Sankt Katharinen am Mittelrhein

Ortsansicht von St. Katharinen

Aktualisiert am: 31.08.2026

Die heutige Gemeinde St. Katharinen ist ein Ergebnis der Gemeindereform von 1969. Der Ort besteht aus den ehemaligen Dörfern Hargarten, Lorscheid und Notscheid. Seinen Namen hat die Ortschaft nach dem Zisterzienserinnenkloster, das die Hl. Katharina (von Alexandrien) zu ihrer Patronin wählte und in der Gründungsurkunde 1257 genannt wird.

Älter als das Kloster sind die Dörfer. Die erste urkundliche Nennung Lorscheids findet sich in einem Zehntstreit zwischen Ludwich v. Linse und dem Stift Gerresheim (1217). Hier nennt die Quelle einen Manegold v. Lochscheidt. Hargarten wird in der Gründungsurkunde des Klosters genannt, hat also schon bestanden. Der Name deutet auf fränkische Ursprünge hin. Auf dem Hummelsberg, an dessen Fuß das Dorf liegt, fand sich schließlich eine keltische Ringwallanlage (600 bis 400 v.Chr.), die nicht nur als Fluchtburg, sondern als Wohnstelle gedient hat. Eine kontinuierliche Besiedlung bis ins 13. Jahrhundert ist nicht auszuschließen, jedenfalls gehörte das Gebiet im 9. Jahrhundert zum fränkischen Auelgau, dessen Kerngebiet Siegburg war und das Mitte des 13. Jahrhunderts an das Kurfürstentum Köln fiel.

Im Jahre 1261 nahm die Abtei des Trierer Erzbischofs Heinrich von Vinstigen das Kloster in seinen Schutz und Gerichtsbarkeit und im Jahre 1281 wurde das Kloster der Aufsicht der Abtei Himmerod unterstellt.

Pfarrkirche St. Katharina in St. Katharinen, Kreis Neuwied1454 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage derart, dass die Nonnen auf andere Klöster verteilt werden mussten. Mönche aus Himmerod sanierten die Klosterwirtschaft, sodass im Jahre 1508 die Nonnen wieder nach St. Katharinen zurückkehren konnten

Mit der Säkularisation endete 1802 die Herrschaft. Im gleichen Jahr kam das Kirchspiel Linz (mit Hargarten und Notscheid) an das Fürstentum Nassau-Usingen, Lorscheid kurzzeitig an die Grafschaft Wied-Runkel (bis 1806). 1816 fielen die Ämter Linz und Altenwied an Preußen und blieben es bis 1945. Seit 1946 gehören die Gebiete zum neu gegründeten Rheinland-Pfalz.

Kapelle Hargarten, Ortsteil von St. Katharinen

Immer wieder wurden die Dörfer in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, die Plünderungen und hohe Kriegslasten verursachten. Zu nennen sind die Kölner Stiftsfehde 1475, der Dreißigjährige Krieg, in dem das Kloster niederbrannte, die Franzoseneinfälle von 1672 und die Revolutionskriege.

Die französischen Revolutionskriege fanden in der Zeit von 1792-1802 statt. Sie hatten auch im nördlichen Rheinland deutliche Auswirkungen. Obwohl St. Katharinen selbst kein Schlachtort war, wurden dennoch die Bewohner des Ortes gefordert, indem sie u.a. Soldaten aufnehmen und versorgen mussten (Einquartierung französischer Soldaten). Lebensmittel, Vieh, Holz und Geld wurden für die Armee eingezogen, oft ohne ausreichende Entschädigung (Abgaben und Requisitionen). Hinzu kam die Unsicherheit und wirtschaftliche Belastung durch die Truppendurchzüge, Plünderungen und Kriegssteuern, sodass sich die Lebenslage vieler Familien verschlechterte.

Kapelle Notscheid, Ortsteil von St. Katharinen

Im Zweiten Weltkrieg litt die Bevölkerung der Linzer Höhe besonders unter den Kriegshandlungen, denn eine Woche lang tobten hier die Kämpfe um den Remagener Brückenkopf. 26 tote Zivilisten waren zu beklagen und es gab kaum ein Gebäude, das nicht beschädigt oder ganz zerstört war.

Die Dorfbewohner lebten Jahrhunderte lang von der Landwirtschaft. Der schwere Lehmboden, in Hanglagen flachgründig, trocknet bei geringer Wasserhaltekraft im Sommer rasch aus. In Tallagen neigt er bei tonigem Untergrund zu Staunässe und Versäuerung. Hinzu kam das raue Klima. So waren die Ernten meist karg und ernährten die Menschen mehr schlecht als recht. Die Realteilung verschärfte die Situation, da die Hofstellen kleiner wurden. Viele Einheimische verließen die Höhe, um anderenorts ihr Auskommen zu finden. So ist bereits im 18. Jahrhundert eine hohe Abwanderung nachweisbar.

Grubenwagen der Grube Anxbach in St. KatharinenNebenerwerb boten die Erzgruben des Anx- und Brochenbaches. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zum Aufschluss zahlreicher Basaltvorkommen. Der „Ackersmann“ verschwand. An seine Stelle trat der „Arbeiter-Bauer“, der die Landwirtschaft (oft) nur noch im Nebenerwerb betrieb.
Basalt wurde von der Firma Goedkopp (Amsterdam) sowie den deutschen Firmen Gebrüder Wirtzfeld und der Basalt AG abgebaut. Den Betrieb auf dem Hummelsberg, mit dem größten Vorkommen, stellte man 1984 ein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Zahl der Beschäftigten in den Steinbrüchen kontinuierlich zurück. Viele Dorfbewohner suchten sich in den Rheinstädten Königswinter, Bonn, Köln sowie in Neuwied und Koblenz eine Arbeit. Die Pendlerquote lag bei mehr als 50 % und das, obwohl innerhalb der letzten 30 Jahre mehr als 1.000 Arbeitsplätze auf dem Gemeindegebiet geschaffen werden konnten. 20 % der Ortsansässigen besetzen diese Stellen vor Ort. Die größten Arbeitgeber im Ort sind die Firma Birkenstock (Schuhherstellung), die Firma Niedax (Kabelverlegungssysteme) sowie die Firma Pahlke mit ihrer Schaumstoffverarbeitung.

Am 31. Dezember 2025 hatte die Gemeinde St. Katharinen 3.434 Einwohner.

Verwendete Literatur

Strauß, Heiner: 750 Jahre (1238-1988) Kirche St. Katharinen. Fest- und Heimatbuch, hrsg. von der Kath. Kirchengemeinde St. Katharinen, St. Katharinen 1988.
Strauß, Heiner: St. Katharinen. Fest- und Heimatbuch, herausgegeben zur Feier des 25jährigen Bestehens am 29. Oktober 1994, St. Katharinen 1994.
Strauß, Heiner: Grube Anxbach (1519-1961). Bergbau und Hüttenbetrieb in St. Katharinen; Anxbach – Eisen-Blei-Zink- und Kupfererz-Bergwerk bei Lohrscheid, Bergrevier Wied, Rheinprovinz, St. Katharinen 2018.
Homepage der Gemeinde unter https://www.st-katharinen.de/.