Gauersheim in der Pfalz

Blick von Norden auf Gauersheim, im Hintergrund der Hungerberg

Blick von Norden auf Gauersheim, im Hintergrund der Hungerberg

Die Stelle, an der heute Gauersheim liegt, wurde bereits früh von Menschen bewohnt, worauf Funde von jungsteinzeitlichem Werkzeug und römerzeitlichen Scherben hindeuten.[Anm. 1]

Gauersheim geht höchstwahrscheinlich auf eine fränkische Gründung zurück, worauf die Endung –heim verweist. Als Namensgeber vermutet man einen Mann namens Gawirich.[Anm. 2] Der Ortsname wandelt sich von Gouuirichesheim (835), über Gouwersheim (1385), Gauwerßhem (1406) und Gaurscheim (1551), zum heutigen Ortsnamen, der 1797 erstmals schriftlich erscheint. Mundartlich wird der Ort Gaaschem (gaarschem) genannt.[Anm. 3]

Die erste urkundliche Erwähnung Gauersheims reicht ins Jahr 835 zurück, als Kaiser Ludwig der Fromme den Ort, gemeinsam mit Albisheim und Stetten, der Abtei Prüm schenkte. Der Ort gehörte anfangs zum Wormsgau und später zum Nahegau. Seit 893 ist Weinbau bezeugt.[Anm. 4]

Um 1200 sind die Grafen von Leiningen als Lehensträger der Abtei belegt. Die Rheingrafen, als Lehensträger des Mainzer Erzbischofs und die Herren von Bolanden waren ebenfalls im Ort begütert. Zwischen 1222 und 1447 sind ebenso die Ritter von Gauersheim belegt. In diese Zeit fällt ein Konflikt um die Patronatsrechte der Pfarrei Albisheim zwischen Leiningern, Bolandern und dem Kloster Rothenkirchen bei Oberwiesen. Dieser wurde1231, mit einer Urkunde in der Dieder (Theoderich) von Gauersheim als Zeuge Auftritt, beigelegt.[Anm. 5]

Protestantische Kirche und Kriegerdenkmal

Protestantische Kirche und Kriegerdenkmal

Im Verlauf des 14. Jahrhunderts etablierten sich die Ritter von Oberstein als Ortsherren, auch die Ritter Steben von Einselthum waren mit Rechten in Gauersheim ausgestattet. Nachdem letztere Mitte des 16. Jahrhunderts im Mannesstamm erloschen, fiel ihr Teil den Freiherren von Wallbrunn zu. Die Freiherren übernahmen 1600 auch den obersteinischen Ortsteil und setzten bis 1614 ihre Herrschaft über ganz Gauersheim durch. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort entvölkert, konnte aber 1667 bereits wieder 98 „Seelen“ vorweisen.[Anm. 6] Die erwähnte wallbrunn’sche Herrschaft währte bis zur französischen Besetzung der linksrheinischen Gebiete 1792 bzw. deren Annexion 1797. Im Jahr darauf wurde das Département Donnersberg gegründet. Diesem zugehörig, war Gauersheim Teil des Kantons Kirchheimbolanden und Sitz einer Mairie (Bürgermeisterei), die zusätzlich Rittersheim und Stetten umfasste.[Anm. 7] Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Gauersheim eine der größten jüdischen Gemeinden der Nordpfalz. Sie umfasste zeitweise ein Viertel der Ortsbevölkerung.

Nach dem Wiener Kongress und dem bayerisch-österreichischen Tauschvertrag kamGauersheim 1816, wie die ganze Pfalz, zu Bayern. 1818 wurde der Ort ins Landkommissariat Kirchheim eingegliedert, das 1862 in ein Bezirksamt und schließlich 1939 in einen Landkreis umgewandelt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde Teil von Rheinland-Pfalz. 1969 wurde der Ort in den neu entstandenen Donnersbergkreis eingegliedert, drei Jahre später wurde er Teil der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden.[Anm. 8]

Der alte Ortskern, der sich quer zum Leiselbach entlang der alten Heerstraße von Alzey nach Kaiserslautern erstreckt, wurde ab dem 19. Jahrhundert stetig erweitert. Hatte Gauersheim 1802 noch 429 Einwohner, belief sich deren Zahl 1837 bereits auf 620.[Anm. 9] Mit dem Ausbau der Talstraße von Rittersheim nach Albisheim begann der Ort sich entlang der neuen Achse, parallel zum Bachlauf, zu entwickeln. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden erste Neubaugebiete, vorwiegend im Nordwesten des Ortsgebietes. Zu nennen sind hier die Gartenstraße (bis heute im Volksmund als „die Siedlung“ bezeichnet) und die Mainzer Straße. Nach weiteren Ortserweiterungen Anfang des 21. Jahrhunderts hat Gauersheim heute rund 650 Einwohner.[Anm. 10]

Verwendete Literatur

  • Dolch, Martin; Greule, Albrecht: Historisches Siedlungsnamenbuch der Pfalz (Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Speyer, 81). Speyer 1991.
  • Frey, Michael: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des königlich bayerischen Rheinkreises Band 3, Speyer 1837.
  • Krienke, Dieter: Donnersbergkreis, Worms 1998 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, 15).
  • Schücking, Levin: Heinrich von Gagern. Ein Lichtbild, Köln 1849.
  • Bayerisches Statistisches Landesamt (Hg.): Ortschaftenverzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928, München 1928 (Beiträge zur Statistik Bayerns, Heft 109).
  • Bodmann, Ferdinand: Statistisches Jahrbuch für das Departement vom Donnersberg. Jahr 1811, Mainz 1811.

Anm. 1: Krienke 1998, S. 292. ↑ zurück

Anm. 2: Ebd. ↑ zurück

Anm. 3: Dolch/Greule 1991, S. 155f. ↑ zurück

Anm. 4: Krienke 1998, S. 292. ↑ zurück

Anm. 5: Frey 1837, S. 277f. ↑ zurück

Anm. 6: Ebd. S. 278. ↑ zurück

Anm. 7: Krienke 1998, S. 292; Bodmann 1811, S. 278. ↑ zurück

Anm. 8: Krienke 1998, S. 292. ↑ zurück

Anm. 9: Frey 1837, S. 278. ↑ zurück

Anm. 10: Krienke 1998, S. 292; Statistisches Landesamt 2024. ↑ zurück