Zur Geschichte von Ober-Olm - von Sigrid Schmitt
Grundherrschaft
Wie Nieder-Olm und Klein-Winternheim befand sich auch Ober-Olm seit der Merowingerzeit als geschlossener Komplex in der Hand des Mainzer Bischofs. Auch hier verwandte der Metropolit die Güter zur Ausstattung der Mainzer Stifte und Klöster sowie zur Belehnung seiner Ministerialität. Allerdings behielt er in Ober-Olm zunächst einen sehr bedeutsamen Fronhof, zu dem auch die Kirche des Ortes sowie vermutlich die Filialkirche in Klein-Winternheim gehörte. Diesen Hof stellte Erzbischof Hatto 899 der Kaiserinwitwe Uta zur Verfügung, wofür ihm im Gegenzug der königliche Hof in Nierstein übertragen wurde. Unter Konrad von Wittelsbach wurden die Einkünfte des Ober-Olmer Hofes an das Mainzer Domkapitel verpfändet. Christian von Buch gab während Konrads Exil außerdem die 1163 von der Verpfändung noch ausgenommenen Gerichtsrechte des Erzbischofs als Pfand an Reinboto von Bingen, die Konrad jedoch nach 1183 wieder auslöste. Unter den zahlreichen Güterübertragungen an Mainzer Kirchen ist besonders die des Jahres 1144 hervorzuheben. In diesem Jahr schenkte Erzbischof Heinrich dem Kloster Eberbach 20 Hufen Waldland im heutigen Ober-Olmer Wald und schuf damit die Grundlage für den Birker Hof, eine zunächst vorwiegend auf Viehwirtschaft konzentrierte Grangie des Zisterzienserklosters, auf der aber später auch Acker- und Weinbau betrieben wurde. In Ober-Olm waren weiterhin unter anderem begütert: Das Mainzer Domkapitel, die Stifte Ravengiersburg, St. Johannes, St. Stephan, Mariengreden, St. Viktor, St. Peter sowie die Klöster Maria Dalheim, Dominikaner und Kartause in Mainz, das Allerheiligenkloster in Wesel und die Weißfrauen in Mainz.
Ortsherrschaft
Die Ortsherrschaft des Mainzer Erzbischofs in Ober-Olm war zu keiner Zeit gefährdet; lediglich durch Verpfändungen wurde seine Verfügungsgewalt über den Ort mehrfach kurzzeitig unterbrochen. Nach dem Bau der erzbischöflichen Burg in Nieder-Olm verlagerte sich allerdings die Verwaltungszentrale vom Ober-Olmer Hof hin zum bis dahin unbedeutenderen Nieder-Olm. In Ober-Olm finden sich dagegen lediglich Hinweise auf einen befestigten Friedhof, der 1348 auf Verlangen der Stadt Mainz niedergelegt werden musste.
Aus: Sigrid Schmitt: Ländliche Rechtsquellen; redakt. Bearb. S.G.

