Mittelrhein

Wasser für das castrum auch aus Drais?

Die Wasserleitung durch die Bretzenheimer Gemarkung wäre, wenn diese Voraussetzungen zutreffen, sekundär und müsste keinen hölzernen Vorläufer gehabt haben. Kommen wir nun zu ihr, die bisher für den einzigen Mainzer Aquädukt gehalten wurde. In der Bretzenheimer Gemarkung ist der Verlauf deutlich. Aber jenseits?


Eine gute Darstellung der Finther Situation bietet Karl Ries, Wasser für das römische Mainz, Mainz 1981. Erster Erforscher war P. Joseph Fuchs, Ord. Ben. (Alte Geschichte von Mainz, 1, Mainz 1771). Insgesamt verlässt man sich vielleicht zu sehr auf diese Darstellung Fuchs war das Gegenteil eines Fälschers, vielmehr ein für seine Zeit erstaunlicher Vorläufer nachprüfbarer Archäologie. Seine Würdigung bei Pelgen, Aquädukt-Ansichten …, S. 25 u. ö. ist völlig berechtigt. Abgesehen von dem Endpunkt Drusilacum muss man an seiner Darstellung nicht viel korrigieren, wohl aber manches ergänzen.


Der Verlauf der Wasserleitung in der Finther Gemarkung weist Merkwürdigkeiten auf. Sie kommt von Quellgebieten jenseits Finthen („Ober den Sandmühlen“ wollte Rupprecht 1988/1994 (Vgl. die Abbildung des Plans in Kaphengst/Rupprecht …  ) noch nicht als Ursprung anerkennen , und „Am Königsborn“, seit Fuchs  so angesehen) macht dann einen Schwenk nach SO, überquert irgendwie das Aubachtal und macht nach dem Draisberghof wieder einen Knick nach ONO.
Ich halte es für möglich, dass die Wasserleitung ihren ursprünglichen Ausgang im Kemperich–floß gehabt hat; es wurde dort eine Weihung an die Nymphae Laurentes gefunden. (Ronald Knöchlein, Gonsenheim. Die ältesten Besiedlungsspuren bis zur urkundlichen Ersterwähnung. (Archäologische Ortsbetrachtungen 4), Mainz 2004, S. 35f.)  Gewiss wurde auch diese inzwischen versiegte, aber für die Römerzeit vorauszusetzende Quelle für die Wasserversorgung genutzt. Natürlich hatte Malten nicht recht mit der Behauptung, es habe den Leitungsstrang zum Königsborn nicht gegeben. Aber seine Vermutung einer Zuleitung vom Kemperich her ist alles andere als „eine zwar gut gemeinte, aber geradezu abenteuerliche Verirrung“ (Pelgen, Aquädukt-Ansichten…, S. 39f.) Rupprecht besteht in neueren Zeitungsberichten darauf, dass die „Finther“ Leitung die alleinige gewesen sei; Zuflüsse vom Draiser Berg habe es nicht gegeben

Wenn man vernünftig war, wurde vor allem die besonders ergiebige Quelle des Au-/Gonsbachs in die Leitung eingeführt; man konnte sie ohne Brückenwerk erreichen.


Unter dem Titel „Kein Wasser aus Drais für römisches Aquädukt“ brachte die Allgemeine Zeitung 2006 Juli 13 einen Bericht von Bernd Funke über einen Testschnitt (Klaus Soukup) im Bereich des Draisberger Hofs (Flur Bettzieg, Gemarkung Gonsenheim). Gefunden wurden drei exakt nebeneinanderliegende U-förmige Rinnen aus Sinterablagerungen  in Kanälen aus vergangenem Holz, die mit teilweise erhaltenen Bleiplatten geflickt worden waren. Leider wurde die Fundstelle nicht genau angegeben, wohl aber die Richtung des Kanals. Nun sehe ich keine Stelle, wo nach dem Plan von Rupprecht von 1994 (s. Abb.) ein Verlauf „genau von Finthen auf Mainz zu“ sein könnte. Vermutlich wurde die im Plan nur als „vermutet“ angenommene Strecke jetzt archäologisch nachgewiesen. Damit ist die Nutzung anderer Quellen doch nicht ausgeschlossen, etwa im Kemperich (im Plan mit ?), oder die viel ertragreichere und ohne Gonsbach-Wasserbrücke herzuleitende Aubach/Gonsbach-Quelle, für die eine Richtung Finthen-Mainz noch genauer zuträfe (für sie gibt es mehrere mögliche Vereinigungspunkte mit der „Königsbornstrecke“).

Es verwundert überdies, dass die anhand der Geologie zu erwartenden Sintermassen in den Wasserleitungen in der Mainzer Architektur des frühen Mittelalters keine Spuren wie in Köln hinterließen. Dort beträgt die Sinterablagerung bis zu 30 cm (mit marmorartiger Qualität), am Pont du Gard gar 50 cm (Klaus Grewe, Auf Römerspuren rund um Rheinbach. Wasserleitungen und Fernstraßen von der Römerzeit bis zum Mittelalter (Rheinische Kunststätten 466), Köln 2001. S. 9–15).

Auch verstehe ich nicht, warum man aus der Höhenlage der Fundstrecke die Höhe der Römersteinbrücke errechnen kann, wie in dem Artikel unter Berufung auf Dr. Rupprecht behauptet wird. Für die kommen doch nur die Höhen der Dispensorien beim Uni-Sportplatz und am Ende der Brücke infrage. Berechnen kann man nun die Höhe der Leitung über dem Erdboden in der Flur „Attach“ zwischen der Fundstelle und dem Uni-Sportplatz. Die drei nebeneinanderliegenden Rinnen können Wasser gleichen Ursprungs befördert haben oder solches aus drei Richtungen. Sie können aber auch zeitlich nacheinander benützt worden sein. All das wird man wohl aus genauer Untersuchung der Sinterschichten erkennen können. Vor allem sollte man jetzt auch besser das Auffangbecken „im Knick“ finden können, vielleicht sind gar die Einflussöffnungen erhalten.

 

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