahm die Zielgenauigkeit gleichzeitig ab.

Die Durchschlagskraft der von den Wurfmaschinen verschossenen Kugeln und Steine war aufgrund ihrer bogenförmigen Flugbahn und relativ geringen Geschwindigkeit nicht allzu groß. Besaßen sie aber ein hohes Gewicht, konnte bei einem Volltreffer eine verheerende Wirkung erzielt werden.

Von Tribok und Blide geworfene Steine wogen bis zu 30 Zentnern. Bei der Belagerung von Zara sollen sogar Steine von 3.000 Pfund geschleudert worden sein.

Die großen Wurfgeschosse wirkten weniger durch ihre Zerstörungskraft als durch ständigen und wahllosen Beschuß von Bauten und Menschen. Die ununterbrochene Präsenz und Bedrohung durch die verschiedenen [Geschoßarten] übten eine demoralisierende Wirkung auf die Burgbewohner aus. Während einer längeren Belagerung konnten Tausende von Steinen geworfen werden. Die fünf Triböke, mit denen die Berner im Jahr 1388 die Stadt Niedau unaufhörlich beschossen, waren theoretisch in der Lage, täglich 100 Steine zu verschießen. Bei der Belagerung der Burg Falkenburg in Thüringen 1458 sollen 372 Wagen voller Steine herangeschafft und insgesamt 7.800 Steine in die Burg geschleudert worden sein. Hierfür müssen zahlreiche Wurfmaschinen zur Verfügung gestanden haben.

Geschossarten

Mit den großen Wurfmaschinen verschoss man teilweise große Steinmengen, die mühsam zum Einsatzort geschafft werden mussten. Darüber hinaus schleuderten die Belagerer mit Nägeln beschlagene Balken und Eisenkugeln über die Mauern. Manchmal warf man auch Bienenkörbe hinüber. Die gereizten Bienen stachen solange auf die Belagerten ein, bis diese in keine Rüstungen mehr passten. Zuweilen sammelten die Angreifer auch Urin und Fäkalien, um diese Exkremente über die Burgmauer zu befördern. Auch Tierkadaver und Leichen warf man in die belagerten Plätze, um die Burgbewohner durch den Gestank zu zermürben und Epidemien auszulösen [Vergiften]. Obwohl im Mittelalter zahlreiche Giftstoffe bekannt waren, wurden wahrscheinlich niemals vergiftete Pfeile oder Armbrustbolzen verwendet. Der Einsatz des im Mittelalter gefürchteten Griechischen Feuers ist in Deutschland ebenfalls nicht belegt.

Ballisten mit Knebelkraft (Torsionsgeschütze)

Die großen Torsionsgeschütze der Griechen und Römer funktionierten aufgrund eines gegen die Schussrichtung gedrehten und damit gespannten Sehnenbündels. Die großen Pfeil- und Kugelballisten, die auf diesem Prinzip der Drehung (Torsion) beruhten, gehörten zu den Standardwaffen der griechischen, römischen und byzantinischen Heere.

Der Militärhistoriker Schmidtchen beschreibt den komplizierten Mechanimus der griechisch-römischen Torsionsgeschütze folgendermaßen: " Kernstück der Konstruktion dieser schweren Fernwaffen war ein senkrechter hölzerner Rahmen, der durch zwei Balkenstücke in drei kleinere Rahmen unterteilt wurde. In den beiden äußeren befanden sich oben wie unten bronzene Spannbuchsen eingelassen, über welche mehrere, dicht nebeneinander liegende Stränge aus Sehnen eingezogen waren. Man bevorzugte hierbei Nacken- und Sprunggelenksehnen von Stieren und Hirschen. Zwischen die beiden, über die Buchsen verlaufenden Hauptstränge, wurden in ihrer Mitte starre hölzerne Arme eingeschoben, deren äußere Enden mit einer verstärkten Bogensehne verbunden waren. Eine gegen die Schußrichtung erfolgende Drehung der senkrechten Sehnenbündel über die oberen und unteren Buchsen bewirkte eine starke, durch diese Torsion hervorgerufene Spannung. Zum Schuß zog man nun die Bogensehne mit einer Windenkonstruktion auf der durch den mittleren Rahmenteil reichenden Läuferschiene des Schaftes, der mitsamt dem Rahmen über einen Scharnierhebel in der Höhe verstellbar war, bis zum Einrasten durch eine Sperrklinke zurück und erhöhte damit die Spannung noch beträchtlich. Bei der Freigabe der Bogensehne durch die Entriegelung der Sperrklinke schnellten die beiden Arme nach vorn und brachten den eingelegten Pfeilbolzen oder die Steinkugel mit hoher Geschwindigkeit in die Schussbahn." Die verwendeten Pfeilbolzen hatten ungefähr eine Länge von 60 cm. Die Reichweite betrug je nach Größe des Geschützes bis zu 500 Metern. Bis zu dieser Entfernung durchschlug der Pfeilbolzen jede in der Antike bekannte Körperpanzerung. (Schmidtchen, Kriegsmaschinen S.114f.)

Von den Griechen gelangte das Wissen über die Ballisten an die Römer. Bis ins dritte Jahrhundert vor Christus hinein war die Balliste das einzige Wurfgeschütz der Römer und kam in den Punischen Kriegen (264-146 v.Chr.) vielfach zur Anwendung. Sie wurde von 10 Mann und einem Geschützführer bedient. Die vierräderigen carroballista tauchen erst in der späteren Kaiserzeit auf. Die mächtigsten von ihnen warfen 2-6 Zentner schwere Geschosse (Steine, Kugeln) in stark gekrümmten Bogen 1.000 Schritt (ca. 350 Meter) weit.

Nur Spezialisten mit großer Sachkenntnis und Erfahrung konnten die Sehnenbündel exakt und gleichförmig vorspannen, weil Kälte und Feuchtigkeit das Verhalten der Naturdarmsehnen relativ stark beeinflußten. Man stellte die optimale Vorspannung anhand des Tones fest, den die Sehnenbündel bei kurzem Anreißen von sich gaben.

Onager

Das bekannteste Torsionsgeschütz ist der in der römischen Kaiserzeit entwickelte Onager. Innerhalb einer hölzernen Rahmenkonstruktion steckte ein Wurfarm mit seinem unteren Ende in einem zusammengedrehten Strang aus Tauwerken, Sehnen oder Haaren. Dieser Strang war doppelläufig gedreht und horizontal im unteren Teil der Rahmenkonstruktion befestigt. Die starke Wicklung erzeugte bereits in der Ruhestellung eine latente Spannung (Vorspannung). Zum Wurf zog man nun den Wurfarm gegen die Vorspannung mit einer Winde zurück und arretierte ihn mit einer Sperre. Ein Felsbrocken oder Brandsatz wurde in die Schlinge am Ende des Wurfarms gelegt. Bei der Auslösung schnellte der Wurfarm mit großer Beschleunigung in seine Ausgangslage zurück und schleuderte das Geschoß fort. Der Wurfarm des Onager legte nur einen kurzen Weg zurück bis er an das Widerlager prallte, das aus Seilen bzw. einem Polster aus Heu oder Haaren bestand. Mit einem Onager konnte man, je nachdem wie lang der Wurfarm und wie schwer das Geschoß war, zwischen 100 und 350 Meter weit werfen.

Mange

Die mittelalterlichen Torsionsgeschütze hatten mit dem römischen Onager nur noch das Torsionsprinzip gemeinsam. Auch bei der mittelalterlichen Mange (Manga) steckte der Wurfarm mit seinem unteren Ende in einem Torsionsstrang. Das Widerlager für den Wurfarm bestand aus einem horizontalen Querbalken, an dem Polsterkissen für den Anschlag angebracht waren. Der Wurfarm war vor Beschädigungen durch den Aufprall durch eine Wicklung mit Tauwerk geschützt. An seinem oberen Ende lief er in eine Art Löffel zur Aufnahme des Geschosses aus. In Vorspannstellung stand der Arm senkrecht und konnte für den Wurf bis fast in die Horizontale herabgezogen und dort arretiert werden. Zog man den Bolzen heraus, schnellte der Arm nach vorne und beschrieb einen Viertelkreisbogen von 90 Grad. Das Geschoß verließ den Löffel im Moment der größten Beschleunigung bei einer Stellung des Arms von ca. 60 Grad. Die Mange hatte einen erheblich längeren Beschleunigungsweg als der römische Onager und verfügte damit auch über eine größere Reichweite. Die durchschnittliche Reichweite mittelalterlicher Mangen lag für Steine von 30 kg Gewicht bei etwa 400 Metern.

Torsionskatapulte mit zusätzlichem Bogen

Standarmbrüste waren überdimensionale Armbrüste, die auf einem festen waagrecht oder schräg aufwärts gerichteten Untergestell (Lafette) montiert waren. Die treibende Kraft der Standarmbrüste war die Sehne eines gespannten Bogens, die durch eine Haspel oder Schraube angezogen wurde. Geschossen wurde je nach Ausführung mit bis zu 3,5 Meter langen Spießen und bis zu 5 Meter langen Brandpfeilen, die in einer Führungschiene lagen. Neben Pfeilbolzen dienten auch Stein- und Bleikugeln als Munition, für die an der Sehne eine breite Lederlasche oder eine besondere Vorrichtung zur Aufnahme der Kugel vorhanden sein mußte. Standarmbrüste konnten 75 cm lange Pfeilbolzen bzw. einen einpfündigen Stein 400 Meter und weiter schießen.

Neben den reinen Torsions-Ballisten gab es solche, bei denen zusätzlich zur Knebelkraft der Mange eine Bogensehne die Wirkung der Waffe verstärken sollte. Man brachte parallel zum Querbalken des Widerlagers noch einen großen Bogenarm an, dessen Sehne in eine Aussparung am Wurfarm unterhalb des Löffels eingehakt wurde. Der Wurfarm wurde mit einer Kurbel herabgezogen und Knebel wie auch Sehne unter Spannung gesetzt. Ein besonders starker Sperrbolzen war notwendig, um die große Spannung zu halten. Welche Reichweite diese kombinierte Wurfmaschine hatte, ist nicht bekannt.

Ballisten mit Bogenspannung - Standarmbrüste

Standarmbrüste wurden häufig zur Verteidigung belagerter Burgen auf den Mauern und Türmen aufgestellt. Sie konnten verschiedene Formen haben. Wenngleich das Schußprinzip immer gleich blieb, führten ihre verschiedenen Bau- und Verwendungsarten zu unterschiedlichen Benennungen: So tauchen Standarmbrüste auch unter den Bezeichnungen Bank-, Wall-, Wipp-, Wind-, Flaschenzug- oder Turmarmbrust auf. Waren sie auf einem zweirädrigen Wagen angebracht, nannte man sie auch Karrenarmbrust (Ribald, Spingarde, Wagenarmbrust).

Im 16. Jahrhundert kam es zur Entwicklung riesiger Armbrüste mit teilweise bis zu drei Stahlbögen. Beispielsweise konstruierte Leonardo da Vinci (1452-1519) eine riesige Armbrust, deren Bogen allein 24 Meter Länge aufwies. Eine solche Vorrichtung war aber mit der mittelalterlichen Technik nicht herzustellen.

Wurfmaschinen mit Federantrieb - Die Rutte

Die Rutte oder Rütte nutzte die Biegsamkeit von Holz. Eine elastische Holzlatte steckte zusammen mit einem senkrechten Widerlagerbaum in einem Holzfuß. Beide waren am unteren Ende mit Tauen und Sehnen fest zusammengewickelt. Die Holzlatte wurde mit Seil und Winde nach hinten gebogen und arretiert. Der Pfeil lag waagerecht auf einer höhenverstellbaren Unterlage, die mit einem Scharnier am Widerlagerbaum befestigt war.

Über die Höhenverstellung ließ sich im beschränkten Umfang die Schussbahn und Schussweite beeinflussen. Bei anderen Konstruktionsformen lag das Schaftende des Pfeils in einer Nut auf dem Widerlagerbaum auf, während die Pfeilspitze von einer gabelförmigen Stütze gehalten wurde. Diese Stütze war am Widerlagerbaum befestigt und konnte je nach Pfeillänge verstellt werden.

Löste man die Arretierung, schnappte die Latte wie eine Feder gegen den Pfeil, und er schnellte nach vorn. Die Rutte hatte vor allem die Aufgabe, Brandpfeile über die Burgmauern zu schleudern.

Die bekannte Darstellung einer Rutte in der Bayerischen Staatsbibliothek München (Codex germanicus Moncensis Nr.356, Bl.152) trägt die Bezeichnung "Das instrüment haist maleoli". Diese Benennung (lat. malleolus = Hämmerchen, Setzling) bezieht sich aber nicht auf die Maschine selbst, sondern wohl auf die Brandpfeile, die sie verschoss.

Wie wirkungsvoll die schnell zu ladenden Rutten arbeiteten, zeigt ein Bericht des Landgrafen Ludwig des Frommen von Thüringen, der die Belagerung von Akkon im Jahr 1189 schildert: [...] ouch fuwer sie dar zu wurfen hin in da selbes nit snellen rutten drin. an daz die grozen werc in taten schaden, von diesem sie haten so unlideliche not. [...] auch warfen sie Feuer in die Stadt mit schnellen Rutten. Ohne daß die [anderen] großen Belagerungsmaschinen ihnen [den Stadtbewohnern] Schaden zufügten, wurde ihnen von diesen unleidliche Not zugefügt.

Stoßzeug zum Mauerbrechen

Unter Stoßzeug versteht man Rammen, mit denen Steine aus der Mauer gelöst und herausgebrochen werden konnten. Bevor man diese Mauerbrecher an die Burgmauer schieben konnte, musste der Burggraben verfüllt werden. Dazu schüttete man alle erdenklichen Materialien hinein, wie etwa Erde, Baumzweige, ausgerissene Gebüsche und andere Hölzer. War der Graben gefüllt, legte man Bohlen und Planken darüber. Erst dann konnte man die schweren Rammen an die Burgmauer schieben. Um das Tor anzugreifen, musste auch die von den Verteidigern hochgezogene Brücke mit Haken heruntergerissen werden. Unter den urtümlichen und sehr alten Belagerungswaffen wird im Mittelalter vor allem der [Widder] genannt, der auch als Tumm(e)ler oder Sturmbock bezeichnet wurde. In den Quellen tauchen weitere Geräte mit folgenden Bezeichnungen auf: Sau (scropha, porca, porcus, Soge), Fuchs (vulpes), Maulwurf (talpa), Krebs (cancer), Igel (erinaceus), Schildkröte (priapus), Tarant usw. Diese unterschiedlichen Namen bezeichnen offensichtlich die gleichen oder ähnliche Geräte. Die gepanzerten Tiere standen wohl Pate für die Rammen, die geschützt von fahrbaren Holzhütten [Deckzeug] am Fuß der Burgmauer eingesetzt wurden.

Widder

Der Widder (aries) bestand aus einem fahrbaren, niedrigen Schutzhaus und wurde aufgrund dieser Konstruktion manchmal auch Katze (cata) genannt. Der dem Firstbalken hing ein waagerechter starker Baumstamm oder Balken an Stricken oder Ketten, dessen vorderes Ende mit Eisen beschlagen war. Dieser Eisenkopf, der häufig die Form eines Widderkopfes hatte, gab der Ramme ihren Namen.

Der schwere Balken konnte bis zu 30 Meter lang sein. Er wurde von einer vielköpfigen Bedienungsmanschaft schwungvoll in einem kontinuierlichen Rhythmus gegen einen bestimmten Punkt der Burgmauer oder des Tores geschwungen, um sie zum Einsturz zu bringen. Die Bedienungsmannschaft wurde dabei unter dem Schutzdach vor Beschuss bzw. Bewurf durch die Gegner bewahrt. Rammböcke arbeiteten sehr effektiv, da man mit der steten Erschütterung fast jede Mauer zum Einsturz bringen konnte. Eine ähnlich präzise und erfolgreiche Wirkung konnte man mit den großen Wurfmaschinen kaum erzielen.

Sturmhaken und Mauerbohrer

Bei einigen Rammen scheint der Kopf mehr Haken oder Gabel gewesen bzw. zangenartig gestaltet worden zu sein. Der Harpago war beispielsweise eine lange Stange mit einem Sturmhaken an der Spitze, mit dem die Angreifer versuchten, Zinnen und Mauerteile herunterzureißen. (Das indogermanische Wort harpe bezeichnet eine Klaue bzw. Kralle). Harpagos wurden vom Boden, vom Belagerungsturm oder von Hebebühnen aus eingesetzt.

Mauerbohrer (terebra) waren lange Stangen mit eisernen Spitzen. Indem man ein um den Bohrschaft gewickeltes Seil hin und her zog oder die Stange an Handgriffen drehte, wurde die Spitze in die Mauerfugen gebohrt. Nach langwierigen Bemühungen mochte es gelingen, einzelne Steine und Quader zu lockern und herauszubrechen.

Deckzeug - Katzen

Die Katze war ein aus Holzbrettern oder Weidenrutengeflecht gefertigter Unterstand, der an den Seiten offen oder geschlossen sein konnte. Die Katze war die Nachfolgerin der schon im Altertum gebräuchlichen sog. Schildkröte und der frühmittelalterlichen Breschhütten.

Schon die Römer kannten fahrbare Sturmschirme, die sog. Pluten (plutei). Diese oben offenen Schutzwände aus Brettern wurden auf Blockrädern bewegt und dienten zur Deckung des Angriffsschützen. Daneben kannten die Römer die sog. vineae, Schutzdächer bzw. Laufhallen, die zum Schutz der Belagerer beim Anfüllen der Gräben und Brechen der Mauern bestimmt waren. Bei der Belagerung der Burg von Laon im Jahr 938 werden sog. Breschhütten erwähnt. Diese auf Rädern stehenden, mit einem Satteldach bedeckten 'Häuser' schob man gegen die Mauer vor, um in ihrem Schutz die Mauern untergraben zu können.

Auf das Schutzdach der Katze wurden feuchte Grassoden, frischer Mist oder feucht gehaltene Tierhäute gelegt, um ein Inbrandstecken durch die Verteidiger zu verhindern. Die Katze lief auf Rollen oder einer Räderkonstruktion. Sie wurde mit Winden und Umlenkrollen gegen die Mauer geschoben. In ihrem Schutz konnten Gräben zugeschüttet und Planierungsarbeiten durchgeführt werden, die den Mauerbrechern [Widder] und Belagerungstürmen den Weg ebneten. Gedeckt durch die Katzen versuchten auch die Mineure, die Burgmauer zu unterhöhlen.

Steigzeug

Eine Sturmleiter ist das älteste und einfachste Mittel, um die Mauerkrone einer belagerten Burg einzunehmen. Sie taucht in ägyptischen Fresken des Alten Reiches ebenso häufig auf wie in neu-assyrischen Darstellungen. Auch Griechen und Römer haben verschiedene Arten von Steighilfen benutzt. Die zusammenlegbaren Strickleitern ließen sich gut transportieren, die hölzernen Leitern an Ort und Stelle schnell zusammenzimmern. Mittelalterliche Sturmleitern waren meist aus Holz gefertigt, entweder als starre oder als zusammensteckbare Konstruktion, es gab aber auch aufrollbare Leitern nach dem Strickleiterprinzip.

In den mittelalterlichen Kriegsbüchern werden teilweise abenteuerliche Konstruktionen von Sturmleitern erwähnt, etwa in Gestalt von vielgliederigen Scherenleitern, die in der abgebildeten Form schwerlich jemals praktische Anwendung gefunden haben können. In ihrem um 1409 geschriebenen Livre des faits d'armes et de chevalerie empfiehlt Christine de Pisan (1365-1430?) für eine Belagerung zahlreiche doppelte Leitern mit vier Sprossenreihen, um vier Kriegern zugleich den Aufstieg zu ermöglichen. Die Konstruktion, teilweise bis 40 Fuß hoch, soll auf Rollen an die Mauer geschoben worden sein.

Fast alle Arten von Sturmleitern besaßen am oberen Ende krallenartige Eisenhaken, die man auf der Mauerkrone einhakte. Bei Strickleitern nahm man dazu lange Stangen zu Hilfe.

Belagerungsturm (Ebenhoch)

Die gewaltigste und für die Burgbewohner gefährlichste Angriffswaffe war der Belagerungsturm (machina, castellum ), in deutschen Quellen auch Ebenhoch oder Wandelturm genannt. Er wurde schon im Altertum bekannt und wurde auch im Frühmittelalter eingesetzt. Bei der Belagerung Verduns im Jahr 984 ließ der französische König Lothar (954-986) einen 40 Fuß hohen Belagerungsturm errichten und an die Mauer schieben. Während der Kreuzzüge wurden Belagerungstürme von Christen und Moslems gleichermaßen benutzt und hatten gelegentlich sogar kriegsentscheidende Bedeutung. Nachweislich wurden Belagerungstürme bei den Kämpfen vor Antiochia (1097/98), Marra (1098), Jerusalem (1099), Tripolis (1109), Aleppo (1127/28), Damaskus (1139), Edessa (1144), Damaskus (1154), Akkon (1191), Konstantinopel (1204) und Damiette (1219, 1225) eingesetzt.

Welche erbitterten Kämpfe sich im Umfeld eines Belagerungsturms zutrugen, zeigte sich, als Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) im Jahr 1159 die italienische Stadt Crema angriff und einen mächtigen Belagerungsturm von 500 Mann an die Stadtmauer schieben ließ. "Die Cremasken (die Bewohner von Crema) erkannten natürlich die auf sie zukommende Gefahr und versuchten mit Feuer, Steinen und Pfeilen das Näherrücken des Turmes an ihre Mauer zu verhindern. Da ließ der Kaiser an der Vorderfront und an den Seiten des Turmes Körbe anbringen, in die Geiseln und Gefangene gestellt wurden. So sollten die Belagerten davon abgehalten werden, gegen den Turm etwas zu unternehmen, denn mit jedem Steinwurf und mit jedem Pfeilschuß brachten sie ihre eigenen Leute in Gefahr. Nachts mußten die Männer in den Körben brennende Kerzen und Fackeln halten, damit sie von den Schützen auf den Stadtmauern erkannt werden konnten. Aber die Cremasken schätzten das Risiko der Vernichtung ihrer Stadt höher ein als den Verlust einzelner ihrer Angehörigen. Sie schossen deshalb so lange auf den Turm, bis er unbrauchbar war. Nun übten die Cremasken für ihre auf dem Turm getöteten Angehörigen Vergeltung und ließen eine Reihe gefangener Deutscher, Cremonesen (Bewohner von Cremona) und Lodesanen (Bewohner von Lodi, beide Städte waren Verbündete Friedrich Barbarossas) auf dem Wall der Stadt hinrichten. Die gegenseitige Rachgier steigerte sich immer mehr, und als unter den Augen der Städter zwei gefangene Cremasken zum Tode verurteilt wurden, drohten die Belagerten mit Vergeltung, falls das Urteil vollstreckt würde. Da sich der Kaiser nicht beirren ließ, hingen bald unten vor der Stadt wie auch oben auf der Mauer je zwei Männer an den Galgen. Darüber ergrimmte wiederum Barbarossa, ließ alle noch in der Nähe befindlichen Geiseln und Gefangenen zusammenholen und eine lange Reihe von Galgen aufstellen. Nur dem Einspruch der Bischöfe war es zu verdanken, daß dieses grauenvolle Vorhaben nicht ausgeführt wurde. Aber neun Männer mußten doch an die aufgestellten Galgen. Rahewin (ein Biograph Friedrich Barbarossas) berichtet, daß den Toten sogar die Köpfe abgeschlagen wurden und die Belagerer damit Ball spielten. Die Cremasken brachten zur Rache einige gefangene Deutsche auf die Mauer und zerstückelten sie Glied für Glied." (Aus: Helmut Hiller, Friedrich Barbarossa, München 1979, S. 128/129)

Der Bau eines hohen und großen Belagerungsturmes erforderte Zeit und den Einsatz besonders geschulter Zimmerleute und war somit äußerst kostspielig. Zudem bedurfte es einer großen Anzahl von Menschen und Tieren, um ihn an die Mauer der belagerten Burg heranzubringen. Bei Hang- und Höhenburgen konnte er aufgrund des unwegsamen Geländes selten eingesetzt werden. Belagerungstürme wurden in Deutschland wohl nur bei groß angelegten Stadtbelagerungen in der Ebene verwendet.

In ihrem um 1409 geschriebenen Livre des faits d'armes et de chevalerie gibt Christine de Pisan (1365-1430?) eine anschauliche Beschreibung eines Belagerungsturms:

"Es ist ein aus starken Brettern und Balken errichtetes Gebäude von mehreren Stockwerken und damit solches Bauwerk gegen Feuer gut geschützt ist, muß es mit Eisenplatten oder wenigstens ungegerbten frischen Fellen bedeckt sein. Einige dieser Maschinen sind 30, 40 auch 50 Fuß hoch, ja manche so hoch, daß sie die höchsten Türme überragen. Die Maschine wird auf Rädern so nahe als möglich an die Mauer gebracht. Es gibt daran Zugbrücken, die man auf die Mauer werfen kann. Sie enthält in allen Stockwerken Haufen von Kriegern, von denen die obersten die auf der Mauer befindlichen bekämpfen, die in den anderen Stockwerken durchbrechen die Mauer. Und so ist die Festung derart angegriffen, daß sie leicht genommen wird."

Bevor man den Turm an die Mauer schieben konnte, mussten Gräben mit Erde, Steinen, Faschinen (Reisiggeflecht) und Holzscheiten zugeschüttet und Wälle u.ä. abgetragen werden. Dies war eine langwierige Arbeit: Bei der Belagerung von Jerusalem im Jahr 1099 brauchten die Kreuzfahrer zwei Tage, um den Graben vor der Stadt aufzufüllen. Erst am dritten Tag konnten sie den Belagerungsturm an die Mauer schieben. Bis zu 500 Mann waren notwendig, um den schweren Koloß an Seilen über eine Bohlenrampe vorwärts zu ziehen bzw. mit Hilfe von Umlenkrollen direkt an die Mauern zu schieben. Pferde und Ochsen waren zwar stärker, doch Menschen waren beweglicher und besser zu schützen als die schwerfälligen Tiere.

Über die Zugbrücke stürzten die im Innern des Turms wartenden Sturmtruppen auf die Mauerkrone. Konnte dort ein Brückenkopf gebildet werden, folgten weitere Krieger über die Leiter an der Rückseite des Turms nach

Um den Türmen eine größere Standfestigkeit zu geben, waren sie in Stockwerke unterteilt. Schon bei der Annäherung beschoss man von der obersten Plattform aus den Wehrgang. Dort stand manchmal sogar eine kleine Wurfmaschine. Berichte, dass sich mehrere hundert Personen im Turm verschanzten, sind wohl übertrieben. In England sollen im Jahr 1266 einmal 200 Bogenschützen und 11 Katapulte von einem Turm aus gekämpft haben. Elf Katapulte auf einem Turm sind schwer vorstellbar; die große Anzahl von Menschen hat den Turm wohl erst nach dem Heranrollen an die Mauer erklommen.

Text: Stefan Grathoff