Erdesbach in der Pfalz

Erdesbach

0.1.Allgemeine Angaben

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenglan

Einwohner 2006: 608 (74% ev. 9,7 % r.k. sonstige 1,3%, 12,12 ohne Religion)

Zusätzlich 25 Einwohner in Nebenwohnungen

Einwohner (2007): 629

Einwohner (2010): 620

Fläche: 401 ha

0.2.Lage

Eng ist das Tal im mittleren Glantalbereich, in dem sich auf geringerer Breite die B 420 Ottweiler/Saar - Oppenheim/Mainz, die einstmals strategisch wichtige Eisenbahnlinie Bad Münster a/St. - Homburg/Saar und der Glan selber nebeneinander herziehen. Genau an dieser Engstelle schmiegt sich ein Großteil des Dorfes etwa einen Kilometer lang beiderseits der Bundesstraße und unterhalb der teilweise steil ansteigenden Hänge entlang. Die andere Hälfte liegt eingebettet in zwei dem Glan zustrebenden Seitentälern, im Tal des Wingertsbachs und und im Tal des Gölschbachs. Im Osten des Dorfes, jenseits des Glans, hat sich in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts um die altehrwürdige "Erdesbacher Mühle" ein kleiner Ortsteil, der so genannte "Bockhof" gebildet mit vier Bauernhöfen und einer Dorfschmiede. Zwischenzeitlich hat sich nach dem zweiten Weltkrieg, besonders in den 80-er Jahren, dieser kleine Ortsteil durch Neubauten vergrößert und zählt rund 50 Einwohner. Die Landschaft um Erdesbach ist geprägt vom engen Glantal mit seinen fruchtbaren Auwiesen, von  den steil aufsteigenden bewachsenen Wiesenhängen im Westen und Nordwesten und dem flacher ansteigenden Hügelhang mit seinen kargen Wiesen- und Ackerböden im Osten.   

Die Gemarkungsflächen liegen in den Glanauen auf einer Höhe von rund 190 Metern NN, auf 385 Metern im Südwesten und auf 335 Metern im Osten der Gemarkung. Geologisch prägen vorwiegend die so genannten Kuseler Schichten des Unterrotliegenden das Gebiet. Diese Schichten bestehen vorwiegend aus Sandstein, Schieferton und Konglomeraten. Die dazwischen gelagerten basischen Eruptivgesteine setzen sich aus Melaphyr, Porphyrit, Tholegit und Kuselit zusammen. Der geologische Aufbau bestimmt weitgehend die Reliefgestaltung der Gemarkungsfläche. (Nordpfälzer Hügellandschaft)       

Unser Raum liegt im Bereich der „Ozeanischen Westströmung“. Charakteristisch sind dabei mäßige Sommer und größtenteils milde feuchte Winter. Die mittlere jährliche Temperatur lag in der Zeit von 1881 bis 1930 im Bereich des Glantals bei 8 bis 9 ° Celsius, auf den umliegenden Bergeshöhen bei 7 bis 8° Celsius.

Die Vegetation in den derzeitigen Kulturarten ist geprägt von Streuobstwiesen, Wiesen und Ackerkulturen sowie rund 60 ha Mischwald. Der Südhang am so genannten Wingertsberg war noch im 19. Jahrhundert von Weinbergen und Hangwiesen geprägt. Der letzte Weinberg wurde 1945 aufgelöst. Derzeit sind noch viele gute Weinbergmauern erhalten. Die Gemarkung war restlos in kleinbäuerlichem Besitz, es waren keine größeren Besitzblöcke vorhanden. Oft gab es auf Grund von Erbauseinandersetzungen Aufteilungen bis in kleinste Besitzstände. (Bayerische Realteilungen)

Am Mühlenwehr

0.3.Siedlung und Wohnung

Das Dorf war früher ein Arbeiter- und Bauerndorf sowie ein Handwerkermittelpunkt, trägt mit Stolz auch heute noch den Beinamen "Dorf der Zimmerleute". Im Jahre 1981 gab es immerhin noch 50 bis 60 Zimmerleute, Schreiner und Einschaler. Sie alle erlernten ihren harten Beruf in den damals drei ortsansässigen Zimmergeschäften. Heute ist das Dorf fast eine reine Wohngemeinde für viele Auspendler nach Kusel, Kaiserslautern, Ramstein, Baumholder, sogar bis nach Mannheim und Ludwigshafen. Seit 1994 gibt es im Ort, hauptsächlich bedingt durch Landstilllegungen, keinen selbstständigen Bauernbetrieb mehr. Vom Charakter her ist das Dorf ein Straßendorf. In der Gemeinde gibt es derzeit noch 5 Handwerksbetriebe mit zusammen ca. 30 Beschäftigten, eine Bäckerei, eine Metzgerei, zwei Lebensmittelgeschäfte, einen Friseur und einen Heilpraktiker.

0.4.Name

Die Deutung  des Ortsnamens geht nach Professor Ernst Christman auf den Rufnamen "Herideo" zurück, Ersterwähnung in einer Urkunde von 1364 als "Ertenspach". Das Dorf hieß 1456 - 1460 zeitweise "Hertespach", Hertzbach" und auch "Ertelspach". Um das Jahr 1480 tauchten die Namen "Ertisbach" und "Ertsbach" auf, in der Zeit von 1585 - 1588 erschien der Ortsname als  "Ertesbach", so auch in den so genannten ''Konker Protokollen" von 1609. Der heutige Name "Erdesbach" erschien erstmalig im Jahre 1785. 

0.5.Wappen

Von schwarz und blau durch einen silbernen Wellenbalken geteilt, oben ein rot gekrönter und rot bewehrter goldener Löwe, unten eine silberne mit roten Steinen belegte Mitra mit seitlich abflatternden Bändern. Dabei symbolisiert der goldene Löwe die ehemalige Zugehörigkeit der Pfalz zum Land Bayern, der silberne Wellenbalken den Glan und die Mitra die ehemalige Zugehörigkeit zum Remigiusland. (Vgl. Debus S. 146)

0.6.Abriss der Ortsgeschichte

0.6.1.Frühgeschichte und Römerzeit

 

Zu verzeichnen sind frühgeschichtliche Funde keltischen Ursprungs. Im Jahre 1902 wurde beim Einrichten der Trasse der Bahnlinie Bad Münster - Homburg ein Grab mit Krügen und Lanzenspitzen entdeckt. Vier vorgeschichtliche Grabhügel ziehen sich auf dem Höhenzug entlang der Gemarkungsgrenze Erdesbach - Patersbach hin.  Sie beweisen, dass unser Raum in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Im Siedlungsraum lebten um 500 vor Chr. die Kelten. Mit der Unterwerfung Galliens durch Cäsar (58 - 31 vor Chr.) geriet das Land unter römische Herrschaft. 

0.6.2.Mittelalter

In der Zeit der Völkerwanderung kam der Siedlungsraum zunächst unter alemannische Herrschaft, nach der Unterwerfung der Alemannen durch den Frankenkönig Chlodwig 496 unter fränkischen Einfluss. Die Gründung unseres Dorfes erfolgte  rund vier bis fünf Jahrhunderte später. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erhielt Graf Gerlach als Nachkomme der Nahegaugrafen die Vogtei (Schutzfunktion) über verschiedene Gebiete aus geistlichem Besitz und begründete damit und aus Teilen des Nahegaus die Grafschaft Veldenz. Unter den seinem Schutz anbefohlenen Gebieten war auch das Remigiusland. Nach der Urkunde der Ersterwähnung von 1364 mussten die Bewohner des Unteramtes Altenglan, also auch die Bewohner von Erdesbach, den jungen Prinzen Heinrich (später Heinrich III. von Veldenz) und seine Ehefrau Loretta von Sponheim durch ein besonderes Steueraufkommen versorgen. (HStA München Rheinpfälzische Urkunden Nr. 6010) Mit  dem Tod des letzten Grafen von Veldenz, Friedrich III., kam die Grafschaft Veldenz 1444 in den Besitz des Pfalzgrafen Stephan, der mit Anna, einer Tochter Friedrichs, verheiratet war.  Stephan begründete mit kurpfälzischem Eigenbesitz und mit der Grafschaft Veldenz seiner Frau die neue Pfalzgrafschaft Zweibrücken, die später allgemein als Herzogtum bezeichnet wurde. In der  neuen Pfalzgrafschaft gehörte Erdesbach zum Unteramt Ulmet in dem Oberamt Lichtenberg.

0.6.3.Neuzeit

Erdesbach blieb beim Herzogtum Zweibrücken bis zu dessen Ende durch die Besetzung von französischen Revolutionstruppen. Während der rund 350 Jahre andauernden zweibrückischen Herrschaft musste das Dorf schwere Schicksalsschläge überstehen. Während 1609 in Erdesbach 137 Häuser standen (Konker Protokolle), und das Dorf somit schon rund 500 Einwohner zählte, war es am Ende des Dreißigjährigen Krieges wie fast alle Dörfer im Kuseler Land fast ausgestorben. Neue Familien wanderten zu, die  Kriege König  Ludwigs XIV. brachten neue Rückschläge. Erst ab dem frühen 18. Jahrhundert stiegen die Einwohnerzahlen wieder kräftig an. Während der Annektierung des linksrheinischen deutschen Gebietes durch Frankreich ab 1801 durch Napoleon gehörte Erdesbach zur Mairie Ulmet, die wiederum ein Teil des Kantons Kusel war, des Arrondissements (Kreises) Birkenfeld und des Saardepartements mit der Hauptstadt Trier.

 

0.6.4.Neueste Zeit

Mit der Gründung des Königreichs Bayern nach der französischen Zeit  im Jahre 1816 gehörte Erdesbach zum nunmehrigen Bürgermeisteramt Ulmet, zum Landcommissariat (später Bezirksamt, dann Landkreis) Kusel innerhalb des bayerischen Rheinkreises. Die  damals geschaffenen Grenzen bestanden bis zum Jahre 1945. Mit der Bildung des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz im Jahre 1947, bestehend aus den Regierungsbezirken Koblenz, Trier, Montabaur, Rheinhessen und der Pfalz, war auch im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland eine neue Ordnung geschaffen worden. Zwischenzeitlich wurden die Regierungsbezirke Montabaur und Rheinhessen aufgelöst und  in die Regierungsbezirke Koblenz bzw. Pfalz integriert.  Mit dem Beginn des Jahres 2000 kam es zur Auflösung der Bezirksregierungen und zur Einrichtung der  Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), einer zentralen Verwaltungsbehörde des Landes Rheinland-Pfalz.

0.7.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen, Linke BT 2002 = WASG

SPD CDU FDP Grüne Linke Sonstige
Landtag 2001 65,5 17,4 1,6 5,5 ---
Landtag 2006 58,4 16,4 5,6 3,0 7,4 2,2
Landtag 2011 49,3 21,9 1,7 12,0 4,8 10,3
Bundestag 2002 63,3 24,3 4,4 3,5 3,2 ---
Bundestag 2005 51,6 19,7 8,1 5,4 9,3 6,0
Bundestag 2009 37,9 9,3 12,6 4,5 18,9 6,8
Bundestag 2013 43,7 26,6 1,7 4,9 11,5 11,4

0.8.Zeittafel

ca.500 v.Chr. Keltische Gräberfunde (Krüge und Lanzenspitzen)
Vor 500 n. Chr. Während der Völkerwanderung eventuell schon Ortsgründung durch die Alemannen, wahrscheinlicher jedoch im Zuge der Fränkischen Landnahme um 1000
1147 Die Grafen von Veldenz erhalten die Vogtei über das Remigusland
1364 Ersterwähnung von Erdesbach in einer Urkunde Heinrichs II. von Veldenz
1444 Stephan von Kurpfalz heiratet die veldenzische Erbtochter Anna. Dadurch Gründung der Pfalzgrafschaft Zweibrücken, später als Herzogtum bezeichnet. Verwaltung durch das Oberamt Lichtenberg und das Unteramt (Schultheißerei) Ulmet
1789 Die Französische Revolution führt zum Ende der alten Herrschaftsstruktur. Erdesbach gehört während der französischen Epoche zur Mairie Ulmet, zum Kanton Kusel, zum Arrondissement Birkenfeld und zum Saardepartement.
1816 Nach dem Wiener Kongress gehört Erdesbach zur Bürgermeisterei Ulmet, zum Kanton und Landkommissariat (Bezirksamt, Kreis) Kusel und zum Rheinkreis (Regierungsbezirk) im Königreich Bayern u
1947 Gründung des Landes Rheinland - Pfalz. Erdesbach liegt im Kreis Kusel im Regierungsbezirk Pfalz.
1949 Gründung der Bundesrepublik Deutschland
1972 Im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform Rheinland - Pfalz wird Erdesbach eine Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenglan

0.9.Religiöse Verhältnisse

Die Gemeinde Erdesbach hat keine eigene Kirche, sie gehört zur Pfarrgemeinde Ulmet. Die überwiegende Anzahl der Erdesbacher Bürger ist evangelischen Glaubens, 507 von 640 Einwohnern. 77 Gemeindeglieder sind römisch-katholisch. Sonstigen Glaubens sind 5 Personen, 34 Personen gehören keiner Religionsgruppe an und 15 Personen machten keine Angaben. 

0.10.Bewohner

Nach einem Zinsbuch des Klosters Remigiusberg lebten im Jahre 1480 nach einer Steuerliste des Oberamtes Lichtenberg in Erdesbach knapp 100, nach den so genannten Konker Protokollen von 1609 rund 500 Einwohner. Einen folgenreichen Rückschlag brachte der 30-jährige Krieg. Entsprechend einer Untertanenliste des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken zählte der Ort erst im Jahr 1776 wieder 150 Bewohner. In einer Betrachtung von Michael Frey über den königlich-bayerischen Rheinkreis (III.Teil) sind für das Jahr 1802 143 Seelen angegeben und 316 für das Jahr 1837. Davon waren 309 Protestanten und 7 Katholiken.     

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an erlebte das Dorf einen großen Aufschwung, der sich durch die erhöhte  Bautätigkeit um die Jahrhundertwende nachweisen lässt. So stiegen die Einwohnerzahlen von 1837 mit 316 Einwohnern auf 425 im Jahr 1871, auf 631 im Jahr 1905, auf 607 im Jahr 1939, auf 659 im Jahr 1961, auf 687 im Jahr 1964, auf 739 im Jahr 1969 und auf 687 im Jahr 1977. Von jetzt an sank die Einwohnerzahl Jahr für Jahr stetig, erreichte im Jahr 1988 einen Tiefpunkt mit 570 Einwohnern. (Zählung statistisches Landesamt). Durch Zuzug auf Grund der Ausweisung von neuem Baugelände und durch zwischenzeitlich erhöhte Kinderzahlen stieg die Einwohnerzahl ab 1984 wieder stetig an auf 640 im Jahre 1996. In Zukunft dürfte wieder mit einer Stagnation zu rechnen sein.

Im neuen Wohnbereich

0.11.Einwohnerzahlen, 2005 mit Nebenwohnungen

1825 1835 1871 1905 1939 1961 1996 2005
gesamt 282 316 428 631 607 659 640
evangelisch 271 622 507
katholisch 11 32 77
sonstige 5 54

0.12.Schulen, Kultur, Vereinswesen

0.12.1.Schule

Das erste richtige Schulhaus in der Gemeinde wurde in den Jahren 1818/19 errichtet. (Veröffentlicht im Intelligenzblatt des Rheinkreises Nr. 92 vom 17. Nov. 1920 in Speyer) Von der Fertigstellung bis zum Jahre 1958 wurden in dieser Schule zuerst alle Kinder gemeinsam (1819 - 1898), später dann nur noch die ersten vier Klassen unterrichtet. Im Jahre 1898 entstand ein zweites Schulhaus. Jetzt hieß die alte Schule im Volksmund nur noch die "Kleine Schule". Vor dem Bau der ersten Schule wurden alle Kinder im Gemeindehaus am Kuselweg unterrichtet, bis zum Jahre 1762 mussten alle Schüler aus Erdesbach in Ulmet zur Schule gehen.

 Mit der Fertigstellung des zweiten Schulhauses im Jahre 1898 wurden die bisher einzige Schulklasse geteilt. Die Klassen 1 - 4 blieben in der so genannten "Kleinen Schule", die jetzt auch "Obere  Schule" genannt wurde, mit einem Bestand am 1. 5. 1906 von 65 Schülern. Weil die so genannte große Schule mit den Klassen 5-7, später auch 5 - 8,  unterhalb der kleinen stand, hieß sich auch "Untere Schule". In ihr wurden 1906 70 Schüler unterrichtet. Um schließlich bessere Unterrichtsverhältnisse zu schaffen, wurde im Jahre 1958 im hinteren Bereich der großen Schule ein neuer Lehrsaal mit einem Lehrerzimmer und einer Toilettenanlage an das bestehende Schulhaus angebaut. Mit der offiziellen Einweihungsfeier am 23.10.1958 wurde die obere oder kleine Schule für den Schulunterricht geschlossen. Das ehrwürdige Gebäude diente anschließend im oberen vorderen Bereich als öffentliche Mietwohnung bis zum Jahre 1972. Der ehemalige Lehrsaal wurde als Gemeinschaftsraum genutzt. Auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses wurde in den Jahren 1973/74 der gesamte Innenbereich der alten Schule neu gestaltet. Aus dem ehemaligen Lehrsaal wurde ein schöner Gemeinschafts- und Konferenzraum mit einem Fassungsbereich von rund 60 Personen. Aus der ehemaligen Lehrer- und Mietwohnung entstand ein Sitzungszimmer für den Gemeinderat, das Dienstzimmer des Ortsbürgermeisters, eine Kochküche und eine Toilettenanlage. Nach der Erneuerung des Außenanstriches präsentierte sich aus dem einstmaligen Schulhaus ein gut nutzbares und schickes Dorfgemeinschaftshaus.

Im Jahre 1969/70 wurden die Klassen 5 - 8 in die neu errichtete damalige Mittelpunktschule Altenglan eingegliedert. Zwischenzeitlich wurde die Mittelpunktschule zuerst zur Hauptschule und 1996 zur Regionalschule aufgewertet.- Seit 1973 besuchen die Grundschüler aus den Dörfern Ulmet, Erdesbach, Niederalben und Rathsweiler die Grundschule in Ulmet, wobei 2 Klassen in der Schule Ulmet und zwei Klassen in der großen Schule in Erdesbach untergebracht waren. Inzwischen wurden alle Klassen nach Ulmet verlegt. 

0.12.2.Vereinswesen

Stark engagiert sind die Erdesbacher im Vereinsleben. Der älteste Ortsverein war der im Jahre 1856 gegründete Männergesangverein. Rund l0 Jahre nach seiner 127-jährigen Jubiläumsfeier musste er seine Sangestätigkeit mangels fehlender Bassstimmen vorübergehend einstellen. Der mitgliederstärkste Verein ist der Turn- und Sportverein Erdesbach 907 e.V. mit seinen Abteilungen Fußball, Schießen und Gymnastik. Eine schöne Sportanlage und ein großes Sportheim zählt der Verein zu seinen Liegenschaften. Außerdem bestehen in der örtlichen Gemeinschaft noch nachstehend aufgeführte Vereine: Tischtennisclub, Sportanglerverein, Landfrauenverein, SPD - Ortsverein, Rentnerverein, ein FCK Fan -Club und der Evangelische Frauenbund.

 

Für all diese Vereine hat die dörfliche Gemeinschaft unter der Regie der Gemeinde in den Jahren 1977 - 1979 die Glantalhalle (12 x 24 m und eine Bühne) in fast ausschließlicher  Eigenleistung errichtet. Einweihung am 30. Juni 1979.

0.12.3.Brauchtum

Bis zum Jahre 1966 wurde zusammen mit der größeren Nachbargemeinde Ulmet der schon über 500 Jahre alte Gallusmarkt mitten in der Woche als Kerwe gefeiert. Als Termin für den Gallusmarkt steht jeweils der erste Dienstag und Mittwoch nach Gallus (16. 0ktober) fest. Im Jahre 1966 wurde auf Wunsch der Bürger und nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderates der im Spätherbst liegende Gallusmarkt durch einen im Sommer liegenden Kerwetermin ersetzt. Als Termin wurde das erste Wochenende im August festgelegt.

Das Aufstellen eines Maibaumes zum 1. Mai haben schon seit Jahren die jungen Männer der freiwilligen Feuerwehr übernommen. Seit Jahren ebenfalls wird von der Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem SPD Ortsverein am 11. November ein zünftiger Martinsumzug mit Musik und Reiter (St. Martin) und einem großen Martinsfeuer durchgeführt. 

Mit der Inbetriebnahme der Glantal-Halle im Jahre 1979 hat die Gemeinde wieder eine alte Tradition aufleben lassen. Jeweils am 27. Dezember erinnert der so genannte Wandertag an einen alten Brauch, der noch in den zwanziger Jahren viel genutzt wurde; denn an diesem Tag, dem einstmaligen "Wannerschdag", wechselten die Dienstboten, die Knechte und Mägde zu ihren neuen Herrschaften.

0.13.Gesundheits- und Sozialwesen

 

Für die medizinische Versorgung der Bevölkerung sind die in den Nachbardörfern ansässigen praktischen Ärzte sowie das Westpfalzklinikum Kaiserslautern/Kusel in Kusel zuständig.

 

0.13.1.Wirtschaft und Verkehr

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges verdienten die arbeitsfähigen Männer den Unterhalt für die Familien größtenteils in den vielen kleinen und auch einigen großen Steinbrüchen (Hart- und Sandsteinbrüche) als Knüppelschläger und Abrichter oder als Steinmetze, als Handwerker bei den ortsansässigen Handwerksbetrieben, dazu als nebenberuflicher Landwirt in den vielen kleinen Nebenerwerbsbetrieben, die fast in jedem Haus anzutreffen waren. Es ging  dabei in der Hauptsache um Getreide- und Kartoffelanbau, meistens noch für den eigenen Bedarf. Fünf hauptberufliche Landwirte gab es  zu dieser Zeit in der Gemeinde. (Um 1960)

Um diese Zeit waren in der Gemeinde immerhin noch drei Zimmermannsbetriebe, drei Baugeschäfte, eine Schreinerei, ein Gipsergeschäft, eine Dorfschmiede, eine Schuhmacherei, zwei Schneidereien, ein  Installationsgeschäft, vier Bäckereien, zwei Metzgereien, ein Transportgeschäft und eine Mühle in Betrieb.

Für die Frauen gab es zu jener Zeit in dem armen Landstrich keine Arbeitsmöglichkeiten. Ihnen oblag die Haushaltsführung, die Kindererziehung und auch noch die Mithilfe in den kleinen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben.

 

Heute sind die Berufstätigen hauptsächlich Auspendler in die großen Industriebetriebe in Kaiserslautern und das nahe Saarland  wie auch in die Mittelzentren der näheren Umgebung.

Schon sehr früh in diesem Jahrhundert (1909) erhielt die  Gemeinde eine zentrale Wasserversorgung. Gespeist wurde die Anlage von mehreren gefassten Oberflächenquellen. Nachdem diese Quellen  zu Beginn der 70er Jahre immer mehr versiegten und der Verbrauch ständig stieg, musste die Gemeinde gleichzeitig mit dem Ausbau eines neuen Versorgungsnetzes an die Versorgung des großen  Wasserzweckverbandes "Ohmbachtal" angeschlossen werden.

Die verkehrsgünstige Lage von Erdesbach war von ihrer Dorfentwicklung her stets ein wirtschaftlicher Vorteil für die Gemeinde. Die Erschließung des Raumes mit dem Bau der strategisch wichtigen Eisenbahnlinie Bad Münster a/St. - Homburg/Saar in den Jahren 1903/04 war für den Absatz der Pflastersteine und für den Bahnschotter aus den Steinbrüchen in der näheren Umgebung, wie z. B. dem "Rammelsbacher Dimpel" mit zeitweise 1600 Beschäftigten vor dem Ersten Weltkrieg und der Bedesbacher Steinbruch "Baumrech" mit ca. 300 Beschäftigten, von großem Vorteil.

Die Glantalbahn wurde aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit um 1985 stillgelegt. Auch der Ausbau der alten Glantalstraße in den Jahren 1937 - 1939 aus überwiegend militärischen Gründen zur so genannten Heeresaufmarschstraße Nr.V brachte für die Gemeinde im Zusammenhang mit dem damaligen Beginn des zunehmenden Lastwagenverkehrs wirtschaftliche Vorteile. -  Neuerdings ist es den Bürgern der Gemeinde wieder möglich, vom benachbarten Altenglan aus (3 km) mit der Eisenbahn auf Grund der Einführung des Stundentaktes auf der Bahnstrecke Kusel - Kaiserslautern und zurück direkten Anschluss an die große Welt zu finden. Auch der neu eingeführte Stundentakt auf der Bahnbusstrecke Kusel - Lauterecken und zurück mit Anschluss nach Bad Sobernheim, Bingen und Mainz hat sich auf die Region gut ausgewirkt. - Über die gut ausgebaute B 420 in Richtung Kusel (11km), wie auch über die B 423 in Richtung Glan Münchweiler (13km) haben die Bürger direkten Zugang zur A 62 und damit zum gesamten bundesdeutschen Autobahnnetz.

Bauernhaus: Typ Einfirst

0.14.Bedeutende Persönlichkeiten

 

Das Dorf Erdesbach, dessen Name in der Bundesrepublik Deutschland nur einmal vorkommt, war der Heimatort von Männern, die weit über die engeren Grenzen hinaus, ja sogar international bekannt geworden sind. Einmal war es der besonders in den USA bekannte in Erdesbach geborene und aufgewachsene Musiker und Komponist Georg Drumm mit dem von ihm komponierten Einzugsmarsch "Hail Amerika", später umbenannt in "Hail to the Chief", der anlässlich einer jeden Präsidenteneinführung ins Weiße Haus, wie auch bei anderen feierlichen Anlässen gespielt wird. Damit hat sich der Urerdesbacher in Amerika ein Denkmal gesetzt. Drumms letzter Besuch in seinem Heimatdorf im Jahre 1954 ist noch bei vielen älteren Bürgern in guter Erinnerung. Sein Wirken und sein Leben sind im Kuseler Musikantenland im Museum auf der Burg Lichtenberg dokumentiert.

Auch der in Erdesbach geborene und schaffende Kunst- und Heimatmaler Otto Brückner, ein Erdesbacher Urgestein (1899 - 1989), sorgte mit seinen ungezählten Federzeichnungen, Aquarellen und Ölgemälden bis weit über die Kreisgrenzen hinaus für den guten Ruf der Gemeinde.

Das gilt auch für den Erdesbacher Lehrer und Heimatforscher Albert Zink (1900 - 1969). Mit seinen vielen Aufsätzen, seinen zahlreichen Fotografien und Veröffentlichungen über seine Tätigkeit als anerkannter Heimatforscher in der näheren und auch weiteren Umgebung wird sein Name in Verbindung mit der Gemeinde Erdesbach weitergetragen.

0.15.Nachweise

Verfasser: Günter Stein 66887 Erdesbach,  Am Schleidchen 6.

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Dolch, Martin und Greule, Albrecht: Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz, Speyer 1991.
  • Imlau, Siegfried: Nahbereichsuntersuchung für das Gebiet der Verbandsgemeinde Altenglan, 1978.
  • Wild, Klaus Eberhard: Neue Aspekte zur Burg Lichtenberg in veldenzischer Zeit, in: Westricher Heimatblätter Jg. 14, Kusel 1983, S. 165-168.
  • Wild, Klaus Eberhard: Burg und Oberamt Lichtenberg in Pfalz-Zweibrückischer Zeit, in: Westricher Heimatblätter Jg. 15, Kusel 1984, S. 123-129.
  • Strauß, Emil: Der Marsch des Weißen Hauses. Georg Drumm, ein Westpfälzer Musikant aus Erdesbach, in: Westrichkalender Kusel 1978, S. 79-81.