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Onager

Mittelalterlicher Schussapparat (Torsionsgeschütz)

Das bekannteste Torsionsgeschütz ist der in der römischen Kaiserzeit entwickelte Onager. Innerhalb einer hölzernen Rahmenkonstruktion steckte ein Wurfarm mit seinem unteren Ende in einem zusammengedrehten Strang aus Tauwerken, Sehnen oder Haaren. Dieser Strang war doppelläufig gedreht und horizontal im unteren Teil der Rahmenkonstruktion befestigt. Die starke Wicklung erzeugte bereits in der Ruhestellung eine latente Spannung (Vorspannung). Zum Wurf zog man nun den Wurfarm gegen die Vorspannung mit einer Winde zurück und arretierte ihn mit einer Sperre. Ein Felsbrocken oder Brandsatz wurde in die Schlinge am Ende des Wurfarms gelegt. Bei der Auslösung schnellte der Wurfarm mit großer Beschleunigung in seine Ausgangslage zurück und schleuderte das Geschoß fort. Der Wurfarm des Onager legte nur einen kurzen Weg zurück bis er an das Widerlager prallte, das aus Seilen bzw. einem Polster aus Heu oder Haaren bestand. Mit einem Onager konnte man, je nachdem wie lang der Wurfarm und wie schwer das Geschoß war, zwischen 100 und 350 Meter weit werfen.

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Belagerungsmaschinen.

(Text: Stefan Grathoff)

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