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Hilfswissenschaften

Historische Hilfswissenschaften - Werkzeug des Historikers

"Werkzeug des Historikers" - so nannte Ahasver von Brandt seine seit den Sechziger Jahren in zahlreichen Auflagen erschienene Einführung in die "historischen Hilfswissenschaften". Ein treffender Titel zur Beschreibung einer Anzahl von wissenschaftlichen Disziplinen, die unerlässlich für das Verstehen und volle Auswerten des tradierten Quellenmaterials sind. Im engeren Sinn handelt es sich um die Fächer:

 

Eine Einordnung der historischen Hilfswissenschaften in einen "Kanon" fällt nicht leicht, denn man darf durchaus auch "für Historiker entwickelte Systeme der elektronischen Datenverarbeitung und Informatik als Hilfswissenschaften bezeichnen. Aber auch der Einsatz technischer Mittel wie Photographie für Reproduktionen, Fluoreszenzphotographie zur Lesbarmachung abgeschabter Schriften, Mikroskopie sowie chemische und physikalische Analysen z.B. für Pergamentuntersuchungen oder Röntgenstrahlen zur Durchleuchtung etwa von Goldbullen führt zu immer weiteren Einsichten und wissenschaftlichen Erkenntnissen" (Ladner 1993). 

In einer weit gefassten Begriffsdefinition kann sich eine jede wissenschaftliche Disziplin in einem hilfswissenschaftlichen Verhältnis zu einer anderen befinden. Dieses Verhältnis lässt sich im besonderen Maße bei einer kulturwissenschaftlichen Disziplin wie der Geschichte feststellen, die gerade weil sie "Menschheitsgeschichte" untersucht, alles menschliche Tun und Wirken im Blick behalten muss. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hat sich jedoch analog zur damals entstehenden "Geschichtswissenschaft" eine Gruppe von Fächern etabliert, die zwar selbstständig arbeiten, dabei aber durch spezifische Techniken und Methodik der allgemeinen historischen Analyse zuarbeiten. Man kann sogar sagen, dass die erkenntnisstheoretischen Resultate der Hilfswissenschaften die unumgängliche Voraussetzung für die Existenz der Geschichte als Wissenschaft sind (vgl. v. Brandt). Außerdem ist ihnen gemeinsam, daß sie hauptsächlich durch die Beschäftigung mit dem Mittelalter zu Hilfsdisziplinen geworden sind. Auf wissenschaftlicher Ebene waren es im 18. und 19. Jahrhundert vornehmlich das Historische Institut der Universität Göttingen (1764), die Ecole Nationale des Chartes in Paris (1821/1846) und das Institut für Österreichische Geschichtsforschung in Wien (1854/1874), die Lehrstühle für historische Hilfswissenschaften einrichteten (vgl. Ladner 1993). 

Viele "hilfswissenschaftliche" Methoden sind natürlich in ihrer Anwendung wesentlich älter und haben ihren Ursprung in praktischen Bedürfnissen. So war es schon im Mittelalter unerlässlich, Prüfungsverfahren zur Authentizität von Urkunden zu entwickeln. Genealogen (Ahnenforscher) haben seit undenklicher Zeit Methoden zur Systematisierung von Verwandtschaftsbeziehungen entwickelt, die zum Beispiel von ausgesprochener Wichtigkeit für die legitimen Herrschaftsansprüche der Könige und Kaiser waren.

Unter den oben anklickbaren Links werden die wichtigsten "Hilfswissenschaften" näher erläutert und ein erster Einblick in Technik und Methode der Fächer gegeben.

(Text: Stefan Grathoff)

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