Aschbach in der Pfalz

Aschbach

0.1.Allgemeine Angaben

Zwischen Lauter und Talbach

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Wolfstein

Einwohner (2007): 355 davon rund 95% evangelisch

Einwohner (2010): 330

Gemarkung: 446 ha, davon ca. 18 h Siedlungsland und 80 ha Wald

 humnj

0.2.Lage

Der Ort liegt am Königsberg im engen Tal des Aschbachs, rund 260 Meter über dem Meeresspiegel. Der Aschbach entspringt am nördlichen Abhang des Hahnenkopfs, einem Nebengipfel in der Königsberggruppe, und fließt in nördlicher bis nordwestlicher Richtung dem Glan entgegen. Die Erhebungen rings um den Ort erreichen im Königsbergbereich mehr als 500 Meter über NN, sonst 300 bis 400 Meter Hahnenkopf 535 m, Leienberg 524 m, Steinchen 435 m, Rodlingsberg 315 m)

0.3.Siedlung und Wohnung

Der Ort liegt weitgehend als ein Straßendorf an der L 368, die das Eßweiler Tal mit dem Lautertal verbindet und das Tal des Aschbachs überquert. Von dieser Durchgangsstraße her zweigen mehrere Straßen hauptsächlich nach Süden hin ab. Die älteste Bebauung finden wir im Bereich der Brücke über den Aschbach. Der Großteil der Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neuere Bebauung prägt vor allem den westlichen Bereich des Ortes. Ein erstes Schulhaus (Hauptstraße 5) wurde 1789 erbaut, ein weiteres mit zwei Klassenräumen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Der Friedhof liegt an einer Seitenstraße im Osten des Dorfes.

0.4.Wüstungen

Der frühere Ort Niederaschbach, der in alten Urkunden stets unter den Dörfern des Eßweiler Tals genannt wird, lag im Nordwesten des heutigen Dorfes Aschbach, das selbst früher auch als Oberaschbach bezeichnet wurde. Darüber berichtete 1595 Johannes Hofmann: "In diesem Aschbacher Grunde, ein Büchsenschuss vom Glanstrom, hat das Dorf  Niederaschbach gelegen, davon noch alte Mauern vorhanden. Ist ein großes Dorf gewesen, welches, wie die Alten sagen, durch einen Krieg und Brand von den alten Gerken, sonst Armaniaken wie sie sich nennen, verhängt worden ist."[Anm. 1] Die Armaniacen waren ein wüster Söldnerhaufen des französischen Grafen von Armagnac, der im frühen 15. Jahrhundert gegen den Herzog von Burgund einen Krieg geführt hatte. Nach dem Krieg zogen die Truppen marodierend bis zum Rhein. Sie wurden 1444 in einer Schlacht bei Basel durch eine schweizerische Armee unter großen Verlusten besiegt. Somit ist anzunehmen, dass Niederaschbach (1393 Nieder Aspach) einige Jahre vor dem Jahr 1444 vollkommen zerstört wurde.

Im Bereich der heutigen Gemarkung von Aschbach gab es früher zwei weitere Dörfer, Nörweiler und Mittelhofen. Beide lagen nordöstlich des heutigen Dorfes Aschbach und wurden 1595 in der Beschreibung des Eßweiler Tals von Johannes Hofmann ebenfalls erwähnt. Dabei soll Mittelhofen zwischen dem heutigen Aschbach und Nörweiler gelegen haben. Während Nörweiler nur bei Hofmann genannt wird, erscheint Mittelhofen auch in einer Urkunde von 1544. Beide Dörfer sind somit schon lange vor dem 30-jährigen Krieg untergegangen.

0.5.Name

Bestimmungswort ist nach Dolch/Greule das altdeutsche Wort Ask, das Esche bedeutet, vielleicht auch das Wort Aspa für Espe oder Zitterpappel. Grundwort ist der Siedlungsname -bach. Demnach kann Aschbach "Ort bei den Eschen" oder "Ort bei den Pappeln (Espen)" bedeuten. Möglicherweise entstand der Ort im 8. oder im 9. Jahrhundert. Bereits um 1150 erscheint der Name des Ortes als Hasbach in der Gründungsurkunde des Klosters Offenbach. Weitere Nennungen sind Asbach (um 1250), Oberasbach (1377), Haspach (1594). Die heutige Bezeichnung Aschbach erschien erst im 19. Jahrhundert. (Vgl. Dolch und Greule 1994 S. 45)

0.6.Wappen

Das Wappen von Aschbach wird bei Debus folgendermaßen beschrieben: "Unter gewelltem blauen Schildhaupt, darin ein links gewendetes goldenes Eschenblatt, in Gold ein schreitender blaubewehrter- und bezungter Löwe" (Debus 1988 S. 171) Der Löwe deutet auf die frühere Herrschaft der Rheingrafen von Grumbach hin. Das Eschenblatt auf  blauem Untergrund gilt als Hinweis auf die Eschen am Bach.

0.7.Geschichte

0.7.1.Frühgeschichte

Die vorgeschichtlichen Funde aus der Umgebung von Aschbach zählen zu den bedeutendsten des Landkreises Kusel. Bereits in den Jahren von 1884 bis 1886 ließ der Bezirksingenieur Göring aus Kaiserslautern vier Grabhügel öffnen. Dabei konnten zahlreiche Kult- und Gebrauchsgegenstände geborgen werden, vier Halsreife und ca.15 Armreife, sechs Fußringe, mehrere Ringe, zahlreiche Bronzestücke, Urnenfragmente, Pfeilspitzen aus Feuerstein. Eine genaue Aufstellung der Fundstücke stellte vor längerer Zeit Fritz Kleinschmidt zusammen. Die Gräber stammten aus der Bronzezeit etwa um 1500 v. Chr. (Vgl. Kleinschmidt 1970) Auch einen vorgeschichtlichen Eisenverhüttungsplatz entdeckten die Archäologen seitlich des Weges zwischen Wanderer-Parkplatz und Kreuzfeld, südlich der früheren Schwerspatgrube. (Schmidt 1988) Weitere frühgeschichtliche Funde aus der Römerzeit traten zwischen Aschbach und Nerzweiler zu Tage. So sollen im Jahre 1827 die Grundmauern eines Römerbades mit sechs Räumen freigelegt worden sein.  (Vgl. Mahler 1966 S. 9)

0.7.2.Mittelalter

Aschbach teilt weitgehend die mittelalterliche Geschichte aller Dörfer des Eßweiler Tals, die in vieler Hinsicht eine Einheit bildeten. Neben Aschbach selbst handelte es sich ursprünglich um Hundheim (Neuenglan), Hachenbach, Hinzweiler, Nerzweiler, Horschbach, Oberweiler, Elzweiler, Eßweiler und die inzwischen untergegangenen Dörfer (Wüstungen) Letzweiler, Niederaschbach, Nörweiler, Mittelhofen, Zeizelbach, Füllhof, Neideck und Lanzweiler. Sicher ist, dass diese Dörfer in dem freien Reichsland rings um die Königsburg Lautern lagen. Im 9. Jahrhundert, wahrscheinlich kurz vor dem Jahr 870, erwarb der Edelherr Hererich das Eßweiler Tal zum Lehen und vermachte es kurz vor seinem Tod dem Kloster Prüm. Geistlicher Mittelpunkt dieses Gebietes war zunächst die Hirsauer Kirche bei dem Ort Hundheim, der zu dieser Zeit noch den Namen Glena oder Glan, wohl Neuenglan (Nieuwen Glena) trug, im Gegensatz zu Altenglan (Gleni). Dieses Glena wurde Sitz eines "Hund", der das ganze Gebiet des Tals für die eigentlichen Besitzer verwaltete. Der Verwaltungsort Glan an der Mündung des Talbachs in den Glan erhielt nun den Namen Hundheim.

1150 begründete der Edelfreie Reinfried das Kloster Offenbach zusammen mit einer verwandten Frau mit Namen Mathilde. Die Gründer übertrugen das kleine Offenbacher Kloster samt der Güter, die sie ihm vermachten, der Abtei St. Vinzenz in Metz. Zu den Gütern gehörte auch ein Besitztum des Reinfried in Aschbach, weshalb der Ort neben anderen Orten in der Gründungsurkunde genannt ist. Aus der Urkunde, die um 1200 ausgestellt wurde, erfahren wir, dass Emmerich von Löwenstein als Mannlehen der Grafen von Zweibrücken den dritten Teil des Zehnten zu Aschbach erhielt. 1377 verbürgten sich unter vielen anderen Bürgen auch zwei Bewohner von "Ober Aspach" für den Adligen Gerhard von Lauterecken, der dem Grafen von Veldenz zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen Henne und Heinzmannn den Treueid leistete und zur Zahlung von 1000 Gulden verpflichtet war für den Fall, dass der Treueid gebrochen würde. Bei den Bürgen aus Haschbach handelte es sich um Godel, den Sohn des Dyle Baltzen und um einen Mann mit Namen Gerhard. (Vgl. Dolch 1999 a und 1999 b)

Schon vor dem Jahr 1222 verlor das Kloster Prüm seinen Besitz im Glantal, es ist nicht bekannt unter welchen Umständen. In späterer Zeit werden nur noch die 14 Lehnsherren genannt, die im Eßweiler Tal besondere Rechte ausübten und ihren Anteil am Zehnten einziehen konnten. Bei diesen 14 Lehnsherren handelte es sich um den Junker Mühlenstein von Grumbach als dem Vasallen der Rheingrafen, um die Pfalzgrafschaft Zweibrücken, um die Klöster Offenbach, Remigiusberg, Tholey und Enkenbach und um die Johanniterkommende Sulzbach, um die Kirchen von Zweibrücken, St. Julian und Hinzweiler, um den Stangenjunker von Lauterecken, um die Blick von Lichtenberg, um die Herren von Mauchenheim und um die Herren von Mickelheim. Offensichtlich unterhielten die Lehnsherren unterschiedliche Verwaltungssitze. Die Wild- und Rheingrafen als Inhaber der Hochgerichtsbarkeit waren Lehnsherren über die Herren von Mühlenstein (später Cratz- von Scharfenstein) bei der Hirsauer Kirche und in der Springeburg. Die Grafen von Veldenz als Lehnsherren der "armen Leute" des Tals (ab 1444 die Pfalzgrafen von Zweibrücken) erwählten Nerzweiler als ihren Amtssitz. Nerzweiler wurde zwischen 1350 und 1446 in Urkunden stets als Sitz des "Nerzweiler Amtes" genannt. Graf Friedrich III. von Veldenz bewidmete seine Ehegattin Margarethe von Nassau-Saarbrücken mit diesem Nerzweiler Amt. Nach 1446 erschien wieder Hundheim als einziger Amtssitz. Hinzweiler erhielt 1451 eine eigene Kirche und wurde an Stelle von Hirsau Mittelpunkt des Kirchspiels im Eßweiler Tal. Die Abhängigkeit von einer Vielzahl von Lehnsherren ließ im Tal offensichtlich größere Freiheiten walten als in anderen Gebieten, in denen einheitliche Macht- und Regierungsverhältnisse vorherrschten. Rechtliche Fragen innerhalb des Eßweiler Tals regelten eine Reihe von Weistümern, die schon im Mittelalter gültig waren, aber erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts aufgeschrieben wurden. Sie sind erhalten geblieben und  gelten heute als Musterbeispiele für mittelalterliche Rechtsprechung. Es handelte sich um ein Gerichts- und Grenzweistum, um ein Kanzelweistum, um ein Huberweistum und um ein Gemeindeweistum.

Aschbach war im ausgehenden Mittelalter ein relativ reiches Dorf. 1477 mussten sowohl für die Maibede als auch für die Herbstbede (Bede = Steuer) 12 Familien Abgaben entrichten. Das waren etwa alle ansässigen Familien. Zum Vergleich: im damals etwas kleineren Dorf Nerzweiler zahlten nur zwei Familien Steuern.

0.7.3.Neuzeit

1526 wurde im Eßweiler Tal die Reformation eingeführt. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wütete die Pest im Tal, und die Dörfer wurden entvölkert. In Aschbach selbst sollen 1575 nur 12 Menschen die Epidemie überlebt haben. Hinsichtlich der herrschaftlichen Verhältnisse kam es im Jahr 1595 dadurch zu einer Änderung, dass die Hochgerichtsbarkeit, die bis dahin die Wild- und Rheingrafen etwa 250 Jahre lang inne hatten, den Pfalzgrafen (Herzögen) von Zweibrücken übergeben wurde. Als Gegenleistung dafür überließ Pfalzgraf Johannes I. von Zweibrücken den Rheingrafen das Dorf Kirchenbollenbach bei Idar-Oberstein. Damit waren Hochgerichtsbarkeit und Herrschaft über die "armen Leute" in einer Hand, wenngleich die übrigen genannten Lehnsherren nach wie vor berechtigt waren, ihren Anteil am Zehnten in den verschiedenen Dörfern einzuziehen. 1614 tauschte Pfalzgraf  (Herzog) Johannes II. von Zweibrücken seine Leibeigenen in Teschenmoschel gegen Leibeigene des Freiherrn Johann Gottfried von Sickingen in Schallodenbach und im Eßweiler Tal ein. Auch im Dreißigjährigen Krieg hatte Aschbach zu leiden. Während in anderen Dörfern nur einzelne Menschen den Krieg überlebt hatten, gab es in Aschbach 1675 schon wieder 11 Familien. Es ist anzunehmen, dass die Verluste hier weniger stark waren als im oberen Bereich des Glantals. Allerdings konnten unter den 11 Familien schon Zuwanderer sein, die das Land neu besiedelten. Eine neue grundsätzliche Änderung hinsichtlich der territorialen Zugehörigkeit erfolgte 1755. Jetzt übergab Herzog Christian IV. das Kloster Offenbach mit den Dörfern Aschbach, Hundheim, Nerzweiler, Hinzweiler, Oberweiler, sowie die Hirsauer Kirche den Rheingrafen von Grumbach, die bis 1595 in diesen Dörfern die Hochgerichtsbarkeit ausgeübt hatten. Aschbach blieb nun in der Rheingrafschaft bis zum Zusammenbruch der alten Feudalherrschaft während der Französischen Revolution.

0.7.4.Neueste Zeit

In der Zeit der Französischen Revolution und in der Regierungszeit des Kaisers Napoléon wurde das linksrheinische Deutschland von Frankreich annektiert. Dabei beseitigten die Franzosen alle bis dahin bestehenden Landesgrenzen und gründeten neue Départements. Grob gesehen bildete der Glan die Grenze zwischen dem Saardepartement (de la Sarre) und dem Département Donnersberg. Aschbach kam zusammen mit den Dörfern Nerzweiler, Hinzweiler, Hachenbach und Gumbsweiler zu der neu gegründeten Mairie (Bürgermeisterei) Hundheim. Nach dem Sieg über Kaiser Napoléon entstand durch den Wiener Kongress nach einer gewissen Übergangszeit der "baierische Rheinkreis" des Königreichs Bayern, die spätere bayerische Rheinpfalz. Aschbach gehörte nun zur Bürgermeisterei Hundheim im Kanton (Distrikt) Lauterecken und im Landkommissariat (Bezirksamt, Landkreis) Kusel. Weitere Veränderungen ergaben sich durch die Regional- und Verwaltungsreform von 1968. Die Ortsgemeinde Aschbach gehört seit seit 1971 innerhalb des Landkreises Kusel zur Verbandsgemeinde Wolfstein.

 

0.8.Wahlergebnisse (Auswahl)

Jahr SPD KPD DNVP DVP NSDAP
1928 7,6 6,5 37,2 7,2 5,4
1930 2,7 6,4 0,9 1,8 84,5
1933 2,0 0,8 --- --- 92,4
Landtagswahl SPD CDU FDP Grüne Sonstige
Landtag 2001 63,0 14,3 5,81 3,2 3,3
Landtag 2006 59,5 22,6 3,0 4,2 10,8 (WASG 3,6 / REP2,4)
Landtag 2011 47,4 23,4 0,6 14,0 14,6
Bundestagswahl SPD CDU FDP Grüne Linke
Bundestag 2002 59,3 13,3 13,6 7,1 9,3
Bundestag 2005 49,8 17,2 13,3 5,4 8,9
Bundestag 2009 31,1 25,5 14,2 6,8 15,2
Bundestag 2013 41,7 32,6 1,7 5,7 6,3

0.9.Zeittafel

Zeitpunkt Ereignis
Vorgeschichte Reichhaltige Funde aus der Bronzezeit im Aschbacher Jungenwald
Römerzeit Römerzeitliche Funde zwischen Aschbach und Nerzweiler, Römerbad
Frühes Mittelalter Aschbach wurde um 800 innerhalb des Königslands gegründet.
870 Hererich übergibt das Eßweiler Tal an das Kloster Prüm
1150 Ersterwähnung von Aschbach in der Gründungsurkunde des Klosters Offenbach
um 1350 Verpfändung des Eßweiler Tals an die Kurpfalz, die das Gebiet in der Hochgerichtsbarkeitan die Wildgrafen vergibt, außer den so genannten 14 Lehnsherren, vor allem auch der Grafschaft Veldenz, Rechte und Einkünfte gewährt. Aschbach gehört zum Amt Nerzweiler.
1444 Gründung der Pfalzgrafschaft Zweibrücken, die alle Rechte der Grafschaft Veldenz übernimmt
1526 Einführung der Reformation
1595 Die hohe Gerichtsbarkeit, zuvor bei den Wild- und Rheingrafen, geht an die Pfalzgrafschaft Zweibrücken über
1614 Pfalzgraf Johannes II. von Zweibrücken tauscht seine Leibeigenenin Teschenmoschel gegen die Leibeigenen des Freiherrn Johann von Sickingen im Eßweiler Tal ein
1755 Herzog Christian IV. übergibt das Kloster Offenbach mit den Dörfern Hundheim,Nerzweiler,Hinzweiler, Oberweiler und Aschbach sowie die Hirsauer Kirche an die Rheingrafen von Grumbach
1801 Aschbach liegt im Département Donnersberg, im Arondissement Kaiserslautern, im Canton Lautereckenund in der Mairie Hundheim
1816 Aschbach liegt in der Bayerischen Rheinpfalz, im Kanton Lauterecken und in der Bürgermisterei Hundheim
1928 Anschluss an das elektrische Stromnetz
1938 Anlage des Sportplatzes
1954 Zentrale Wasserleitung
1978 Kläranlage
1979 Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses
1988 Anschluss an die Kläranlage
1972 Aschbach wird eine Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Wolfstein
1997 Verlegung einer Erdgasleitung

0.10.Religiöse Verhältnisse

Ursprünglich war die Hirsauer Kirche geistlicher Mittelpunkt für alle Dörfer des Eßweiler Tales. (siehe Ortsteil Hundheim von Offenbach -Hundheim). Nachdem 1451 auch in Hinzweiler eine Kirche gebaut wurde, übernahm nach und nach Hinzweiler die Rolle von Hirsau. Es kam es zu einem Konkurrenzstreben zwischen beiden Kirchen. Bereits 1526 führte die Pfalzgrafschaft von Zweibrücken in der Kirche des Oberamtes Meisenheim die Reformation nach der Lehre von Martin Luther ein, wodurch auch im Eßweiler Tal der Gottesdienst nach und nach im Sinne der Reformation durchgeführt wurde. Das Kloster Offenbach, von dem auch die Kirche Hinzweiler abhängig war, widersetzte sich zunächst den reformatorischen Bestrebungen. Doch 1555 führten auch die Rheingrafen von Grumbach die Reformation ein, und 1588 wurde das Klosters Offenbach aufgelöst. Nachdem die Pfalzgrafen von Zweibrücken 1595 unumschränkte Lehensherren über das Eßweiler Tal geworden waren, mussten die Gläubigen gemäß der Entwicklung in der Pfalzgrafschaft zum reformierten Glauben nach Calvin übertreten. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges hatte sich Hinzweiler als Mutterkirche für das gesamte Tal durchgesetzt, und dieses Verhältnis blieb bis zum heutigen Tag bestehen. Nach ihrer religiösen Zugehörigkeit waren die Einwohner von Aschbach in früherer Zeit überwiegend Reformierte nach der Lehre Calvins. Reformierte und Lutheraner vereinigten sich 1819 in der pfälzischen Protestantischen Union. Juden ließen sich im ausgehenden 18. Jahrhundert in Aschbach nieder. Ihr Bevölkerungsanteil erreichte zeitweise fast 10%. Christen katholischer Konfession gab es auch später nur wenige in Aschbach. Zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren es etwa 5. Auch heute ist ihr Anteil nicht groß. 1961 waren es 13 (ca. 5%). Die katholischen Christen besuchen bis heute die Kirche in Offenbach.

1825: 280 prot. 5 kath. 29 isr.
1961: 369 prot. 13 kath.

0.11.Bewohner

Aschbach war während des ganzen Mittelalters zwar ein kleines Dorf, besaß aber große und fruchtbare landwirtschaftliche Flächen, weshalb die Bewohner mehr Steuern zahlten mussten als in der Größe vergleichbare Nachbardörfer. Dennoch war die Existenz des Dorfes durch Epidemien, vor allen durch die Pest, und durch Kriegsereignisse oft bedroht. Der Untergang des Nachbardorfes Niederaschbach durch marodierende Soldaten des Grafen von Armagnac beweist, dass nicht nur durch den Dreißigjährigen Krieg ganze Dörfer niedergebrannt und vollkommen verwüstet wurden. Die Menschen des Dorfes lebten vornehmlich von der Landwirtschaft. Doch es gab die Gelegenheit, in den vielen Kohle-, Quecksilber-, Schwerspat- und Kalkgruben der näheren und weiteren Umgebung dem Broterwerb nachzugehen. Im Nahbereich von Aschbach selbst bestanden eine Schwerspat- und eine Kalkgrube. Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert zogen Bewohner des Ortes auch als Wandermusikanten durch die Welt. Beispielsweise gab es 1909 in Aschbach 73 Wandermusikanten. Berühmt war Rudolf Mersy, auch "Aschbacher Mozart" genannt.

1609 lebten 85 Personen in 17 Familien. In einer Statistik von 1743 galten von 19 Familienvätern 17 als freie Untertanen und 2 als "Hintersassen". Unter den Handwerkern, die Landwirtschaft nur im Nebenerwerb betrieben, gab es einen Schuhmacher, zwei Leineweber, einen Schneider und einen Maurer. Im Prinzip blieb diese Berufsstruktur bis weit in das 20. Jahrhundert hinein erhalten. Die Mehrzahl der Bewohner muss heute außerhalb des Ortes dem Broterwerb nachgehen. Im späten 18. Jahrhundert ließen sich Juden in Aschbach nieder. 1825 gab es unter den 314 Bewohnern 29 Juden. Die Bevölkerungszahlen stiegen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts verhältnismäßig steil an und erreichten in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 452 Einwohnern einen Höhepunkt. Der nachfolgende Abfall bis hin zur Jahrhundertwende war weitgehend durch Auswanderungen bedingt. Einem erneuten Anstieg bis zum Ersten Weltkrieg folgte dann ein kontinuierlicher leichter Abfall bis in die Gegenwart, der sich wahrscheinlich auch in der Zukunft fortsetzen wird. Diesem Rückgang einher geht ein deutliches Anwachsen der älteren Einwohnerschicht.

0.12.Bevölkerungsentwicklung

Jahr Bevölkerungszahl
1609 85
1675 60
1745 101
1825 314
1835 378
1850 417
1867 452
1875 404
1885 380
1900 415
1910 407
1939 390
1999 375
2007 355

0.13.Schulen und Kultur

0.13.1.Schule

Das Schulwesen erfuhr allgemein seit der Reformationszeit einen Aufschwung, kamjedoch während des Dreißigjährigen Krieges wieder zum Erliegen. Über die Anfänge der Schule in Aschbach liegen uns nur wenige Nachrichten vor. Aus dem Jahr 1784  erfahren wir, dass der Schulamtskandidat Ludwig Klein aus Brenschelbach in Aschbach eine Winterschule leitete. Regelmäßiger ganzjähriger Schulunterricht wurde erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erteilt, als Aschbach zum Königreich Bayern gehörte. 1819 stellte die Gemeinde den Kandidaten Ludwig Berger aus Wiesbach als Lehrer ein. Der Unterricht wurde im Sommer und im Winter in dem Haus Bachstraße 7 erteilt. 1827 erwarb die Gemeinde das Haus in der Bachstraße 5 und ließ hier ein erstes Schulhaus erbauen, das 1831 auch einen Glockenturm erhielt. 1900 entstand ein neues Schulhaus, wobei die Glocken zunächst in dem alten Schulhaus verblieben. Sie wurden 1942 während des Zweiten Weltkriegs zur Produktion von Munition abgeliefert. 1950 erhielt auch das zweite Schulhaus einen Glockenturm, und die Gemeinde musste neue Glocken erwerben. 1970 ließ die Bezirksregierung die Schule endgültig schließen, nachdem zuletzt nur noch Grundschüler unterrichtet wurden. Das Schulhaus stand einige Jahre lang leer, und die Gemeinde verkaufte es schließlich an einen Bürger. Grund- und Hauptschüler besuchen heute die entsprechenden Schulen in Wolfstein. Nächst gelegenes Gymnasium ist das von Lauterecken.

 

Neues Schulhaus

0.13.2.Kultur und Vereine

Brauchtum: Der Ort feiert seine Kirchweih am zweiten Wochenende im September.

Vereine: Gemischter Chor, Landfrauenverein, Tischtennisverein, Feuerwehr-Förderverein, Modellflugverein, Fanclub 1. FCK

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Allgemeinärzte und Apotheken in Offenbach-Hundheim, in Lauterecken und in Wolfstein. Zuständige Sozialstation ist Lauterecken. Die nächsten Krankenhäuser sind die Westpfalzkliniken in Kaiserslautern und in Kusel.

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Von den vielen Bergwerken, die in früherer Zeit in der weiteren Umgebung von Königsberg und Herrmannsberg betrieben wurden, gab es in der Nähe von Aschbach eine Schwerspatgrube und einen Kalkstollen. Ansonsten war ursprünglich die Landwirtschaft wichtigster Erwerbszweig neben dem Wandermusikantentum. Die Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges grundlegend verändert. Die Mehrzahl der Erwerbstätigen muss heute außerhalb des Ortes dem Broterwerb nachgehen. Auch im Ort selbst gibt es eine Reihe von Geschäftsbetrieben. Die Volksbank Kaiserslautern unterhält in Aschbach eine Zweigniederlassung.

Der Ort liegt an der L 368, die Hinzweiler (L 273) mit der Straße durch das Lautertal (B 270) verbindet. Die Autobahnauffahrten Kusel und Kaiserslautern liegen jeweils ca. 30 km weit von Aschbach entfernt. Nächster Bahnhof ist der von Wolfstein (ca. 8 km).

0.15.Persönlichkeit

Rudolf Mersy (2. 10. 1867 - 30. 5. 1949)

Volksmusiker und Komponist, geb. in Aschbach, verbrachte seine Kindheit als Sohn eines Wandermusikanten in Edinburgh, lebte ab 1885 wieder in seinem Heimatdorf, um später erneut auf Wanderschaft zu gehen (Australien, Neuseeland). Das letzte Jahrzehnt seines Lebens verbrachte er wieder in der Heimat.  Mersy komponierte über 600 Musikstücke und wurde von den Menschen seiner Zeit als "Aschbacher Mozart" bezeichnet.

0.16.Nachweise

Verfasser: Dieter Leonhard und Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Cappel, Otto: Aus meiner Tätigkeit als Lehrer auf dem Land, in: Westrichkalender Kusel 1984, S. 90-99.
  • Dolch, Martin und Greule, Albrecht: Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz, Speyer 1991.
  • Dolch, Martin: Fünf Orte im Landkreis Kusel feiern Geburtstag, in: Westrichkalender Kusel 1999 (1999 a), S. 57-58.
  • Dolch, Martin: Zwei mittelalterliche Urkunden, in: Westricher Heimatblätter Jg. 30, Kusel 1999 (1999 b), S. 170-175.
  • Engel, Paul: Das Westpfälzer Wandermusikantentum im Lichte musikwissenschaftlicher Untersuchung, in: Zum Beispiel, der Landkreis Kusel, Landau 1985, S. 157 - 178.
  • Fabricius, Wilhelm: Die Grafschaft Veldenz, in: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz Bd. 33, Speyer 1913, S. 1-91.
  • Hofmann, Johannes: Gründliche und wahrhaftige Beschreibung des Eßweiler Tals von 1595, Transkription Otto Lißmann, Skriptum der Kreisverwaltung Kusel o. J. Neuere bisher unveröffentlichte Transkription durch Dieter Zenglein.
  • Kleinschmidt, Fritz: Die vorgeschichtlichen Gräber im Aschbacher Jungenwald, in: Westricher Heimatblätter Jg. 1, Kusel 1970, S. 70-74.
  • Lehmann, Johann Georg: Vollständige Geschichte des Herzogtums Zweibrücken und seiner Fürsten, München 1867, Reprint Osnabrück 1974.
  • Leonhardt, Dieter und Graf, Hans Joachim: 850 Jahre Aschbach, Aschbach 2000
  • Mahler, Ludwig: Hachenbach am Glan und die nähere Umgebung im Wandel der Zeiten, Hachenbach 1966.
  • Schmidt, Erich: Vorgeschichtlicher Eisenverhüttungsplatz nahe Aschbach am Königsberg aufgefunden, in: Westricher Heimatblätter, Jg. 19, Kusel 1988, S. 76 - 77.
  • Schultheiß, Karlheinz und Molter, Hugo: Der neueste eiszeitliche Fossilfund aus dem Landkreis Kusel – ein Backenzahn einer Pferdeart, in: Westricher Heimatblätter Jg. 24, Kusel 1993, S. 122-124.
  • Staab, Franz: Gegenstand und Kommentar des Prümer Urbars von 893 aus der Perspektive von einigen bisher unterschiedlich identifizierten Ortsnamen, in: Landesgeschichte, Fachdidaktik Lehrerbildung, Landau 1998, S. 35 - 66.
  • Weber, Friedrich W.: Auch Offenbach und Aschbach hatten genossenschaftliche Bauernmühlen, in Westrichkalender Kusel 1987, S. 83-86.
  • Weizsäcker, Wilhelm: Pfälzische Weistümer Band I, Speyer 1962, S. 467-483.

Erstellt: 05.11.2009

Anmerkungen:

  1. Lißmann o. J. S. 138. Zurück