Speyer in der Pfalz

Zeittafel

Um 10 v. Chr.: Ein erstes römisches Militärlager wird angelegt (ein weiteres, größeres Lager wird im 1. Jh. n.Chr. an derselben Stelle errichtet). Um dieses Lager herum entsteht eine zivile Siedlung (Noviomagus – „neues Feld“; später unter dem Namen (Civitas) Nemetum).
275: Im Zuge der Alemanneneinfälle wird Nemetum zerstört. Im 4. Jh. wird die Stadt wieder aufgebaut.
346: Erstmalige Erwähnung eines Bischofs - die Stadt bleibt bis Anfang des 5. Jahrhunderts Bischofssitz.
5. Jh.: Die Römer können die Rheingrenze nicht mehr halten und ziehen sich aus dem Gebiet zurück. Das Nemetergebiet fällt an die Alemannen.
496 besiegen die Franken unter Merowingerkönig Chlodwig (466-511) die Alemannen. In der Folgezeit entstehen fränkische Siedlungen in der Umgebung Nemetums.
6. Jh.: Der Name „Spira“ taucht zum ersten Mal auf.
6./7. Jh.: Die Stadt wird erneut Sitz eines Bischofs.
838: Erstmals findet ein Reichstag in Speyer statt (bis 1570 insgesamt 50 Hof- und Reichstage in Speyer).
946: Die Stadt erhält das Markt- und Münzrecht.
969: Kaiser Otto der Große verleiht dem Speyerer Bischof das Immunitätsprivileg. Er erhält die alleinige Gerichtsbarkeit in der bereits ummauerten Stadt und in der näheren Umgebung, außerdem Herrschaftsrechte über Münze und Zoll. Damit wird der Speyerer Bischof Stadtherr.
1030: Der Salierkönig Konrad II. legt den Grundstein für den Speyerer Dom. 1039 wird er im Speyerer Dom bestattet. Seitdem wird dieser als Herrschergrablege der Salier genutzt.
1084: Aus Mainz ausgewanderte Juden siedeln in Altspeyer an. Die bereits vorhandene jüdische Gemeinde vergrößert sich. Bischof Rüdiger verleiht ihnen besondere Rechte, die 1090 von Kaiser Heinrich IV. bestätigt werden. Der jüdischen Gemeinde wird freier Handel und Schutz gewährt.
1111: Am 14.08. erhalten die Speyerer Bürger durch den Großen Freiheitsbrief Kaiser Heinrichs V. Privilegien: u.a. Befreiung von der Erbschaftssteuer, des Zolls und der Abgaben in der Stadt, sowie das Recht, dass die Münze (die Währung) ohne ihr Einverständnis nicht verändert werden darf. Außerdem müssen sich die Bürger Speyers nicht mehr vor Gerichten außerhalb der Stadt verantworten.
1182 werden diese Privilegien von Kaiser Friedrich I. bestätigt (diese Urkunde ist das früheste Dokument, das im Stadtarchiv Speyer verwahrt wird).
Um 1198: Die Speyerer Bürger erhalten das Recht, einen Stadtrat - bestehend aus 12 gewählten Bürgern – zu bilden, der die Stadt verwalten soll.
13. Jh.: Seit dem Großen Freiheitsbrief ist die Stadt durch die Auseinandersetzungen des Stadtrats mit dem Bischof – dem Stadtherrn – geprägt. Im 13. Jahrhundert steigern sich die Konflikte.
Der Stadtrat handelt inzwischen weitgehend selbstständig. Er stellt Urkunden aus, führt ein eigenes Stadtsiegel und schließt Verträge mit anderen Städten (u.a. tritt Speyer dem Rheinischen Städtebund bei).
1230 erlässt der Rat das erste Speyerer Stadtrecht.
1294: Nach dem Protest des Rates und der Bürgerschaft gegen den Bischof, schließt dieser einen Vertrag mit ihnen. Der Bischof verliert dadurch endgültig die Stadtherrschaft.
Die Stadt verwaltet und regiert sich nun selbst – Speyer wird Freie Reichsstadt.
1304: Die Zünfte können Ratsmitglieder aus ihren Reihen stellen. Doch bereits 1316 sitzt kein Zunftmitglied mehr im Rat. 1327 wird die Ratsordnung geändert. Nun sind 15 Münzer und Hausgenossen und 16 Zunftmitglieder im Rat vertreten.
1330: Severinsaufruhr: Das Stadtpatriziat (Münzer und Hausgenossen) will das Stadtregiment militärisch zurückgewinnen. Der Versuch scheitert. 1349 müssen Münzer und Hausgenossen eine Zunft bilden.
1349: Aufgrund des Pestausbruches werden Juden in vielen Städten beschuldigt, die Brunnen vergiftet zu haben. In der folgenden Zeit kommt es zu massiven Judenverfolgungen.
Auch in Speyer kommt es zu schweren Verfolgungen der jüdischen Gemeinde.
1352: Juden werden wieder in Speyer zugelassen.
1381: Speyer tritt dem Rheinischen Städtebund bei.
15. Jh.: Erneut treten schwere Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Bischof auf. Der Bischof will seine alten Herrschaftsrechte wiederherstellen. Höhepunkt dieser Konflikte ist der militärische Eroberungsversuch Bischof Rabans 1422. Die Stadt kann jedoch ihre Position als Freie Reichsstadt behaupten.
1527: Speyer wird Sitz des Reichskammergerichts (höchstes Gericht im Reich). 1689 wird es infolge des Pfälzischen Erbfolgekriegs nach Wetzlar verlegt.
1529: Reichstag der „Protestation“ in Speyer:
Mit dem Wormser Edikt (1521) wurden die Schriften Luthers verboten. Jedoch stellte der Beschluss des Reichstags zu Speyer (1526) den Reichsständen frei, das Edikt umzusetzen. 1529 wird dieser Beschluss auf einem erneuten Reichstag in Speyer aufgehoben. Daraufhin protestieren evangelische Fürsten.
1540: Speyer wird lutherisch; Michael Diller wird als erster evangelischer Prediger angestellt.
17. Jh.: Im Dreißigjährigen Krieg wird Speyer mehrmals von verschiedenen Kriegsparteien besetzt bzw. als Stützpunkt genutzt, um von dort die Festung Philippsburg anzugreifen.
1689: Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) wird Speyer fast vollständig von französischen Truppen niedergebrannt.
1717: Die lutherische Dreifaltigkeitskirche wird eingeweiht.
1797: 1792 erobern französische Truppen Speyer.
1797 wird die Stadt Teil des französischen Départements Mont Tonnerre (Donnersberg). Im Zuge der Befreiungskriege zieht die französische Besatzung im Dezember 1813 ab.
1816: Durch die Neuordnung der Staaten - auf dem Wiener Kongress (1815) beschlossen - fällt die linksrheinische Pfalz an das Königreich Bayern. Speyer wird 1816 Kreishauptstadt des bayerischen Rheinkreises.
1817/1821: Das Bistum Speyer wird neuerrichtet.
1818: Die reformierten und lutherischen Gemeinden der Pfalz vereinen sich. Sie feiern diese Union in der Dreifaltigkeitskirche.
1900: Die Kaisergräber werden bei einer wissenschaftlichen Grabung geöffnet. Die Kaisergruft wird bis 1906 neuangelegt und begehbar.
1904: Die Gedächtniskirche der Protestation wird eingeweiht.
1918 – 1930: Französische Truppen marschieren im Dezember 1918 in Speyer ein. Die Besatzung der Stadt hält bis Mai/Juni 1930 an.
1919/1923: Karl Leiling wird Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister. Er bleibt bis 1943 im Amt. Im März 1945 wird Leiling wieder eingesetzt (bis Januar 1946).
1921: Die Pfälzische Landesbibliothek wird gegründet.
1923/1924: Während der französischen Besatzung kommt es zu mehreren Versuchen, die Pfalz vom Reich abzutrennen. Im November 1923 besetzen die Separatisten Post, Rathaus und Regierungsgebäude Speyers. Die „Autonome Regierung der Pfalz“ wird ausgerufen. Als im Januar 1924 zwei Attentäter den Anführer der Separatisten erschießen, endet ihre Herrschaft.
1933: Nach der Machtergreifung Hitlers sind im Stadtrat noch 8 Parteien vertreten. Bereits im August ist nur noch die NSDAP im Stadtrat.
1938: Die Synagoge wird in der Reichspogromnacht (09./10.11.) niedergebrannt.
Die erste feste Rheinbrücke wird eingeweiht.
1940: Fast alle verbliebenden jüdischen Einwohner Speyers werden deportiert. 1942 werden die letzten Speyerer Juden deportiert.
Das historische Rathaus und das heutige Stadthaus werden bei dem ersten Luftangriff getroffen.
1945: Die Rheinbrücke wird am 22.03. von abziehenden deutschen Truppen gesprengt.
Am 24.03. erobern amerikanische Truppen Speyer.
Die Stadt wird am 30.03. Teil der französischen Besatzungszone.
1946: Im September finden die ersten freien Wahlen (seit 1933) statt.
1947: Speyer wird kreisfreie Stadt und Teil des Bundesland Rheinland-Pfalz.
Die (heutige) deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften wird gegründet.
1954: Die „Friedenskirche“ St. Bernhard, ein gemeinsames Projekt deutscher und französischer Katholiken, wird eingeweiht.
1956: Erste Städtepartnerschaft Speyers: Spalding (England).
Die neue Rheinbrücke wird eingeweiht.
1959: Städtepartnerschaft mit Chartres (Frankreich).
1961: Das Domjubiläum (900 Jahre Domweihe) wird feierlich begangen.
1981: Der Speyerer Dom wird UNESCO-Weltkulturerbe.
1989: Städtepartnerschaften mit Kursk (Russland) und Ravenna (Italien).
1990: Das Stadtjubiläum „2000 Jahre Stadt Speyer“ wird gefeiert.
1992: Städtepartnerschaft mit Gniezno (Polen).
1997: Die letzten französischen Truppen - seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Speyer stationiert - werden abgezogen.
1998: Städtepartnerschaft mit Yavne (Israel).
2001: Speyer übernimmt die Patenschaft für den District Ruzisi (Ruanda), vormals Impala.
2011: Im „Salierjahr“ werden drei wichtige Ereignisse gefeiert: 1061 Weihung des Speyerer Doms (vor 950 Jahren), 1111 Kaiserkrönung des letzten salischen Herrschers Heinrich V. und die Verleihung wichtiger Privilegien durch den Großen Freiheitsbrief Heinrichs V. (beides vor 900 Jahren).
Am 09.11. wird die neue Synagoge in Speyer eingeweiht.

NACHWEISE

Verfasser: Lisa-Marie Pulverich
Erstellungsdatum: 02.10.2013

 

Literatur:

  • Ammerich, Hans: Kleine Geschichte der Stadt Speyer, Stuttgart  2008.
  • Eger, Wolfgang (Red.): Geschichte der Stadt Speyer. 3 Bd., 2. Auflage, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1983.
  • Klotz, Fritz: Speyer. Kleine Stadtgeschichte ( = Beiträge zur Speyerer Stadtgeschichte; 2), Speyer 1971.