Ober-Olm in Rheinhessen

Zur Geschichte von Ober-Olm

Frühgeschichte und Mittelalter

Zu sehen ist St. Martin in Ober-Olm
St. Martin in Ober-Olm.[Bild: Georg Dahlhoff]

Für das Gebiet Ober-Olms lässt sich eine Besiedlung durch Acker- und Viehbauern im 4. Jahrtausend v.Chr. nachweisen. Heute lassen noch drei dieser ursprünglichen Siedlungskerne im Ort selbst ausmachen: Im Gebiet zwischen der Kirche und der Obergasse, um die Valentinus-Kapelle herum sowie im Raum Ulzheim.[Anm. 1] Mit dem Bau des römischen Militärlagers in Mainz im Jahr 10 v.Chr. entstanden auch im linksrheinischen Hinterland Landgüter, sog. „villa rusticae“. Im Jahr 97 n.Chr. ließ der römische Konsul Vejento in der Ober-Olmer Flur „Villenkeller“, neben seinem Besitz im Raum Klein-Winternheim, einen Tempel für die keltische Waldgöttin Nemetona errichten.[Anm. 2]

Wie Nieder-Olm und Klein-Winternheim befand sich auch Ober-Olm seit der Merowingerzeit als geschlossener Komplex in der Hand des Mainzer Bischofs. Auch hier verwandte der Metropolit die Güter zur Ausstattung der Mainzer Stifte und Klöster sowie zur Belehnung seiner Ministerialität. Allerdings behielt er in Ober-Olm zunächst einen sehr bedeutsamen Fronhof, zu dem auch die Kirche des Ortes sowie vermutlich die Filialkirche in Klein-Winternheim gehörte. Diesen Hof stellte Erzbischof Hatto 899 der Kaiserinwitwe Uta zur Verfügung, wofür ihm im Gegenzug der königliche Hof in Nierstein übertragen wurde.

Am 23. November 994 stellte König Otto III. eine Urkunde aus, die Schenkung des Niersteiner Hofes bestätigte. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung Ober-Olms (hier „Ulmena“), die sich abschriftlich im Kopialbuch des Erzstifts Mainz erhalten hat.[Anm. 3]

Unter Konrad von Wittelsbach wurden die Einkünfte des Ober-Olmer Hofes an das Mainzer Domkapitel verpfändet.

1143 erschien der Ort Ober-Olm in einer weiteren Urkunde des Erzstifts Mainz; nun als „Ulmena superior“[Anm. 4]

Christian von Buch gab während Konrads Exil außerdem die 1163 von der Verpfändung noch ausgenommenen Gerichtsrechte des Erzbischofs als Pfand an Reinboto von Bingen, die Konrad jedoch nach 1183 wieder auslöste. Unter den zahlreichen Güterübertragungen an Mainzer Kirchen ist besonders die des Jahres 1144 hervorzuheben. In diesem Jahr schenkte Erzbischof Heinrich dem Kloster Eberbach 20 Hufen Waldland im heutigen Ober-Olmer Wald und schuf damit die Grundlage für den Birker Hof, eine zunächst vorwiegend auf Viehwirtschaft konzentrierte Grangie des Zisterzienserklosters, auf der aber später auch Acker- und Weinbau betrieben wurde. In Ober-Olm waren weiterhin unter anderem begütert: Das Mainzer Domkapitel, die Stifte Ravengiersburg, St. Johannes, St. Stephan, Mariengreden, St. Viktor, St. Peter sowie die Klöster Maria Dalheim, Dominikaner und Kartause in Mainz, das Allerheiligenkloster in Wesel und die Weißfrauen in Mainz.

Die Ortsherrschaft des Mainzer Erzbischofs in Ober-Olm war zu keiner Zeit gefährdet; lediglich durch Verpfändungen wurde seine Verfügungsgewalt über den Ort mehrfach kurzzeitig unterbrochen. Nach dem Bau der erzbischöflichen Burg in Nieder-Olm verlagerte sich allerdings die Verwaltungszentrale vom Ober-Olmer Hof hin zum bis dahin unbedeutenderen Nieder-Olm. In Ober-Olm finden sich dagegen lediglich Hinweise auf einen befestigten Friedhof, der 1348 auf Verlangen der Stadt Mainz niedergelegt werden musste.

Die zweite Kirche im Ort – die St. Valentin geweihte Valentinus-Kapelle wurde 1342 erstmals urkundlich genannt. Außerdem wurde im Jahr 1446 die Beschäftigung eines Schulmeisters im Ort erwähnt.[Anm. 5] Etwa einhundert Jahre später war Ober-Olm der größte Ort des Landkreises Mainz und wurde nun als „Ober-Ulmen“ bezeichnet. Diese Blüte hielt bis zum Jahr 1582 an. Dann brach am 25. Juni jenes Jahres ein Feuer aus, welches ungefähr die Hälfte des Dorfes verzehrte. Am 4. April 1603 wütete erneut ein Brand, bei dem der Ort fast vollständig zerstört wurde. So auch die Pfarrkirche St. Martin und die Valentinus-Kapelle. Die Kirchen wurden erst 1688 bzw. 1717 wiederaufgebaut.[Anm. 6]


 

 

Frühe Neuzeit und Weg in die Moderne

Während des Dreißigjährigen Krieges marschierte am Heiligen Abend des Jahres 1631 das schwedische Heer unter Gustav Adolf in Mainz ein. Im Zuge dessen wurde auch Ober-Olm durch schwedische Truppen besetzt, die sich im Ort einquartierten und für die Bevölkerung vermutlich eine erhebliche Belastung darstellten. Insgesamt scheint Ober-Olm aber vom Krieg, seinen Gräueln und der damit einhergehenden Entvölkerung weitgehend verschont geblieben zu sein, denn im Jahr 1665 wurden dem Ort noch über 800 Einwohner zugeschrieben. Im folgenden Jahr brach dann die Beulenpest aus, die zwischen Juli und Oktober wütete und 167 Menschenleben forderte. Ebenso scheinen etliche Bewohner vor der Pest geflohen zu sein. Letztlich blieben von ursprünglich 162 ansässigen Familien nur 76 übrig, sodass im Jahr 1713 noch 314 Einwohner verzeichnet waren. Es dauerte etwa ein knappes Jahrhundert bis der Ort wieder die Einwohnerzahl der Vorpestjahre erreicht hatte.[Anm. 7] Im Jahr 1764 ließ Erzbischof und Kurfürst Emmerich Joseph von Breitenbach-Bürresheim am Südrand des Ober-Olmer Waldes ein Jagdschloss errichten, das nach der Franzosenherrschaft 1816 Staatseigentum des Großherzogs von Hessen wurde und nun als „Altes Forsthaus“ bekannt ist. Heute befindet es sich in Privatbesitz.[Anm. 8]

Zwischen 1797 und 1814 stand das Gebiet des vormaligen Kurmainz unter französischer Herrschaft. Folglich wurden 1802 die jungen Männer Ober-Olms eingezogen, um in der Armee Napoleons zu dienen. Die überlebenden Veteranen seiner Feldzüge stifteten zum Gedenken 1842 einen „Napoleonstein“ auf dem Friedhof. Gleichsam wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 dort Gedenkstein errichtet, der nach dem Zweiten Weltkrieg umgesetzt wurde, da er einem Mahnmal für die Gefallenen jenes Krieges weichen musste.[Anm. 9]

Am 23. August 1857 wurde Ober-Olm von der bislang schwersten Feuersbrunst getroffen. Über 180 Gebäude brannten ab. Ein Grund für die wiederkehrenden schweren Brände war die sich entsprechend nachteilig auswirkende Hanglage des Ortes, die dazu führte, dass starke auf den Ort treffende Süd- und Westwinde die Brandherde schnell weiter anfachten.[Anm. 10]

In das 19. Jahrhundert fielen die Gründungen vieler Vereine: So z.B. des Männergesangsvereins „Cäcilia“ 1847, des Turnvereins 1848 oder des Quartett-Vereins 1863. Auch unter baulichen Aspekten tat sich einiges im Ort: So wurde Ober-Olm im Jahr 1870 mit dem Bau des Bahnhofs Klein-Winternheim/Ober-Olm an die neue Bahnlinie Mainz/Alzey angeschlossen, 1879 wurde die St. Martinskirche weitgehend abgerissen und durch einen neugotischen Bau ersetzt, 1887 wurde das Schulgebäude an der Kirchgasse eingeweiht und 1898 ein evangelischer Betsaal im Haus in der Bahnhofstraße 6 erbaut.[Anm. 11]

Das 20. Jahrhundert begann in Ober-Olm mit der Verlegung einer ersten Wasserleitung im Ort und dem Bau einer Pumpstation im Jahr 1900. Das Wasser kam aus drei Quellen am Ebersheimer Berg, die bis heute Wasser für den Ort liefern. Zu dieser Zeit belief sich die Einwohnerzahl auf 1413 Einwohner. Zehn Jahre nach dem Bau der Wasserleitung erhielt die Gemeinde schon elektrisches Licht.[Anm. 12] Nach dem Ersten Weltkrieg, kam es vermutlich im Herbst 1918 zu einer Einquartierung französischer Soldaten im Dorf. Wie lange diese bestand ist unbekannt.[Anm. 13] Von einer schlechten wirtschaftlichen Lage wie an vielen anderen Orten während der Zwischenkriegszeit kann in Ober-Olm wahrscheinlich keine Rede sein. Der Großteil der Dorfbevölkerung war in der Landwirtschaft beschäftigt. Dort wurde der neben dem Anbau gewöhnlicher Feldfrüchte auch der Anbau von Obst, Wein und Spargel betrieben. Gleichsam gab es Handwerksbetriebe, Weinbrennereien und Gaststätten im Ort. Ebenso engagierte sich die Bevölkerung in Musikvereinen, Sportvereinen, einem Reiterverein und dem Katholischen Männer- und Arbeiterverein.[Anm. 14]

Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Männer Ober-Olms zum Kriegsdienst herangezogen. Aus dieser Not heraus gründete sich im Jahr 1944 eine Frauenfeuerwehr im Ort, die über zwei Jahre Bestand hatte. Ebenso wurden die als „wehruntauglich“ klassifizierten übrigen Männer zur sog. Heimatflak Becherweg herangezogen.[Anm. 15] Am 21. März 1945 marschierten amerikanische Truppen in der Gemeinde. Damit war der Krieg in Ober-Olm zu Ende.

Am 10. Juni 1956 weihten die Ober-Olmer ein Denkmal für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs ein. Im gleichen Jahr wurden Untersuchungen und Bohrungen nach Öl am Mühlweg vorgenommen, die 1957 mangels Funden eingestellt wurden. Das neue Schulhaus wurde 1960 eingeweiht. Im Jahr 1972 wurde Ober-Olm im Zuge einer Verwaltungsreform des Landes Rheinland-Pfalz der Verbandsgemeinde Nieder-Olm zugeschlagen. Zu dieser neuen Verbandsgemeinde gehören Essenheim, Jugenheim, Klein-Winternheim, Nieder-Olm, Ober-Olm, Sörgenloch, Stadecken-Elsheim und Zornheim.[Anm. 16]

Eines der Wahrzeichen des Ortes – eine Ulme, die etwa 1335 gepflanzt wurde – fiel im Jahr 1985 der Ulmenkrankheit zum Opfer und musste bis auf den Stamm abgetragen werden. Dieser Stand noch bis 2009 und musste dann ebenfalls gefällt werden.[Anm. 17]

Ins Jahr 1988 fiel die Gründung der Ober-Olmer Arbeiterwohlfahrt und im folgenden Jahr wurde die neu errichtete Sport- und Freizeithalle eingeweiht sowie die Neugestaltung des Kerbe- und Festplatzes in Angriff genommen. Zu diesen Bauprojekten kam 1990 die Erschließung des Baugebietes „Auf der Blitz“ mit 54 Grundstücken sowie 1994 das Baugebiet „Mainzer Weg/Pfannenstiel I“ mit 60 Grundstücken. Das Jahr 1994 stellte für den Ort ebenfalls ein Jubiläumsjahr dar: 1000 Jahre zuvor war die Gemeinde Ober-Olm erstmal urkundlich erwähnt worden.[Anm. 18]

Nachweise

Verfasser: Hauke Petersen

Verwendete Literatur:

  • Bär, Babriele [u.a.]: Aus der Ortsgeschichte. In: Verein für Dienstleistung und Gewerbe e.V. Ober-Olm (HG.): Dienstleistung und Gewerbe in Ober-Olm. Ober-Olm 2012.
  • Schmitt, Heribert [u.a.]: Aus der Ober-Olmer Ortsgeschichte. In: Gemeinde Ober-Olm (HG.): Das Dorf in dem wir leben, Ober-Olm. Horb am Necker ²2004.

Aktualisiert am: 29.07.2016

Anmerkungen:

  1. Vgl. Bär, Gabriele [u.a.]: Aus der Ortsgeschichte. In: Verein für Dienstleistung und Gewerbe e.V. Ober-Olm (HG.): Dienstleistung und Gewerbe in Ober-Olm. Ober-Olm 2012, S. 6. Zurück
  2. Vgl. Schmitt, Heribert [u.a.]: Aus der Ober-Olmer Ortsgeschichte. In: Gemeinde Ober-Olm (HG.): Das Dorf in dem wir leben, Ober-Olm. Horb am Neckar ²2004, S. 7, 15. Zurück
  3. Vgl. Ebd., S. 7. Zurück
  4. Vgl. Ebd. Zurück
  5. Vgl. Bär: Ortsgeschichte, S. 6. Zurück
  6. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 8. Zurück
  7. Vgl. Bär: Ortsgeschichte, S. 6; Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 8. Zurück
  8. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 8, 28. Zurück
  9. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 9. Zurück
  10. Vgl. Bär: Ortsgeschichte, S. 6. Zurück
  11. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 9. Zurück
  12. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 9. Zurück
  13. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 42. Zurück
  14. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 37-55. Zurück
  15. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 58. Zurück
  16. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 10. Zurück
  17. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 10. Zurück
  18. Vgl. Schmitt, Ober-Olmer Ortsgeschichte, S. 10. Zurück