Spay am Mittelrhein

Zur Geschichte von Spay

200 Meter westlich des Bahnhofes wurden 1952 am abhang des Petersberges beim Neubau der Umgehungsstraße (B 9) die Reste eines römischen Kolossaldenkmals zerstört. Bei der unsachgemäßen Bergung durch die Arbeiter kamen Reste von Gliedmaßen zutage, dazu ein 50 cm hoher Kopf eines möglicherweise als Jupiter anzusprechenden Götterstandbildes. Außerdem wurde ein zweiter etwas kleinerer Kopf des Standbildes eines Jugendlichen geborgen. Im Jahr 1957 wurden in der Niederspayer Gemarkung die Grundmauern einer römischen Villa entdeckt.

Mit dem Einsickern fränkischer Volksstämme in das Rheinland, verließen nach dem Abzug der römischen Truppen auch die meisten römischen Grundbesitzer das Land. Die Franken schufen sich eigene Siedlungsplätze und der römische Gutshof wurde aufgegeben.
Die fränkischen Könige besetzten vielleicht in Gestalt eines fränkischen Adligen auch den Ort, an dem der Ort Spay entstehen sollte. Doch anders als bei manchen anderen Orten, übertrug sich kein Personenname auf die Siedlung, sondern die ersten Kolonisten nannten den entstehenden Ort nach einer örtlichen Besonderheit. Etymolgisch gesehen lässte sich der Ortsname aus germanisch spaj = „Wasserdurchlass“ herleiten. Die Namenzusätze Nieder- und Oberspay wurden aufgrund der Bildung von mehreren Siedlungsplätzen notwendig. Die Ortsnamen Kieselspay und Niederspay bezeichnen dieselbe Siedlung. Das mittelhochdeutsche kisel ist mit „Kiesel“, „Geröll“ zu übersetzen.
Erstmals erwähnt wird der Reichsort im Jahr 821 als in Speien in occidentali litore. Später taucht der Ort auch in abgewandelter Schreibweise auf: 874 heißt es in...Speion; 1143 que dicitur Speiia; 1223 de Speiie; 1230 de Kissilspeie; 1242/95 Kisilspeie, Kisilspeye; 1296 in villa Speye inferiori; ca. 1300 Kysilspeie; 1322 in...Schuzelspeie; 1555 zu Kisel Spey; ca. 1690 Nid. Spey; um das Jahr 1700 Kisselspey; 1787 Niederspey.
Auch Oberspay wird früh erwähnt. 874 in...Ouerspeion; 1211 de Overspeie; 1236 apud Ovirspeie, de Speie; 1276 aput Speie superiorem; 1318 Oberspeye; ca. 1690 Ob.Spey; ca. 1700 Mittelspey und 1787 Oberspey.

Spay wurde stets als Dorf (villa) bezeichnet. Im Jahr 1454 werden in Niederspay erstmals Heimbürgen, 1602 ein Schulheiß erwähnt. In Oberspay erscheint schon 1228 ein Schultheiß und 1372 bzw. 1454 Heimbürgen. Das Spayerer Rathaus stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach dem Ort Spay benannte sich ein Niederadelsgeschlecht, 1228 mit Ritter Sifrid von Ovirspeie, Sohn Witkindus, Neffen Otto und Konrad sowie Ritter Dragebodo erstmals erwähnt. 1230 erscheint Dragebodo von Kisilspeie. Das umfangreiche Geschlecht hat sich Anfang des 13. Jahrhunderts in mindestens drei Linien verzweigt.

Sowohl in Ober- wie auch in Niederspay sind im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche weltliche Herren sowie und geistliche Korporationen begütert gewesen. Spay gehörte zum Amt Boppard. Die Einwohner unterstanden vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit der Landeshoheit der Trierer Erzbischöfe. Das Hochgericht versah der trierische Amtmann von Boppard. Das Niedergericht wird erstmals im Jahr 1338 erwähnt. Das Gericht Kyselspeye war trierisches Lehen der Herren von Isenburg (Erben der Grafen von Arnstein). Als Untervögte der Herren von Isenburg amtierten die Boos von Waldeck. Nach dem Aussterben der Isenburger Linie 1664 fiel das Gericht an Kurtrier zurück Nach der französischen Besetzung des linken Rheinufers gehörte Spay 1798 zum Kanton Boppard, Arrondissement Koblenz und im Jahr 1800 zur Mairie Rhens. Nach dem Wiener Kongress (1815) wurde Niederspay 1816 der preußischen Bürgermeisterei Boppard zugeteilt. 1948 gehörte Niederspay zum Amt Boppard, Landkreis St. Goar. 1969 kam es zur Auflösung der Gemeinde und zur Bildung der Gemeinde Spay (zusammen mit Oberspay). Seit 1970 gehört Spay zur Verbandsgemeinde Rhens (Landkreis Mayen-Koblenz).

Die Bewohner Spays gingen der Fischerei nach. Der Salmenfang im Rhein war seit ca. 1478 im Besitz der Trierer Erzbischöfe und der Grafen von Katzenelnbogen. Jede Herrschaft bestimmte einen Vertreter (Salmenschultheiß) zur Überwachung des Fangs und der Belehnung. 1557 wurde ein Vertrag über den Salmenfang zwischen den beiden Herrschaften geschlosen: jedem sollte die Hälfte des Fangs zukommen. Auch später war der Salmenfang umstritten. In Niederspay und Osterspai gab es - wie auch in den Orten Oberlahnstein, Rhens, Braubach und Boppard - im 17. und 18. Jahrhundert sogenannte Schiffsmühlen auf dem Rhein, die heute kaum noch bekannt sind. Die Lotsen von Nieder- und Oberspay gehörten zu den wohlhabenden Bürgern. Im Jahr 1969 wurden Nieder- und Oberspay zur Gemeinde Spay vereinigt. Der ehemalige Ort Petersspay war schon im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) untergegangen. Seit 1970 ist Spay zusammen mit Rhens, Brey und Waldesch Teil der Verbandsgemeinde Rhens.

Quelle: Rettinger, Historisches Ortslexikon (s. rechte Spalte); Cüppers. Römer; Homepage der Verbandsgemeinde; redakt. Bearb. S.G.