Eller an Mosel und Saar

Katholische Pfarrkirche St. Hilarius, Eller

Baugeschichte

[Bild: "RomkeHoekstra", CC BY-SA 4.0]

Der hl. Hilarius war in spätrömischer Zeit Bischof von Poitiers (gestorben 367) und Lehrer des hl. Martin. Fridolin, ein Missionar fränkisch-alemannischer Missionar des 6. Jahrhunderts gründete mehrere Kirchen und Klöster in seinem Namen. Die Pfarrei in Eller hat als einzige deutschsprachige im alten Erzbistum Trier diesen Kult.[Anm. 1]

Die Kirche von Eller bestand so vermutlich bereits in merowingischer Zeit; sie wurde vermutlich im 6. Jahrhundert gegründet.[Anm. 2] Sie war Teil eines Besitzkomplexes, den König Dagobert I. (+639) dem Stift St. Germanus in Speyer schenkte.[Anm. 3] Eller diente als Zentrum eines Großpfarreibezirks, der vermutlich die Nachbarorte Alf, St. Aldegund, Bremm, Bullay, Driesch, Ediger, Kennfus, Lutzerath, Nehren, Neef und Strotzbüsch umfasste.[Anm. 4] Der Pfarreibezirk wurde von einer kleinen Gemeinschaft von Klerikern betreut, die bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts hinein Bestand hatte.[Anm. 5] Kurz vor Mitte des 12. Jahrhunderts verlor die Kirche St. Hilarius in Eller ihren Status als Pfarrkirche, der an die Kirche St. Martin in Ediger überging.[Anm. 6] Diese Veränderung wurde auf der Trierer Provinzialsynode von 1142 offiziell anerkannt.[Anm. 7] Seit 1238 war die Pfarrei der Kathedrale von Trier inkorporiert.[Anm. 8]

Die heutige Kirche St. Hilarius in Eller befindet sich an der Stelle eines romanischen Vorgängerbaus, von dem heute nur noch der Kirchturm erhalten ist.[Anm. 9] 1097 wurde die Kirche erstmals urkundlich erwähnt.[Anm. 10] Das Kirchenschiff wurde in spätgotischer Zeit (um 1500) durch einen Neubau ersetzt. Obgleich das Langhaus um 1650 verbreitert wurde, erwies es sich in der Folgezeit als zu klein und musste daher zu Beginn des 18. Jahrhunderts einem Neubau weichen. Im Jahr 1718 wurde das heutige Schiff an den romanischen Westturm angebaut, ebenso wie die Sakristei, die auf der Südseite an Langhaus und Chor anschließt.[Anm. 11] Der Neubau sowie der dem heiligen Hilarius geweihte Hochaltar (1737) wurden 1721 durch Weihbischof Johann Mathias von Eyss (1669-1729) eingeweiht.[Anm. 12] In den Jahren 1830, 1886 und 1975 wurde der Kirchenbau außen und innen umfangreicheren Renovierungsarbeiten unterzogen. Im 19. Jahrhundert konnte der Kirchturm zudem durch eine Außentreppe im zweiten Geschoss zugänglich gemacht werden.

Baubeschreibung

Das heutige Kirchenschiff schließt mit seiner Giebelseite unmittelbar an den fünfgeschossigen Westturm an. Dieser zeichnet sich durch seine romanische Formensprache aus. Hierzu zählen insbesondere einzelne Blendnischen mit Schlitzfenstern in den unteren Geschossen, sowie Triforienfenster mit dreifacher Bogenrahmung in den beiden Glockengeschossen, die als Schallöffnungen dienen. Der achtseitige Turmhelm mit seinen zweiteiligen Schallgauben und Bleiverzierungen stammt hingegen aus spätgotischer Zeit.

Die drei Glocken stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und haben folgende Inschriften:[Anm. 13]

  1. ihesus maria heissen ich boisse uuedder uerdrieben ich clais van echternach gaus mich Ann(o) d(omini) mcccclxxx o( - )r d(ie) paulini
    Übertragung: Jesus Maria heiße ich. Böse Wetter vertreibe ich. Klas von Echternach goß mich im Jahre des Herrn 1480... am Tag des Paulinus (von Nola, d. h. am 22. Juni).
  2. s hilarius heissen ich in godes eir luden ich bois weider ver driben ich dedearih van proim gois mich a(nno) d(omini) m v (erhöhtes) c xx iiii
    Übertragung: Sankt Hilarius heiße ich. Zu Gottes Ehre läute ich. Böses Wetter vertreibe ich. Dietrich von Prüm goß mich im Jahre des Herrn 1524.
  3. s peterus und paulus heisen ich bois weider ver dreiben ich dedarich van proim gois mich a(nno) d(omini) m v (erhöhtes) c xx iiii
    Übertragung: Sankt Petrus und Paulus heiße ich. Böses Wetter vertreibe ich. Dietrich von Prüm goß mich im Jahre des Herrn 1524.

Das Langhaus präsentiert sich als dreiachsiger Saalbau mit jeweils zwei hohen Rundbogenfenstern an den Längswänden. Der Kirchenraum wird von einer hölzernen Spitztonne überspannt, die mit ihren Stichkappen und Rippen ein mittelalterliches Steingewölbe nachahmt. Als Zuganker dienen mehrere Holzbalken. Der Chor mit dreiseitigem Abschluss aus dem frühen 18. Jahrhundert wird ebenso wie das Vorjoch von einem gotisierenden Kreuzrippengewölbe überspannt. Die Hohlkehlrippen liegen auf profilierten Barockkonsolen auf.

Der Zugang zum Kirchenschiff erfolgt über ein rundbogiges Portal in der dritten Achse der Südseite, das von zwei Pilastern und einem darüber liegenden gesprengtem Giebel umrahmt wird. Im Portalgiebel findet sich das steinerne Wappen des Trierer Erzbischofs und Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck (1634-1711, reg. seit 1676).[Anm. 14] Der Schlussstein des Portals zeigt das Baujahr 1718.

Zur Ausstattung der Kirche gehört unter anderem der rechte Seitenaltar aus dem Jahr 1621. Er wurde von Johannes Gros geschaffen und stand möglicherweise ursprünglich in der Kirche des Klosters Stuben.[Anm. 15] An der Nordwand befinden sich zwei Gemälde des kurtrierischen Hofmalers Heinrich Foelix (1732-1803): Das Bild von Maria Magdalena stammt von einem Beichtstuhl, dass der Krönung Mariä von einem Altar. Von letzterem Gemälde befinden sich zeitgenössische Kopien in der Basilika Steinfeld (Eifel), in Benediktbeuren und im Karmelitinnenkloster San José in Santiago de Chile. Beide Gemälde wurden 1806 aus der Karmeliterkirche in Koblenz nach Eller gebracht.[Anm. 16] Besonders erwähnenswerte Ausstattung der Kirche sind noch der hölzerne Hochaltar von 1891, das Kirchengestühl aus der Bauzeit des Kirchenschiffs und die Orgel der Gebrüder Stumm von 1828.[Anm. 17] Die Kirche besitzt außerdem Kelche des 16. und 18. Jahrhunderts und einen spätromanischen Weihwasserkessel. Dieser diente siebzig Gemeinden über Jahrzehnte als Eichmaß.[Anm. 18]

Nachweise

Verfasser: Max Hartmann

Red. Bearb.: Lutz Luckhaupt

Verwendete Literatur:

  • Friderichs, Alfons [u.a.]: Ediger-Eller an der Mosel. Neuss 1978 (Rheinische Kunststätten 212).
  • Rettinger, Elmar (Bearb.): Historisches Ortslexikon Rheinland-Pfalz. Bd. 1: Ehemaliger Landkreis Cochem. Stuttgart 1985 (Geschichtliche Landeskunde 27).
  • Wackenroder, Ernst (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Landkreises Cochem. Teil 2. München 1959.
  • Wolpert, Wolfgang: St. Hilarius und St. Arnulf zu Eller an der Mosel. Faltblatt der kath. Pfarrgemeinde. o. J.

Erstellt am: 15.02.2023

Anmerkungen:

  1. Wolpert, Faltblatt, Abschnitt „Geschichte“. Zurück
  2. Rettinger 1985, S. 88. Zurück
  3. Wackenroder betrachtete die genannte Urkunde noch als unecht, Wackenroder 1959, S. 324. Zurück
  4. Rettinger 1985, S. 88. Zurück
  5. Friderichs 1978, S. 24; Rettinger 1985, S. 88. Zurück
  6. Friderichs 1978, S. 26; Rettinger 1985, S. 88. Zurück
  7. Friderichs 1978, S. 26. Zurück
  8. Wolpert, Faltblatt, Abschnitt „Geschichte“. Zurück
  9. Wackenroder 1959, S. 325. Zurück
  10. Wolpert, Faltblatt, Abschnitt „Geschichte“. Zurück
  11. Wackenroder 1959, S. 325. Zurück
  12. Friderichs 1978, S. 26; Wackenroder 1959, S. 326. Zurück
  13. Schriftliche Aussage des Ortshistorikers Wolfgang Wolpert vom 09.02.2023. V und u vermischen sich, weil sie grundsätzlich gleich sind. V steht oft am Anfang des Wortes.
    Die Jahreszahl 1524 zeigt sich in dem v (=5), dem ein erhöhtes c (= 100) folgt.
    Paulini: Der hl. Paulinus von Nola (Fest am 22. Juni) wird als Patron des Glockenbaus verehrt. Somit könnte er hier als Datengeber verwandt worden sein. Bei amtlichen Tagen tritt auch der hl. Paulinus von Trier auf (31. August), z. B. 1550 (Landeshauptarchiv Koblenz 655, 9, Nr. 26, S. 3). Zurück
  14. Friderichs 1978, S. 26.  Zurück
  15. Wolpert, Faltblatt, Abschnitt „Beschreibung“. Zurück
  16. Ebenda. Zurück
  17. Siehe Friderichs 1978, S. 26 f. Zurück
  18. Wolpert, Faltblatt, Abschnitt „Beschreibung“. Zurück