Rheingauer Heimatforschung

                           Links und rechts des Blaubach -
                           von der Quelle bis zur Mündung

                                      von Willi Roatzsch

                         aus den Rheingauischen Heimatblättern
                                       1986/4 und 1987/1


Wenn man sich die Landkarte von unserem Rheingau einmal genauer betrachtet, kann man feststellen, daß der Blaubach zu den zwölf Bächen zählt, die zwischen Lorchhausen und Walluf von den Taunushöhen zu Tal flie­ßen. Daß an diesen Bachläufen von unterschiedlicher Größe und Länge auch die Rheingauorte zu finden sind, beweist, daß die ersten Menschen, die sich in grauer Vorzeit im Rheingau niedergelassen haben, die Landstriche entlang der Bäche als Siedlungsgebiet bevorzugten. So hat - außer Rüdesheim, bedingt durch die geographische Struktur seines Hinterlandes - jeder Rheingauort „seinen" Bach, wobei durch Winkel und Eltville sogar zwei Bäche fließen. Man kann daraus erse­hen, daß Bäche und Flüsse seit Urzei­ten günstige Voraussetzungen für die Entstehung und Gründung von Wohn­siedlungen geschaffen haben. In spä­teren Zeiten war es das fließende Wasser oder die Wasserkraft, die die Menschen veranlaßten, sich dort anzu­siedeln, wo das Wasser nutzbringend angewandt werden konnte. Mit der fortschreitenden Entwicklung des Menschen nutzte man die Kraft der flie­ßenden Gewässer und baute dort Ger­bereien, Färbereien, Getreidemühlen, Hammerschmieden und Sägewerke. Auch bei unserem Blaubach läßt sich eine derartige Entwicklung verfolgen; ebenso kann man auch feststellen, daß die ältesten Wohnbezirke von Geisenheim entlang des Blaubaches zu finden sind. Zum Beispiel: das Kirchspiel, der Burggraben, der Römerberg und der Zoll.

Von seiner Länge und Wasseraufbringung her unterscheidet sich der Blaubach kaum von den anderen Bachläufen im Rheingau - eine Ausnahme bilden die Wisper und der Wallufbach -doch in ökologischer Hinsicht und eingebettet in ein schnell erreichbares Naherholungsgebiet ist der Blaubach mit seinem dazugehörigen Einzugsgebiet ein sehr interessantes Stück Rheingauer Naturlandschaft, die es wert ist, einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden. Auf seinem Weg von der Quelle bis zur Mündung begegnen uns nicht nur die vielfältigen Schönheiten der heimi­schen Taunuslandschaft, sondern auch eine große Zahl historischer Bau­ten und interessanter Einrichtungen, reizvolle und romantische Blickwinkel präsentieren sich dem aufmerksamen Betrachter.

Der Blaubach und sein Einzugsgebiet

Unser Blaubach, der aus dem Geisenheimer Wald kommt und auch durch Zuflüsse aus dem Rüdesheimer Wald gespeist wird, legt von der Quelle bis zur Mündung einen Weg von ca. 7,5 Kilometern zurück und fließt dabei ca. 1,5 Kilometer durch Geisenheimer Stadtgebiet. Der Höhenunterschied, den der Bach hierbei bewältigt, beträgt über 300 Meter. Das Einzugs- oder auch Quellgebiet erstreckt sich vom Antoniuskapellchen, am Anfang des Geisenheimer Stadtwaldes, bis hinauf zum Röspelkopf, verläuft in westlicher Richtung über die Zimmerköpfe bis etwa zum Kammerforst im Rüdesheimer Stadtwald. Im Osten wird das Quellgebiet ungefähr durch die Straße von Geisenheim nach Presberg und im Westen von einem Teil der Straße, die von Rüdesheim kommend über das Ebenthal nach Presberg führt, aber vom Rüdesheimer Forsthaus ab durch den Weg zum Kammerforst begrenzt. Die in der Karte angegebene Hauptquelle liegt in einer Höhe von etwa 400 Metern unweit der Oswald'schen Jagdhütte (Hubertushütte). Die Blaubachmündung liegt rund 100 Meter rheinaufwärts des „Hüppels", genau 80,6 Meter über dem Meeresspiegel. Auf seinem 800 Meter langen Weg durch den Stadtkern verschwindet der Blaubach dreimal unter der Straße. Im Kirchspiel etwa 50 Meter, am Kinoblock und Frankfurter Hof rund 80 Meter und unter der Bleichstraße ungefähr 100 Meter. Die restliche Wegstrecke verläuft oberirdisch in einem von Bruch­steinen gemauerten Bachbett durch den Burggraben, entlang dem Römerberg und durch den Zoll. Oberhalb dem Stadtteil Kirchspiel, wo der Bach ein Stück am Rothenberg entlang verläuft, nennt man ihn auch Stegbach (nach heimischer Mundart auch „Stehbach"). Der Name Blaubach, so meinten die Altvorderen, wäre von den Blaufärbern gekommen, die vor vielen hundert Jahren am unteren Teil des Blaubaches ihre Färbereien betrieben haben. Be­dauerlicherweise ist dieser kleine Bach, der mitten durch unsere Stadt fließt und den Menschen seit vielen Generationen ein liebenswertes, vertrautes Bild ist, ins Schußfeld unsachlicher Kritik geraten. Man wollte „die Blaubach" total verrohren und ganz aus unserem Stadtbild verschwinden lassen. Neuerdings ist man bei der Gestaltung erhaltungswürdiger Stadtteile zu anderer Auffassung zurückgekehrt. Hoffen wir, daß man unseren Blaubach zumindest dort erhält, wo er sich reizvoll in das altromantische Stadtbild einfügt.

Der Blaubach und seine Zubringer

Nach der topographischen Karte vom unteren Rheingau Nr. 5913 wird die einstmals nach dem Volksmund genannte „Erlensode", etwa 80 Meter unterhalb der Oswald'schen Jagdhütte, als Blaubachquelle und der von dort verlaufende Trockenbach" als Blaubach bezeichnet. Forstamtmann a. D. Karl Offermann, der fast ein halbes Jahrhundert lang im Geisenheimer Stadtwald als Revierförster tätig war und als engagierter Fachmann eines der größten Waldgebiete im Rheingau in wirtschaftlicher und später besonders in ökologischer Hinsicht hervorragend betreut hat, weiß über die Geschichte des Blaubaches folgendes zu berichten: Unser Blaubach beginnt eigentlich erst beim Zusammenfluß des Kuhtränkergrabens mit dem aus dem Geisenheimer Stadtwald kommenden .Trockenbach" unterhalb Nothgottes. Der Kuhtränkergraben entspringt 100 Meter oberhalb des Rüdesheimer Forsthauses. Er speist zunächst nahe dem Forsthaus zwei in den dreißiger Jahren angelegte Fischteiche, um dann durch den landschaftlich so schönen Kuhtränkergraben zum Blaubach zu fließen. Der Trockenbach entspringt in Distr. 19 des Geisenheimer Stadtwaldes und wurde 1948 als Brunnen gefaßt. Er liegt direkt unterhalb der Hubertushütte (heute Oswald'sche Jagdhütte). Der Distr. 19 wurde etwa im Jahre 1900 von einer Viehweide im Volksmund „Spitzwies'" genannt und von Aulhausener Bauern als Viehweide genutzt - in einen Fichtenbestand umgewandelt. Durch die feuchte Lage entstand dort ein sehr wüchsiger Bestand, der aber 1936, am 16./17. April, durch einen un­gewöhnlich starken Schneefall total zusammenbrach und 1939 nach Aufarbeitung   des   Bruchholzes,   wieder aufgeforstet wurde. Die Quelle führte den Namen „Erlensode". Auch heute stehen dort noch Erlen als Zeichen eines   Feuchtgebietes.   Im   gleichen Distrikt wurde etwa 150 Meter ostwärts eine weitere Quelle gefaßt. Beide Was­serabläufe vereinigen sich  kurz vor dem  etwas abwärts gelegenen und 1953 angelegten Weiher. Dieser obere Weiher hält zunächst einmal das Was­ser. Er bildet ein Eldorado für Wasser­geflügel und ist vornehmlich eine Brut­stätte für unsere Kröten. Das Wasser dieses Weihers wird abgeleitet in die nachbarlichen   Waldbestände,   bildet dort  Feuchtgebiete,  die  wieder  mit Erlen und Sumpffichten bestockt sind. Im weiteren Verlauf des Baches, der im Volksmund    .Trockenbach"    genannt wird, weil sein Wasser einmal ober­irdisch und teilweise unterirdisch über geologisch feste Schichten führt, fin­den wir nochmals mehrere kleine Was­serstauungen. Vorbei am bekannten Entenweiher und dem alternden, unter Naturschutz   stehenden   Mirabellen­baum, gelangt der Bach zum großen „Offermann-Weiher",    der   wohl    als Kernstück im Erholungsraum des Gei­senheimer    Stadtwaldes    betrachtet werden kann. Auch hier finden Wasser­vögel, vornehmlich Enten, und wieder unsere Kröten ihnen zusagende Bio­tope. Der am Wasserüberlauf befind­liche Brunnen hat mit dem Wasser des Teiches nichts zu tun. Ein seitwärts des Teiches gefaßter Brunnen, der aus den Felspartien des Hähnchens gespeist wird, beliefert durch eine lange Rohrlei­tung den Überlauf, der als Kneipp'sches Arm bad benutzt werden kann. Im weiteren Verlauf des Baches in Rich­tung Nothgottes versickert das Wasser in den alten Stollen gegenüber Plicksholz, die etwa um die Jahrhundert­wende von der Stadt Geisenheim auf der vergeblichen Suche nach Wasser gebohrt worden sind. Ein kleiner Ent­wässerungsgraben aus den Nothgotteser Wiesen verstärkt in Höhe des Dreikreuzerskopf den Blaubach (Trockenbach), um dann später gemeinsam mit dem Wasser aus dem Kuhtränker­graben den Unterlauf des Blaubaches zu bilden. Karl Offermann gibt der Hoff­nung Ausdruck, daß man den Blaubach in seinem Unterlauf und auch im Stadt­gebiet nicht nur in seiner Natürlichkeit erhalten   sollte,   sondern   womöglich noch ausgebessert, da er eine Berei­cherung des Stadtbildes und unserer schon   viel   zu   stark  ausgeräumten Natur bildet.


Mit der Dia-Serie „Links und rechts des Blaubach - von der Quelle bis zur Mündung" wurde erstmals der Versuch unternommen, einen kleinen, un­scheinbaren Bach, der von den Tau­nushöhen hinunter in den Rhein fließt, in den Mittelpunkt einer heimatlichen Bild-Text-Dokumentation zu stellen.

Auf dem Weg in das Quellgebiet des Blaubaches erreichen wir auf der Straße nach Presberg - vorbei an dem Weingut Jung und den Gutsausschanks Schuhmann, Werthmann und Brunk, dem Übungsplatz der „Hunde­freunde Geisenheim und Umgebung" - in 250 Metern Höhe das Antoniuskapellchen. Mit einem großen Parkplatz, einem Grillplatz mit einer Schutzhütte sowie einer „Finnbahn" für Langläufer bietet dieses schnell erreichbare Fleckchen am Anfang des Geisenheimer Stadtwaldes vielerlei Möglichkei­ten für Wandern, Sport und Freizeit. Die Antoniuskapelle wurde von den Kapu­zinern des Klosters Nothgottes im Jahre 1744 erbaut. Nach der Auflösung des Kapuzinerklosters gelangte die Kapelle in den Besitz des Klosters Marienthal. Über längere Zeit fanden an der Antoniuskapelle noch Andach­ten statt.

Auf dem weiteren Weg zum nördlich­sten Punkt des Blaubach-Quellgebie­tes - etwa 500 Meter nördlich des Röspelkopfes passieren wir zunächst den „Hubertus", einen zentralen Punkt im Geisenheimer Stadtwald in 330 Metern Höhe; ein schöner Parkplatz, mit einem reizvollen Ruheplatz für Wanderer, dort wo der Weibspfad von Plixholz kommend die Straße nach Presberg überquert. Der Hubertus-Bildstock, mit dem Wappen derer von Ingelheim, stand einst im Wald von Mespelbrunn. 1953 ließ Förster Karl Offermann das Bild renovieren, um es dort aufzustellen, wo es heute den Hubertus-Ruheplatz schmückt. Weiter auf der Straße nach Presberg erreicht man nach gut 1,5 Kilometern in etwa 420 Metern Höhe die Abzweigung nach Rüdesheim. Von hier verläuft fast in westlicher Richtung die nördlichste Grenze des Blaubach-Quellgebietes. Sie führt über die 500 Meter hohen Zimmerköpfe bis zum Kammerforst, in dessen Nähe die Eibinger Forstwiesen mit dem Segelflugplatz des „Rheingauer Segelflug-Clubs" zu finden sind. Bleiben wir aber auf der Straße nach Rüdesheim und gehen vorbei an der unter Naturschutz stehenden „Plages­eiche" zum Rüdesheimer Forsthaus und von dort hinauf zum Segelflug­gelände. Zur „Plageseiche" wäre noch zu sagen: Dieser mächtige, knorrige Baum, direkt an der sogenannten „Lang Gluck", der Straße von Rüdes­heim nach Presberg, war in früheren Zeiten Treffpunkt der Schullehrer aus Rüdesheim, Stephanshausen und Presberg. Hier wurden Schulprobleme besprochen und Sorgen über die „Pla­gen" -die Schulkinder ausgetauscht; daraus entstand die „Plageseiche". Vom Rüdesheimer Forsthaus sind es etwa 2,5 Kilometer bis zum schon erwähnten Segelfluggelände auf den Eibinger Forstwiesen. Besonders an den Wochenenden herrscht dort vom Frühling bis weit in den Herbst hinein eine rege Flugtätigkeit. Mehrere lei­stungsfähige Flugmaschinen nebst Motorsegler und Fluggleiter gehören zum Inventar der fast 35 Jahre alten Rheingauer Flugsport-Gruppe. Zurück zur Blaubach-Quelle, geht es vorbei am Ebenthaler „Pony-Hof" wie­der über die Straße von Rüdesheim nach Presberg zum Ausgangspunkt unserer Dia-Serie „Links und rechts des Blaubach, von der Quelle bis zur Mündung". Die Blaubach-Quelle liegt, wie bereits beschrieben, unterhalb des Röspelkopfes, etwa 50 Meter seitlich der Rüdesheim-Presberger Straße, in unmittelbarer Nähe der Hubertushütte. Der Verlauf des Baches bis zum „Offermann-Teich" ist in der Abhandlung „Der Blaubach und seine Zubringer" exakt beschrieben, dennoch sollte nicht unerwähnt bleiben, daß der Blaubach in diesem oberen Teil, entlang eines herrlichen Waldweges, eine Strecke von 2300 Metern zurücklegt und dabei einen Höhenunterschied von 150 Metern bewältigt. Der „Mirabellen­baum", an dem wir auf diesem Weg talwärts vorbeikommen, ist eine riesige, etwa 400 Jahre alte Buche, mit einem Stamm-Umfang von ca. 5 Metern und einem Kronendurchmesser von ca. 30 Metern. Der Name „Mirabellenbaum" entstand etwa vor 300 Jahren durch Rheingauer Männer, die als Söldner im Dienste italienischer Kriegsherren gestanden hatten. Sie nannten diesen Baum „Mirabellis", das heißt wunder­schöner Baum, und aus diesem Wort machten die Geisenheimer später „Mirabellenbaum".

Vom Mirabellenbaum, der in 275 Metern Höhe liegt, sind es bis zum Offermann-Teich noch etwa 500 Meter; die Höhe beträgt hier 250 Meter. Nach weiteren 1,5 Kilometern erreicht der Blaubach „Nothgottes", in 210 Metern Höhe.

 

Nothgottes

Einem Gelübde zufolge wurde von dem Rüdesheimer Ritter Brömser, der auf einem Kreuzzug in Maurische Gefan­genschaft geraten und glücklich wie­der heimgekehrt war, Anfang des 14. Jahrhunderts unterhalb Plixholz die Gnadenkapelle (Auffindungskapelle) erbaut. 1320 erfolgte die Errichtung der Wallfahrtskirche; ab 1620 war Noth­gottes ein Kapuzinerkloster, das 1813 zu Beginn der Säkularisation aufgeho­ben wurde. Das Gnadenbild gelangte damals in die Rüdesheimer Pfarr­kirche, wo es - gegen Witterungsein­flüsse versilbert - heute noch steht.

Nach dem zweiten Weltkrieg war Noth­gottes zuerst ein Nonnenkloster, später ein Mütter-Erholungsheim und heute -zu Limburg gehörend - ist Nothgottes, in herrlicher Umgebung gelegen, ein Lehrgangs- und Tagungsort der Diö­zese. Von Nothgottes aus - nachdem dort der Blaubach (Trockenbach) und der Kuhtränkerbach sich vereinigt haben - fließt der Unterlauf des Blau­baches in Richtung „Nonnenmühle"

Nonnenmühle

In früheren Zeiten besaßen die Klöster sogenannte Getreidemühlen. Das Hildegardiskloster in Eibingen baute im Jahre 1711 eine solche Mühle an den Blaubach - damals Stegbach genannt - die heutige Nonnenmühle. Im Verlauf der Jahrhunderte wechselte die Mühle oftmals ihren Besitzer. Heute gehört sie, als Obstgut betrieben, dem Kauf­mann Hans Bröcker. - Durch die Non­nenmühle verläuft der 50. Breitengrad. Auf seinem weiteren Weg um den Bienenberg, durch die Sommerauer Wiese, vorbei am neuen Friedhof und entlang der Mittelweg-Siedlung ge­langt der Blaubach nach rund 2,5 Kilo­metern zum Kirchspiel, einem - wie bereits erwähnt - der ältesten Geisen­heimer Stadtteile. Etwa 50 Meter öst­lich des Baches finden wir das „Schloß Kosakenberg", ehemaliges Palais der Grafen von Ingelheim. Ein stattlicher, zweiflügeliger Spätrenaissance-Bau mit betonter Vorhalle, darüber ein aufgesetzter Erker mit schönem Wap­pen und einer Sonnenuhr. Es wurde 1681-1683 als Sommerresidenz von dem Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim erbaut. Heute befindet sich das Schloß im Besitz der Familie Wegeler.

Auf seinem weiteren Weg durch den Burggraben und entlang dem Römer­berg fließt der Blaubach durch einen wohl ebenso alten wie auch romanti­schen Teil von Geisenheim. Vorbei an renovierten Fachwerk-Häusern und der im Rahmen der Stadtsanierung neugestalteten Fußgängerzone, der Katholischen Pfarrkirche Heilig Kreuz, dem sogenannten „Rheingauer Dom", dem katholischen Pfarrhaus und un­weit des altertümlichen und berühmten „Pfefferzolles".

Der „Pfefferzoll" ist ein Fachwerkhaus von 1618 - diese Jahreszahl ist über dem Erker zu lesen - und war schon eine frühmittelalterliche Schiff-Zoll­station des Reiches. Bereits 1162/65 nachweisbar, befand sich der Pfeffer­zoll 1194/98 als Reichslehen in der Hand Werner II von Bolanden und spä­ter bei den Wild- und Rheingrafen. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die tatsächliche Zollerhebung aufgege­ben. Von jedem vorbeifahrenden Schiff wurde 1 Pfund Pfeffer als Zoll erhoben. Ein solcher Pfefferzoll ist wohl nirgends sonst nachweisbar. Noch einmal geht der Blaubach in den „Untergrund", um nach etwa 250 Metern - nachdem er unter der Bleichstraße und der Umge­hungsstraße hindurchgeflossen ist -in die Arme des .Vater Rhein" zu ge­langen, dort wo die Höhe über dem Meeresspiegel genau 80,6 Meter beträgt, etwa 100 Meter östlich der Kiesverladestelle bzw. des „Hüppels", wie die kleine Erhebung von den Geisenheimern liebevoll genannt wird - ein etwa 30 Meter im Durchmesser und 2,5 Meter hoher Hügel, der früher einmal die näher liegenden Häuser gegen Treibeis und Eis-Stauungen schützen sollte. Ein kleiner unschein­barer Bach, der aus 400 Metern Höhe und nach 7,5 Kilometern in den Rhein gelangt. Manchmal nur ein kleines Rinnsal von kaum einem Meter Breite; doch nach langen, starken Regenfällen ist er auch schon zu einem reißenden Wildbach geworden und hat auf sei­nem Weg durch das Stadtgebiet er­hebliche Überschwemmungsschäden angerichtet.

Am Ende unserer heimatkundlichen Aufzeichnungen, bei denen der Blau­bach als Leitfaden diente, können wir feststellen, wie interessant unser Rheingau doch sein kann - wenn wir ihn nur einmal genauer unter die Lupe nehmen.

 


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