Zur Geschichte von Budenheim - von Heribert Schäfer
Budenheim, erstmals 1057 urkundlich erwähnt, erscheint im Jahr 1200 unter den Orten, die sich an der Unterhaltung der Stadtbefestigung Mainz beteiligen mussten. Das Dorf scheint schon früh an das Kloster Altmünster in Mainz gekommen zu sein. Die Vogtei im Ort hatten als Lehen zunächst die Rheingrafen (1200 bezeugt). 1272 überließ Rheingraf Sigfrid diese Vogtei dem Kloster Eberbach, doch diese fiel 1292 zum Teil an das Kloster Altmünster zurück. Am 7.10.1321 gab die Äbtissin das Dorf Budenheim dem Ritter Wolfgang von Lewenstein auf dessen Lebenszeit zu Lehen.
Seit 1563 gehörte Budenheim zum Erzstift Mainz und blieb dort bis zum Untergang des Kurstaates. Es wurde dem Verwaltungsbereich des Rheingauer Viztums zugeteilt und gehörte zum Amt Eltville.
Die verbandsfreie Gemeinde Budenheim im Wandel der Zeit
Der römische Einfluss, ausgehend von der obergermanischen Hauptstadt Moguntiacum, war auch im Umfeld von Budenheim festzustellen. Forschungen ergaben, dass es nachweislich in der Budenheimer Gemarkung vier römische Siedlungen gab.
Im 3. Jahrhundert verdrängten eindringende Germanenstämme die Römer. Zu ihnen zählten auch die Franken, die vom Norden her kamen. Urkundlich wird Budenheim in dem "Codex Laures Hamensis", einer Gesetz- und Schriftensammlung des Klosters Lorsch/Bergstraße, zur Zeit Karl des Großen (742 bis 814) erwähnt. Die Registrierung geht auf eine Schenkung an das Benediktinerkloster zurück, das auch von anderen rheinhessischen Gemeinden in dieser Zeit Landschenkungen erhalten hat.
Die Herkunft des Ortsnamens "Budenheim" dürfte auf die durch Rodung nutzbar gemachten Kulturflächen, die "Biunden", zurückgehen. Nahezu 900 Jahre entschieden die Äbtissinnen des Altmünsterklosters in Mainz direkt oder indirekt über das Dorf Budenheim und dessen Bewohner. Am 19. Juni 1563 traten die Nonnen Budenheim an das Mainzer Erzstift ab; somit wurde das Dorf von der Eltviller Kellerei im Rheingau mitverwaltet. Der Einfluss des Atmünsterklosters erlosch schließlich am 15. November 1781 mit der Übernahme des Klostervermögens durch den Universitätsfond in Mainz.
Die landwirtschaftliche Zuordnung Budenheims als Obst- und Blütengemeinde, wie sie heute noch gerne genannt wird, kann sie nur bedingt für sich in Anspruch nehmen. Der Weinbau ist in Budenheim längst seit Anfang der 60ziger Jahren passee. Zwar gab es auch hier respektable Rebflächen, die aber nicht die Größe wie in anderen rheinhessischen Gemeinden hatten. Noch vor 300 Jahren zählte der kleine Ort 200 Einwohner, der sich mit seinen Häusern um und auf der Erhebung des "Rech" formierte, um vor den wiederkehrenden Rheinhochwassern nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden, was nicht immer möglich war, wie die Chronik berichtet. Heute wird im alten Ortsteil rund um den "Rech" seit 1978 das "Budenheimer Straßenfest" gefeiert, das aus Feierlichkeiten zum 1200-jährigen Bestehen Budenheims, mit Beteiligung der hiesigen Ortsvereine, ins Leben gerufen wurde.
Mit dem Bau der Hessischen Ludwigsbahn, der Eisenbahnlinie Mainz-Bingen im Jahre 1856, trat gleichzeitig eine deutliche Strukturwende für Budenheim ein. Einmal war es der neue Schienenweg und zum anderen der Wasserweg auf dem Rhein, der die Industrialisierung begünstigte. Bis zu dieser Zeit waren vereinzelte Handwerksbetriebe angesiedelt und wer nicht mit Ackerbau und Waldwirtschaft seinen Unterhalt verdiente, hatte Gelegenheit dies im Steinbruch zu tun.
Die Einwohnerzahl des kleinen Dorfes war im Jahr 1900 von 518 auf 1800 Einwohner angewachsen. Firmengründungen wie die Flaschenfabrik Kupferberg im Jahr 1904, als spätere und inzwischen geschlossene Glashütte Budenheim und die "Chemische Fabrik Budenheim Utz und Hensel" im November 1908, die heutige Chemische Fabrik Budenheim, trugen zur Veränderung Budenheims bei. Hinzu kommt die Gründung der Blechfabrik Jakob Berg im Jahr 1926, die nunmehr als "BERICAP" weltweit agiert. Der Schritt zu einer fortschrittlichen Industriegemeinde war getan. Die Erschließung von neuen Wohngebieten ließ nicht lange auf sich warten. Budenheim weitete sich zuerst in südwestlicher Richtung aus und war im Jahre 1930 bereits auf 3070 Einwohner angewachsen. Das erste Wohnhochhaus entstand 1962 in der Jahnstraße 15 und wurde in Anlehnung an den damaligen Bürgermeister Erwin Renth, im Volksmund "Langer Erwin" genannt.
Heute leben auf einer 153 Hektar großen bebauten Fläche 8812 Bürgerinnen und Bürger. Der angrenzende Lennebergwald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet.
red.bearb. AKZ

