Obereisenbach in der Pfalz

Obereisenbach

0.1.Allgemeine Angaben

Im engen Seitental des Glans

Ortsteil der Ortsgemeinde Sankt Julian, Verbandsgemeinde Lauterecken, Landkreis Kusel, bereits seit etwa 1820 Teil der Gemeinde St. Julian

Einwohner (1961): 88

Weitere Angaben s. St. Julian

0.2.Lage

Der Ort liegt abgeschieden in etwa 250 Metern über NN am Oberlauf des Eisenbachs (auch Kesselbach genannt), der bei Glanbrücken (Ortsteil Niedereisenbach) in den Glan mündet. Die Berge beiderseits des engen Bachtals steigen bis auf 400 Meter an. Nur wenige hundert Meter oberhalb des Dorfes verläuft die Grenze des Truppenübungsplatzes Baumholder.

0.3.Siedlung und Wohnung

Die Siedlung besteht aus 28 Häusern (2005), die zum großen Teil auf der linken Bachseite stehen. Im oberen Ortsbereich zweigt eine kurze Straße mit wenigen Häusern zum westlichen Berghang hin ab. Vor der Abzweigung steht das ehemalige Schulhaus, heute ein privates Wohnhaus. Oberhalb des Dorfes, zum Truppenübungsplatz hin, steht die ehemalige "Bitschenmühle", eine weitere Mühle stand unterhalb des Ortes. Deren Gebäude dienen heute als Wohnhaus. Zwischen der unteren Mühle und dem Anfang des geschlossenen Ortes liegt der Friedhof. Das Dorfgasthaus, das gelegentlich von vielen Ausflüglern aufgesucht wird, steht am oberen Ende des Dorfes. Die früheren Werkstätten und Wirtschaftsgebäude im ehemaligen Steinbruch am Reuterrech, linke Hangseite des Tals, wurden zu einem Jagdhaus umfunktioniert und dienen heute vielfach zur Bewirtung von Jagdgästen.

Fast das ganze Dorf

0.4.Wüstungen

Im Bereich der Gemarkung lagen die früheren Dörfer Olscheid (erwähnt 1345) und das nur nach Flurnamen nachzuweisende Berghausen. Die genauen Lagen sind nicht bestimmt. Olscheid lag ungefähr auf der Grenze der Gemarkungen von Obereisenbach und Niederalben. Das weiter südlich gelegene Berghausen gehörte möglicherweise zur früheren Gemarkung des Ortsteils Sankt Julian.

0.5.Name

Das Dorf wurde benannt nach dem vorbei fließenden Eisenbach und zwar als das obere Dorf am Bach, im Gegensatz zu dem an der Bachmündung liegende Niedereisenbach. Die erste Erwähnung erfolgte als "Oberysenbach daz dorff und Geriechte" in einer Urkunde des Jahres 1426. (Vgl. Dolch Greule 1991 S. 346) Das Wort "Eisen" bezieht sich auf Eiseneinschlüsse in dem in der Umgebung vorkommenden Sandstein.

0.6.Wappen

Obereisenbach führte früher kein eigenes Wappen, heute gilt das Wappen der Ortsgemeinde St. Julian, in dem auf den Mühlenreichtum der vier Ortsteile hingewiesen wird, was auch für Obereisenbach zutrifft.

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Vor- und Frühgeschichte, Römerzeit

Gräber in der Gemarkung von Obereisenbach verweisen auf eine Besiedlung der Umgebung in der Vorzeit. Auf der Höhe westlich des Ortes fand man bei einer Landbegehung eine Klinge aus Silex, die heute im Historischen Museum Speyer aufbewahrt wird. In der ehemals gemeindefreien Gemarkung Schwarzland nordwestlich von Obereisenbach, heute Truppenübungsplatz, entdeckten Arbeiter beim Kabelverlegen zwei Flachgräber, wobei Becher, Schalen und Töpfe sowie ein Glasring gefunden wurden. Es handelte sich möglicherweise um ein Brandgrab, in dem die Leichen an Ort und Stelle verbrannt wurden. Funde aus der Römerzeit haben vor allem die Nachbardörfer Sankt Julian und Gumbsweiler vorzuweisen. Eine römische Bronzestatue (Götzenbild) fand ein Bauer beim Pflügen. Diese Figur wird in München aufbewahrt. Auch Scherben aus der Römerzeit wurden bei Obereisenbach gefunden. (Vgl. Zenglein u. a. 2001 S. 7)

0.7.2.Mittelalter

Ein genaues Datum zur Gründung des Ortes können wir nicht bestimmen. Das Gebiet, in dem die Siedlung entstanden ist, gehörte zum Nahegau.  Die Nahegaugrafen verzweigten sich in mehrere Linien, Obereisenbach gehörte zum Zeitpunkt der Ersterwähnung von 1426 den Herren von Stein-Kallenfels in dem Hochgericht auf der Heide, in der engeren Umgebung zu dem Vierherrengericht von Sankt Julian. Da im Zusammenhang mit Niedereisenbach in einer Urkunde von 1336 von einem "inferiori Ysenbach" gesprochen wird, also von einem kleineren Ort dieses Namens, wird es wohl einen zweiten und wahrscheinlich größeren Ort gegeben haben.

0.7.3.Neuzeit

Während der Pestzeiten, während des 30-jährigen Krieges und während der Kriege des französischen Königs Ludwigs XIV. teilte das Dorf das Schicksal der benachbarten Dörfer. Es kam zu Menschenverlusten durch Krankheiten und durch die Kriegseinwirkungen. Zuständige Herren blieben die Steinkallenfelser bis zum Tod des Grafen Philipp Heinrich im Jahre 1778. Dann kam es zu einem Streit zwischen den Grafen von Salm-Salm (Hunoltstein), Salm-Kyrburg und den Rheingrafen zu Grumbach um den Besitz der beiden Dörfer Sankt Julian und Obereisenbach.´Der Streit wurde schließlich zu Gunsten der Rheingrafen entschieden, die ohnehin als Oberlehnsherren zu gelten hatten. (Vgl. Zink 1957) Durch den Einmarsch der französischen Revolutionstruppen um 1794 wurden die alten Territorialstrukturen aufgelöst. Durch die Eingliederung der linksrheinischen deutschen Gebiete an Frankreich entstanden neue Verwaltungseinheiten nach französischem Vorbild, die 1797 eingerichtet und 1801 endgültig verwirklicht wurden. Obereisenbach gehörte nun zur Mairie Offenbach im Canton Grumbach, im Arrondissement (Kreis) Birkenfeld, der wiederum zum Saardepartement (Département de la Sarre) gehörte. Die gegen Frankreich verbündeten Staaten (Preußen, Österreich und Russland) eroberten 1814 das linksrheinische Deutschland zurück. Nach einer Übergangszeit von zwei Jahren kam auch Obereisenbach zum Königreich Bayern, abweichend von der allgemeinen Grenzziehung, die unterhalb der Steinalbmündung den Glan als bayerische Grenze  gegen Preußen (bis 1834 Coburgisches Fürstentum Lichtenberg) ansah. Die Abweichung, die auch das links des Glans liegende St. Julian betraf, erfolgte im Austausch gegen einige Orte im Ostertal. (Vgl. Doll 1957 S. 36) Obereisenbach wurde um 1820 mit Sankt Julian vereinigt, das zunächst Sitz einer Bürgermeisterei mit den zusätzlichen Orten Eschenau und Obereisenbach war. Diese Bürgermeisterei wurde 1861 mit der Bürgermeisterei Ulmet vereinigt, erlangte jedoch 1887 wieder ihre Selbständigkeit. 1945 kam es nach dem Kriegsende zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit französischen Besatzungssoldaten, die von der Bevölkerung irrtümlich für "plündernde Russen" gehalten wurden, für frei gelassene Zwangsarbeiter aus der Nazizeit. Bei den Schießerein kam ein Bewohner aus Obereisenbach um Leben. Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform des Landes Rheinland-Pfalz von 1968 wurde die Bürgermeisterei Sankt Julian aufgelöst. Sankt Julian wurde innerhalb der 1972 neu gegründeten Verbandsgemeinde Lauterecken Mittelpunkt einer gleichnamigen Ortsgemeinde, zu der neben Gumbsweiler und Obereisenbach auch Eschenau gehört.

0.8.Wahlen nur im Zusammenhang mit St. Julian

0.9.Zeittafel

1426 Ersterwähnung des Dorfes im Besitz von Steinkallenfels im Hochgericht auf der Heide
1778 Die Wild- und Rheingrafen von Grumbach erhalten die Dörfer St. Julian und Obereisenbach nach Streitigkeiten mit Salm Salm und Salm-Kyrburg
1801 Mairie Offenbach, Canton Grumbach, Arrondissement Birkenfeld, Département de la Sarre
1816 Königreich Bayern, Bürgermeisterei Sankt Julian
1861 Bürgermeisterei Ulmet
1886 Wieder Bürgermeisterei St. Julian
1924 Beginn der Versorgung mit Elektrizität
1930 Anlage des Friedhofs
1945 Schießerei zwischen Bewohnern des Ortes und französischen Besatzungssoldaten
1958 Bau der Wasserleitung
1972 Ortsteil der Ortsgemeinde St. Julian in der Verbandsgemeinde Lauterecken

0.10.Religiöse Verhältnisse

In religiöser Hinsicht stand der Ort seit seines Bestehens in enger Beziehung zu der Kirche von Sankt Julian. Die Toten des Dorfes wurden bis hin zum Jahr 1930 auf dem Friedhof von St. Julian beigesetzt. Seit der Reformationszeit überwog die lutherische Konfession bis die Protestanten 1818 die pfälzische Union gründeten. Katholiken besuchen den Gottesdienst in Offenbach. Über die Religionsausübung der Einwanderer aus fremden Ländern ist wenig bekannt.

0.11.Bewohner

Die Bewohner des Dorfes lebten bis weit in das 20. Jahrhundert hinein hauptsächlich von der Landwirtschaft. Es gab aber auch die Müllerfamilien, Gastwirte und Betreiber von Brennereien, dann Arbeiter, vor allem in den Steinbrüchen, und die Betreiber der Mineralwasserquelle. Schließlich lebten hier Korbmacher, die mit ihrer Ware über Land zogen, und sehr arme Leute, oft Familien mit vielen Kindern, auch Alleinstehende, die in unzureichenden Wohnverhältnissen ihr Dasein fristeten. Diese Bevölkerungsstruktur hat sich inzwischen grundlegend geändert. Zwar wird noch immer Landwirtschaft betrieben, aber die meisten Bewohner aus den unterschiedlichsten Berufen finden ihre Arbeit außerhalb des Ortes. Beliebt ist der kleine Ort als Zweitwohnsitz und als Wohnsitz für Rentner und Pensionäre. In religiöser Hinsicht gehören die Bewohner überwiegend zur evangelischen Konfession. Zahlenmäßig wuchs die Bevölkerung im Laufe des 19. Jahrhunderts an, war im 20. Jahrhundert rückläufig. Trotz des erneuten Anstiegs gegen Ende des Jahrhunderts ist für die kommenden Jahrzehnte wieder ein Rückgang der Bevölkerungszahlen zu erwarten.

0.12.Bevölkerungsentwicklung, Zusammengestellt nach unterschiedlichen Beiträgen in Zenglein u. a. 2001

1833 1871 1907 1910 1925 1971 2000
63 90 108 103 100 75 88

0.13.Schule, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schulen

Bis zum Jahr 1850 besuchten die Schüler aus Obereisenbach den Unterricht in St. Julian. Dann erhielt der Ort eine eigene Schule, doch die Unterrichtung der Schüler musste zunächst in Privathäusern erfolgen. Ein zum großen Teil von den Bewohnern in Eigenleistung errichtetes Schulhaus stand erst 1866 zur Verfügung. Das kleine Gebäude, Türmchen und Glocke blieben erhalten, wurde von Privatleuten zum Wohnhaus umgestaltet. Der Unterrichtet wurde durchweg von Schulverwesern geleitet, die alle nur für kurze Zeit am Ort blieben. Einige von ihnen erreichten später besondere Laufbahnen im Bereich der Schulaufsicht und der Lehrerbildung. Die Schülerzahlen schwankten zumeist zwischen zehn und zwanzig, lagen zum Schluss bei sieben bis acht. Bereits 1963 wurde die Schule endgültig aufgelöst, also schon vor der Verwaltungs- und Territorialreform des Landes Rheinland-Pfalz, nachdem sie auch während des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit bis 1949 schon einmal geschlossen war. Heute besuchen die Grundschüler die Schule in Sankt Julian, die Hauptschüler die Schule in Lauterecken. Dort kann auch das Gymnasium besucht werden.

0.13.2.Feste und Brauchtum

Die Kerb fand früher am 1. Sonntag im Juli statt. Sie wurde für längere Jahre ausgesetzt,  und heute findet an diesem Termin ein Sommerfest statt. In der Adventszeit wird ein Weihnachtsmarkt ausgerichtet. Zum ersten Mai stellen die jungen Burschen einen Maibaum auf.

0.13.3.Vereine

Es besteht ein einziger Verein, die Bürgergemeinschaft Obereisenbach, die sich für den Zusammenhalt der Bewohner einsetzt, für die Ortsverschönerung und für die Anhebung der Lebensqualität.

0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Allgemeinarzt und Zahnarzt können in St. Julian aufgesucht werden, Spezialärzte hauptsächlich in Kusel und im Medizinischen Zentrum Offenbach. Nächste Apotheke ist die in Offenbach, zuständige Sozialstation die in Lauterecken. Das Westpfalzklinikum II in Kusel ist das nächstgelegene Krankenhaus. Der Kindergarten Sankt Julian ist auch für Obereisenbach zuständig.

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Indem hauptsächlich die Landwirtschaft für den Unterhalt der Bewohner sorgte, zu der wir auch die beiden früheren Mühlen zählen, ging in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg  die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe zurück. Seit dem 19. Jahrhundert entstanden weitere Erwerbsquellen, die Steinbrüche, die Abfüllbetriebe für Mineralwasser, Brennereien, Kleinhandwerk (Korbmacher). Die Bitschenmühle oberhalb des Ortes fungierte im 18. Jahrhundert als Bannmühle. Das Bauernmühlchen unterhalb wurde von einer Genossenschaft unterhalten. Der Sandsteinbruch im Reuterrech wurde seit 1831 von der Gemeinde an private Interessenten verpachtet, gewann größere Bedeutung um 1900, als die Glanbahnlinie der Eisenbahn gebaut wurde. Der Bruch blieb bis etwa 1960 in Betrieb. Neben diesem großen Sandsteinbruch bestanden mehrere kleine Hartsteinbrüche. Da in der Gemarkung viel gutes Obst gedeiht, kann dieses zu Obstwein und zu Spirituosen weiter verarbeitet werden. Die letzte Brennerei schloss im Jahr 2004. Die Mineralwasserquelle wurde bereits im frühen 16. Jahrhundert erwähnt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen die Besitzer der Quellen, diese kommerziell zu nutzen. Es handelte sich um eine Quelle links des Bachs unter dem Reuterrech in der Nähe des großen Sandsteinbruchs (Sankt Julia Quelle) und um eine Quelle am Steilhang rechts des Bachs (Pfälzer Quelle). Nach und nach entwickelten sich drei Abfüllbetriebe, die neben dem reinen Mineralwasser auch Limonaden unterschiedlicher Sorte vertrieben. Die Produkte wurden in viele Teilen der Westpfalz und im Saarland geliefert. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg lohnte sich das Geschäft nicht mehr. 1970 stellte der letzte Abfüllbetrieb die Arbeit ein. Die Korbflechtereien für das Wandergewerbe florierten im 19. und im frühen 20. Jahrhundert.

Das Dorf wird durch eine Kreisstraße erschlossen, die zwischen Glanbrücken und Kirrweiler von der Landesstraße 373 abweicht.

0.15.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Doll, Anton: Die Gebietsentwicklung des Landkreises Kusel, in: Westrichkalender Kusel 1957, S. 33-36.
  • Fabricius, Wilhelm: Das Hochgericht auf der Heide - Die Wildgrafschaft zwischen Oberstein, Meisenheim, Lauterecken und Kusel, in: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst 24 (1905).
  • Pfleger, Karl: Familienbuch des Kirchspiels St. Julian mit den Orten Niederalben, Eschenau, St. Julian, Obereisenbach, Niedereisenbach und Offenbach (zeitweise ausgegliedert); erstellt nach den Kirchenbüchern der lutherischen Pfarrei St. Julian 1634 - 1798 mit Ergänzungen, Lauterecken 2001.
  • Schlegel, Wolfgang: Gesuch der Obereisenbacher um Trennung von der Bürgermeisterei St. Julian und das Problem der Steuergemeinde Schwarzland, in: Westricher Heimatblätter Jg. 10 (1976), S. 26-36.
  • Schlegel, Wolfgang: Das Gerichts- und Grenzweistum von St. Julian und Obereisenbach, Jg. 11 (1977), S. 22-32.
  • Schneider, Carl: Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses, Volkes und Landes auf dem Hundsrücken, Kreuznach 1854.
  • Schneider, Kurt: Gesichter (Mundarterzählung), in: Westrichkalender Kusel 1992, S. 93-95.
  • Weber,  Friedrich W.: Das Obereisenbacher Wassermännlein, in: Westrichkalender Kusel 1966, S. 129-130.
  • Zenglein, Dieter u. a.: Obereisenbach, gestern und heute - eine kleine Ortschronik, Obereisenbach 2001.
  • Zink, Albert: Sieben Gemeine, zwei Unteroffiziere und ein Tambour, In Westrichkalender Kusel 1957, S. 65-68.