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Mord und Memoria - Das „Mohrsche Mordkreuz“ in Leutesdorf als Beispiel für die Überbleibsel mittelalterlichen Denkens und Handelns im neuzeitlichen Totengedenken

von Rebecca Mellone

1. Einleitung

Der Leutesdorfer Daniel Mohr hat 1715 in Gedenken an seine ermordete Ehefrau Gertrud ein steinernes Kreuz an der nördlichen Grenze zu Oberhammerstein errichtet.
Auch wenn das 18. Jahrhundert Gegenstand der neuzeitlichen Forschung ist, so ist das "Mohrsche Mordkreuz" – gemäß den Anregungen des französischen Sozialhistorikers Jacques Le Goff [Anm. 1], welcher die These eines "langen Mittelalters" [Anm. 2] vertritt – doch ein Beispiel dafür, dass einzelne Phänomene sozio-kultureller Gesellschaften des Mittelalter noch in der Neuzeit existent waren. Das bedeutet, mittelalterliche Denk- und Handelsweisen, z. B. bezogen auf die Religiosität, haben sich trotz Reformation und Aufklärung in den darauf folgenden Jahrhunderten gerade in katholischen Gebieten zum Teil unberührt fortgesetzt. Im Speziellen geht es hier um den Aspekt der "Memoria" – das "Gedächtnis" insbesondere an die Toten – und ihre Erscheinungsformen.

"Memoria" ist kein Alleinstellungsmerkmal von mittelalterlichen Gesellschaften im christlichen Kulturraum. Das Gedenken an Verstorbene hat eine lange Tradition in vielen Kulturen. Aber "Memoria" spielte besonders bei den Christen des Mittelalters eine tragende Rolle. Dies lässt sich u. a. an den zahlreichen "Stiftungen fürs Seelenheil" ablesen. Es gab kaum einen Christen, der nicht durch Stiftungen in sein Heil investierte. [Anm. 3] Dies zeigt, wie flächendeckend sich der Wunsch, nach dem Tode nicht in Vergessenheit zu geraten, durch alle Bevölkerungsschichten zog.

Anhand des "Mohrschen Mordkreuzes" wird untersucht, in welcher Weise für das Mittelalter typisches Denken und Handeln in der Neuzeit noch Bestand hatte und wie "Memoria" als religiös-kultureller Ausdruck weiter in Erscheinung trat. Darüber hinaus werden Fragen erläutert wie: Welche Vorstellung machten sich die Menschen vom Tod? Warum waren Mord- und andere Wegkreuze eine ideales Mittel für die "Memoria"? Spielten dabei vielleicht regionale Faktoren eine Rolle?

Das Phänomen "Memoria" ist schon seit einiger Zeit Thema der Mittelalterforschung – aber nicht nur dort. Bereits 1994 stellte Otto Gerhard Oexle fest, dass sich seit einigen Jahren in fast allen Kulturwissenschaften ein stürmisches Interesse an Gedächtnis, Erinnerung und "Memoria" gezeigt hätte. [Anm. 4] Ebenso ist das wissenschaftliche Interesse an Steinkreuzen aller Art gestiegen, sodass einige Schriften dazu publiziert wurden. Kurt Müller-Veltin lieferte mit "Mittelrheinische Steinkreuze aus Basaltlava" 2001 ein umfassendes Standardwerk. Auch das "Mohrsche Mordkreuz" wird in seinem Buch erwähnt – eine grundlegende Auseinandersetzung damit, ist aber bisher ausgeblieben. Gebührenderweise muss betont werden, dass sich ortsansässige Leutesdorfer Heimatforscher wie Peter Brudermanns und Werner Schönhofen bereits mit dem Steinkreuz befasst haben.

Als Quelle steht nicht nur die Realie selbst zur Verfügung – zudem konnten, wenn auch in spärlichem Umfang, Eintragungen aus den Leutesdorfer Kirchenbüchern herangezogen werden. Darüber hinaus war ein Fragebogen erstellt worden, welcher von Martin Mohr, einem Nachfahren Daniel Mohrs, in schriftlicher Form ausgefüllt wurde.

2. Das "Mohrsche Mordkreuz"

2.1. Lage und Zustand

Das Kreuz ist aus Basaltstein gefertigt. Es befindet sich in der Ortsgemeinde Leutesdorf im Kreis Neuwied, an der Bundestrasse 42, direkt an der nördlichen Grenze zu Oberhammerstein. Diese Grenze wird markiert durch den Olterbach und durch einen Grenzstein, der in diesem Bach aufgestellt wurde. Links neben der B 42 in Richtung Köln verläuft der Bahnverkehr.

Vorweg ist zu bemerken, dass das Kreuz nicht mehr in situ steht. Das bedeutet, dass es sich ursprünglich einige Meter weiter weg von der jetzigen Stelle befunden hat. Es sei im Zuge des Eisenbahnbaus in den 1870er Jahren versetzt worden. Bis vor ein paar Jahren sei das Kreuz noch tief in der Erde versunken gewesen. Erst 2001 habe man es im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten mit Hilfe eines Krans aus der Erde ziehen und freilegen können. Dabei sei erstmals der Sockel des Kruzifixes entdeckt worden. Dann sei das Kreuz, abermals verrückt um zwei Meter, wieder aufgestellt worden. Die Familie Mohr habe es in den letzten Jahrzehnten mehrfach restauriert. Zuletzt sei es auf eine Bruchsteinmauer gesetzt und befestigt worden. [Anm. 5]

2.2. Äußere Form

Wie schon angesprochen handelt es sich um ein Kreuz, das auf einem Sockel steht. Sowohl das Kreuz als auch der Sockel sind aus Basaltstein gehauen. Das Kreuz misst 1,83 Meter in der Höhe. Der Sockel ist 0,47 Meter hoch und 0,54 Meter breit. Dies ergibt eine Gesamthöhe von 2,30 Meter. Die Spannweite der Kreuzarme beträgt wie beim Sockel ebenfalls 0,54 Meter.

Der obere Teil des Kreuzes bildet gleichzeitig das Kruzifix, an dem der gekreuzigte Christus hängt. Darüber steht die Inschrift "INRI" – dies sind die Initialen für "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum", was aus dem Lateinischen übersetzt heißt: "Jesus von Nazaret, König der Juden".

Auf das Standbein des Kreuzes wurde ein Krug oder eine Vase mit zwei Henkeln gehauen, aus welcher drei Blumen ragen. Darüber hinaus erstreckt sich über das Standbein und den Sockel eine Inschrift. Eigenen Untersuchungen zufolge steht dort folgendes geschrieben:


3. Fakten und Interpretation

Die Gestaltung des "Mohrschen Mordkreuzes", Inschrift und Dekor ermöglichen nun zwei Zugänge, um etwaige weitere Botschaften jenseits des bisher Erfassten zu entschlüsseln. Zum einen müssen die Abkürzungen in der Inschrift aufgelöst werden, zum anderen ist in Erfahrung zu bringen, welcher symbolische Wert hinter dem Krug respektive der Vase mit drei Blumen darin stecken könnte.

3.1. Inschrift

Vergleichsbeispiele lassen die Vermutung zu, dass die Abkürzungen "S- H- F" für "seine Hausfrau" und "D- S- G- G" für "Der Seele Gott Gnad" stehen. Kurt Müller-Veltin hat die gleichen Abkürzungen in Inschriften anderer Kreuze auf diese Weise aufgelöst. [Anm. 6] Jedoch erbringt er keinen Beweis für seine Schlussfolgerung. Fakt ist, dass solche Abkürzungen, so oder ähnlich, zumindest am Mittelrhein und in der Eifel gebräuchlich waren. Oft nur in anderer Reihenfolge, wie z. B. "G.G.D.S." [Anm. 7] oder "G.D.S.G.". [Anm. 8] Auskunft darüber gibt auch das Buch "Die Inschriften der alten Grabdenkmäler und Wegkreuze der ehemaligen kurkölnischen Ämter Linz/Altenwied". Darin sind zahlreiche Inschriften von Kreuzen unterschiedlichster Datierung aufgeführt. Sie reichen vom 14. bis ins 19. Jahrhundert. [Anm. 9] 

Ein plausibles Argument, das dafür spricht, dass es sich bei den Codes "S- H- F" und "D- S- G- G" tatsächlich um "seine Hausfrau" und "Der Seele Gott Gnad" handelt, liefern einige Beispiele, wo diese Formulierungen in dieser oder ähnlicher Weise gebraucht werden – eben nur ausgeschrieben: Wie z. B. auf einem Grabkreuz in Linz am Rhein aus dem 17. Jahrhundert. Da heißt es: "IOHAN STERN ANNA SINE HUSFRAW".[Anm. 10] Oder ein weiteres Beispiel aus Obermendig in der Nähe von Maria Laach: "DEN 23. NO(vem)B(e)R. IOHAN DORFER IST BLIEUEN (blieben) VNDER EINEM WAGEN-LAUFS. DER SELEN GOT GNAD." [Anm. 11]

Zu bemerken ist aber, dass in den meisten Fällen eben Abkürzungen für feststehende Formulierungen gebraucht wurden und dass man deswegen einen allgemeinen Bekanntheitsgrad dieser Codes annehmen kann. Ein Grund dafür, dass häufig abgekürzt wurde, könnte eine Kostenfrage gewesen sein. Erst einmal hat das Meißeln selbst mehr Kosten verursacht und zum anderen hätte man mehr Fläche benötigt. [Anm. 12]

Wenn man davon ausgeht, dass die Abkürzungen richtig aufgelöst sind, erhalten wir nun allein aus der Inschrift und der Stellung des Kreuzes die Auskunft, dass Gertrud Mohr am 17. Oktober 1715 von einem Nicklas Kotzet aus "Nelen - Hausen" in der Nähe des Olterbachs umgebracht wurde und dass sie die Frau des Leutesdorfer Bürgers Daniel Mohr gewesen war.

Durch Eintragungen in den Leutesdorfer Kirchenbüchern [Anm. 13] und das "Bürger und Familienbuch Leutesdorf/Rhein" [Anm. 14] können weitere Informationen ermittelt werden. So wird offenbart, dass Gertrud Mohr geb. Pleidt am 20. Juni 1689 als Tochter von Johann Georg Pleidt und Christina Roeder geboren wurden. [Anm. 15] Sie war folglich selbst Leutesdorferin und zum Zeitpunkt ihrer Ermordung 26 Jahre alt. Näheres zum Umstand ihres Todes kann aber nicht in Erfahrung gebracht werden, da die Kirchenbücher in den Jahren um 1715 eine Lücke aufweisen. Auch zu ihrer Heirat mit Daniel Mohr konnte darin zwar nichts gefunden werden. Dafür ist die Heirat im Stammbaum der Familie Mohr verzeichnet. Ein genaues Datum fehlt allerdings. Die Kirchenbücher verraten auch, dass Daniel Mohr am 5. Mai 1686 als Sohn von Cornelius Mohr geboren wurde [Anm. 16] und dass er am 2. Januar 1766 im Alter von 79 einhalb Jahren verstarb. [Anm. 17]

Bezüglich des Mörders Nicklas Kotzet wurde nach möglichen Gerichtsakten gesucht. Die Recherchen im Landeshauptarchiv Koblenz haben aber nichts ergeben. Schwierigkeiten bereitet auch der mögliche Ort "Nelen - Hausen". Die Inschrift impliziert zwar, dass es sich um den Heimatort des Mörders Kotzet handeln müsste – merkwürdig ist aber die Punktsetzung zwischen den beiden Wörtern. Ist es nun "Nelen Hausen"? Oder hat der Steinmetz vielleicht einen Fehler gemacht und es ist doch "Nelenhausen"? Oder ist das Wort "nelen" vielleicht ein dem Ort Hausen vorgesetztes Adjektiv? [Anm. 18] Schlussendlich konnte bis heute nicht herausgefunden werden, um welchen Ort es sich handeln oder wo dieser gelegen haben könnte.

Die Detailaufnahme zeigt die Hausmarke Daniel Mohrs auf dem Sockel des Kreuzes.

Bezüglich der Inschrift ist noch die Bedeutung des runenartigen Zeichens zu klären, welches von zwei Buchstaben begleitet wird. Einige Argumente sprechen dafür, dass es sich dabei um die Hausmarke Daniel Mohrs handelt.

Das bis heute noch maßgebende Standardwerk zum Thema Heraldik ist das "Handbuch zur Heroldskunst" von Bernhard Körner. [Anm. 19] Demnach sei es schon im 16. Jahrhundert üblich gewesen, dass wappenführende Geschlechter auch eine Hausmarke besaßen – gewissermaßen als kleines Siegel. Die Hausmarken hätten zur raschen Kennzeichnung des Eigentums gedient, da sie nur aus wenigen Strichen bestanden. So konnten sie, meist mit einer Schablone, schnell auf Besitztümern angebracht werden. [Anm. 20] Später nutzten auch nicht-wappenführende Familien eigene Hausmarken als Unterschrift und Besitzanzeige.

Die Hausmarken wurden an die folgenden Generationen weiter gegeben, nur hatte jeder Nachfahre das ausdrückliche Recht, der Marke etwas hinzuzufügen und sie zu personalisieren. [Anm. 21] Neben der Hausmarke stehen links und rechts die Buchstaben D und M. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um die Initialen Daniel Mohrs. Diese Vermutung stützen zahlreiche Vergleichsbeispiele. [Anm. 22] Kurt Müller-Veltin merkt an, dass nicht viele Landschaften eine so reiche Zahl von Marken auf dem Weg- und Grabmal kennen würden wie das Gebiet der Basaltlavakreuze am Mittelrhein. [Anm. 23]

Wenn es sich tatsächlich um die Hausmarke Daniel Mohrs handelt und das ist nahe liegend, ist damit der Beweis erbracht, dass er dieses Kreuz selbst für seine Frau Gertrud aufgestellt hat.

3.2. Ikonographie

Weitere Antworten könnte auch die künstlerische Gestaltung des Kreuzes geben, die nun mit Hilfe der christlichen Ikonographie untersucht werden soll. Per se steht das Kreuz, hier noch verdeutlicht durch den Corpus Christi, für einen "gewaltsamen" Tod, die Passion Jesu, aber auch für die Erlösung. Blumen im Allgemeinen stehen in der christlichen Pflanzensymbolik für die Vergänglichkeit, die Kürze des Lebens und für das Wiedersehen nach dem Tod. [Anm. 24] Im Einzelnen haben die unterschiedlichen Blumen jeweils eigene Bedeutungen. Werner Schönhofen deutete die zwei hängenden Blumen als Rosen, die als Todessymbol zu verstehen seien. [Anm. 25] Die stehende Blume in der Mitte ist möglicherweise eine Lilie. Die dreiblättrige, stilisierte Lilie ist in der christlichen Ikonographie ein Symbol für die Gnade Gottes. [Anm. 26] Die Zahl Drei steht in der christlichen Zahlensymbolik für Vollkommenheit, die Göttliche Dreifaltigkeit und die drei theologischen Tugenden.[Anm. 27]

4. Memoria

Wenn wir die vermeintliche Hausmarke Daniel Mohrs als Beweis dafür ansehen, dass er das Kreuz selbst für seine ermordete Frau Gertrud hat errichten lassen, stellt sich nun die simple Frage nach dem "Warum?". Warum haben Menschen in der Neuzeit auch außerhalb des Kirchhofs Kreuze für Verstorbene aufgestellt? Welches Kulturmuster verbirgt sich dahinter und wie hat es sich entwickelt? Spielen dabei bestimmte Vorstellungen von Tod und Jenseits eine Rolle?

Eines ist sicher: Daniel Mohr wollte, dass die Erinnerung an seine Frau und die schreckliche Tat wach bleibt. Und damit waren Daniel und Gertrud Mohr Teil des Phänomens "Memoria". "M[emoria], die Überwindung des Todes und des Vergessens durch 'Gedächtnis' und 'Erinnerung', bezeichnet fundamentale Bereiche des Denkens und Handelns von Individuen und Gruppen und verweist auf die Fülle von Gegebenheiten in Religion und Liturgie, Weltdeutung und Wissen und auf das 'kulturelle Gedächtnis' in seinen objektivierten Formen von Memorialüberlieferungen in weitestem Umfang: Texte und Bilder, Denkmäler und Riten, Geschichtsschreibung und Dichtung."[Anm. 28]

4.1. Totenmemoria im Mittelalter

Um zu verstehen, was "Memoria" für die neuzeitliche Gesellschaft bedeutet hat, ist es notwendig, mindestens einen Blick zurück auf die Totenmemoria des Mittelalters zu richten.

Wie schon in der Einleitung erwähnt hat das Gedenken an Verstorbene in vielen Kulturen eine lange Tradition. In der römisch-heidnischen Antike z. B. wurden an den Gräbern der Verstorbenen in regelmäßigen Abständen Gedächtnismähler veranstaltet. [Anm. 29] Das Christentum hat diese Bräuche dann aufgegriffen - natürlich aber christlich modifiziert - und entwickelte sich zunehmend zu einer "Gedächtnis"- oder "Erinnerungs"-Religion. Nicht nur weil das Gedenken an die Heilstaten Gottes Hauptinhalt des Glaubens ist, [Anm. 30] sondern es ist auch des Christen Pflicht an seine Mitmenschen zu denken und für sie zu beten.

Aus dieser religiösen Verpflichtung heraus entstanden im Mittelalter z. B. die so genannten Bruderschaften. [Anm. 31] "Memoria" erlangte in der mittelalterlichen Gesellschaft derart an Bedeutung, dass sich die Menschen dafür sogar organisierten, sozusagen einen "Verein" gründeten, um den Zweck des Totengedächtnisses effizienter zu erfüllen. Hier wird "Memoria" als sozialer Faktor einer Gesellschaft deutlich erkennbar.

Das lag wohl auch daran, dass das Mittelalter dem menschlichen Bedürfnis nach einer ewigen Daseinsberechtigung unter den Lebenden viel Raum gab. Der Tod war allgegenwärtig, allein durch ständige kriegerische Auseinandersetzungen, Krankheiten und dahinraffende Seuchen. Der Wunsch der Menschen, länger auf Erden zu sein als der sterbliche Körper – wenn auch nur in Gedanken des sozialen Umfeldes – ist damit mehr als verständlich. [Anm. 32] Solche Bruderschaften hatte es z. B. in Leutesdorf bis ins späte 18. Jahrhundert gegeben, also weit über das epochal begrenzte Mittelalter hinaus. [Anm. 33]

Der größte lateinische Kirchenvater und Philosoph Augustin von Hippo (354-430) [Anm. 34] schrieb das zentrale Buch "Confessiones" – "Bekenntnisse", an der Wende von der Antike zum Mittelalter, das durchgehend das Thema "Memoria" behandelt. [Anm. 35] Darin empfahl er den Gläubigen u. a. einen Teil ihres Erbes der Kirche oder Sozialfürsorge zu widmen, um dafür das Seelenheil zu erlangen. [Anm. 36] Dieses Buch Augustins prägte keine Epoche so sehr wie das Mittelalter - das bezeugen zahlreiche Stiftungen oder eben die Bruderschaften. Die Menschen haben sich nicht allein darauf verlassen, dass die Erinnerung an sie nach dem Tode durch Verwandte oder Freunde bestehen bleibt. [Anm. 37] Durch das Stiften sorgten sie selbst dafür, dass man ihrer dauerhaft gedachte.

Aber im Mittelalter ging es nicht allein darum, den Lebenden auf Erden im Gedächtnis zu bleiben – "Memoria" erhielt eine zutiefst religiöse Komponente: Stiftungen sollten vor allem den Stifter bei Gott in Erinnerung rufen. Der Stifter wollte sich durch seine irdischen Taten der göttlichen Barmherzigkeit empfehlen. Dementsprechend erscheinen die meisten mittelalterlichen Gedächtnisstiftungen als "Stiftungen für das Seelenheil".[Anm. 38]

Der Grund dafür, dass das Mittelalter zur Blütezeit der Stiftungen und Totenmemoria wurde ist u. a., neben der Vorstellung eines Weltgerichts am Ende aller Tage, die Fegefeuerlehre des 14. und 15. Jahrhunderts. Durch Stiftungen sollten die Qualen im Fegefeuer verkürzt werden. [Anm. 39]

Die christliche Theologie an sich stellte die Menschen vor viele Hindernisse auf ihrem Weg zum Seelenheil. Da das Christentum eine Religion der Armen ist, stellte Reichtum z. B. schlichtweg ein "Problem" dar. [Anm. 40] Durch Stiftungen und Almosen an die Armen hatten die Gläubigen also eine Chance auf Erlösung [Anm. 41] – "Memoria" als Form des sozialen Handelns. [Anm. 42] 

Eine weitere Schwierigkeit war der Tod selbst, denn die mittelalterliche Vorstellung teilte den Tod in zwei Kategorien: in den "guten" und in den "schlechten" Tod. Der "gute" Tod oder auch der "gezähmte Tod", wie ihn Philippe Ariès [Anm. 43] bezeichnet, ist derjenige, der sich vorher dem Sterbenden mitteilt. [Anm. 44] Denn wenn dieser sich vorher ankündigt, hat der Todgeweihte die Möglichkeit, sich mit Hilfe der "ars moriendi" [Anm. 45] auf das Ende vorzubereiten. [Anm. 46] Auch in diesem Fall ging es darum, sozusagen in letzter Minute, Buße zu tun und voller Reue die letzte Stunde zu begehen. [Anm. 47] Zum "guten" Tod gehörte es z. B. auch das Sterbesakrament zu empfangen.

Dem gegenüber steht demnach der "schlechte" Tod – derjenige, der sich nicht vorher bemerkbar macht und es somit dem Sterbenden nicht ermöglicht, sich vorzubereiten. Das war z. B. der plötzlich eintretende Tod, der "mors repentina".[Anm. 48] "[Dieser] setzte dann die Ordnung der Welt, an die jedermann glaubte, außer Kraft, absurdes Instrument eines zuweilen als Zorn Gottes sich verkleidenden Zufalls. Ebendeshalb wurde die mors repentina als schimpflich und beschämend aufgefaßt." [Anm. 49] Das heißt eben auch, dass tödliche Unglücke oder Morddelikte einen "schlechten" Tod bedeuteten und dass dies nicht dem Seelenheil zuträglich war.

4.2. Wandel der Totenmemoria durch die Reformation

Die Reformation und damit der von vielen Historikern postulierte Epochenwechsel vom Mittelalter in die Neuzeit brachte selbstverständlich einen Einschnitt in die geistesgedankliche Idee "Memoria", da die Reformatoren versuchten, das Totengedenken in all seinen Formen einzudämmen [Anm. 50] – einhergehend mit Luthers Lehre. Er wollte das Leben der Getauften, ob arm oder reich, unter der sühnenden Gnade Christi gestellt sehen. Deshalb hielt er von Stiftungen als Bußhilfe wohl genauso wenig wie von der Anrufung der Heiligen für ebendies. [Anm. 51] 

Trotzdem hat sich "Memoria als Kultur" (Oexle) erst einmal in vielen Bereichen fortgesetzt – z. B. die Tradition der Memorialbilder und zwar auf katholischer wie protestantischer Seite. [Anm. 52] Zudem begann mit dem Konzil von Trient der Kampf gegen die neuen Lehren – die katholische Kirche leitete die Gegenreformation ein. Der katholische Glaube sollte neu manifestiert werden – Heiligenverehrung, Wallfahrten und die Hagiographie wurden intensiv gefördert oder ausgebaut. [Anm. 53] Abgesehen davon gab es auch Städte und Gemeinden, die von der Reformation absolut unberührt blieben und sich damit der Glaube und auch die Kulturmuster möglicherweise länger in alter Form erhielten als in den Kommunen, in denen die neuen Lehren verbreitet worden waren.

Erst um 1800 tritt eine vollkommen neue Auffassung vom Tode in den Vordergrund und verändert auch das Phänomen "Memoria" - "[…]: die Person des Menschen endet mit dem Tod, es endet die Rechtsfähigkeit, die Handlungsfähigkeit, die Vermögensfähigkeit – die Rechtspersönlichkeit ist 'erloschen'. Es bleiben nur das bloße ‚Andenken' bei den Lebenden und die Leiche, […]. […] Dieses 'Andenken' selbst aber ist, eben weil es keine sozialen und rechtlichen Kontrakte zwischen Lebenden und Toten mehr gibt, dem subjektiven Willen der Einzelnen oder der sozialen Gruppe überlassen." [Anm. 54]

5. Warum wurde das "Mohrsche Mordkreuz" errichtet?

Im vorigen Kapitel wurden nun einige Dinge angesprochen, die eine glaubhafte Begründung dafür liefern, das gewisse mittelalterliche Denk- und Handelsweisen und das Phänomen "Memoria" auch noch in der Neuzeit verbreitet waren. Das "Mohrsche Mordkreuz" ist ein Beweis dafür. Natürlich könnte dabei eine Rolle gespielt haben, dass Leutesdorf 1715 zum Kurfürstentum Trier gehörte und trotz der Reformation erzkatholisch war und blieb. Welches mittelalterliche Denken zeigt sich also noch in dem "Mordkreuz", das 1715 aufgestellt wurde?

Daniel Mohr hat das Kreuz für seine ermordete Frau möglicherweise deshalb errichtet, weil er Angst um ihr Seelenheil gehabt haben muss. Gertrud Mohr ist einem Mord zum Opfer gefallen. Sie starb also plötzlich und damit hatte sie keine Chance, sich adäquat auf ihren Tod vorzubereiten, geschweige denn das Sterbesakrament zu erhalten. Wie wir wissen, war schon in der mittelalterlichen Vorstellung ein plötzlicher Tod gleichsam ein "schlechter" Tod. Das war keine gute Voraussetzung dafür, das Seelenheil zu erlangen. Daniel Mohr hätte also dafür Sorge tragen müssen, dass seine Frau trotzdem die Gnade Gottes empfängt. Sehr wahrscheinlich war das der Grund für die Aufstellung des Kreuzes.

Aber warum wäre ein Kreuz am Ort des Todes von Gertrud Mohr das geeignete Mittel gewesen? Erstens hat Daniel Mohr etwas gestiftet, was Gott direkt ansprechen sollte, nämlich ein Kreuz mit dem Corpus Christi und er bittet Gott explizit um die Gnade für seine Frau – vorausgesetzt die Auflösung der Abkürzung "D- S- G- G" bedeutet tatsächlich so etwas wie "Deiner Seele Gott Gnad". Zweitens hat er das Kreuz nicht allein an die Stelle des Todes gesetzt - das Kreuz stand damals auch direkt am Durchgangsweg von Leutesdorf nach Oberhammerstein. Es erfüllte also auch den Zweck eines Wegkreuzes. So hätte sich Daniel Mohr der Mithilfe der Christen sicher sein können. Er wandte sich mit dem Kreuz, das um die Gebetsfürbitten werben sollte, an die breite Öffentlichkeit. Der stummen Aufforderung nachzukommen wäre für jeden an dem Kreuz Vorbeigehenden allgemeine Christenpflicht gewesen. [Anm. 55]

6. Faktoren Regionalität und Memoria

Das "Mohrsche Mordkreuz" ist ein Beispiel für mehrere Tausend Basaltkreuze im Gebiet von Mittelrhein und Eifel. "Das Zentrum, aus dem der ungewöhnlich große Bestand der Basaltlavamäler […] stammt, ist das Gebiet der alten Mühlsteinbrüche von Mayen mit den Dörfern Kottenheim und Ettringen sowie, nur wenige Kilometer entfernt, der Brüche von Niedermendig und Obermendig." [Anm. 56] Die Kreuze, die Kurt Müller-Veltin in seinem Buch zusammengetragen hat, reichen vom 15. bis ins 19. Jahrhundert. Basaltlava als Werkstoff zu verwenden und Kreuze aufzustellen, ob nun als Stiftung fürs eigene Seelenheil, für Verstorbene oder als Votivgabe, war also über Jahrhunderte Tradition in dieser Region. Somit ist anzunehmen, dass das Kulturmuster "Memoria" ebenso lang bedeutend war.

7. Schlusswort

Viele Leutesdorfer kennen das "Mohrsche Mordkreuz" und viele wissen auch in etwa, wofür es steht und welch schreckliche Tat es bekundet. Doch keiner kennt mehr das Opfer Gertrud Mohr. Aber jeder, der an dem Kreuz vorbei geht, wird an sie erinnert – die "Memoria" lebt also auch heute noch weiter.

Natürlich nimmt "Memoria als Kultur" (Oexle) in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr den Raum ein, wie es im Mittelalter der Fall war. Aber auch heute noch gehört "Memoria" zu unserer Kultur. Vielleicht ein paar hundert Meter vom "Mohrschen Mordkreuz" entfernt stehen Memorialüberlieferungen unserer Zeit – es sind Kreuze für die Opfer von Verkehrsunfällen.

Anhand des "Mohrschen Mordkreuzes" – ein Überrest für das vergangene Phänomen "Memoria" – macht diese Arbeit abermals auf ein Problem aufmerksam, das die französischen Mentalitätshistoriker wie Le Goff und Ariès schon seit einiger Zeit erkannt haben. Die Einteilung von Epochen in groben Abschnitten wie Antike, Mittelalter, Neuzeit macht an vielen Stellen keinen Sinn und verfremdet die ohnehin schon nie vollständig zu erfassende, vergangene "Wirklichkeit". Das "Mohrsche Mordkreuz" zeigt uns aber nicht nur, dass das Phänomen "Memoria" das Mittelalter überlebte. Es zeigt auch, dass im Mittelalter gebräuchliche Hausmarken stets Verwendung fanden und die christliche Ikonographie weiterhin symbolisch genutzt wurde.

Nachweise

Verfasser: Rebecca Mellone

Erstellt am: 23.07.2010

Geändert am: 28.07.2010

Quellen:

  • Realie: Steinernes Basaltkreuz (18. Jahrhundert). In: Ortsgemeinde Leutesdorf
  • Geburtseintrag Gertrud Mohrs im Leutesdorfer Kirchenbuch (1689). In: Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK) Bestand-Nr. 560, 350 Nr. 75.
  • Geburtseintrag Daniel Mohrs im Leutesdorfer Kirchenbuch (1686). In: Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK) Bestand-Nr. 560, 350 Nr. 75.
  • Sterbeeintrag Daniel Mohrs im Leutesdorfer Kirchenbuch (1766). In: Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK) Bestand-Nr. 560, 350 Nr. 80.
  • Rechnungen der Pfarrkirche, Almosen und Bruderschaften zu Leutesdorf (18. Jahrhundert). In: Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK) Bestand 1 C, Sachakte 12083.
  • Stammbaum der Familie Mohr. In: Besitz der Familie Mohr in Lautesdorf. 

Literatur:

  • Angenendt, Arnold: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart. München 1994.
  • Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter. Darmstadt 1997.Ariès, Philippe: Geschichte des Todes. München 21985.
  • Borgolte, Michael: Art. "Stiftungen. I. Alte Kirche und Mittelalter". In: Theologische Realenzyklopädie. Bd. 32. Berlin [u. a.] 2001, S. 167-170.
  • Brudermanns, Peter: Art. "Alte Wegkreuze in der Leutesdorfer Gemarkung". In: Heimatkalender 1965 des Landkreises Neuwied. Hrsg. v. Kreisausschuß Neuwied. Neuwied [o. J.], S. 119-120.
  • Busch-Schirm, Beate [u. a.]: Bürger- und Familienbuch Leutesdorf/Rhein 1450 bis 1800. Köln 2000 (Veröffentlichung der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V. Nr. 123), S. 386.
  • Dinzelbacher, P.: Art. "Tod, Sterben IV Sozial- und Mentalitätsgeschichte". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 8. München [u. a.] 1997, Sp. 829-831.
  • Kamp, Hermann: Memoria und Selbstdarstellung. Die Stiftungen des burgundischen Kanzlers Rolin. Sigmaringen 1993.
  • Kemp, Franz Hermann: Die Inschriften der alten Grabdenkmäler und Wegkreuze der ehemaligen kurkölnischen Ämter Linz/Altenwied. Köln 1966 (Rheinische Friedhöfe Nr. 3).
  • Körner, Bernhard: Handbuch der Heroldskunst. Wissenschaftliche Beiträge zur Deutung der Hausmarken, Steinmetz-Zeichen und Wappen. Bd. 1-2. Görlitz 1920-1926.
  • Kühnel, Harry: Sinn und Motivation mittelalterlicher Stiftungen. In: Materielle Kultur und Religiöse Stiftung im Spätmittelalter. Wien 1990 (Veröffentlichung des Instituts für Mittelalterliche Realienkunde Österreichs Nr. 12), S. 5-12.
  • Le Goff, Jaques: Für ein langes Mittelalter. In: Jaques Le Goff: Phantasie und Realität des Mittelalters. Stuttgart 1990.
  • List, Claudia [u. a.]: Sachwörterbuch zur Kunst des Mittelalters. Stuttgart [u. a.] 1996.
  • Müller-Veltin, Kurt: Mittelrheinische Steinkreuze aus Basaltlava. Köln 22001.
  • Oexle, Otto Gerhard: Memoria als Kultur. In: Memoria als Kultur. Hrsg. v. Otto Gerhard Oexle. Göttingen 1995 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte Nr. 121), S. 9-78.
  • Oexle, Otto Gerhard: Memoria in der Gesellschaft und in der Kultur des Mittelalters. In: Modernes Mittelalter. Neue Bilder einer populären Epoche. Hrsg. v. Joachim Heinzle. Frankfurt a. M. [u. a.] 1994, S. 297-323.
  • Oexle, Otto Gerhard: Art. "Memoria, Memorialüberlieferungen". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 6. München [u. a.] 1993, Sp. 510-512.
  • Rudolf, R.: Art. "Ars moriendi". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. I. München [u. a.] 1980, Sp. 1039-1040.
  • Sachs, Hannelore [u. a.]: Wörterbuch der christlichen Ikonographie. Regensburg 92005, S. 70-71.
  • Schönhofen, Werner: Art. "Das Kreuz am Olterbach". In: Verbandsgemeindeblatt Bad Hönningen (Ausgabe 17.10.01).
  • Wies, (ohne Vornamen): Art. "Von den ehemaligen Hausmarken". In: Heimatblatt 11 (1932), S. 33-35.
    [Ohne Verfasser]: Art. "(Aurelius) Augustinus von Hippo, Hl." Lexikon der Heiligen. Augsburg 2005, S. 67-68.

Anmerkungen:

  1. Jacques Le Goff ist ein Vertreter der französischen "Schule der Annales", die "einen auf langzeitliche Veränderungen in der Mentalität bedachten Ansatz verfolgt […]." Diese Forschungsrichtung nennt sich Mentalitätsgeschichte. Vgl. dazu Angenendt, Arnold: Geschichte der Religiosität im Mittelalter. Darmstadt 1997, S. 11-13. Zurück
  2. Vgl. Le Goff, Jacques: Für ein langes Mittelalter. In: Jacques Le Goff: Phantasie und Realität des Mittelalters. Stuttgart 1990. Zurück
  3. Vgl. Borgolte, Michael: Art. "Stiftungen. I. Alte Kirche und Mittelalter". In: Theologische Realenzyklopädie. Bd. 32. Berlin [u. a.] 2001, S. 167-169. Zurück
  4. Vgl. Oexle, Otto Gerhard: Memoria in der Gesellschaft und in der Kultur des Mittelalters. In: Modernes Mittelalter. Neue Bilder einer populären Epoche. Hrsg. v. Joachim Heinzle. Frankfurt a. M. [u. a.] 1994, S. 298. Zurück
  5. Diese Ausführungen stützen sich auf die schriftlichen Aussagen Martin Mohrs (11.08.2008). Zurück
  6. Vgl. Müller-Veltin, Mittelrheinische Steinkreuze, S. 149. Zurück
  7. Vgl. Kemp, Franz Hermann: Die Inschriften der alten Grabdenkmäler und Wegkreuze der ehemaligen kurkölnischen Ämter Linz/Altenwied. Köln 1966 (Rheinische Friedhöfe Nr. 3), Sp. 14. Zurück
  8. Vgl. Müller-Veltin, Mittelrheinische Steinkreuze, S. 150. Zurück
  9. Vgl. Kemp, Die Inschriften der alten Grabdenkmäler und Wegkreuze, Sp. 1-186. Zurück
  10. Ebenda, Sp. 63-77. Zurück
  11. Vgl. Müller-Veltin, Mittelrheinische Steinkreuze, S.151. Zurück
  12. Ebenda, S. 149. Zurück
  13. Die Leutesdorfer Kirchenbücher befinden sich, soweit erhalten, in der Abtei Rommersdorf (Neuwied, Heimbach-Weis), einer Außenstelle des Landeshauptarchivs in Koblenz. Zurück
  14. Vgl. Busch-Schirm, Beate [u. a.]: Bürger- und Familienbuch Leutesdorf/Rhein 1450 bis 1800. Köln 2000 (Veröffentlichung der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V. Nr. 123), S. 386. Zurück
  15. Landeshauptarchiv Koblenz (LHAK) Bestand-Nr. 560, 350 Nr. 75. Zurück
  16. LHAK Bestand-Nr. 560, 350 Nr. 75. Zurück
  17. LHAK Bestand-Nr. 560, 350 Nr. 80. Zurück
  18. Sowohl das Grimmsche Lexikon als auch der "Lexer" haben nichts ergeben. Zurück
  19. Körner, Bernhard: Handbuch der Heroldskunst. Wissenschaftliche Beiträge zur Deutung der Hausmarken, Steinmetz-Zeichen und Wappen. Bd. 1-2. Görlitz 1920-1926. Zurück
  20. Körner, Bernhard: Handbuch der Heroldskunst. Wissenschaftliche Beiträge zur Deutung der Hausmarken, Steinmetz-Zeichen und Wappen. Bd. 1-2. Görlitz 1920-1926. Zurück
  21. Ebenda, S. 84. Zurück
  22. Vgl. dazu Wies, (ohne Vornamen): Art. "Von den ehemaligen Hausmarken". In: Heimatblatt 11 (1932), S. 33-35 und Kemp, Die Inschriften der alten Grabdenkmäler und Wegkreuze, Sp. 75-76. Zurück
  23. Vgl. Müller-Veltin, Mittelrheinische Steinkreuze, S. 167-177. Zurück
  24. Vgl. Sachs, Hannelore [u. a.]: Wörterbuch der christlichen Ikonographie. Regensburg 92005, S. 70. Zurück
  25. Vgl. Schönhofen, Das Kreuz am Olterbach, (Ausgabe 17.10.01). Zurück
  26. Vgl. Sachs, Wörterbuch der christlichen Ikonographie, S. 70. Zurück
  27. Vgl. List, Claudia [u. a.]: Sachwörterbuch zur Kunst des Mittelalters. Stuttgart [u. a.] 1996, S. 358. Zurück
  28. Vgl. Oexle, Otto Gerhard: Art. "Memoria, Memorialüberlieferungen". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 6. München [u. a.] 1993, Sp. 510. Zurück
  29. Vgl. Borgolte, Stiftungen. I. Alte Kirche und Mittelalter, S. 167. Zurück
  30. Vgl. Oexle, Otto Gerhard: Art. "Memoria, Memorialüberlieferungen". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 6. München [u. a.] 1993, Sp. 510-512.  Zurück
  31. Bruderschaften waren/sind Gebetsverbrüderungen. Anfänglich organisierten sich in Bruderschaften nur Kleriker und Mönche. Später konnten auch Laien und ganze Ortschaften Mitglied einer Bruderschaft werden. In Bruderschaften verpflichtete man sich der gegenseitigen Hilfe im Gebet, im gemeinsamen Messopfer und im Erweisen von guten Werken, auch über den Tod hinaus. Das Totengedächtnis spielte dabei eine entscheidende Rolle. Finanziert haben sich Bruderschaften oft durch Mitgliedsbeiträge, Spenden oder Vermächtnisse. Dafür hatten die Mitglieder die Garantie, dass ihnen gedacht wird, auch nach ihrem Tod. Vgl. dazu List, Claudia [u. a.]: Sachwörterbuch zur Kunst des Mittelalters. Stuttgart [u. a.] 1996, S 65. Zurück
  32. Vgl. Kamp, Hermann: Memoria und Selbstdarstellung. Die Stiftungen des burgundischen Kanzlers Rolin. Sigmaringen 1993, S. 9. Zurück
  33. LHAK Bestand 1 C, Sachakte 12083. Zurück
  34. Vgl. [Ohne Verfasser]: Art. "(Aurelius) Augustinus von Hippo, Hl." Lexikon der Heiligen. Augsburg 2005, S. 67-68. Zurück
  35. Vgl. Oexle, Otto Gerhard: Memoria in der Gesellschaft und in der Kultur des Mittelalters. In: Modernes Mittelalter. Neue Bilder einer populären Epoche. Hrsg. v. Joachim Heinzle. Frankfurt a. M. [u. a.] 1994, S. 303. Zurück
  36. Vgl. Borgolte, Stiftungen. I. Alte Kirche und Mittelalter, S. 167. Zurück
  37. Ebenda, S. 168. Zurück
  38. Vgl. Kamp, Memoria und Selbstdarstellung, S. 9. Zurück
  39. Vgl. Borgolte, Stiftungen. I. Alte Kirche und Mittelalter, S. 168. Zurück
  40. Vgl. Kühnel, Harry: Sinn und Motivation mittelalterlicher Stiftungen. In: Materielle Kultur und Religiöse Stiftung im Spätmittelalter. Wien 1990 (Veröffentlichung des Instituts für Mittelalterliche Realienkunde Österreichs Nr. 12), S. 5. Zurück
  41. Ebenda, S. 5 Zurück
  42. Vgl. Oexle, Memoria in der Gesellschaft und in der Kultur des Mittelalters, S. 299. Das bedeutet, dass Stiftungen nicht nur den Zweck erfüllten, das Andenken an den Stifter zu bewahren. Oft wurden eben Waisen- und Armenhäuser oder Hospitäler durch Stiftungen erbaut. Eine Form des Denkens führte zu sozialem Handeln. Oexle nennt dies soziale "Wirklichkeit". Laut Oexle muss "Memoria als Kultur" verstanden werden, die "[…] alle Dimensionen des Lebens umfaßt und sich in allen Bereichen des Lebens auswirkt, […] also nicht nur die Religion betrifft, sondern auch Wirtschaft, Alltagsleben, […] die menschlichen Beziehungen, das soziale Verhalten und Handeln insgesamt, […]." Vgl. dazu Oexle, Memoria in der Gesellschaft und in der Kultur des Mittelalters, S. 301 und Oexle, Memoria als Kultur, S. 9-78. Zurück
  43. Philippe Ariès ist wie Jacques Le Goff ein Vertreter der französischen Historikerschule der "Annales", die sich um die Erforschung von Zivilisationen und deren Mentalitäten bemüht. Vgl. dazu Ariès, Philippe: Geschichte des Todes. München 21985. Zurück
  44. Vgl. Ariès, Philippe: Geschichte des Todes. München 21985, S. 14. Zurück
  45. Ars moriendi ist eine Literaturgattung des Mittelalters. Ursprünglich waren die Texte für Priester gedacht. Sie gaben ihnen Anweisungen, was sie am Sterbebett zu tun und zu sagen hatten. Da es in Pestzeiten zu wenige Priester gegeben hatte, übertrug man die ars moriendi in die Alltagssprache, damit auch Laien damit umgehen konnten, um ihren Nächsten in der Sterbestunde beistehen zu können. Vgl. dazu Rudolf, R.: Art. "Ars moriendi". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. I. München [u. a.] 1980, Sp.1040. Zurück
  46. Vgl. Rudolf, R.: Art. "Ars moriendi". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. I. München [u. a.] 1980, Sp. 1040. Zurück
  47. Vgl. Dinzelbacher, P.: Art. "Tod, Sterben IV Sozial- und Mentalitätsgeschichte". In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 8. München [u. a.] 1997, Sp. 830. Zurück
  48. Vgl. Ariès, Geschichte des Todes, S. 19. Zurück
  49. Vgl. Ariès, Geschichte des Todes, S. 19-20. Zurück
  50. Vgl. Oexle, Memoria als Kultur, S. 53. Zurück
  51. Vgl. Angenendt, Arnold: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart. München 1994, S. 236. Zurück
  52. Vgl. Oexle, Memoria als Kultur, S. 53. Zurück
  53. Vgl. Angenendt, Heilige und Reliquien, S. 242-253. Zurück
  54. Vgl. Oexle, Memoria als Kultur, S. 56. Zurück
  55. Vgl. Müller-Veltin, Mittelrheinische Steinkreuze, S. 113-114. Zurück
  56. Ebenda, S. 113-114. Zurück