Manubach am Mittelrhein

Zur Geschichte von Manubach

Der gelegentliche Fund von Münzen und Gebrauchsgegenständen, wie Glasflaschen und -becher (entsprechende Funde liegen im Rheinischen Landesmuseum in Bonn) zeigt, dass die Gemarkung des späteren Manubach schon in keltischer und römischer Zeit besiedelt war. In der fränkischen Zeit waren weite Teile des Mittelrheins Reichsgut. Das Gebiet fiel im 7. Jahrhundert als Schenkung an das Erzbistum Köln, welches es wiederum dem St. Andreas-Stift zu Köln weitergab. Als 1156 Konrad von Hohenstaufen zum Pfalzgrafen (bei Rhein) ernannt wurde, fiel das Gebiet an ihn als Reichslehen. Wenig später, am 1.4.1190 wird Manubach erstmals urkundlich erwähnt, als Pfalzgraf Konrad die Steuerverhältnisse des Ravengiersburger Klosterhofs neu ordnete. Seine Enkelin heiratete 1225 Herzog Otto II. von Wittelsbach, an dessen Familie die Pfalzgrafenwürde überging. Fast 600 Jahre lang blieb das Viertälergebiet unter Wittelsbacher Herrschaft. (1314 gehörte Manubach für kurze Zeit zu den Orten, die im Zusammenhang mit der Königswahl Ludwig des Bayern Zeit an den Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt verpfändet wurden). Zahlreiche Adelsgeschlechter waren im Ort begütert (Grundbesitzer in Manubach). Deren Angehörige waren meist Amts- und Gefolgsleute der Erzbischöfe von Köln und Mainz, der Pfalzgrafen, der Grafen von Sponheim oder von anderen bedeutenden Territorialherren des Rheinlandes. Nach Manubach benannte sich ein Niederadelsgeschlecht. Urkundlich erwähnt sind das Rittergeschlecht der "Füchse von Diebach" (1235 - 15.Jh.), das Rittergeschlecht "Wilderich von Dippach" (1289 erstmals erwähnt), die Familie Dietzmann von Manubach (Mannenbach, seit dem 13.Jahrhundert). Ende des 13. Jahrhunderts wird ein Heinrich, 1302 Krafft und Dieter, 1323 Kuno, 1322, 1323-39 ein Herdenus; 1345 Herdan, 1354 Kono (als pfalzgräflicher Burgmann zu Fürstenberg), 1386 Kuno (als katzenelnbogischer Lehensmann), ca. 1400/1411 als Burgmann zu Fürstenberg; 1414 Kuno und Arnold, 1417, 1419, 1429 Arnold (Mainzischer Burgmann auf Reichenstein, Dietzmann v. Reichenstein) sowie 1438 Arnold und Cuno Dietzmann genannt. Die 1419 erwähnten Gerhard und Hensel von Manubach gehörten einer anderen Adelsfamilie an. Die Residenz der Pfalzgrafen, anfangs in Bacharach, wurde nach Heidelberg verlegt. Schon 1356 trat eine Ratsverfassung für das Viertälergebiet in Kraft, nach der Manubach zwei Ratsbürgermeister des Viertälerrats stellte. Die Viertälergemeinden Bacharach, Steeg, Diebach und Manubach wurden „gefreite Gemeinden“, deren freie (nicht mehr leibeigene) Einwohner sich Burger nannten.

Dank seines städtischen Charakters war es dem Rat gestattet, Manubach zu befestigen. Es gab Mauern, Türme und Gebück (Dornenhecken), was man noch heute noch an Flurnamen (z.B. "Am Turm", "Schießmauer") ablesen kann. Es lassen sich jedoch keine eindeutigen und sichtbare Relikte einer gemauerten Befestigung mehr finden. Die Umwallung des Ortes war wahrscheinlich schon 1366 vorhanden. Das 17. Jahrhundert brachte für die Manubacher mehrere katastrophale Ereignisse: in den Jahren 1607, 1612, 1613 grassierten in dem Ort schwere Pestwellen, die eine Vielzahl an Menschenleben forderte. Die Folge dieser Epidemien war eine Schwächung der heimischen Wirtschaft durch den Verlust menschlicher Arbeitskraft und den Abbruch einiger Handelsbeziehungen. Es folgte der dreißigjährigen Krieg, indem das Gebiet nach dem Einmarsch spanischer Truppen unter General Spinola (August 1620) zeitweise durch die Spanier besetzt wurde. Ihnen folgten die Franzosen, die das Gebiet zwei Jahre nach Ende des Krieges (1650) erst wieder verließen. In dieser Zeit versuchten die Besatzungstruppen eine Rekatholisierung der Bevölkerung durchzuführen. Nur kurz nach Abzug der fremden Einheiten überflog das Gebiet wieder eine große Pestwelle (1666) und kurz darauf litt die ganze Region unter den Truppen Ludwig XIV im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Manubach blieb bis zum Ende des alten Reiches unter der Landeshoheit der pfälzischen Kurlinie. Jetzt, Ende des 18. Jahrhunderts, fiel das westliche Rheinland an Frankreich und gehörte zum neu geschaffenen Departement Rhin-et-Moselle. 1798 war Manubach französische Commune im Kanton Bacharach (Arrondissement Simmern), gehörte 1800 zur Mairie Bacharach. In dieser Zeit erlebte Manubach zahlreiche Truppendurchmärsche der Franzosen. Durch den Wiener Kongress 1815 fielen die Rheinlande, und damit auch Manubach an Preußen. Der Ort wurde 1816 nun der preußischen Bürgermeisterei Bacharach, die zu dem neugeschaffenen Landkreis St. Goar gehörte, zugeteilt. Als in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts durch die ruinöse, aber seit dem Mittelalter übliche, Erbteilung der landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie einige Missernten große wirtschaftliche Not herrschte wanderten zahlreiche Manubacher nach Nord- und Südamerika aus. Die Zeit unter der Herrschaft des preußischen Königshauses fand mit dem Ersten Weltkrieg ein Ende. Weitere Zugehörigkeit: 1948 Amt Bacharach (Landkreis St. Goar), 1969 Verbandsgemeinde Bacharach (Landkreis Mainz-Bingen), 1970 Verbandsgemeinde Bingen-Land und seit 1986 Verbandsgemeinde Rhein-Nahe.

Grundbesitzer in Manubach

Grafen von Bretzenheim

1789 Kauf der Stein-Kallenfelsischen Güter. Der Besitz wurde Ende des 18. Jahrhunderts von den Franzosen eingezogen. Im Jahr 1803 wurde das Hofgut (Haus., Stall, Keller, Garten und Baumgarten, 2,05 ha Wiese, 0,43 ha Acker, 0,82 ha Wildland, 0,25 ha Heckenland) versteigert.

Herren von Koppenstein

1590 Hofbesitz mit Haus und Hof in Manubach; Auch 1669 war die Familie im Ort begütert: Hofstatt mit Eigengütern und Teilweingärten, Äckern, Hecken und Feldern; Haus im Ort mit Weingärten, Wiesen, Feldern und Hecken; insgesamt 19 Tagwerk Weingärten; z. T. verpachtet bzw. von einem Hofmann in Lohn bebaut.

Herren von Schmidtburg zu Gemünden

Die Herren besaßen 1590 Haus. und Hof; 1669 ein bürgerliches Haus in Manubach, Wohnung eines Hofmanns sowie ca. 9 Tagewerk Güter.

Herren von Stein-Kallenfels

Die Herren hatte Freigüter von Höckher von Ohlingen übernommen: 1590 besaßen sie Haus und Hof; 1669 ein Haus, die Wohnung des Hofmanns; insgesamt 33 Tagwerk Weingärten und andere Güter.1789 wurde der Besitz an die Grafen von Bretzenheim verkauft.

Kloster Eberbach

1258 Güterschenkung durch Fuchs von Diebach (Oberdiebach). Klosterbesitz wird auch in einem Güterverzeichnis von 1434-57 erwähnt; Weinberge des Klosters waren in Pacht vergeben.

Kloster Ravengiersburg

Der Besitz des Klosters wurde 1190 von Pfalzgraf Konrad (1155/56-1195) in Schutz genommen. Noch 1432 werden Klostergüter erwähnt.

Kurköln

Der Besitz der Kölner Kirche geht vermutlich auf eine Schenkung König Dagoberts (gest. 6639) an Erzbischof Kunibert (gest. 667) zurück. 1670 umfasste der Besitz noch 15 Morgen. 1669 werden Einkünfte vom Berg Berschied erwähnt.

Kurpfalz

Der Besitz der Pfalzgrafen wurde Ende des 18. Jahrhunderts von den Franzosen eingezogen. In den Jahren 1804-06 wurden vier Objekte (0,38 ha Wiese, 0,29 ha Wiese, 0,77 ha Wiese, 4,19 ha Acker und 3,81 ha Wiese) zum Verkauf angeboten.

Markgrafen von Brandenburg

Der Brandenburger Hof wird 1590 erwähnt. 1669 war der Hof im Besitz eines Geistlichen aus Koblenz und wird als ehemaliger Besitz der Herren von Stein bezeichnet. Das Gut bestand aus Haus und Wohnung des Hofmanns zu Manubach, Weingärten, Weinteilen, Wiesen und Zinsen. Der Hof war dann in Erbbestand vergeben und bedepflichtig.

Grundbesitzer in Ort waren auch:

Dietzmann von Manubach (1323, 1339 Lehensauftragung von Weingärten für den Trierer Erzbischof), Fuchs von Diebach (1338 Lehensauftragung von Gütern für die Grafen von Sponheim), die Brenner von Lahnstein (Hofgut 1378), die Grafen von Sponheim (1432, 1438 Weinberge), die Grafen von Degenfeld-Schomburg (1773/74), die Grafen von Waldbott-Bassenheim (1790), die Herren von Bolanden bzw. ihre Erben (1670/71), die Herren von Dirmstein (1338), die Herren von Hillesheim (18. Jahrhundert), die Herren von Sohlern zu Lorch (1670/71 und 1790), die Raugrafen (1590), der Pfarrer zu Bacharach (1432), das Kloster Aulhausen (1334), die Höckher von Ohlingen, die Freigüter von den Reichsrittern von Stein-Kallenfels übernahmen swoie die Herren von Stockheim (1590 Haus und Hof (bald Koppensteinische Erben, Stockheimer Hof)).

Zehntrechte

1299 bestand Zollfreiheit für Zehnteinkünfte des Andreas- und Mariengredenstifts/Köln. Zwischen 1357 und ca. 1400 werden Zehntrechten durch die Pfalzgrafschaft verliehen. 1359 wird der Zehnt im Besitz des Andreasstifts bestätigt. Das Zehntrecht wurde 1558 vom Stift St. Andreas/Köln an die Pfalzgrafschaft verkauft. 1669 war der große Frucht- und Weinzehnt im Besitz von Kurpfalz; ein Teil des Zehnten gehörte zum Brandenburger Hof. 1787 besaßen die Kurpfälzische Hofkammer, die kurkölnische Hofkammer (Schollenbornberg) und die Herren von Sohlern Zehntrechte.

Quelle: Karl-R. Mades, Bahn; Rettinger, Historisches Ortslexikon (s. rechte Spalte); Thomas Graßmann (Bild); redakt. Bearb. S.G., D.S., D.B.