Flonheim in Rheinhessen

Zur Geschichte von Flonheim

Flonheim Panorama
Ortsansicht Flonheim[Bild: Willi Matthes]

Bereits in römischer Zeit wurde im südlichen Teil der Flonheimer Gemarkung Sandstein abgebaut. Dies ist daran erkennbar, dass beispielsweise viele römische Steindenkmäler aus Alzey mit Flonheimer Sandstein hergestellt wurden. Durch die gute Lage Flonheims an der Römerstraße Worms-Alzey-Bingen, war ein schneller Abtransport der abgebauten Steine möglich.[Anm. 1] Ob es außer dem römischen Steinbruch auch eine römische Siedlung innerhalb der heutigen Gemarkung des Dorfes gab, ist nicht abschließend geklärt. Gefunden wurde bisher lediglich ein Gräberfeld am ehemaligen „Heidenplatz“, das aber immerhin auf die Existenz von Gutshöfen hindeutet.[Anm. 2]

Die Namensendung des Ortes auf "-heim" und einige Grabfunde in der Dorfgemarkung deuten auf eine fränkische Gründung des Dorfes um etwa 500 hin. Die Ersterwähnung erfolgte 765/67 im Lorscher Kodex als "Flan(n)nenheim" (Heim des Flano).[Anm. 3]

Im frühen Mittelalter gehörte das Dorf wie Bornheim und Uffhofen den Wildgrafen. 1098 und 1139 sind diese als "comes de Vlanheim" überliefert.[Anm. 4] 1283 war Wildgraf Gottfried von Dhaun Ortsherr. Nach dem Erlöschen dieser Linie im Jahr 1350 kam die Gemeinde an die Kyrburger Linie. Im Jahr 1368 verpfändete Wildgraf Friedrich von Kyrburg dann seinen Teil an den Amtsorten Bornheim, Flonheim und Uffhofen für kurze Zeit an Pfalzgraf Ruprecht I. Später fielen Flomborn, Bornheim und Uffhofen an die Kyrburger Erben, die Fürsten von Salm und die Rheingrafen von Grumbach. Ab 1506 war der Marktflecken Poststation der Thurn- und Taxisschen Post. Das seit ca. 1409 rheingräfliche Amt Flonheim mit seinen Amtsorten Bornheim, Flonheim und Uffhofen hatte bis zur französischen Okkupation Ende des 18. Jahrhunderts Bestand. 1744 wurden die Rechte über das Amt vertraglich festgelegt. Drieviertel gingen an die Wild- und Rheingrafen von Dhaun, ein Achtel an die Fürsten Salm-Salm und ein weiteres Achtel an die Fürsten Salm-Kyrburg.[Anm. 5]

Ein wohl 1131 von dem Wildgrafen Emicho II. als Ortsherrn gestiftetes Augustiner-Chorherrenstift, dass 1162 päpstlich bestätigt wurde, wurde 1554 im Zuge der Reformation aufgelöst.[Anm. 6]

1724-28 ersetzte man die Simultankirche durch einen Neubau, der wiederum 1881-1885 durch die evangelische Kirche ersetzt wurde, die sich auch heute noch dort befindet. Eine katholische Kirche wurde zuvor 1877/78 erbaut.

Eine jüdische Bevölkerung im Flonheim der frühen Neuzeit lässt sich durch die 1786 erbaute Synagoge nachweisen, welche 1979 abgerissen wurde. Wohl ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt der jüdische Friedhof des Ortes, der bis etwa 1830 belegt wurde. Seine Lage ist für einen jüdischen Friedhof außergewöhnlich, da er sich innerhalb der Stadtmauern befand.[Anm. 7]

Im 19. Jahrhundert wuchs das Dorf demographisch kontinuierlich an. 1815 waren es 1242 Einwohner, 1830 1550 und 1900 1818. 2011 hatte der Ort 2636 Einwohner.[Anm. 8]

Der Sandsteinabbau und die -bearbeitung wurden im 19. Jahrhundert industrialisiert und wuchsen zum zentralen Wirtschaftsfaktor Flonheims an. 1808 arbeiteten 460 Menschen in den Steinbrüchen, nach der Mitte des Jahrhunderts waren es über 100 mehr und zusätzlich gab es noch 30 Steinmetze im Ort. Der Bau der Stichbahn Armsheim-Flonheim 1871 erleichterte den Transport jener Wirtschaftsgüter. Da der Bahnhof in der Nähe der Steinbrüche lag, ist er heute ein Stück vom Ortskern entfernt.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges setzte der Niedergang dieses Industriezweiges ein und der Weinbau steigerte sich zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. 1892 wurde das Kellereigebäude des Weinguts Werner fertiggestellt, 1888 gründete sich die Essigfabrik Köhler.[Anm. 9]

Nachweise

Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Grathoff, Sarah Traub, Lutz Luckhaupt

Verwendete Literatur:

  • Ament, H.: Flonheim. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Bd. 12 Nordliches Rheinhessen. Mainz 1969, S. 181-186.
  • Behrens, Gustav: Römische Gläser aus Rheinhessen. MZ 20/21 (1925/26), S. 62-77.
  • Brilmayer, Karl Johann: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Gießen 1905.
  • Dehio, Georg: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmaler. Rheinland-Pfalz Saarland. Bearbeitet von Hans Caspary u.a. Darmstadt 1985.
  • Gallé, Volker: Rheinhessen. Entdeckungen im Hügelland zwischenWorms und Bingen, Mainz und Alzey. Köln 1992.
  • Gesangverein „Vorwärts“ Flonheim. Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Jubelfeste verbunden mit Freundschaftssingen und Fahnenweihe am 14., 15. Und 16. Juni 1952.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20.1: Kreis Alzey-Worms. Bearb. v. Michael Huyer und Dieter Krienke. Worms 2013.

Aktualisiert am: 16.05.2017

Anmerkungen:

  1. Ament, H.: Flonheim. In: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern. Bd. 12 Nordliches Rheinhessen. Mainz 1969, S. 181-186, hier S. 186. Für die römische Nutzung der Sandsteinbrüche siehe auch Gallé, Volker: Rheinhessen. Entdeckungsreisen im Hügelland zwischen Worms und Bingen, Mainz und Alzey. Köln 1992, S. 212. Zurück
  2. Siehe dazu Spang, Franz Joseph: Was ist es um Flonheim. Römische und fränkische Zeit. In: Gesangverein „Vorwärts“ Flonheim. Festschrift zum fünfundzwanzigjährigen Jubelfeste verbunden mit Freundschaftssingen und Fahnenweihe am 14., 15. Und 16. Juni 1952 (Seitenzahlen nicht angegeben). Siehe auch Behrens, Gustav: Römische Gläser aus Rheinhessen. MZ 20/21 (1925/26), S. 62-77, hier S. 67. Zurück
  3. Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20.1: Kreis Alzey-Worms. Bearb. v. Michael Huyer und Dieter Krienke. Worms 2013, S. 146. Zurück
  4. Ebenda. Zurück
  5. Ebenda. Zurück
  6. Ebenda. Zurück
  7. Ebenda, S. 148. Zurück
  8. Ebenda, S. 148-149. Zurück
  9. Ebenda. Zurück