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Ritterrüstung: Schutz und Last

Wenn ein vollständig gerüsteter Ritter zu Pferd auf dem Schlachtfeld erschien, bot er einen imposanten und furchteinflößenden Anblick. Die Vorteile der Rüstung bestanden aus einem umfassenden Schutz und einer abschreckenden Wirkung, unter ihren Nachteilen hatte der Ritter aber auch sehr zu leiden: Helm, Platten und Polsterungen waren so schwer, dass die Ritter ihre Schwerter und Lanzen kaum mehr handhaben konnten. Die steifen und unbequemen Rüstungen schränkten seine Bewegungsfreiheit stark ein und forderten seinen ganzen körperlichen Einsatz. Selbst der stärkste und ausdauerndste Recke musste des Öfteren eine Pause einlegen, um sich von den Strapazen des Kampfes zu erholen und sich abzukühlen, denn vor allem die Hitze unter dem Eisenpanzer machte ihm im Sommer zu schaffen. Unter den geschlossenen Helmen konnte der Ritter nur schwer atmen und fast nichts hören; aus welcher Richtung Geräusche kamen, war für ihn kaum auszumachen. Zudem war das Blickfeld durch die engen Sehschlitze des Visiers stark eingeschränkt. Der Helm wurde deshalb erst unmittelbar vor dem Kampf aufgesetzt. Seine Knappen begleiteten ihn sogar auf das Schlachtfeld, um ihren Herrn vor Hinterhalten zu bewahren. Ein Ritter in voller Rüstung kam eigentlich nicht ohne seine Knappen aus. Ohne fremde Hilfe konnte der Ritter seine Rüstung weder an- noch ausziehen, sich nicht allein weiter fortbewegen und schon gar nicht das Schlachtross besteigen. Er musste über Stiegen und Treppen geführt oder mit Hilfe einer Hebevorrichtung auf den Rücken des Pferdes gehievt werden. Die Nachteile der schweren Rüstungen sind ein Hauptgrund dafür, dass sich die Ritter im Mittelalter so selten in eine Reiterschlacht verwickeln ließen. Als die schwer gerüsteten französischen Ritter im 14. Jahrhundert auf die mit Langbogen ausgestattete englische Infanterie trafen, zeigte sich deutlich ihre militärische Unterlegenheit. Die Schwäche der deutschen Ritter trat unübersehbar zutage, als sie sich mit den gut organisierten Verbänden der Schweizer Bauern konfrontiert sahen. Hier offenbarten sich auch taktische Unzulänglichkeiten. Die unflexiblen Ritter hatten als Einzelkämpfer keine Chance gegen die beweglichen Kampfgruppen der Schweizer.  

Die Brünne, ein Schuppenpanzer

Neben dem Kettenhemd wurde im Früh- und Hochmittelalter (bis 1250) auch die sog. Brünne als Körperschutz getragen. 
Die Brünne entwickelte sich in der keltischen Spät-La-Tène-Zeit. Das Wort ist anscheinend vom keltischen Begriff bruin ("Leib") abgeleitet. In der mittelalterlichen Literatur waren dafür auch die Wörter Halsberge (halsberc) und Haubert gebräuchlich.  
Sie bestand aus einem Leder- oder Stoffwams, auf den dicht an dicht runde oder eckige Eisenplättchen gesetzt wurden.  
Manchmal wurden die Plättchen auch dachziegelartig überlappend angeordnet. Dadurch wurde der Panzer zwar fester, aber auch viel schwerer und teurer.  
Die Brünne reichte anfangs nur bis zur Hüfte, wurde aber im Laufe der Zeit immer länger und bedeckte später sogar die Knie. Ärmel hatte die Brünne in keltischer Zeit nicht, erst im 9. Jahrhundert sind auf zeitgenössischen Bildern kurze Ärmel zu entdecken. Manchmal lässt sich auch eine lose oder angehängte Kapuze als Kopfbedeckung erkennen. Die Brünne wurde allmählich vom Kettenhemd verdrängt und war im 14. Jahrhundert völlig verschwunden.  

Kettenhemd

Das Kettenhemd ("Panzerhemd” oder "Ringelpanzerhemd”) war eine Schutzkleidung aus ineinander verschlungenen Metallringen. Es wurde vermutlich um 500 v. Chr. von den Kelten "erfunden" und vom römischen Heer übernommen. Während die Weströmer (Rom) das Kettenhemd als kurzärmelige hüftlange Tunika trugen, bevorzugte die Reiterei des oströmischen Reiches (Byzanz) eine längere Version. Die Germanen und später die Ritter des frühen Mittelalters übernahmen das hüftlange Kettenhemd mit kurzen Ärmeln. Während der Kreuzzüge in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts lernten die abendländischen Ritter das bei den morgenländischen Kämpfern übliche Kettenhemd mit angearbeiteter Kapuze und langen Ärmeln kennen. Letztere konnten in Handschuhen bzw. Fäustlingen auslaufen. Ein im Unterärmel befindlicher Schlitz ermöglichte es dem Ritter, die Hand schnell herauszuziehen. Lange Kettenhemden wurden vorne und hinten bis zum Schritt geschlitzt, damit der Reiter aufs Pferd steigen konnte. Die dabei entstehenden seitlichen "Lappen" wurden um die Schenkel herum festgezurrt. Diese Gewohnheit hat fälschlicherweise den Eindruck entstehen lassen, die Ritter hätten einen Hosenanzug getragen. Das Kettenhemd war flexibel genug, um dem Ritter ausreichend Bewegungsfreiheit zu geben und luftdurchlässig genug, um ihn bei starker Belastung nicht durch übermäßiges Schwitzen zu behindern. Es bot aber nur ungenügenden Schutz gegen Schwert und Spieß, es war nicht "hieb- und stichfest". Bei Gräberfunden entdeckt man immer wieder Männer, deren Kettenhemden den Schwerthieben und Lanzenstichen nicht standgehalten haben, die Leichen sind verstümmelt, die Gliedmaßen teilweise abgetrennt. Um die Wucht der Schläge abzudämpfen, wurden unter dem Kettenhemd gepolsterte Jacken aus Filz, dickem, gestepptem Wollstoff, Leinen oder Leder getragen. Ursprünglich war die Herstellung des Kettenhemdes aufwendig und teuer. Mit der "Erfindung" des Drahtes wurde die Fertigung einfacher und das Kettenhemd für viele Ritter erschwinglich. Deshalb hielt sich das Kettenhemd, obwohl es keinen optimalen Körperschutz bot, bis zum Ende des Mittelalters. Dann kam es endgültig aus der Mode und im 16. Jahrhundert war es nahezu vollständig vom Plattenharnisch verdrängt.  

Plattenharnisch

Gegen die Durchschlagskraft der Armbrustbolzen und die Wucht der schweren Reiterlanze konnten Kettenhemden nicht wirkungsvoll schützen. Deshalb wurde es notwendig, den Körperschutz zu verbessern. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts begann man Schritt für Schritt den ganzen Körper mit einem System aus Metallplatten, Schienen, Scheiben und Buckeln zu umgeben: der sog. Plattenharnisch entstand.     [Fußnote zu Plattenharnisch] Das aus dem Französischen stammende Wort Harnisch (harnais) bezeichnete zunächst nur die Ausstattung des Pferdes oder auch die Gesamtausrüstung von Reiter und Ross. Erst im Spätmittelalter bezog sich die Bezeichnung nur noch auf den Plattenharnisch des Ritters.   Der Plattenharnisch war ein technisches und mechanisches Kunstwerk und bestand aus einer Vielzahl von Einzelteilen.   Helm und Kettengeflecht für den Kopfbereich, Brust- und Rückenharnisch, Armzeuge (Schultern, Oberarmröhren, Ellenbogenkacheln, Unterarmröhren, Achselstücke und -scheiben, Vorder- und Hinterflüge), Beinzeuge (Diechlinge (Oberschenkelschutz), Kniekacheln, Beinröhren, Schuhe und Handschuhe (mit Eisen bewehrte Handschuhe als Fingerhandschuhe oder Stulpen (Panzerhandschuhe).   Diese waren fest miteinander vernietet oder wurden über geschickt angebrachte Riemen und Gelenke (Hals-, Bauch- und Gesäßreifen) beweglich gehalten. Haken und Federbolzen sorgten dafür, dass man bestimmte Teile nach Bedarf auf- oder zuklappen konnte. Zusätzlich wurde der Unterleib durch den Waffenrock geschützt. Dieser war ein an der Innenseite durch eiserne Plättchen verstärktes Wams und darf nicht mit dem über der Rüstung getragenen Waffenrock (Kursit) verwechselt werden. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts bevorzugten die Ritter eine leichtere Version des Waffenrocks, den eng anliegenden aus Leder bestehenden "Lendner".   [Fußnote zu Lendner] Aus dem Lendner entstand im 15. Jahrhundert die Brigantine, eine Jacke aus Leinen, die auf der Innenseite mit eisernen Lamellen ausgestattet war. Mit Brust- und Rückenplatten versehen, bildete die Brigantine bis ins 15. Jahrhundert hinein einen wichtigen Teil des Harnisches. Als sich der Plattenharnisch bei den Rittern durchsetzte, wurde die Brigantine zur Schutzkleidung der leichten Kavallerie und Infanterie.   Die Entwicklung der Rüstung zum Vollharnisch war bis ca. 1430 abgeschlossen. Erst jetzt, am Ausgang des Mittelalters, war das entstanden, was man im landläufigen Sinn als typische Ritterrüstung des Mittelalters bezeichnet. Danach wurden die Rüstungen bis zu den Tagen Kaiser Maximilians I. (1486-1519) immer prächtiger und prunkvoller Turnier.  

Unterzeug (Rüstung)

Unter der Brünne bzw. dem Kettenhemd trug der Ritter ein kräftiges daunengefülltes Unterzeug, das den Körper vor direktem Kontakt mit dem Metall und gegen Stöße schützen sollte. Zusätzlich band er sich eine gepolsterte Binde, das sog. Senftenier, um den Leib. Die Einführung des Plattenharnisches Mitte des 14. Jahrhunderts wirkte sich auch auf die Unterkleidung aus. Da der Panzer Oberkörper und Beine eng umschloss, musste auch die Unterkleidung entsprechend eng und knapp gefertigt sein. Der Plattenpanzer ist letztendlich verantwortlich dafür, dass sich die abendländische Männertracht änderte. Die bis dahin übliche hemdartige Tunika verschwand und machte der Zweiteilung in Oberrock und Beinkleid Platz.

Waffenrock (Kursit)

Die Ritter des 11. und frühen 12. Jahrhunderts kannten noch keine Röcke über der Rüstung. Erst um 1200 kleidete man sich mit einem ärmellosen bzw. kurzärmeligen Waffenrock (wapenroc, Kursit), der bis zu den Knien reichte. Um das Reiten zu erleichtern war er vorn und hinten geschlitzt. Wahrscheinlich haben die Ritter diesen praktischen Überrock von den Kreuzzügen mitgebracht, denn er schützte sie vor Nässe und Hitze. War der Waffenrock mit Wappen und Farben des Trägers bemalt, gab er ihm ein stattliches und repräsentatives Aussehen. Darüber hinaus konnten Freund und Feind den Ritter an seinen Zeichen schon von weitem erkennen ("Er bekannte Farbe."). Die Waffenröcke wurden so selbstverständlich, dass sie sich in Form und Schnitt der jeweils modernen zivilen Mode anpassten.

Schild (Rüstung)

Bis in das 10. Jahrhundert waren die Schilde rund bzw. oval, im 11. Jahrhundert war ihre Gestalt überwiegend mandelförmig. Diese Schilde, oben oval und unten spitz zulaufend, waren fast mannshoch und schützten somit den gesamten Körper. Sie bestanden aus ein oder zwei Lindenholzschichten und waren mit Leder überzogen, teilweise auch mit Eisen beschlagen. In der Mitte schützte zuweilen außen eine eiserne Ausbuchtung (Schildbuckel) die Stelle, an der innen die Hand den Schild festhielt. Zuweilen ermöglichte innen ein System aus verschiedenen Griffschlaufen eine der jeweiligen Kampfsituation angepasste Handhabung. Da der Schild ein beachtliches Gewicht besaß, konnte der Ritter ihn an einen Riemen um den Hals (Schildfessel) hängen. Verziert wurden die Schilde mit Drachen und anderen furchterregenden Ungeheuern; Wappen wurden erst Mitte des 12. Jahrhunderts aufgemalt. Das Aufkommen des Plattenharnisches im 13./14. Jahrhundert ließ den Schild kleiner, dafür aber breiter werden. Der für diese Zeit typische Dreiecksschild kam in verschiedenen Formen und Größen vor. Weite Verbreitung fand seit etwa 1330 die sog. Tartsche, ein Schild mit einer Aussparung an der Oberkante zum Einlegen der Lanze (Speer- oder Lanzenruhe). Seit dem 14./15. Jahrhundert benutzten die immer besser gewappneten Ritter immer kleinere Schilde und verzichteten schließlich ganz auf sie.

Pavesen und Setzschilde

Die Pavese, anscheinend im Baltikum entstanden, wurde von den Rittern des Deutschen Ordens und den Fußtruppen der böhmischen Hussiten verwendet und gelangte ab Mitte des 15. Jahrhunderts auch nach Süd- und Ostdeutschland. Pavesen waren vor allem bei nur schwach gepanzerten Fußkämpfern beliebt. Sie bestanden aus schweren, mit Eisen beschlagenen gewölbten Holzplatten. Diese Pavesen wiesen an ihrem unteren Ende einen Eisensporn auf, den man in den Boden rammen konnte. Mehrere Pavesen nebeneinander ergaben so eine regelrechte Schutzwand. Als Setzschilde bezeichnet man besonders große Exemplare, die mit einer Stützstange aufgestellt wurden und über Gucklöcher und Schießscharten verfügten. Solche Großschilde boten mehreren Armbrustschützen und Kriegern mit Handbüchsen gute Schussmöglichkeiten aus sicherer Deckung. Deshalb wurden Setzschilde bei Burgbelagerungen häufig eingesetzt.

Parsche und Rossharnisch

Die Panzerung der Pferde ist seit der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts in historischen Quellen bezeugt. 

In der höfischen Dichtung kamen eiserne Pferdedecken zuerst um 1200, Bugdecken und Kopfpanzer etwas später vor.

Im 13. Jahrhundert kam die Parsche auf, ein auf orientalische Vorbilder zurückgehender Pferdepanzer. Sie bestand aus flexiblem Ringelgeflecht, armiertem Leder oder wattiertem Stoff. Die einzelnen Teile der Parsche für den Hals, die Brust (Fürbug) und das Kreuz (Kruppe) des Pferdes konnten miteinander verbunden sein. Um 1350 wurde die Parsche weitgehend vom Rossharnisch verdrängt, der zur gleichen Zeit wie der Plattenharnisch des Ritters entstand. Ein Teil des Rossharnisches war der sog. Rosskopf, ein Rundumschutz mit Ohrenbechern und Augenschirmen. Die kleinere Ausführung des Kopfschutzes war die Rossstirn, eine schmale Stirnplatte mit Augenlöchern und Ohrenklappen.

Die Rossstirn wurde schon von der griechischen und römischen Kavallerie benutzt. Dieser Schutz wurde aber im frühmittelalterlichen Europa nicht mehr verwendet. Erst im 14. Jahrhundert besann man sich wieder auf diesen Teil des Rossharnisches.  

Weiterhin konnten der Hals (Kantz), die Brust (Fürbug) und die Flanken des Pferdes mit Blechplatten sowie der Pferderücken (Kruppe) mit dem sog. Gelieger geschützt sein. Das Turnierpferd Kaiser Maximilians I. (1486-1519) besaß 1480 sogar einen Rossharnisch mit bis zu den Hufen hinunterreichenden Beinzeugen. Wie der Ritter so trug auch sein Pferd im Mittelalter einen schmückenden Überwurf. Sowohl das gepanzerte als auch das ungeschützte Pferd war in eine bunte Seidendecke mit den Wappenfarben gehüllt, die nur Nüstern und Augen frei ließ.  

Steigbügel, Satteln, Sporen und Zaumzeug

Im 9. und 10. Jahrhundert wurden im Abendland Steigbügel, Sattel, Zaumzeug und mit Nägeln befestigte Hufeisen eingeführt. Die Steigbügel der Ritter unterschieden sich in ihrer Art nicht wesentlich von den heutigen. Sie hatten die gleiche Form und waren ebenfalls mit Riemen am Sattel befestigt. Bis ins 12. Jahrhundert hinein saß der Ritter auf einem flachen Sattel. Als die Lanze für den Ritterkampf immer wichtiger wurde, musste man dem Reiter für den Lanzenstoß einen besseren Halt verschaffen. Deshalb fügte man hinten einen metallverstärkten Sattelbogen und vorne einen Knauf hinzu. Der Sattel wurde von zwei Bauchriemen (darmgürtel) sowie einem Brustriemen (vürbüerge) und einem Oberriemen (surzengel) gehalten. Der Brustriemen war besonders wichtig, denn er verhinderte, dass der Sattel beim Lanzenstoß nach hinten wegrutschte. Sporen waren bereits in der Antike bekannt. Im Mittelalter mussten sich die Ritter "ihre Sporen erst verdienen", die sie beim Ritterschlag (Schwertleite) feierlich überreicht bekamen. Es gab Radsporen und Stachelsporen. Das Zaumzeug mit Stangentrense unterschied sich ebenfalls kaum von dem heute noch üblichen.

Wappen

Der geschlossene Topfhelm machte es im Feldkampf und Turnier unmöglich, seinen Träger zu identifizieren. Dieser Umstand war eine wesentliche Ursache für die Entstehung des Wappenwesens (Heraldik). Zwar gab es schon früher Schildbemalungen und Helmschmuck, doch feste Wappenbilder setzten sich erst seit den Kreuzzügen und mit dem Aufkommen des Visierhelms durch. Um nicht von den eigenen Leuten erschlagen zu werden, verzierten die Ritter ihre Gewänder, ihren Schild, ihren Waffenrock (Kursit), die Pferdedecke, ihren Helm (Zimier) und manchmal auch die Lanzenfahne mit einem unverwechselbaren Erkennungszeichen, dem Wappen.   [Fußnote zu Wappen]

Das Recht, ein Wappen zu tragen, stand zunächst nur dem Adel zu, der es nach Lust und Laune wählte. Von der Mitte des 13. Jahrhunderts an galten dagegen strenge Regeln, da zu dieser Zeit auch bürgerliche und bäuerliche Wappen in Mode kamen. Vom 14. Jahrhundert an gab es eine solche Wappenflut, so dass nur noch besonders geschulte Wappenkundler dieses schwierige System durchschauten. Seit dem 15. Jahrhundert existierten sog. Wappenbriefe, mit denen das Recht verliehen wurde, ein Wappen zu führen. Kam eine Heirat zwischen zwei Familien zustande, die verschiedene Wappen trugen, wurden beide zusammen auf einem Schild abgebildet. Wenn deren Nachkommen wieder in andere Familien einheirateten, konnten die Wappenschilde sogar geviertelt werden.  

Wappenschmuck beschränkte sich nicht nur auf Ritter und Pferd, sondern zierte auch bald Gebäudeteile der Burg wie Tore, Türe und Wände. Heraldische Farben sind vor allem die metallischen Töne, gelb für Gold und weiß für Silber, sowie schwarz, rot, purpur, blau und grün

Rüstungsherstellung

Voraussetzungen für die Herstellung von Rüstungen waren eine funktionierende Eisen-, Kupfer- und Bronzeproduktion sowie fachlich ausgebildete Handwerker. Meist wurden die Rüstungen in Städten gefertigt, weil hier das auf Metallverarbeitung spezialisierte Gewerbe angesiedelt war. Zu den wichtigsten Rüstungshandwerkern gehörten Helmschmiede, Schildmacher, Sarwörter (Ringpanzermacher), Harnischfeger und Plattner.  

Die althochdeutsche Bezeichnung für Kettenpanzer ist sarwat. Panzerschmiede wurden demnach Sarwörter bzw. auch Ringmacher oder sarrincmecher genannt. Im Jahr 1293 werden solche Sarwörter erstmals in Köln, der Hochburg deutscher Waffenherstellung, erwähnt. Ihr Handwerk dürfte aber schon wesentlich älter sein. Der Rat der Stadt Köln verfügte im Jahr 1397, daß kein Harnisch aus der Stadt ausgeführt werden dürfe, der nicht zuvor von kundigen Handwerksmeistern begutachtet worden war. Diese "Schau" sollte verhindern, daß schlechte Qualität die Stadt verließ und ihrem Ruf schadete. Der Qualitätssicherung dienten auch die Ende des 14. Jahrhunderts nachweisbaren Zünfte, die für angehende Sarwörter eine 6jährige Lehrzeit und die Anfertigung eines Meisterstückes vorschrieben. 
Deutsche Plattnerzentren waren in Augsburg, Landshut, Braunschweig, Innsbruck, Köln und Nürnberg zu finden , in Europa führend waren aber die Plattner in Mailand.  

Das verwendete Eisenmaterial war recht weich und nicht mit unserem heutigen Stahl zu vergleichen. Deshalb ließen sie sich auch im kalten Zustand bearbeiten. Wollte man eine Rüstung besonders widerstandsfähig machen, musste man dickeres oder härteres Material verwenden. Letzteres war wegen der Eisenqualität aber nur bedingt möglich. Zwar kannte man das Härten von Eisen durch mehrmaliges Überschmieden, aber dieses Verfahren war zeitaufwendig und damit teuer. Das Härten und die Vergütung von Metallen durch einfache Wärmeverfahren wurde erst Ende des 15. Jahrhunderts machbar, als man reinere Metalle herstellen konnte. Zur Herstellung von Blechen mussten Plattner und Helmschläger die rohen Eisenklumpen mühsam mit dem Hammer bearbeiten, denn die Walztechnik war im Mittelalter noch nicht bekannt. Es gab aber wasserbetriebene Hammerwerke, welche die grobe Bearbeitung des Eisens erleichterten. Durch die vielen Hammerschläge entstand eine ungleichmäßige Blechplatte mit zahlreichen Dellen. Auf diese zeichneten die Handwerker mit Hilfe von Schablonen die Umrisse der einzelnen Rüstungsteile auf. Mit Hammer und Meißel bzw. mit einer Art Blechschere wurden die Stücke herausgetrennt und anschließend im kalten Zustand auf Ambossen weiter bearbeitet. Stark gebogene und gewölbte Formen hingegen, wie etwa die Scheitelplatten der Helme oder gebördelte Ränder, mussten heiß geschmiedet werden, um die Spannung aus dem Metall zu nehmen und ein Reißen der Metallstruktur zu verhindern. Die Hammerdellen wurden in der Schleifmühle beseitigt. Die einzelnen Teile wurden je nach Verwendungsart zusammengenietet oder mit Scharnieren und Schnallenlöchern versehen. Zum Schluss wurden die Bleche mit der Hand oder in Harnischmühlen poliert. Nicht metallische Verbindungsteile der Rüstung aus Holz, Horn oder Leder wurden bei den entsprechenden Handwerkern besorgt und während der einzelnen Arbeitsgänge eingesetzt.