Der erste namentlich bekannte jüdische Grünstadter war Jacob, genannt „Jacob Jud“, der Mitte des 16. Jahrhunderts in mehrere Schutzbriefen erwähnt wird. Eine jüdische Gemeinde lässt sich erstmals 1689 nachweisen.[1]
1749-51 erbaute die Gemeinde eine eigene Synagoge am Östlichen Graben. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach verändert. Die umfassendste Renovierung fand 1857 statt. Nachdem man Ende das 19. Jahrhunderts sogar über einen Neubau nachdachte, scheiterte das Vorhaben jedoch an den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Man entschied sich stattdessen den bestehenden Bau neu zu gestalten.[2]
Die Gemeinde galt als eine der „fortschrittlicheren“ in der Pfalz. So führte man 1838 den Choralgesang während der Gottesdienste ein, ab 1856 mit Orgelbegleitung.[3] Damals verzeichnete die Gemeinde mit 473 Personen (1848) ihren höchsten Mitgliederstand.[4] Die Zahl sank von da an beständig auf 327 (1880), 182 (1900), 144 (1925) und zu Beginn der NS-Zeit auf 133 (1933). Durch die Bedrohungen und Schikanen der Nationalsozialisten verringerte sich die Zahl der jüdischen Einwohner innerhalb der nächsten sechs Jahre von 133 auf 19.[5] Im Zuge der Reichspogromnacht 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Die Inneneinrichtung wurde zerstört und die Thorarollen auf dem Luitpoldplatz öffentlich verbrannt. Anschließend wurde das Gebäude als Lagerraum und später als Teppichgeschäft genutzt.[6]
Insgesamt wurden etwa 60 Juden, die in Grünstadt geboren oder wohnhaft waren, Opfer des Holocaust.[7] Zu ihrem Gedenken wurden 2019 elf Stolpersteine verlegt.[8]
Fußnoten
[1] Alemannia Judaica.
[2] Alemannia Judaica.
[3] Ebd.
[4] https://www.xn--jdische-gemeinden-22b.de/index.php/gemeinden/e-g/794-gruenstadt-rheinland-pfalz.
[5] Ebd.
[6] Alemannia Judaica.
[7] 59 (Gedenkbuch Bundesarchiv); 62 (Alemannia Judaica).
[8] https://www.igs-gruenstadt.de/igs/Aktuelles-Termine/Meldungen/Stolpersteinverlegung-28.06.19.php.