Linz am Rhein am Mittelrhein

Geschichte der Stadt Linz am Rhein

Die Stadt Linz am Rhein von der gegenüberliegenden Rheinseite[Bild: wikipedia User René Rondot (CC-BY-SA-3.0-DE.)]

Erste Spuren von Besiedlung im Linzer Raum reichen in die Eisenzeit zurück. Linz wird 874 als "Lincesce" erstmals erwähnt und gehörte von 1250 an zum Kurfürstentum/Erzstift Köln. Die Kölner Kurfürsten förderten den Ort aufgrund seiner strategisch günstigen Lage an der südöstlichen Grenze des kölnischen Territoriums. Zur Sicherung von Grenze und Territorium wurde Linz daher um 1320 zur Stadt erhoben. Gleichzeitig erfolgte wohl auch die Befestigung der Stadt. Linz war in starker Abhängigkeit von seinem kurfürstlichen Landesherrn. Versuche, sich zu emanzipieren, scheiterten endgültig 1365 mit dem Bau der Zoll- und Zwingburg durch den Landesherrn und den Verlust des Ratswahlprivilegs. Der Kurfürst verlegte allerdings auch den Rheinzoll von Andernach nach Linz, wodurch die Stadt wirtschaftlich profitierte. Linz hatte in den folgenden Jahrhunderten stets unter Kriegswirren zu leiden. Bereits 1198 waren Ort und Kirche in den Kämpfen zwischen Otto IV. und Philipp von Schwaben zerstört worden. 1475 wurde die Stadt im Neußer Krieg durch kaiserliche Truppen belagert. Den Reformationswirren unter Erzbischof Hermann von Wied 1543 folgte wenige Jahrzehnte später die Besetzung im Kölnischen Krieg 1583. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1632 durch schwedische Truppen besetzt. 1633 wurde Bürgermeister Augustin Kastenholz durch die Schweden auf dem Marktplatz hingerichtet, da er versucht haben soll, den Bürgermeister von Hönningen vor dem Anrücken der feindlichen schwedischen Truppen zu warnen. 1796 besetzten schließlich französische Truppen die Stadt.


Der Marktplatz der Stadt[Bild: Stadt Linz am Rhein]

Politische Bedeutung hatte Linz seit dem 15. Jahrhundert als Kopf der „Linzer Union“, eines Schutz und Verteidigungsbündnisses kleiner mittelrheinischer Städte und Orte. 1517-27 wurde das Bürger-/Rathaus an Stelle eines Vorgängerbaus errichtet. Auch während der Reformationswirren unter Kurfürst Hermann von Wied in den 1540er Jahren spielte Linz eine wichtige Rolle. Der Kurfürst versuchte 1542/43, die Reformation in Linz einzuführen und hatte dabei Unterstützung vom Stadtrat. Erst auf Intervention Kaiser Karls des V. bekannten sich Bürgermeister, Schöffen, Rat und Geschworene 1548 wieder zum alten Glauben. Seit 1707 war Linz kurkölnische Amtsstadt. Ein tiefer Einschnitt in die Entwicklung der Stadt war die Auflösung des Kurfürstentums Köln 1803, was den Verlust zentralörtlicher Funktionen (Amtssitz) und vor allem der Einnahmen aus dem Rheinzoll nach sich zog (endgültige Aufhebung des Zolls 1831). Linz fiel zunächst an das Fürstentum Nassau-Usingen, 1815 dann an Preußen. 1816 wurde der Kreis Linz gebildet, bereits 1822 jedoch dem Kreis Neuwied zugeschlagen. 1856 erhielt Linz die rheinische Städteordnung verliehen. 1970 wurde die Verbandsgemeinde Linz gebildet.

Die Pfarrkirche St. Martin[Bild: Stadt Linz am Rhein]

Kirchlich gehörte und gehört Linz seit jeher zum (Erz-)Bistum Trier. Bereits 1206/14 erfolgten Grundsteinlegung und Weihe der Pfarrkirche St. Martin. 1462 wurde die Kapelle auf dem Markt geweiht, an deren Stelle heute die Mariensäule steht. 1623 ließen sich Servitessen (Klosterkirche heute Stadtarchiv), 1627 Kapuziner (Klosterkirche heute Stadthalle), im 19. Jahrhundert Franziskaner (Donatuskapelle, Antoniushaus) und Franziskanerinnen (Hospital, Krankenhaus) nieder. Die Marienkirche am Kirchplatz wurde 1967 konsekriert. Die evangelische Gemeinde wurde 1845 gegründet, 1865 die evangelischen Kirche am Grabentor eingeweiht. Jahrhundertelang existierte auch eine jüdische Gemeinde in Linz, 1854 wurde die Synagoge in der Gasse "Auf dem Berg" eingeweiht.

Die Neustraße in Linz am Rhein[Bild: Stadt Linz am Rhein]

Seine wirtschaftliche Blütezeit hatte Linz im 15. Jahrhundert. Wein, Tuche, Eisenwaren und Walkerde waren seit dem Mittelalter die wichtigsten Handelsgüter, dazu kamen die Einnahmen aus dem Rheinzoll. Nach dem Ende des Kurstaats 1803 erlebte die Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Einbruch, der durch das Auftreten der Reblaus und der daraus folgenden Vernichtung ganzer Weinbergsdistrikte noch verschärft wurde. Die Lage besserte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts durch den Anschluss an das rechtsrheinische Eisenbahnnetz 1870 (1886 Fertigstellung erster Bogengruppen des Bahnviadukts am Gestade, 1933 Neubau) und der Gründung der Basalt AG 1888. 1912 wurde zudem die Westerwaldbahn eröffnet. Ein weiteres wichtiges Stadtbein der Linzer Wirtschaft ist seit dieser Zeit der Tourismus. Bereits 1858 legten die ersten Dampfschiffe legen in Linz an, mit dem Beginn der Freilegung verputzter Fachwerkbauten Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Linz zur „Bunten Stadt am Rhein“. Ab 1980 wurde das Stadtkerngebiet neu gestaltet, Burgplatz und Neustraße 1983, der Buttermarkt 1984, die Mittelstraße 1985, der Marktplatz sowie der Dr.-Sigmund-Wolf-Platz 1993. Seit 1920 besteht die Partnerschaft mit der österreichischen Stadt Linz an der Donau, seit 1965 mit Marietta/Georgia (USA), seit 1987 mit dem französischen Pornic. Ein Freundschaftsvertrag mit Linz/Sachsen wurde 1991 geschlossen.

Nachweise

Verfasser: Andrea Rönz 

Stadtarchiv Linz am Rhein

Bearbeiter: Katharina Thielen

Literatur:

  • Burghard, Hermann / Kapser, Cordula, Linz am Rhein. Die Geschichte der Stadt von der Frühzeit bis zur Gegenwart, Köln u.a. 2002.

Erstellt am: 03.04.2012