Dachsenhausen am Mittelrhein

Zur Geschichte von Dachsenhausen

Dachsenhausen wird erstmals in einer Kaufurkunde des Klosters Eberbach im Rheingau am 29. Sept. 1277 urkundlich erwähnt.  Dabei geht es um den Erwerb von Weinbergen in Braubach, in dessen Zusammenhang ein Schöffe namens Hartung von Dossinhusin als Zeuge erwähnt wird. Die Endung "-hausen" lässte jedoch die Schlussfolgerung zu, wonach Forscher Ortsnamen mit dieser Bezeichnung in die Zeit des ausgehenden 9. Jahrhunderts einordnen. Der über die Jahrhunderte einem ständigen Wandel unterlegene Ortsname findet sich in mittelalterlichen Quellen in folgenden Schreibweisen: 1277/1356 Dossinhusin, 1377 Doyssinhusen, 1422 Dossenhusen, 1453 Daissenhusen, 1506 Daessenhussen, 1565/70  Dussenhausen / Dossenhauszen / Daxsenhauszen / Duissenhausen, 1609 Dachsenhausen / Daxsenhausen.

Zur Frage nach der Bedeutung des Ortsnamens lassen sich für Dachsenhausen drei Thesen aufstellen. Dazu ist die Betrachtung der ersten überlieferten Schreibweise von enormer Bedeutung. In der Urkunde von 1277 wird von Dossinhusin gesprochen. Zusammengesetzt aus zwei Worten lässt der zweite Teil nur die Schlussfolgerung zu, dass mit -husin ein Haus, eine Behausung oder ein Anwesen gemeint ist. Das Wort  Dossin hingegen ist in seiner Herkunft und Bedeutung nicht eindeutig zu fassen. Zum einen ist man der Meinung, dass sich hinter diesem Wort der Männername Dasso verbirkt und man somit annehmen könne, dass sich die ursprüngliche Bedeutung "Das Anwesen des Dasso"  hinter dem Ortsnamen verbirgt. Anders hingegen könne man eine Verbindung zum mittelhochdeutschen Wort tateren sehen, das soviel wie "schwätzen" heißt, woraus sich "Datterer" gebildet habe und man von einem "Wohnort der Schwätzer" ausgehen könne. Zum letzten Erklärungsversuch muss man sich vergegenwärtigen, dass sich im ausgehenden 16. Jahrhundert das "s" in ein "x" verwandelte. So kommt man zur Bedeutung "verfertigt", "bezimmert" und "kunstvoll gebaut", was im Kontext des Ortsnamen die Herkunft als "Das kunstvoll gebaute Haus" annehmen lässt.

Die Besiedlung von Dachsenhausen, das in der Braubacher Mark lag und zum Amt Brauchbach gehörte, ging wahrscheinlich nicht von Braubacher Bürgern aus, sondern geschah von außerhalb. Dies ergibt sich aus dem bis ins 18. Jahrundert praktizierten Brauch, dass der Schultheiß von Dachsenhausen am Amtsgericht Brauchbach dem ältesten Ratsverwandten sein Messer falsch herum einzuhändigen hatte. Somit wurden die Dachsenhäuser Bürger nur auf Gnade geduldet und waren keine Gleichberechtigten in der Braubacher Mark.

Dachsenhausen gehörte damals zu Braubach und der Besitzwechsel der Stadt Braubach unter den Landesherren trifft demnach auch für Dachsenhausen zu. So gab es zunächst ein edelfreies Geschlecht von Braubach. Deren Besitzungen erhielten darauf die Herren von Eppstein, die mit dem Ort und der Burg im 13. Jahrhundert von Kurpfalz belehnt waren. 1283 gingen Burg und Stadt Braubach in den Besitz der Grafen von Katzenelnbogen über. Einer erneuter Wechsel der Landesherren war 1479 zu verzeichnen, als  nach dem Aussterben der Katzenelnbogen die Landgrafschaft Hessen und 1567 Philipp II. von Hessen-Rheinfels die Besitzungen erhielt. Kurze Zeit war Braubach Residenz des Landgrafen Johann von Hessen (1643-1651). Nach seinem Tod gehörte Braubach bis 1803 zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Danach fiel es an das Herzogtum Nassau.

Die kirchliche Zugehörigkeit von Dachsenhausen geht auf die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Marienfels zurück. Doch war wohl die Kapelle zu Dachsenhausen zuvor dem Hl. Goar geweiht. 1356 wurde die Pastorei Marienfels in vier Filialen, darunter eine zu Dachsenhausen, aufgeteilt. Am 25 Nov. 1357 wiederum sah sich der Erzbischof von Trier genötigt aufgrund einer allzu weltlichen Lebensführung der dortigen Geistlichen die Kapellen von Niederbachheim und Dachsenhausen von der Kirche zu Marienfels abzutrennen, wobei Niederbachheim Mutterkirche und Dachsenhausen Filiale derer wurde. Im Jahr 1517 wurde Dachsenhausen im Zuge der Reform lutherisch.

NACHWEISE

Verfasser: Paul Sebastian Moos

Literatur: 

  • Clotz, Paul Martin: Chronik des Dorfes Dachsenhausen. Dachsenhausen 2008.
  • Gensicke, Hellmuth: Das Kirchspiel und Gericht Dachsenhausen. In: Nassauische Annalen 71 (1960). S. 189-200.

Erstellt: 26.02.2009