Kaiserslautern in der Pfalz

0.Kaiserslautern in der Reformationszeit

0.1.Gewünschte Reformation

Historische Ansicht von Kaiserslautern[Bild: Matthäus Merian der Ältere [gemeinfrei]]

Die Reformationsgeschichte der Stadt Kaiserslautern liest sich vergleichsweise unspektakulär. Auch wenn der Verlauf der Ereignisse frei ist von Wendungen und Auseinandersetzungen, so bedarf es doch noch einiger Grundlagenforschung, um die fehlenden Details aufzuarbeiten.

Im Jahre 1554 baten die Stadtoberen Kaiserslauterns den Rat der evangelischen Reichsstadt Straßburg um Unterstützung bei der Einführung des reformierten Glaubens. Dies war ein kluger Schachzug, hatte doch schon die pfälzische Stadt Landau unter der Protektion des mächtigen Straßburg relativ unbehelligt das lutherische Bekenntnis in ihrer Stadt einführen können. 

Bereits die Kurfürsten Ludwig V. und Friedrich II. hatten eine tolerante Religionspolitik an den Tag gelegt - oft wird ihnen auch in der seriösen Forschung eine starke Nähe zum Luthertum bescheinigt, so hat Friedrich II. (1544-56) nachweislich ab 1545 öffentlich das Abendmahl nach evangelischem Ritus empfangen. Erst mit Ottheinrich (1556-59) wurde das Territorium auch reichsrechtlich zu lutherischem Gebiet, er wie sein Vorgänger förderten die Universität Heidelberg in reformatorischem Sinne.

Die vor Ort wirkenden Reformatoren erhielten großen Zulauf durch die Bevölkerung Kaiserslauterns. Der Ort war von evangelischen Reichsstädten umgeben und hatte in der Umgebung eine große Zahl evangelischer Reichsritterschaften zu verzeichnen, viele lutherisch gesinnte Prediger fanden in der Stadt Einzug.

1565 war die Reformation im gesamten Stadtgebiet vollständig durchgesetzt, katholische Gottesdienste nicht mehr möglich.

0.2.Das Kaiserslauterer Unionsdenkmal

Unionsdenkmal in der Stiftskirche[Bild: Nils E. [gemeinfrei]]

Das imposante Unionsdenkmal in der Stiftskirche von Kaiserslautern verdanken wir einer Initiative des 1858 vor Ort gegründeten Protestantenvereins, die Idee nahm später die pfälzische Synode auf. Das aus weißem Marmor gearbeitete Monument soll an die pfälzische Union von 1818 erinnern, den Schulterschluss von Lutheranern und Reformierten, die mit einer gemeinsamen Feier des Abendmahls in eben jener Stiftskirche bekrönt wurde. Nach einigen Problemen bei der Finanzierung und der zeitlichen Umsetzung des Projekts konnte das Denkmal am 16. August 1883 feierlich enthüllt werden und markierte damit gleichzeitig den 65. Jahrestag der Union. 

Zwei sorgfältig gearbeitete und lebensgroße Statuen Calvins und Luthers flankieren den Mittelsockel, auf dem ein Engel mit den Attributen Kelch und Palmblatt in den Händen steht. Die Inschrift auf der Vorderseite lautet wie folgt: "Einer ist euer Meister, Christus, / ihr alle aber seid Brüder. / Matth 23,8. / Zur Erinnerung an die Union der Lutheraner / und Reformierten der Pfalz 1818. / Errichtet 1883."
Auf dem Sockel befinden sich Büstenreliefs von Philipp Melanchthon, Franz von Sickingen und Ulrich von Hutten, außerdem Flachreliefs des Ulrich Zwingli und Martin Bucer.

Das Denkmal wurde vom Bildhauer Konrad Knoll (1829-1899) für die Summe von 30.000 Gulden geschaffen. Seit einer umfassenden Renovierung in den Jahren 1966-68 befindet sich das Denkmal in der nördlichen Eingangshalle der Kirche.

Bearbeiterin: Katharina Üçgül
Verwendete Literatur:

  • Kammer, Otto: Reformationsdenkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine Bestandsaufnahme, Leipzig 2004;
  • Keddigkeit, Jürgen: Kleine Geschichte der Stadt Kaiserslautern, Karlsruhe 2007.

Erstellt am: 21.03.2013

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