Etschberg in der Pfalz

Etschberg

0.1.Allgemeine Angaben

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Kusel

Einwohner (2008): 701

Einwohner (2010): 660

Wohnplätze: Leidsthaler Hube

Gemarkung: 345 ha davon 107 ha Wald


0.2.Lage

Etschberg liegt an der nördlichen Abdachung eines vom Kreuzberg (Ödesberg) in südöstlicher Richtung auslaufenden Höhenrückens. Der Rödelsbach berührt das Dorf am Nordrand, um dann in östlicher Richtung dem Glan zu zu fließen. Umgeben von Gärten und Wiesen mit vielen Obstbäumen liegt der Ort in einer verhältnismäßig kleinen Gemarkung, erstreckt sich von 220 Metern über NN bis zu einer Höhe von ca. 320 Metern. Die weitere Umgebung ist waldreich. Innerhalb der Gemarkung erreichen die höchsten Erhebungen etwa 380 Meter über NN. Ein schöner Blick über den Ort und die Bergwelt des Westrichs mit Potzberg und Remigiusberg bietet sich vom 402 Meter hohen Gipfel des Kreuzbergs, der jedoch schon in der Gemarkung des Nachbarortes Schellweiler liegt. Die Gemarkung von Etschberg grenzt an die Gemarkungen von Theisbergstegen (Ortsteil Godelhausen) im Osten, von Rehweiler im Süden, von Hüffler und Schellweiler im Westen und von Haschbach im Norden.

0.3.Siedlung und Wohnung

Im Ursprung zogen sich die Häuser an einer einzigen Straße vom Tal aus den Hang hoch. Da diese Straße vom Anfang bis zum Ende eine erhebliche Steigung hatte und das Befahren mit Fuhrwerken zur Quälerei ausartete, wurde in den Jahren 1924 bis 1928 eine Straße östlich um das Dorf herum gebaut. Noch heute wird sie als neue Straße bezeichnet. Neben landwirtschaftlichen Anwesen aus dem 19. Jahrhundert finden wir Arbeiterhäuser, darunter auch so genannte Musikantenhäuser, in der neuesten Bebauung auch moderne Einfamilienhäuser. Wegen der Bereitschaft der Bewohner, das Dorfbild zu verschönern, begünstigt durch eine intakte Infrastruktur, gelangen dem Dorf in den Jahren von 1972 bis 1981 große Erfolge in dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden". So wurde Etschberg neben vielen guten Platzierungen je viermal Kreissieger, zweiter Bezirkssieger und zweiter Landessieger. Zum großen Teil in Eigenleistung wurden eine Friedhofshalle, ein neuer Sportplatz mit Sportheim, ein Kinderspielplatz, eine Grillhütte, ein Dorfbrunnen sowie ein Dorfgemeinschaftshaus mit Mehrzweckhalle gebaut. Der Friedhof liegt am nördlichen Eingang des Dorfes. Die schöne Sportanlage mit Sportheim erstreckt sich auf der Höhe über dem Dorf seitlich der Kreisstraße in Richtung Schellweiler.

Hinweis in der Mitte des Dorfes

0.4.Wüstungen

Der ehemalige Ort Leidenstall, dessen Name noch heute in dem Flurnamen "Leidstaler Hube" zu erkennen ist, lag im Süden der Gemarkung von Etschberg bereits auf der Gemarkung von Rehweiler. Er wurde bereits 1270 als "Leudenstall" erwähnt, wobei an den Hof (Stall bedeutet Stelle, Ort) eines Luido zu denken ist. Die Umwandlung -stall in Tal erfolgte erst in späterer Zeit. Spätere Namensnennungen sind Laidensthal (1446), Laidsthal 1484 und Leidsthal (1588). Die Nennung von 1588 bezieht sich auf die "Beschreibung des Oberamtes Lichtenberg" von Johannes Hofmann. Zu seiner Zeit war das Dorf bereits untergegangen, es soll niedergebrannt sein, als alle Bewohner zum Gottesdienst nach Kusel gegangen waren. Schon damals stand wieder ein Gebäude im weiteren Bereich des ehemaligen Dorfes auf der Gemarkung von Etschberg, das so genannte "Huberhaus", von dem aus der umliegende Wald bewacht wurde. Später stand an dieser Stelle ein Schützenhaus.

Name

Der Ortsname setzt sich zusammen aus dem Grundwort -berg und aus einem Bestimmungswort, das auf das altdeutsche Wort "etzen" zurück geht, also auf ein Wort mit der Bedeutung essen, äsen, atzen u. a., hier auf die Nahrung von Tieren bezogen. Der Name Etschberg weist demnach auf eine Wiese oder Weide am Berg hin. Die Ersterwähnung in einer veldenzischen Urkunde des Jahres 1364 lautet Etzberg, und diese Schreibweise erscheint auch in einer Reihe späterer Urkunden (1460, 1482, 1593). Weitere Namensnennungen sind: Etzberke (1446), Exeberg (1458), Etzburg (1482), Etßberg (1546), Etzschbergk (1619), Etschberg (1785). (Vgl. Dolch/Greule S. 134)

0.5.Wappen

Das Wappen zeigt einen grün gekleideten Jäger mit roter Feder am Hut, goldenem Gürtel und blauen Schuhen, in der Hand einen goldenen Bogen mit goldenem Pfeil und blauer Pfeilspitze, die Figur auf silbernem Grund mit grünem Boden. Das Wappen geht auf ein Siegel aus dem 18. Jahrhundert zurück und steht offenbar in keiner Verbindung zur Ortsgeschichte. Dieses Wappen genehmigte 1982 die Bezirksregierung Rheinhessen-Pfalz in Neustadt.

0.6.Abriss der Ortsgeschichte

0.6.1.Vorgeschichte

Die Umgebung des Ortes war in vorgeschichtlicher und auch in gallo-römischer Zeit besiedelt, wie Funde in der unmittelbaren Umgebung beweisen. Dabei handelt es sich vornehmlich um die Hügelgräber aus der Eisenzeit unterhalb des Kreuzberggipfels in der Gemarkung Schellweiler, um die Grabhügel in der Winterhell der Gemarkung Kusel, um ein Brandgräberfeld in der Gemarkung von Haschbach, um Funde aus der Römerzeit vor allem in und um die nahe gelegene Stadt Kusel.

 

0.6.2.Mittelalter

Das Dorf wurde zu einem unbestimmten Zeitpunkt gegründet, mindestens 200 Jahre vor der bisher bekannten ersten Erwähnung in einer Urkunde des Jahres 1364. Etschberg lag im so genannten Remigiusland, das im Jahr 1112 den Grafen von Veldenz als Schutzvogtei übergeben wurde. Nach der Urkunde von 1364 mussten alle Dörfer des Amtes Altenglan-Brücken, also auch Etschberg, für die Versorgung des jung vermählten Grafenpaars Heinrich (III.) von Veldenz und Lauretta von Sponheim aufkommen, das die Burg Lichtenberg zum Wohnsitz erwählt hatte. Überliefert wird ein mittelalterliches Weistum aus Etschberg, dessen Text wahrscheinlich im 16. Jahrhundert (1546?) schriftlich fixiert wurde. (Weiszäcker 1962 S. 482/483) Schon vor Etschberg erschien der Name der Wüstung Leidenstall in einer Urkunde, nach der die Dörfer Leidenstall und Eisenbach an den Schultheißen von Kusel eine Gült von sieben Solidi Trierer Währung zahlen sollten. (Remling 1856, Anlage 10). 1546 wurde die "Leidenstaller Hube" noch in dem Etschberger Weistum genannt, sie sollte an den Gnädigen Herrn 28 Mittel Hafer abliefern. Etschberg blieb bei der Grafschaft Veldenz bis zum Jahr 1444, als Tochter Anna des letzten Grafen von Veldenz den Pfalzgrafen Stephan heiratete, der nun aus eigenen Besitztümern und aus dem Erbteil seiner Frau die Pfalzgrafschaft (das Herzogtum) Zweibrücken begründete.

0.6.3.Neuzeit

Das Dorf teilte die Geschichte der Pfalzgrafschaft Zweibrücken bis zu deren Ende zur Zeit der Französischen Revolution. Wir haben keine Nachricht darüber, wie viele Menschen im Dorf die schlimmste Zeit des Dreißigjährigen Krieges überlebten, viele können es nicht gewesen sein. Immerhin ist im Kuseler Kirchenbuch schon 1646 wieder ein Ehe verzeichnet, und Jahr für Jahr kommen fast regelmäßig Kinder zur Welt. Da bis 1668 im Kirchenbuch keine Beerdigungen aufgeführt sind, nehmen wir an, dass sich junge Familien in dem Dorf als Zuwanderer niedergelassen hatten. (Vgl. Zink 1925) Als Folge der Eroberungskriege des französischen Königs Ludwig XIV. wird Etschberg 1775 als "verbrannt" bezeichnet. Während des 18. Jahrhunderts erholte sich der Ort. Er lag während der französischen Zeit von 1801 bis 1814 im Departement Saar, im Arrondissement Birkenfeld im Kanton Kusel und in der Mairie Quirnbach. In der nachfolgenden Epoche des Königreichs Bayern lag Kusel innerhalb des Bayerischen Rheinkreises im Landkommissariat (Kreis), Kanton und in der Bürgermeisterei Kusel. Während des Pfälzisch-Badischen Aufstands von 1849 erfasste der Kantonalverteidigungsausschuss 19 junge Männer, die für das 1. Aufgebot der Revolutionstruppen rekrutiert wurden. Im Zuge der sich überstürzenden Ereignisse kamen diese Leute jedoch nicht mehr zum Einsatz. In der Verwaltungsstruktur änderte sich nichts bis hin zu der Funktional- und Verwaltungsreform von 1986. Etschberg gehört seit 1972 als Ortsgemeinde zu der Verbandsgemeinde Kusel.

Dass in der neuesten Zeit auch aus Etschberg Impulse für die Gestaltung einer aktuellen Politik ausgegangen sind, beweist die Karriere der aus Etschberg stammenden Politikerin Margit Conrad. Sie wurde 1952 als Tochter des späteren langjährigen Ortsbürgermeisters Karl Conrad geboren, studierte Medizin und Soziologie, war Ärztin, ging aber in die Politik, wurde Bundestagsabgeordnete und 1991 Bürgermeisterin von Saarbrücken, im Landtag des Saarlandes Dezernentin für Umwelt, Gesundheit und Recht, 2001 Umweltministerin im Bundesland Rheinland-Pfalz.

0.7.Wahlergebnisse, Bundestag Zweitstimmen

SPD KPD NSDAP DVP
1924 (Mai) 10,3 55,5 --- 26,0
1930 (Sept.) 20,3 52,5 11,0 1,7
1933 (März) 6,3 54,7 35,9 ---
Landtag 2001 SPD CDU Grüne FDP Sonstige
73,7 12,2 5,1 2,2 6,8
Landtag 2006 SPD CDU Grüne FDP Linke Rep. FW sonstige
69,2 11,3 4,0 3,1 1,7 2,0 --- 8,8
Landtag 2011 SPD CDU Grüne FDP Linke Rep. FW sonstige
54,7 15,6 0,8 22,4 4,4 --- 0,3 1,8
Bundestag 2002 SPD CDU Grüne FDP Sonstige
68,9 18,8 6,2 2,7 2,7
Bundestag 2005 SPD CDU Grüne FDP Linke Sonst.
56,7 15,9 8,1 5,6 11,4 2,3
Bundestag 2009 SPD CDU Grüne FDP Linke Sonst.
40,4 17,2 10,1 8,6 18,6 4,5
Bundestag 2013 SPD CDU Grüne FDP Linke Sonst.
46,6 23,3 1,2 9,0 10,5 9,4.

0.8.Zeittafel

um 1000 Gründung des Dorfes im Remigiusland
1147 Das Remigiusland wird an die Grafen von Veldenz übergeben
1270 Ersterwähnung der Wüstung Leidsthal
1364 Ersterwähnung von Etschberg in einer Urkunde des Grafen Heinrich II. von Veldenz
1444 Etschberg in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken
1537 Einführung der Reformation nach Luther
1588 Übertritt der Bewohner zum Kalvinismus
1801-1814 Etschberg im Département Saar, Arrondissement Birkenfeld, Canton Kusel, Mairie Quirnbach
1817 Etschberg im Landkommissariat Kusel des Königreichs Bayern, im Kanton und in der Bürgermeisterei Kusel
1972 Etschberg Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Kusel

0.9.Religiöse Verhältnisse

Etschberg lag im Remigiusland, gehörte damit von seiner Gründung an zu einem Herrschaftsgebiet der Kirche von Reims, war aber kirchenorganisatorisch dem Erzbistum Mainz unterstellt. Innerhalb der regionalen Kirchenorganisation gehörte das Dorf während des Mittelalters und auch in der frühen Neuzeit zur Kirche von Kusel. Im Zeitalter der Reformation traten bis 1523 alle Bewohner zunächst zum lutherischen Glauben über und auf Anordnung des Pfalzgrafen Johannes I. 1588 vom lutherischen Glauben zum Kalvinismus. Lutheraner und Katholiken konnten vereinzelt erst am Ende des 17. Jahrhunderts wieder Fuß fassen. Die katholischen Christen gehören heute zur Pfarrei Remigiusberg (Theisbergstegen) im katholischen Dekanat Kusel, die evangelischen zur Pfarrei Theisbergstegen im evangelischen Dekanat Kusel.

Blick zum Remigiusberg

0.10.Bewohner

Einwohnerzahlen aus dem Mittelalter liegen nicht vor. Nach den so genannten Konker Protokollen von 1609 lebten damals im Ort 11 Familien mit 48 Einwohnern, darunter 22 Eheleute, eine Witwe, 22 Kinder, ein Knecht und 2 Mägde. Unter diesen Familien übte ein Mann die Funktion eines Zensors aus, zwei Männer waren Metzger von Beruf, es gab nur einen Bauern, aber auch einen Schmied, zwei Maurer, einen Kesselmacher, einen Gärtner, einen Schuhmacher und einen Wasenmeister. Somit war schon vor dem Dreißigjährigen Krieg in Etschberg die Landwirtschaft nicht besonders ausgeprägt, wenn auch mit Sicherheit über den einen Bauern hinaus alle Familien die Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es zu einer Neubesiedlung, aber erst 1675 lebten wieder 25 Menschen im Ort. Dabei ist zu bemerken, dass schon während des 17. Jahrhunderts 25 Familien in verschiedene Länder auswanderten. Durch ein starkes Bevölkerungswachstum während des 18. Jahrhunderts, in dem kaum Auswanderungen zu verzeichnen waren, entwickelte sich Etschberg zu einem der größten Dörfer rings um Kusel. Lediglich die Bevölkerungszahlen des Industrieorts Rammelsbach wuchsen stärker als die von Etschberg. Dabei ist festzuhalten, dass auch schon im 18. Jahrhundert nur ein kleiner Teil der Bewohner nur von der Landwirtschaft leben konnte. Etschberg entwickelte sich zu einem Arbeiterdorf und, vom 19. Jahrhundert an, auch zu einem Dorf der Wandermusikanten. "Der Reichtum an Erfahrungen wurde daheim in die Tat umgesetzt, was nicht ohne Einfluss auf die ganze Gemeinde blieb. Das weltmännische Auftreten der Musiker wurde der Bauern- und Arbeiterjugend zum Vorbild. Etschberg wurde daher dem Modernen viel eher zugänglich als die Bauernorte der Nachbarschaft, was sich besonders in den gemeinnützigen Einrichtungen zeigt." (Schneider A. 1926, Nr. 9) In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg kam das Gewerbe der Wandermusikanten zum Erliegen. Heute ist Etschberg ein Wohnort für Menschen, die zum größten Teil außerhalb des Ortes dem Broterwerb nachgehen müssen. Ein gleicher Anstieg der Bevölkerungszahlen wie in der Vergangenheit ist heute nicht mehr fest zu stellen, aber auch kein all zu starker Bevölkerungsschwund wie in vielen kleinen Gemeinden des Landkreises.

Heute Bürgerhaus

0.11.Einwohnerzahlen

1609 1675 1704 1802 1825 1835 1871 1905 1939 1961 1971 1982 2002
gesamt 48 25 30 228 349 397 509 517 623 693 651 663 716
kath. 14 27
evang. 335 665
sonst. -- 1

0.12.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.12.1.Schulen

Ursprünglich, vom späten 17. Jahrhundert an,  besuchten Schüler aus Etschberg die Schule in Kusel, wie auch die Kinder der Dörfer Godelhausen und Eisenberg. 1711 meldeten diese Gemeinden an die Regierung in Zweibrücken, der Weg nach Kusel sei zu weit, und die drei Dörfer wollten aus eigenen Mitteln eine Schule bauen. Die Regierung genehmigte dieses Vorhaben, und so entstand 1711 zunächst ein gemeinsames Schulhaus in der größten Gemeinde Etschberg. Ein Lehrer Beinbrech aus Kusel wurde 1712 nach Etschberg versetzt, der 1716 nach Konken ging. Ihm folgte Johann Dielforter. 1722 erbauten die drei Dörfer im zentraler gelegenen Godelhausen ein neues gemeinsames Schulhaus. Lehrer Dielforter erkrankte bald, und er wurde beim Unterrichten von seinem Sohn Johann Nikolaus Dielforter unterstützt, der dann 1737 nach dem Ausscheiden des Vaters selbst zum Lehrer in Godelhausen ernannt wurde. Die Eltern waren mit diesem Lehrer nicht zufrieden, er lehre die Kinder falsch lesen, unterrichte unzureichend für die Prüfung bei der Konfirmation, lasse die Kinder lieber Ruthen schneiden statt ihnen das Rechnen beizubringen, könne  auch nicht singen, und die Kinder seien nicht fähig, ein Leichenlied vorzutragen. Die Regierung hielt nach einer Überprüfung des Lehrers die Klagen für nicht gerechtfertigt. Da etwa zwei Drittel der Schüler aus Etschberg kamen, ist es zu verstehen, dass dieser größte Ort den Bau eines eigenen Schulhauses anstrebte, zumal das Haus in Godelhausen baufällig war. Die Regierung unterstützte das Bestreben der Etschberger nicht und verfügte, das Schulhaus in Godelhausen umzubauen. Etschberg bekam lediglich einen eigenen Winterschullehrer. Diesen Pädagogen, der nebenbei das Schneiderhandwerk ausübte, zeigte die Gemeinde bei der Regierung an mit der Behauptung, er beschäftige einen Lehrjungen, der Sodomie betrieben habe. Der Herzog bestrafte die Gemeinde wegen des Geschwätzes und entließ gleichzeitig den Lehrer. Ab 1784 unterrichtete Schulkandidat Johann Jakob Theiß, Sohn des 1776 verstorbenen Lehrers Theiß aus Rehweiler an der Winterschule in Etschberg. Joh. Nik. Dielforter in Godelhausen starb 1780. Den Unterricht in Godelhausen übernahm Sohn Isaak Dielforter, der acht Jahre nach dem Tod seines Vaters im Alter von 44 Jahren ebenfalls starb. Der Etschberger Winterschullehrer Johann Jakob Reiß übernahm nun den Hauptunterricht in Godelhausen. 1792 erbaute die Gemeinde Godelhausen mit Regierungsgenehmigung ein neues Schulhaus. Da Etschberg sich im Bestreben nach einem eigenen Schulhaus nicht an den Baukosten beteiligen wollte, wurde der Gemeinde ein Teil des Gemeindelandes zwangsweise versteigert. Bei diesem Stand der Entwicklung besetzten französische Revolutionstruppen das Land. 1792 wurden 26 Kinder zur Schule geschickt, 1818 erbaute die Gemeinde ein Schulhaus. Dieses erwies sich bald als unzulänglich. 1937/38 entstand ein neues Schulhaus mit vier Lehrsälen. Einer dieser Säle wurde bis 1940 als Kindergarten genutzt. Wegen Platzmangels wurden nach 1960 die Hauptschüler in Altenglan unterrichtet. 1970 wurde vorübergehend die Grundschule mit der Grundschule Haschbach zusammen gelegt. Zuerst wurden die beiden ersten Klassen in Haschbach, die Klassen 2 bis 4 in Etschberg unterrichtet, 1971 kamen auch die beiden zweiten Klassen nach Haschbach. Die Schulen beider Gemeinden wurden 1972 geschlossen. Die Grundschüler fuhren nun im Schulbus nach Kusel und wurden in den entsprechenden Klassen der Holler- und der Luitpoldschule unterrichtet. Zwei Jahre später waren die Räumlichkeiten in Kusel so überfüllt, dass die Schulen von Etschberg und Haschbach vorübergehend wieder eröffnet wurden. Zuerst wurde in Haschbach die 4. Klasse unterrichtet, einige Jahre später kam die 3. Klasse hinzu. In Etschberg wurde zuerst die 6., danach die 7. Klasse unterrichtet. Ab 1981 kamen alle Klassen, die noch in Etschberg unterrichtet wurden, nach Kusel. Heute gehen die Etschberger Grundschüler in die dortige Grundschule, während die Hauptschüler in dem Schulzentrum auf dem Rossberg untergebracht sind. Die Kreisstadt ist auch Standort des nächsten Gymnasiums und der nächst gelegenen Realschule wie auch der zuständigen Förderschulen für Lernbehinderte und für Geistigbehinderte.

0.12.2.Kultur und Brauchtum

Das kulturelle Leben im Dorf wird zum großen Teil durch die Vereine bestimmt. Veranstaltungen finden im Dorfgemeinschaftshaus statt. Vor allem aus dem Bereich der Musik gingen aus Etschberg Künstler von überörtlicher Bedeutung hervor, durch die Wandermusikanten, durch bestimmte Persönlichkeiten wie der Hofmusikus Ernst Rech oder der Kammermusiker Heinz Pfaff, der erfolgreich mehrere Orchester dirigierte und auch Konzertreisen in verschiedene europäische Länder, in die USA und nach Südafrika unternahm.

Altes Brauchtum wird immer noch gepflegt, vor allem die Kirmes, die am dritten Wochenende im August gefeiert wird.

0.12.3.Vereinswesen

Die folgenden Vereine bestehen derzeit in Etschberg: Sportverein VfL 1932, Schützenverein, Gesangverein, Musikverein, Landfrauenverein, Obst- und Gartenbauverein, Rentnerverein, AWO-Ortsgruppe, SPD-Ortsverein, Förderverein "St. Florian" der Feuerwehr, Förderverein des VfL, Polenhilfe.

0.13.Gesundheits- und Sozialwesen

Ärzte werden vor allem in Kusel und in Theisbergstegen aufgesucht. Nächstes Krankenhaus ist das Westpfalzklinikum II in Kusel. Für Pflegefälle ist u. a. die Sozialstation Altenglan-Kusel in Kusel zuständig.

0.13.1.Wirtschaft und Verkehr

Schon im 16. Jahrhundert lebte im Gegensatz zu allen Dörfern der Umgebung nur ein kleiner Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Damals dominierte das Handwerk. Schon im 17. Jahrhundert entwickelte sich Etschberg zu einem Arbeiterdorf, wenn auch am Ort selbst nur geringe Möglichkeiten zur Arbeit gegeben waren. Hingegen gab es Bergwerke am Potzberg und auch in Nachbarorten. Dann entstanden im 19. Jahrhundert die großen Steinbrüche in Rammelsbach und am Glan, die bei schwerer Arbeit einigermaßen gute Erwerbsmöglichkeiten boten, aber auch nur für einen Teil der auf Arbeit angewiesenen Bewohner. Deshalb suchten schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Männer im Musikantentum ihren Broterwerb. Erster in Etschberg nachgewiesener Wandermusikant war Jakob Schönborn. Er war aus Altenglan zugewandert und begründete eine Musikerfamilie. Weitere Musikerfamilien folgten, die sechs Brüder Rech, deren Vater als Taglöhner früh verstorben war. Zuerst schlossen sich die Etschberger Musiker den Wandermusikanten aus anderen Dörfern an, bis sie so viel Erfahrung gesammelt hatten, dass sie sich selbständig in der weiten Welt bewegen konnten. Um 1920 bestanden in Etschberg noch vier Musikkapellen. (Vgl. Schneider A. 1926)

Spätestens zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war die Musikantentradition zu Ende. Etschberg ist eine Wohngemeinde für viele Menschen geblieben, die außerhalb ihres Ortes dem Broterwerb nachgehen müssen. Vor Ort gibt es noch eine Gaststätte, ein Lebensmittelgeschäft, eine Bäckerei, ein Bauunternehmen, ein Omnibusunternehmen, ein Tonstudio.

Etschberg liegt abseits des Durchgangsverkehrs günstig zu den größeren Verkehrswegen, zu den Bundesstraßen B 240 und B 423 und zur Haltestelle Theisbergstegen der Eisenbahnlinie Kusel-Landstuhl-Kaiserslautern. Die Autobahnauffahrt zur A 62 liegt lediglich etwa fünf Kilometer weit von dem Ort entfernt.

0.14.Bedeutende Persönlichkeiten

Forsch, Christian  (* 1869 Burg Lichtenberg † 1944 Etschberg)

Nagelschmied bis zu Ende des Ersten Weltkrieges, schrieb neben seiner handwerklichen Arbeit viele Gedichte, veröffentlicht in zwei Büchlein unter dem Titel "Ernste und heitere Stunden". Die letzte Zeit seines Lebens verbrachte Forsch in Etschberg.

 

Rech, Ernst (*1876 in Etschberg † 1955 in Kusel)

Musiker, studierte ab 1890 zehn Jahre lang am Konservatorium Würzburg, war dort anschließend Lehrer, Konzertmeister beim Rheinischen Orchester in Dortmund, ab 1903 Hofmusikus und Prinzenerzieher in München, wurde nach dem Ersten Weltkrieg Kammermusiker und Violinvirtuose an der Staatsoper in München. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging er in Pension, kehrte später nach Etschberg zurück, wurde Ehrenmitglied des Musikvereins Kusel, starb 1955 im Krankenhaus Kusel.

 

Schneider, Alfons (*1903 in Etschberg † 1983 in Wachenheim)

Lehrer, Schriftsteller, Heimatdichter, unterrichtete u. a. in Kusel, Frankenthal und Landau, war Offizier im Zweiten Weltkrieg, nach dem Krieg Konrektor und Rektor in Bad Dürkheim. Nebenberuflich schrieb er viele Artikel zur Heimatgeschichte, verfasste auch zahlreiche Gedichte. Außerdem war er ein Protagonist der Camping-Bewegung und Anhänger der Naturheilmethode nach Pastor Kneipp, rief 27 Kneipp-Vereine ins Leben.

0.15.Nachweise

Verfasser: Helmut Schneider

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

Helmut SchneiderHelmut SchneiderHelmut Schneider

  • Dick, Rainer: Der Hofmusikus aus Etschberg, in: DIE RHEINPFALZ, 23. 2. 1995.
  • Dick, Rainer: Geschichte des Volksschulwesens im früheren Herzogtume Zweibrücken, Bd. 2, Kaiserslautern 1915, S. 373-377.
  • Schneider, Alfons: Die Leidsthaler Hube (Verteilungsplan), in: Heimatblatt des Remigiusblattes, Kusel 1925 Heft 3.
  • Schneider, Alfons: Das Musikergewerbe in Etschberg, in: Heimatblatt des Remigiuslandes Jahrgang  5, Kusel 1926, 3 Folgen in Nr. 7, Nr. 8 und Nr. 9.
  • Schneider, Alfons: Ernst Rech, der Hofmusiker aus Etschberg, in: Westrichkalender Kusel 1968, S. 161 - 162.
  • Schneider, Helmut: 625 Jahre Ortsgemeinde Etschberg, kleine Ortschronik, Etschberg 1989.
  • Trautmann, Gunther Friedrich: Alte Schultheißensiegel aus dem Kreis Kusel, in Westrichkalender 1963, S. 34.