Münster am Stein im Naheland

Geschichte von Münster am Stein

Bad Münster - Kurhaus mit Rheingrafenstein[Bild: Giggel (CC BY 3.0)]

Durch eine im Tertiär [Anm. 1] entstandene Verwerfung des Nahetals traten im Raum Bad Münster am Stein an zwanzig Stellen Heil- und Mineralwasserquellen zutage. [Anm. 2] Durch die in einigen Quellen über 20 Grad steigende Temperatur zählen diese zu den „Thermen“. [Anm. 3]

Erste Besiedelungsspuren des Gebietes von Bad Münster finden sich aus der Keltenzeit (etwa von 800 vor bis zu Christi Geburt).  Der in dieser Gegend wohnende Verband der Treverer errichtete auf den Anhöhen Fliehburgen vor den kriegerisch eindringenden Germanen. Hiervon sind noch Reste von Ringwällen erhalten. Nach der Besiedelung des linken Rheinufers durch die Römer gehörte der Raum Bad Münster einem römischen Großbauern, um das Jahr 500 wurde er nach Abzug der Römer dem Königsgut Chlodwigs I. (466-511) zugeordnet und von hörigen Kleinbauern besiedelt. [Anm. 4]

Rheingrafenstein oberhalb Bad Münster am Stein[Bild: Ralfk (CC BY-SA 4.0)]

Die aus den Adelsgeschlecht der Emichonen stammenden Nahegaugrafen bauten später Schutzburgen gegen den Einfall der Normannen (um das Jahr 900) und der Ungarn (um 950). In der Zeit um 1050 entstand auch eine feste Burg auf dem über Bad Münster liegenden Rheingrafenstein, deren Besitzer sich „Herren vom Stein“ und später „Rheingrafen vom Stein“ nannten. [Anm. 5] Im Jahr 1195 ist eine selbständige Pfarrei auf dem Gebiet mit der Namensgebung „Münster am Stein“ im Lehenverzeichnis des Rheingrafen Wolfram von Stein (um 1166-1220/21) verzeichnet. Er erhielt das Lehen von den Grafen zu Veldenz. [Anm. 6] Nach einer Fehde gegen den Kurfürsten von Mainz verlegten die Rheingrafen ihre Residenz 1279 auf den Rheingrafenstein. 1327 wurde die Burg nach einer Belagerung an Johann von Sponheim [Anm. 7] übergeben und die Rheingrafen kompensierten den Verlust durch den Erwerb der Wildgrafschaft Dhaun, der Kyrburg mit Besitzungen und der Grafschaft Salm und wurden so zu den „Wild- und Rheingrafen“. [Anm. 8] Die Nachfahren der Rheingrafen kauften 1938 den Rheingrafenstein und das Huttental von der Gemeinde Münster am Stein. [Anm. 9] 

Bad Münster am Stein, Wasserturm[Bild: gemeinfrei]

In der Region wurde 1521 von Pastor Peter Siegel (1485-1560), einem Schüler Martin Luthers (1483-1546), die Reformation eingeführt. Im Jahr 1560 bestand Münster am Stein aus 11 Häusern. Im 15. und 16. Jahrhundert gewann die Naheregion durch Kupfer- und Silberabbau eine größere Bedeutung. 1620 nahmen im Zuge des 30-jährigen Krieges (1618-1648) Truppen des spanischen Feldherrn Spinola (1569-1630) den Ort ein, 12 Jahre später, im Jahr 1632, eroberten die Soldaten des schwedischen Königs Gustav Adolf (1594-1632) die Gegend. 1698 machten französische Raubzüge die Umgebung unsicher und vernichteten die Burg. [Anm. 10] Von 1793 bis 1812 gehörte Münster am Stein zur „Mairie de Hüffelsheim“ im „Canton de Creuznach“ und war damit Teil des „Département Rhin Echolot Moselle“, nachdem die Franzosen das linke Rheinufer besetzt hatten. 1813 besetzen österreichische und bayerische Truppen die Region. Nach dem Wiener Kongress kam der Ort Münster am Stein zu Preußen und wurde bis 1912 von der Bürgermeisterei Hüffelsheim verwaltet. Der Ort Ebernburg kam zu Bayern. [Anm. 11]

Der Titel „Bad“ Münster am Stein wurde 1905 verliehen. Der Erste Weltkrieg machte dem Aufstieg des Bades jedoch einen Strich durch die Rechnung. Die großen Hotels wurden damals als Hauptquartiere beschlagnahmt. [Anm. 12] Im Zweiten Weltkrieg mussten die Menschen im Ort 19 Luftangriffe überstehen. 60 Menschen aus Bad Münster starben im Krieg. Die Kuranlagen wurden durch Kriegseinwirkungen zerstört[Anm. 13] 1969 kam es durch den Zusammenschluss der pfälzischen Gemeinde Ebernburg und der rheinischen Gemeinde Bad Münster am Stein zur Ortsgründung von Bad Münster am Stein Ebernburg. [Anm. 14]

1978 wurden Bad Münster am Stein Ebernburg Stadtrechte verliehen. Als Begründung wurden hierfür u.a. genannt: die positive Entwicklung durch die Modernisierung der Kureinrichtungen, die Erstellung neuer Gästeunterkünfte, die Erweiterung der Bebauungsmöglichkeiten für eine höhere Einwohnerzahl und die Umwandlung des Kur- und Salinenbetriebs in einen kommunalen Eigenbetrieb. [Anm. 15] Zum 1. Juli 2014 wurde Bad Münster am Stein-Ebernburg ein Stadtteil der Nachbarstadt Bad Kreuznach. [Anm. 16]

NACHWEISE

Verfasserin Text: Marion Nöldeke

Verwendete Literatur:

  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1987, S. 33-34, http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Bad_Kreuznach.pdf (Aufruf: 16.07.2021).
  • Kurverwaltung Bad Münster am Stein-Ebernburg und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler: Thermal-Sole-Radon-Bad Bad Münster am Stein-Ebernburg, Bad Bad Münster am Stein-Ebernburg 1986.

Erstellt am: 16.07.2021

Anmerkungen:

  1. Das Tertiär begann am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren und dauerte bis zum Beginn des Quartärs vor 2,6 Millionen Jahren.  Zurück
  2. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 17. Als wichtigste Quelle wird die „Rheingrafenquelle“ (Nord-, Mittel-, und Südquelle) sowie die „Hugoquelle“ und die „Hüttenquelle“ bezeichnet. Die „Nordquelle“ ist als „radiumhaltige Natrium-Chlorid-Therme“ eingeordnet. Vgl. ebd., S. 19.  Zurück
  3. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 18.  Zurück
  4. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 33.  Zurück
  5. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 34. Der Rheingrafenstein wurde damals auch als „Huhinstein“ bezeichnet.  Zurück
  6. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 34. Darauf kann die erste Erwähnung „um 1200“ zurückgeführt werden, die an einigen Stellen beschrieben ist.  Zurück
  7. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 34. Es ist zu vermuten, dass es sich um Johann III. (Sponheim-Starkenburg), (1315-1398) handelte.  Zurück
  8. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 34.  Zurück
  9. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 35. Bei den damaligen Käufern handelte es sich um die Linie Salm-Horstmar in Anholt, Regierungsbezirk Münster in Westfalen.  Zurück
  10. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 34.  Zurück
  11. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 35.  Zurück
  12. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 38.  Zurück
  13. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 39.  Zurück
  14. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 7 und 35. Der Zusammenschluss wurde damals kontrovers diskutiert, da man fürchtete, dass der Fremdenverkehrsort Ebernburg, ein Weindorf, strukturell nicht mit dem Kurort Bad Münster am Stein zusammenpassen würde.  Zurück
  15. Kurverwaltung und Arbeitskreis Bau- und Naturdenkmäler 1986, S. 7.  Zurück
  16. Die Umsetzung erfolgte im Rahmen der rheinland-pfälzischen Kommunalreform  Zurück