Kaub am Mittelrhein

Kaub

Vor- und Frühgeschichte bis Mittelalter

Burg Gutenfels über Kaub. Gemälde von Nikolai Astudin[Bild: ]

Eine schon frühe Besiedlung der Umgebung der heutigen Gemeinde Kaub beweisen keltische Grabfunde aus der sogenannten Latènezeit (um 500 v. Chr.). Es handelt sich um Scherben eines Beigabengefäßes aus Ton, welche am Dicken Turm entdeckt wurden. Auch aus der Römerzeit konnte in der Nähe des Bahnhofs ein Einhenkelkrug gefunden werden, der auf die Zeit um 250 n. Chr. datiert wird.

Etymologie

Auf eine wirtschaftliche Nutzung des heutigen Ortes durch die Römer spielt auch eine der Theorien zur Herkunft des Ortsnamens an. So könnte Kaub vom lateinischen „cupa“, Weinfass, stammen, oder auch von „cubile“, was Lagerstätte bedeutet und sich auf die Schiefervorkommen in der Region beziehen könnte. Eine weitere mögliche Wortherkunft ist das keltische Wort „cabi“ für Häuschen.

Eine Legende erklärt den Ortsnamen mit dem Martyrium des Heiligen Theonest. Dieser soll in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts Bischof von Mainz gewesen sein und habe in dieser Position gegen den Arianismus (frühchristliche Strömung innerhalb des Christentums, die die Lehre anders auslegte) gepredigt. Die Arianer sollen ihn gesteinigt, in ein durchlöchertes Weinfass – lateinisch „cupa vini“ – gezwängt und darin in den Rhein gestoßen haben. Auf diese Weise sei er nach Kaub gelangt und von den Bewohnern errettet worden sein. Zum Dank habe er sie in das Christentum eingeführt und sie den Weinbau gelehrt, der die spätere Haupterwerbsquelle der Kauber werden sollte.

Im Laufe der Jahre wurde der Ort auch als „Cuoba“ (1250), „Kuben“ (1257) oder ab dem 16. Jahrhundert „Caub“ bezeichnet, bis 1935 schließlich Kaub die standardisierte Schreibweise wurde.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Kaub in einer 983 gefertigten Schenkungsurkunde Kaiser Ottos II. als „Cuba villula“ (Dörflein Cuba/Kaub). Otto bestätigte dem Mainzer Erzbischof Willigis unter anderem das Geleitsrecht (banpennic), welches bis Kaub reichen sollte. Wer vor 1250 die bestimmende Kraft in Kaub war, ist unsicher.

Bis zum 13. Jahrhundert wuchs Kaub zu einem kleinen Städtchen heran und baute seine Wehranlagen aus, wie die um Jahr 1220 fertiggestellte Burg Cuba, später Gutenfels genannt. Die Burg und ein damit verbundener Rheinzoll kamen kurz vor 1257 an die Herren von Falkenstein, die diesen Besitz im Jahr 1277 für 2300 Mark Aachener Denare an den Pfalzgrafen bei Rhein verkauften. 1289 erwarb Pfalzgraf Ludwig II. die restlichen Rechte der Falkensteiner, darunter Güter zu Kaub, Weisel, in beiden Ortsteilen von Dörscheid sowie in Ransel.

Im Jahre 1324 verlieh Pfalzgraf Ludwig der Bayer, der zu dieser Zeit auch deutscher König war, Kaub Stadtrechte. Die Kauber genossen die gleichen Freiheiten wie die Stadt Boppard. Außerdem ließ der Pfalzgraf ab etwa 1326 zur Sicherung des Zolls und zur besseren Überwachung der Rheinschiffahrt die Pfalzburg, auch Pfalzgrafenstein oder einfach nur Pfalz genannt, errichten.

1315 wurde erstmals eine Kirche im Ort genannt, welche noch zur Pfarrei Weisel gehörte. Am Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Kaub eine eigenständige Pfarrei.

Erstmals 1355 wurden die Dachschiefergruben erwähnt, welche bis 1972 in Betrieb waren.

Innerhalb des Bayrisch-Pfälzischen Erbfolgekriegs wurden Stadt und Burg im Jahr 1504 39 Tage lang durch Landgraf Wilhelm von Hessen belagert. Aus dieser Zeit stammt auch die Legende des Elslein von Kaub. Das Mädchen soll den kurpfälzischen Truppen, die der Stadt zur Hilfe geschickt worden waren, als Soldat verkleidet den Weg in die Stadt gezeigt haben.

Im 15. Jahrhundert wurde Kaub kurpfälzischer Amtssitz.

Frühe Neuzeit bis 19. Jahrhundert

Nach den Verheerungen, Seuchen und Truppendurchzügen des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) lebten in Kaub nur noch 198 EinwohnerInnen. Im Jahr 1635 griff ein Lagerfeuer auf die kleine Stadt über und legte unter anderem das Rathaus, die Schule und das Pfarrhaus in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau nach Krieg und Zerstörung nahm mehrere Jahre in Anspruch.

Vom 15. Jahrhundert bis 1842 gab es eine kleine jüdische Gemeinde aus kurfürstlichen Schutzjuden im Ort. Sie pflegten bis 1802 einen 150m großen Friedhof, der seit 1992 zur jüdischen Gemeinde von Koblenz gehört.[Anm. 1]

Nach der Auflösung des pfälzischen Kurstaates wurde Kaub im Jahr 1802/1803 dem Herzogtum Nassau zugeschlagen.

Denkmal des Generalfeldmarschall Blücher von Fritz Schaper (1893)
Denkmal des Generalfeldmarschall Blücher von Fritz Schaper (1893)[Bild: Alta Falisa [CC BY-SA 4.0]]

Innerhalb der Befreiungskriege gegen die Herrschaft Napoleons überschritt am Neujahrstag 1814 das Heer General Blüchers bei Kaub den Rhein. Maßgebliche Hilfe leisteten dabei die seit Jahrhunderten in Kaub beheimateten Rheinlotsen, die Schiffe durch die gefährliche Strecke zwischen Kaub und Bingen führten. Von diesem Ereignis zeugt ein Denkmal des Feldmarschall Blüchers in der Stadt unterhalb der Burg Gutenfels.

In den Jahren 1846, 1848 und 1910 suchten verheerende Brände das Gemeinwesen heim. Auch mit Hochwasserfluten hatte die Stadt regelmäßig zu kämpfen. Eine weitere große Katastrophe war ein Bergsturz am 10. März 1876, bei dem sich Schiefergeröll löste und 26 Menschen das Leben kostete.

1866 übernahm das Königreich Preußen die Herrschaft über das linke Rheinufer. Im Folgejahr wurde durch Preußen der Rheinzoll und damit auch die Zollstation, die Kaub seit dem Mittelalter besessen hatte, aufgehoben. Neben der Rheinschifffahrt waren Schieferabbau und Weinbau wichtige Wirtschaftszweige im Kaub des 18. und 19. Jahrhunderts.

20. und 21. Jahrhundert

Im Ersten Weltkrieg fielen 59 Soldaten aus Kaub, 26 gelten noch als vermisst. Von 1919 bis 1923 befand sich Kaub im ironisch als „Freistaat Flaschenhals“ bezeichneten Gebiet. Die westlich des Rheins gelegenen Provinzen Deutschlands waren von den alliierten Armeen besetzt. Um auch östlich des Rheins militärisch präsent zu sein, wurden von den Siegermächten bei Köln, Koblenz und Mainz halbkreisförmige Brückenköpfe eingerichtet. Der französische Brückenkopf von Mainz überlappte sich mit dem amerikanischen in Koblenz nicht vollständig, sondern hinterließ im Raum Kaub einen freien, unbesetzten Raum in der Form eines Flaschenhalses. Hier entwickelte sich alsbald der "Freistaat Flaschenhals", ein winziges Staatsgebilde, das vor allem in seiner wirtschaftlichen Existenz stark eingeschränkt war. Die Verwaltung des Freistaates wurde vom Lorcher Bürgermeister Pnischek organisiert, der unter anderem eine eigene Währung einführte. Das Freistaatgeld ist heute bei Sammlern eine begehrte Rarität.

Die Versorgung der 8000 EinwohnerInnen, die in den Städten Lorch und Kaub und in den Gemeinden Lorchhausen, Sauerthal, Ransel, Wollmerschied, Welterod, Zorn, Strüth und Egenroth lebten, war äußerst schwierig. Straßenverbindungen durch die besetzten Gebiete ins unbesetzte Deutschland fehlten, so dass der gesamte Waren- und Postverkehr nur auf Schmuggelpfaden möglich war.

Die Eisenbahn entlang des Rheins konnte nicht genutzt werden, weil kein Zug im Freistaat halten durfte. Als einmal ein Güterzug mit Kohle aus dem Ruhrgebiet im Rüdesheimer Bahnhof abgestellt wurde, nutzte ein beherzter Lokführer aus dem Freistaat die Gunst der Stunde, kaperte den Zug und entführte ihn nach Kaub. Dankbar teilte die Bevölkerung das dringend benötigte Heizmaterial unter sich auf.

Am 25. Februar 1923 wurde der Freistaat entgegen den Vereinbarungen (Versailler Vertrag) von französischen Truppen besetzt, die aber am 16. November 1924 wieder abziehen mussten. Nun wurde der Freistaat Teil der Weimarer Republik.[Anm. 2]

Wie genau sich der Nationalsozialismus auf den Ort auswirkte, ist noch nicht erforscht. 1933 wurden Adolf Hitler und Paul von Hindenburg zu Ehrenbürgern der Stadt ernannt, was nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Stadtrat widerrufen wurde. Im Krieg wurde Kaub mehrmals von Bomben getroffen, wodurch unter anderem auch die Pfalzburg beschädigt wurde.

Nach der Befreiung durch amerikanische Truppen am 26. März 1945 lag Kaub in der französischen Besatzungszone. Trotz des Zweiten Weltkriegs verzeichnete Kaub in den 1940er Jahren mit mehr als 2500 EinwohnerInnen einen Höchststand seiner Bevölkerung.[Anm. 3]

Seit 1946 gehört Kaub zum neugegründeten Bundesland Rheinland-Pfalz und seit 1972 zur Verbandsgemeinde Loreley.

Der Schieferbergbau wurde 1972 eingestellt. Auch die Rheinlotsenstation wurde nach Ausbau des Rheins zur Verbesserung der Schifffahrt 1988 geschlossen. Damit entfielen wichtige Arbeitsplätze. Besonders junge Menschen zogen daher in größere Städte. Die Einwohnerzahl sank seit 2005 auf weit unter 1000.[Anm. 4]

Nachweise

Verfasserin: Katrin Kober

Erstellt am: 03.11.2020

Dieser Artikel basiert auf:

  • Kimpel, Wilhelm: 1000 Jahre Kaub am Rhein. Die kleine Stadt mit großer Geschichte. Argenthal 2. Aufl. 1990.
  • Petra, Ludwig (Hg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 5: Rheinland-Pfalz und Saarland. Stuttgart 3. Aufl. 1988.
  • Rang, Helmut; Schick, Manfred: Loreleykreis. Regierungsbezirk Montabauer. Bd. 5. Speyer 1965.

Anmerkungen:

  1. Vgl. Infotafel am Alten Judenfriedhof in Kaub. Zurück
  2. Mehr zum Freistaat Flaschenhals: Historischer Freistaat Flaschenhals 1919-1923, https://www.freistaatflaschenhals.de/ (Aufruf am 03.11.2020). Zurück
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Kaub, Bevölkerung – Zeitreihen, https://infothek.statistik.rlp.de/MeineHeimat/tscontent.aspx?id=103&l=3&g=0714109069&tp=1027&ts=tsPop01 (Aufruf am 03.11.2020). Zurück
  4. Ebd. Zurück