Langweiler in der Pfalz

Langweiler

0.1.Allgemeine Angaben

Seitlich der Straße nach Idar-Oberstein

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Lauterecken

Einwohner (2000): 303

Einwohner (2007): 265

Einwohner (2010): 299

Wohnplätze: Ortskern und ehemalige Mühlen

Gemarkung: 415 ha, davon ca. 11 ha Siedlungsfläche und 57 ha Wald

 

0.2.Lage

Der Ort  liegt in rund 250 bis 300 Metern Höhe über NN östlich der Bundesstraße 270 und überwiegend rechts des Jeckenbachs. Die Erhebungen rings um den Ort erreichen im Westen Höhen von fast 400 Metern und im Süden und Norden von etwa 370 Metern.  

0.3.Siedlung und Wohnung

Die Häuser des Dorfes liegen hauptsächlich an zwei Straßen, von denen eine von Westen nach Osten verläuft und die andere von Süden her in der Dorfmitte mit ersterer zusammenstößt. Weitgehend ist das Ortsbild noch von Einfirstbauernhäusern geprägt. Der Friedhof liegt am südlichen Ortsende an der Straße, die zum Nachbardorf Homberg führt. Östlich des Ortes, Richtung Grumbach und Merzweiler, liegt der Sportplatz. Die noch bestehenden Häuser der ehemaligen Mühlen (Ölmühle und Tiefenbachermühle), liegen seitlich der Straße, die nach Unterjeckenbach führt. Im südlichen Bereich liegen noch zwei kleine Siedlungen östlich der Bundesstraße an der Kreisstraße nach Homberg. Das ehemalige Schulhaus dient heute als Dorfgemeinschaftshaus.

Bemaltes Wohnhaus

0.4.Wüstungen

Im Bereich der heutigen Gemarkungen von Langweiler und Homberg gab es früher einen Ort Käsweiler, dessen Lage nicht mehr genau zu bestimmen ist und der allgemein Homberg zugeordnet wird. (Siehe dort) 

0.5.Name

In der späteren Kopie einer Urkunde von 1276 wird der Ort als Langvilre bezeichnet. Weitere Namensformen sind: Landevilre (1319 in einer Originalurkunde), Landweiler (1448), Langweiller bey Grumbach (1598). Das Grundwort -weiler weist auf eine kleine Ortssiedlung mit unbestimmtem Gründungsdatum hin. Das Bestimmungswort Lang beziehen Dolch und Greule auf den Personennamen Lando. Demnach müsste die Siedlung in fränkischer Zeit durch einen Siedler mit Namen Lando gegründet worden sein.

0.6.Wappen

Das Wappen wird diagonal in eine goldene und in eine schwarze Fläche aufgeteilt. Auf dem goldenen Grund erscheint ein blaubewehrter und blaubezungter roter Löwe, auf dem schwarzen Grund sind ein goldenes Wellenband und ein ebenfalls goldenes Mühlrad zu sehen. Der rote Löwe weist auf das Wappen der Wildgrafen hin, zu deren Besitz Langweiler gehörte. Das Wellenband bezieht sich auf den am Dorf vorbeifließenden Bach und das Mühlrad auf Mühlen, von denen es früher mehrere am Ort gab.  

0.7.Abriss der Ortsgeschichte

0.7.1.Frühgeschichte

Wir nehmen mit Sicherheit an, daß die Umgebung des Ortes in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Entsprechende Funde oder auch Funde aus der Römerzeit sind bisher nicht bekannt geworden.

0.7.2.Mittelalter

Theoretisch könnte das Dorf mit dem Grundwort -weiler schon im frühen Mittelalter von einer Römerstraße her durch fränkische Bauern besiedelt worden sein. Wahrscheinlicher ist die Annahme, daß es viel später, vielleicht erst im 10. oder 11. Jahrhundert, als eine kleine Siedlung (Weiler) entstanden ist.

Der Ort gehörte ursprünglich zum Nahegau und kam zusammen mit Grumbach 1258 in den Besitz des Grafen Godefried, der die Linie Dhaun der Wildgrafen stiftete. In diesem Zusammenhang erfolgte auch die Ersterwähnung des Ortes im Testament des Wildgrafen Konrad, das in einer Kopie erhalten geblieben ist. Langweiler gehörte zu dem Hochgericht auf der Heide. Zusammen mit anderen Dörfern des Burgbannes von Grumbach wurde das Dorf 1363 an Sponheim - Starkenburg verpfändet. Nach einer veldenzischen Urkunde von 1415 hat Gottfried von Schmidtburg vom Grafen Friedrich von Veldenz sieben Schilling Heller von Gütern zu Langweiler empfangen. Demnach war das Dorf inzwischen an Veldenz verpfändet worden. 1448 verkauften die Rheingrafen mehrere Dörfer aus der Umgebung von Grumbach an den Pfalzgrafen (Herzog) Stephan von Pfalz-Zweibrücken, der als Nachfolger der Grafen von Veldenz anzusehen ist. Unter den dabei genannten Dörfern erscheint auch das schon verpfändete Langweiler. Doch alle diese Dörfer und auch Langweiler kauften die Wildgrafen bereits 1477  zurück. 

0.7.3.Neuzeit

1575 entstand die selbständige Linie des rheingräflichen Hauses von Grumbach. Über weiteren Verkauf oder Verpfändung von Langweiler ist nichts bekannt. So gehörte der Ort fortan zu der Grumbacher Linie der Rheingrafen. Bis zum Ausbruch der Französischen Revolution änderte sich nichts an diesem Herrschaftsverhältnis. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf wiederholt ausgeplündert, vor allem 1635 und 1636, als kroatische Truppen der kaiserlichen Armee unsere Gegend durchzogen, und Langweiler lag an einer Durchgangsstraße. Auch die Pest forderte viele Opfer, und nur wenige Menschen überlebten den Krieg. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gegend immer noch von marodierenden Truppen heimgesucht. Nur langsam konnte sich Langweiler erholen. Unter den Kriegen Ludwigs XIV. von Frankreich hatte es erneut zu leiden. 

0.7.4.Neueste Zeit

Während der Zeit der Französischen Revolution und der anschließenden Zeit des Kaisers Napoleon gehörte Hausweiler zur Mairie Grumbach. Zugleich war Grumbach Mittelpunkt eines Cantons innerhalb des Arrondissements Birkenfeld und des Départements Saar (de la Sarre). Schon 1793 zogen französische Truppen durch das Glantal und nahmen in den Dörfern bei Grumbach Quartier, auch in Langweiler. Dabei kam es zu Übergriffen der Revolutionstruppen gegen die Bevölkerung des Ortes.  

 

Nach dem Ende der französischen Herrschaft wurde im Wiener Kongress das Fürstentum Lichtenberg begründet, das in den Besitz des Herzogtums Sachsen-Coburg kam, zu dem auch Langweiler gehörte. 1834 verkaufte Sachsen-Coburg dieses Fürstentum an Preußen. Es bildete innerhalb der preußischen Rheinprovinz den Kreis St. Wendel. Dieser Kreis war in mehrere Ämter aufgeteilt. Langweiler gehörte innerhalb des Kreises St. Wendel zum Amt Grumbach.

Weitere Veränderungen ergaben sich nach dem Ersten Weltkrieg. Ein Großteil des Kreises St. Wendel verblieb 1919 bei dem autonomen Saargebiet. Aus dem bei Preußen verbliebenen Teil des Kreises entstand zunächst der so genannte "Restkreis St. Wendel-Baumholder" mit Sitz in Baumholder. 1937 wurde dieser Restkreis mit dem bis dahin oldenburgischen Kreis Birkenfeld vereinigt, und es entstand ein neuer Kreis Birkenfeld innerhalb des preußischen Regierungsbezirks Koblenz. Nach dem 2. Weltkrieg lag der Ort zunächst im Regierungsbezirk Koblenz des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1968 wurde das Amt Grumbach aufgelöst. Hausweiler kam 1972 zur neu gegründeten Verbandsgemeinde Lauterecken, gleichzeitig vom Regierungsbezirk Koblenz in den neu gegründeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz.

0.8.Wahlergebnisse in Prozent, Bundestag Zweitstimmen

SPD CDU FDP Grüne Linke Sonstige
Landtag 2001 58,6 21,4 7,9 2,9 --- 9,3
Landtag 2006 63,5 23,1 6,4 1,3 0,6 5,1
Landtag 2011 53,6 29,0 2,9 7,2 1,4 5,9
Bundestag 2002 59,4 27,1 4,5 4,5 --- 4,5
Bundestag 2005 47,9 21,5 14,1 5,5 4,9 6,1
Bundestag 2009 40,6 27,3 14,0 4,5 10,5 2,8
Bundestag 2013 38,1 37,3 3,0 5,2 6,7 9,7

0.9.Zeittafel

Vorgeschichte Keine Funde aus vorgeschichtlicher Zeit. Dennoch frühgeschichtliche Besiedlung in der direkten Umgebung des Ortes möglich. Auch Funde aus der Römerzeit sind nicht bekannt geworden.
10. Jahrhundert Möglicherweise wurde in dieser Zeit Langweiler gegründet.
1258 Langweiler wird im Testament des Wildgrafen Konrad erwähnt
1363 Verleihung des Dorfes durch die Wildgrafen an Sponheim-Starkenburg
1448 Die Wildgrafen verkaufen Langweiler mit dem Recht auf Rückkauf an Pfalz-Zweibrücken
1556 Einführung der Reformation
1635/36 Verwüstung des Ortes durch die kroatischen Truppen der kaiserlichen Armee
1648 Ende des Dreißigjährigen Krieges. Der Ort erholt sich anschließend nur langsam
1697 Zerstörungen durch das französische Heer Ludwigs XIV.
1798 Eingliederung des linksrheinischen deutschen Gebietes an Frankreich. Langweiler gehört zur Mairie und zum Kanton Grumbach, zum Arrondissemont Birkenfeld, zum Département de la Sarre.
1816 Langweiler gehört im Amt Grumbach zum Fürstentums Lichtenberg, das selbst wiederum zu dem Land Sachsen-Coburg gehört
1834 Langweiler gehört innerhalb des Kreises St. Wendel zur preußischen Rheinprovinz
1918 Ende des Ersten Weltkrieges. Langweiler zunächst im sogenannten Restkreis St. Wendel-Baumholder
1937 Langweiler im Kreis Birkenfeld
1945 Ende des Zweiten Weltkrieges, Langweiler im Bundesland Rheinland-Pfalz und weiterhin im Amt Grumbach
1968 Gebiets- und Regionalreform des Landes Rheinland-Pfalz
1972 Langweiler Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Lauterecken

0.10.Religiöse Verhältnisse

Wohl vom frühen Mittelalter her gehörte Langweiler zum Kirchspiel Herren-Sulzbach. Eine eigene Kirche hatte das Dorf nie. Infolgedessen entspricht die Kirchengeschichte von Langweiler der des Ortes Herren-Sulzbach. Ab dem späten 13. Jahrhundert gewann der Johanniterorden großen Einfluss. Im Wild- und Rheingräflichen Haus Grumbach wurde 1556 die Reformation eingeführt und die evangelische Pfarrei Herren-Sulzbach gegründet, zu der dann auch Langweiler gehörte.  Bis zum Dreißigjährigen Krieg waren alle Bewohner evangelisch. Später mussten die Feudalherren auch andere Konfessionen dulden, die jedoch keine besondere Bedeutung gewannen. Bis heute überwiegt das evangelische Bekenntnis.

0.11.Bewohner

Das Dorf blieb bis heute ländlich strukturiert. Der Großteil der Bevölkerung arbeitete bis vor wenigen Jahrzehnten hauptsächlich in der Landwirtschaft. Neben den Bauern gab es auch Land- und Waldarbeiter und wenige Handwerker. Die Landwirtschaft beschäftigt heute nur noch wenige Menschen, einen Vollerwerbsbetrieb gibt es nicht mehr. Ein großer Teil der Erwerbstätigen geht auswärts dem Broterwerb nach. 

0.12.Einwohnerzahlen

1815 1860 1900 1925 1958 2000 2007
197 281 328 322 301 303 265

0.13.Schulen, Kultur, Vereinswesen

0.13.1.Schule

Das alte Schulhaus

Wie in den übrigen Dörfern des Amtes Grumbach entstanden auch in Langweiler im ausgehenden 16. Jahrhundert als Auswirkung der Reformationsbewegung die Bemühungen, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Ursprünglich mussten die Schulkinder im benachbarten Herren-Sulzbach den Schulunterricht besuchen, doch im 18. Jahrhundert wurde auch in Langweiler ein Winterlehrer eingestellt. 1806 richtete die Gemeinde eine ganzjährige Schule ein, und in einem Privathaus wurde der Unterricht erteilt. 1857 entstand das Schulhaus, zunächst mit nur einem kleinen Schulsaal und mit einer Lehrerwohnung. 1883 ließ die Gemeinde einen größeren Schulraum einrichten. 1967 wurde ein Schulverband für das gesamte Amt Grumbach gegründet. Das hatte zur Folge, dass die Hauptschüler zunächst den Unterricht in Offenbach besuchen mussten, während die Grundschüler noch für einige Jahre im Ort blieben, dann bis 2010 die Grundschule Grumbach-Hoppstädten besuchten. Letzter Lehrer war Christian Büschel. Heute besuchen die Grundschüler und Hauptschüler die entsprechenden Schulen in Lauterecken. Das Gymnasium Lauterecken ist die am nächsten gelegene weiterführende Schule.

0.13.2.Feste und Brauchtum

Die Kirmes von Langweiler findet am 2. Wochenende im Oktober statt. Besonderes altes Brauchtum, wie es in früherer Zeit in allen Dörfern der Glangegend üblich noch war, wird kaum gepflegt.

0.13.3.Vereine

FCK-Teufel

Im Dorf bestehen folgende Vereine:

Gesangverein 1877

Sportverein Langweiler-Merzweiler 1947

SPD-Ortsverein Jeckenbachtal 1983.


0.14.Gesundheits- und Sozialwesen

Allgemeinärzte, Zahnärzte und Apotheken können in Grumbach und in Lauterecken aufgesucht werden. Die nächstgelegenen Krankenhäuser sind die von Meisenheim und von Kusel. Zuständige Sozialstation ist Lauterecken.

0.14.1.Wirtschaft und Verkehr

Bei den vier Mühlen des Ortes handelte es sich um zwei Ölmühlen, um die  Tiefenthaler Mehlmühle und um die Pulvermühle. In den Betrieben an den kleinen Bächen arbeiteten zumeist nur die Besitzer selbst und ihre Familienmitglieder. Die Standorte der Mühlen, die ihren Betrieb längst eingestellt haben, sind noch bekannt. Heute besteht am Ort ein größeres Bauunternehmen, das auch Mitarbeiter von auswärts beschäftigt. Im übrigen müssen die meisten berufstätigen Bewohner auspendeln. Bereits 1960 galten von 80 Berufstätigen 50 als Pendler. Heute besteht ein noch ungünstigeres Verhältnis.

Dennoch ist die verhältnismäßig günstige Verkehrslage an der Verbindungsstraße vom Glan- zum Nahetal für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes von Vorteil. Langweiler liegt an der Bundesstraße 270. Es bestehen weiter gute Verbindungen zu den Bundesstraßen 41 und 420. Außerdem wird hier die Bundesstraße von der Landesstraße L 373 und von der Kreisstraße K 53 überquert. Der frühere Amtssitz Grumbach liegt drei Kilometer weit entfernt. Zur Stadt Lauterecken, dem heutigen Sitz der Verbandsgemeinde, sind es sechs Kilometer. Weniger günstig ist die Lage zu den Autobahnen: Kusel ca. 40 km,  Kaiserslautern 45 km, Wöllstein 50 km.

0.15.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Fabricius, Wilhelm: Das Hochgericht auf der Heide - Die Wildgrafschaft zwischen Oberstein, Meisenheim, Lauterecken und Kusel, in: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst Jg. 24, Trier 1905.
  • Grashof, Theodor und Albrecht Guischard: Salisso - aus der Geschichte des Kirchspiels Herren-Sulzbach, Köln 2000.
  • Karsch, Otto: Geschichte des Amtes Grumbach, Neuwied 1959.
  • Schneider, Carl: Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses, Volkes und Landes auf dem Hundsrücken, Kreuznach 1854.