Osterspai am Mittelrhein

Zur Geschichte von Osterspai

Über die Rheinhöhe von Lahnstein nach Lorch verlief eine alte Römerstraße. Zuwegungen gab es von Braubach her über den sogenannten Spalt und von Osterspai her über den Ellig (Elatio = zur Höhe hin). Die Römer sahen wohl keine Veranlassung, eine Straße entlang dem Rheinufer zu bauen. Erst seit dem Jahr 1833 existiert eine Straßenverbindung zwischen Osterspai und Braubach. In diesem Jahr fuhr der Hofbeständer Jakob Klein erstmals mit einem Pferdefuhrwerk über eine eher unbefestigte Straße von Osterspai nach Braubach. Erst 1931 wurde der Fahrweg nach Braubach asphaltiert.

Belege für eine Besiedlung in römischer Zeit finden sich in Osterspai trotz der Anbindung an die Römerstraße jedoch nicht. Grabfunde, die beim Bau der Eisenbahnlinie 1860 entdeckt wurden, werden in einen Zeitraum zwischen dem 3. und 7. Jahrhundert datiert.

Im 10. und 11. Jahrhundert legte die Trierer Kirche große Mühen an den Tag, ihren Einfluss auf das rechtsrheinische Gebiet auszudehnen. Im Jahr 1031 schenkte Kaiser Konrad II. dem Erzbischof Poppo von Trier die gesamte Grafschaft Marfels (Marienfels), zu der auch Osterspai gehörte. Spätestens jetzt ist der Einfluss Triers im rechtsrheinischen Einrichgau (das Gebiet zwischen Lahn, Rhein, Wisper und Aar) klar erkennbar. Kurtrier konnte diesen Einfluss jedoch nicht lange behaupten. Ab dem 12. Jahrhundert folgten weltliche Herrscher, wie die Herren von Isenburg, die Herren von Bolanden und die Grafen von Sponheim. Im späten 13. oder im 14. Jahrhundert wurde die Alte Burg Osterspai erbaut. 1326 erhielt Osterspai Stadtrechte und wurde selbständiges reichsunmittelbares Territorium, die Herrschaft besaßen bis zu deren Aussterben 1637 die Herren von Liebenstein. Diese bauten vermutlich um 1590 einen ersten Vorgängerbau von Schloss Liebeneck. Nachfolger der Familie Liebenstein wurden die Freiherren von Waldenburg, welche das Schloss weiter ausbauten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts dehnte sich Osterspai in westlicher Richtung über das Burgareal hinaus weiter aus, wodurch das Oberdorf entstand. Den Waldenburgern folgten im Jahr 1793 die Freiherren von Preuschen.

Offiziell wurden 1806 alle reichsunmittelbaren Gebiete aufgelöst und Osterspai wurde Teil des Herzogtums Nassau. Schloss Liebeneck blieb jedoch im Besitz der Familie von Preuschen, die es 1873 neu aufbauen ließ und bis heute bewohnt. Nach der Niederlage des Herzogtums Nassau im Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurden dessen Gebiete Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Nach 1946 gehörte Osterspai zum neu geschaffenen Bundesland Rheinland-Pfalz und war zunächst Teil des Landkreises St. Goarshausen, der im Jahr 1962 in Loreleykreis umbenannt wurde und seit 1969 Rhein-Lahn-Kreis heißt.

Nachweise

Readaktionelle Bearbeitung: S. G., Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Homepage der Gemeinde, dort auch weitere Informationen zur Ortsgeschichte bzw. zum Ortsnamen
  • Bender, Karl: Ortsgeschichte Osterspai. Osterspai 1993.
  • Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. Darmstadt 1985.

Aktualisiert am: 23.05.2016