Burgsponheim im Naheland

Geschichte von Burgsponheim

Burgsponheim[Bild: Giggl (CC BY 3.0)]

Die Burg in Burgsponheim entstand mit ihrem stattlichen Turm vermutlich wegen der im 10. Jahrhundert gehäuften Einfälle der Ungarn. Die in der Nähe liegende Siedlung wurde wegen ihrer Lage „Tal“ genannt und wurde von den auf der Burg arbeitenden Menschen bewohnt. Diese bekamen neben einem Lohn aus Naturalien auch ein Stück Land zum eigenen Ackerbau. [Anm. 1] Der genaue Zeitraum des Baus der Burganlage ist unklar. In Urkunden wird die Burg, die ihre Blütezeit bis etwas ins Jahr 1235 hatte, erstmals im Jahr 1127 erwähnt. [Anm. 2] Die Burg war die Stammburg der Grafen von Sponheim. Die Grafen nannten ein umfangreiches Gebiet ihr Eigen, was 1232 in die Vordere und Hintere Grafschaft Sponheim geteilt wurde. [Anm. 3] Die Vordere Grafschaft hatte ihren Hauptsitz auf der Kauzenburg in Bad Kreuznach, die Hintere Grafschaft hatte ihren Sitz auf der Starkenburg an der Mosel. [Anm. 4]

Die Sponheimer Burg blieb aber im gemeinsamen Besitz und bildete innerhalb der Vorderen Grafschaft teilweise ein eigenes Amt mit Gericht. Auch der Ort Winterburg gehörte zur Vorderen Grafschaft. Nach dem Wegzug der Grafen nach Kreuznach wurde von dort aus die langsam verfallende Burg und der Ort Tal Sponheim verwaltet. [Anm. 5] 1437 starben die Grafen von Sponheim aus und Winterburg kam zur Hinteren Grafschaft. Zunächst war die Verwaltung badisch-veldenzisch, danach fand sie unter dem Haus Baden und Pfalz-Simmern statt. 1630 wurde die Burg zerstört und das Amt Burgsponheim aufgelöst. Kirchlich gehörte der Ort dann zu Winterburg. [Anm. 6]

Burgsponheim, Überreste der zerstörten Burg Sponheim – Rundturm[Bild: Waluga (CC BY-SA 3.0)]

Die ehemalige Burganlage gibt auch heute noch ein beeindruckendes Bild ab. Der Wohnbergfried hat einen Grundriss mit einer Innenausdehnung von etwa 5,35 Metern und einer Höhe von etwa 22 Metern. Die Mauern sind über 2 Meter dick. Damit gehört der Wohnturm zu den bedeutendsten mittelalterlichen Denkmälern des Rheinlandes. Die gesamte Anlage hatte eine Ausdehnung von etwa 100 Metern. [Anm. 7]

Von 1653 bis 1719 wurden die evangelischen Gemeinden von Sponheim, Burgsponheim und Braunweiler zu einer Pfarrei zusammengeschlossen. [Anm. 8] Im Jahr 1669 lebten in Burgsponheim 14 Familien, im Jahr 1772 waren es 33 Familien. [Anm. 9]

1721 wurde die ehemalige Zehntscheune zu einer einfachen evangelischen Saalkirche umgebaut. Sie war bis ins Jahr 1964 in Benutzung. Eine neue Kirche wurde aus Beton, Glas und Kupfer im Jahr 1967 errichtet. [Anm. 10] Eine Oberlinger-Orgel wurde im Jahr 1978 eingebaut. [Anm. 11]

Blick vom Wohnturm-Bergfried auf Burgsponheim mit ev. Kirche[Bild: Kasimix (CC BY-SA 4.0)]

Im Ersten Weltkrieg starben 16 Soldaten aus Burgsponheim. [Anm. 12]  Im Zweiten Weltkrieg wurde 1941 eine Scheune von einer Brandbombe getroffen. Weitere 30 Brandbomben gingen auf den Feldern rund um Burgsponheim nieder und richteten keinen Schaden an. [Anm. 13] Im Zweiten Weltkrieg gab es 14 gefallene Soldaten aus Burgsponheim. [Anm. 14] Im Jahr 1993 wurde an der Kirche eine Gedenktafel für die Burgsponheimer Gefallenen beider Weltkriege errichtet. [Anm. 15]

1966 wurde die Volksschule in Burgsponheim geschlossen und der Mittelpunktschule Waldböckelheim/Bockenau eingegliedert. [Anm. 16] Im Jahr 1996 lebten 100 Familien mit insgesamt 215 Personen in 66 Häusern in Burgsponheim. [Anm. 17]

Seit einer Verwaltungsreform, bei der 1970 die Verbandsgemeinde Rüdesheim/Nahe entstand, gehört Burgsponheim zu dieser Verbandsgemeinde. Der Verbandsgemeinde gehören 32 eigenständige Ortsgemeinden an, der Verwaltungssitz ist in der namensgebenden Gemeinde Rüdesheim an der Nahe. 

NACHWEISE

Verfasserin Text: Marion Nöldeke

Verwendete Literatur:

  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1987, S. 106, www.edoweb-rlp.de/resource/edoweb:7004231/data  (Aufruf: 25.06.2021).
  • Schauss, Erich: Sponheim und Burgsponheim. EINST und JETZT. Eine Chronik. Sponheim 1996.
  • Schauss, Erich: Sponheim und Burgsponheim. EINST und JETZT. Band II. Sponheim 2001.

Erstellt am: 01.07.2021

Anmerkungen:

  1. Schauss 1996, S. 15.  Zurück
  2. Schauss 1996, S. 164.  Zurück
  3. Schauss 1996, S. 15.  Zurück
  4. Schauss 1996, S. 164.  Zurück
  5. Schauss 1996, S. 15. Ein Merian-Stich von 1645 zeigt die Burg als verfallene Ruine.  Zurück
  6. Schauss 1996, S. 15. An anderer Stelle beschreibt Schauss die Zerstörung im Jahr 1620 vom spanischen Feldherrn Spinola (1569-1630). Vgl. ebd., S. 166.  Zurück
  7. Schauss 1996, S. 166.  Zurück
  8. Schauss 1996, S. 176.  Zurück
  9. Schauss 1996, S. 197.  Zurück
  10. Schauss 1996, S. 172.  Zurück
  11. Schauss 1996, S. 173.  Zurück
  12. Schauss Band II. Sponheim 2001, S. 149. Schauss führt die Namen aller Verstorbenen auf.  Zurück
  13. Schauss 1996, S. 179.  Zurück
  14. Schauss Band II. Sponheim 2001, S. 149. Schauss führt die Namen aller Verstorbenen auf.  Zurück
  15. Schauss 1996, S. 186.  Zurück
  16. Schauss 1996, S. 158. Anmerkung: 1996 wurde in Schauss` Aufzeichnung die sogenannte „Mittelpunktschule Waldböckelheim/Bockenau“ genannt. Mittlerweile können andere Schulen in der Region Anlaufstelle für die Schüler sein.  Zurück
  17. Schauss 1996, S. 162. Schauss hat auf den Seiten 253-256 ein Verzeichnis aller Namen eingefügt.  Zurück