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Sehenswürdigkeiten

Schloss Hahnheim

Das Schlösschen in Hahnheim - von Dr. Cornelia Gericke

Hahnheimer Schlösschen (Westseite)

Es begann damit, dass der Junker Albrecht von Dienheim (1526-1586) das einstmals fränkische Dorf Hahnheim im Jahre 1550 sowie die Kirche und das Pfarrecht von Christian Jett von Münzberg kaufte. Am Ortsausgang Richtung Undenheim befindet sich das Schlösschen zu Hahnheim, welches von den Herren von Dienheim im Jahre 1590/1591 erbaut wurde. Vermutlich erfolgte der Bau unter Johann Henrich von Dienheim (1557 - 1627), Sohn des Junkers Albrecht, und seinerzeit kurpfälzischer Amtmann zu Odernheim. Bemerkenswert war, dass zu dieser Zeit ebenfalls ähnliche Gebäude, Häuser oder Schlösschen in Oppenheim, Dexheim, Kreuznach, Mainz und Nieder-Saulheim durch die Familie Dienheim errichtet wurden.

Eingangsportal

Seinerzeit war das Wappen der Herrn von Dienheim über dem Portal des Schlösschens zu sehen, welches das Allianzwappen derer von Dienheim und von Spornheim darstellte. Auf diesem war ein rechtsgewendeter silberner, goldgekrönter Löwe unter einem silbernen Schild zu sehen, beidseitig von Lilien umrankt. Das Wappen ist heute leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Form vorhanden, jedoch ist noch die Inschrift der Jahreszahl zu erkennen. Bei dem Bau des Schlösschens waren Fundamente, Keller und weitere Teile des alten Mauerwerkes von einem Vorgängerbau übernommen worden, dessen Datierung nicht bekannt ist. Die Freiherren von Dienheim nutzten das Schloss lediglich bei ihren gelegentlichen Aufenthalten in Hahnheim, während ein Konsulent der Ortsherren das Schlösschen vermutlich ständig bewohnte. Ebenso wird angenommen, dass sogar der Bischof zu Speyer die gastliche Stätte seinerzeit gelegentlich zur Erholung und Muse nutzte. Hierfür spricht auch die Lage des Schlösschens in Hahnheim, die sich schon von jeher durch den guten Blick auf das Selztal, den Wahlheimer Hof sowie die umliegenden Weinbaugebiete auszeichnete.

Durch die Verwüstung der Pfalz brannte das Schlösschen vermutlich im Jahre 1689 nieder. Durch den vorletzten Ortsherren von Hahnheim, Ludwig Carl von Dienheim, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts viele Reparaturen vorgenommen. Obwohl die Herren von Dienheim in dieser Zeit selbst im Dienheimer Hof zu Mainz wohnten, blieb das Schlösschen dennoch bis Ende des 18. Jahrhunderts, als die Familie Dienheim beinahe gänzlich ausgestorben war, in deren Händen.
Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts hat mehrfach der Besitzer gewechselt, wobei der Besitz bis zum Jahre 1919 größtenteils innerhalb der Familie Schilling blieb - das Schlösschen wurde in dieser Zeit baulich verändert, jedoch verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes trotzdem zusehends.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde auf das Bemühen des Großherzoglichen Denkmalpflegers für die Provinz Rheinhessen, Professor Dr. Meissner, hin mit Hilfe des damaligen Bürgermeisters von Hahnheim, Karl-Heinz II, das Schlösschen am 25. Juni 1910 in die Denkmalliste eingetragen. Dies änderte nichts daran, dass dem Gebäude der Verfall drohte. 1919 wurde das Anwesen von dem Metzgermeister Schömbs gekauft, welcher die Kaufsumme angeblich unter anderem mit dem Verkauf zweier Nussbaumstämme finanzierte, die sich bereits auf dem Hof befunden haben sollen. In jener Zeit wurde das Schlösschen als örtliche Bürgermeisterei genutzt und im Jahre 1921 errichtete der Eigentümer in den Räumlichkeiten sogar eine Metzgerei.

Der Verfall des einstmals tadellosen Anwesens schritt voran und trotz der Tatsache, dass das Gebäude im Zweiten Weltkrieg verschont geblieben war, konnte das Schlösschen fortan nicht mehr bewohnt werden. Alle Versuche, auch von staatlicher Seite, eine Sanierung durchzuführen, scheiterten, obwohl man sich der Besonderheit des Gebäudes durchaus bewusst war. Das Schlösschen war in der Zwischenzeit in den Besitz der Tochter des Phillip Schömbs übergegangen und bei einem schweren Unwetter stürzte im Sommer 1961 das Dach vom Gebäude. Kurz bevor dem Bau der komplette Abbruch drohte, wurde das Schlösschen im Jahre 1963 von dem Kirchenrestaurator Bernhard Sucker gekauft und grundlegend renoviert. Seit dem 7.1.1968 ist das Hahnheimer Schlösschen ein geschütztes Kulturdenkmal und befindet sich heute in Privatbesitz.
Der stattliche Renaissancebau war ursprünglich von einer Wehrmauer umgeben. Bei der Renovierung wurde er wieder so aufgebaut, wie er vor dreihundert Jahren wohl ausgesehen haben mag. Ein Schalenturm wurde im Jahre 1961 abgerissen. Das Schloss wurde nach dem Vorbild des Amtshauses in Niedersaulheim rekonstruiert, was insbesondere durch die geschwungenen Giebel zum Ausdruck kommt.

An der östlichen Langseite befindet sich der haubengekrönte Treppenturm - daneben das Portal mit Wappenaufsatz. An der Treppe haben vermutlich mehr als 10 Steinmetze gearbeitet, was durch die ursprünglichen Steinmetz-Zeichen in den einzelnen Stufen, beziehungsweise Steinen belegt ist.
Die Wendeltreppe zeichnet sich dadurch aus, dass man in ihrer Mitte ein Lot herablassen kann, was bedeutet, dass sie frei schwebend konstruiert ist und nicht wie üblicherweise an einer aufsteigenden Mittelsäule entlang gebaut ist. Besonders erwähnenswert sind auch die profilierten Steinfenster, welche oben in Kreuzform geteilt sind.

Oberhalb eines Wappens im Treppenturm ist eine Fratze angebracht, die böse Geistern vertreiben soll. Im Erdgeschoss ist noch heute eine barocke Stuckdecke zu sehen - die Raumeinteilung wurde jedoch teilweise neu gestaltet.

Quellen und Bildnachweis

Quellen:
Georg Dehio: Rheinland-Pfalz Saarland, 1984.
Volker Gallé: Rheinhessen/ Entdeckungsreisen im Hügelland zwischen Worms und Bingen, Mainz und Alzey, 1984.
Werner Lang: Heimatbuch - Landkreis Mainz, 1967.
Marek Zurowski: Hahnheim 764-1990. Aus der Geschichte einer rheinhessischen Weinbaugemeinde. 1991

Bildnachweis:
Dr. Cornelia Gericke, Hahnheim
Hahnheimer Schlösschen 1952: Fotoarchiv des Landesamtes für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz