Zweibrücken in der Pfalz

Tschifflick

Noch heute finden sich in der Fasanerie bei Zweibrücken die Ruinen des Lustschlosses „Tschifflick“ von Polenkönig Stanislaus Leszczynski. Nachdem Stanislaus 1709 aus Polen hatte fliehen müssen, bot ihm sein Förderer, der schwedische König Karl XII. (der zu dieser Zeit auch Herzog von Pfalz-Zweibrücken war) Asyl in der pfälzischen Herzogsstadt an. Am 4. Juli 1714 hielt Stanislaus seinen Einzug in Zweibrücken, wo er herzlich empfangen wurde. Der schwedische Architekt am Zweibrücker Hof, Jonas Erikson Sundahl, errichtete für den königlichen Gast das idyllische Landschloss in den Wäldern vor der Stadt – zu einem großen Teil finanziert aus den Einkünften des kleinen Herzogtums. Die mit Kaskaden und Treppen errichtete Schlossanlage hatte mehrere Ebenen, die bis heute erhalten sind. Die Architektur und Gartenanlage waren in einem einzigartigen, einheitlichen Arrangement zusammengefügt und bildeten ein herausragendes Beispiel barocker Gartenarchitektur. Als Wohngebäude dienten, im Stil polnischer Landgüter, kunstvolle hölzerne Pavillons, die aber 1793 von französischen Revolutionstruppen zerstört wurden. Der Name der Anlage stammt aus dem Türkischen – da Stanislaus zuvor bereits im Osmanischen Reich im Exil gelebt hatte – und bedeutet so viel wie „Landhaus“. Stanislaus, der mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Zweibrücken lebte, brachte mit seiner königlichen Hofhaltung die Barockkultur in das noch aus den Kriegen des 17. Jahrhunderts verwüstete Zweibrücken. Am polnischen Exilhof wurden glanzvolle Feste, Musik- und Theateraufführrungen veranstaltet, die Fürsten aus der ganzen Region nach Zweibrücken lockten. [Anm. 1]

Bereits im Jahr 1719 verließ Stanislaus allerdings wieder sein Landschloss in Zweibrücken: Karl XII. war am 11. Dezember 1718 verstorben und das aus Kriegen zerstörte und verarmte Pfalz-Zweibrücken war nicht länger gewillt und dazu in der Lage, ohne eine größere Staatsverschuldung die hohen Kosten für die repräsentative, barocke Hofhaltung des Polenkönigs zu tragen. Im Jahr 1725 heiratete jedoch Stanislaus‘ Tochter Maria Leszczynska den französischen König Ludwig XV. und Stanislaus erhielt dadurch später das Herzogtum Lothringen. Die barocke Schlossanlage wurde in der Folge unter anderem als Hofgut mit Getreidemühle und schließlich als Fasanerie genutzt. Heute befindet sich dort ein Hotel/Restaurant. Die sogenannte Fasanerie mit den Tschifflick-Ruinen ist bis heute ein beliebtes Ausflugsziel in der Region Zweibrücken und mit über zehn Hektar Gesamtfläche das größte zusammenhängende Waldgebiet der Stadt. [Anm. 2]

Nachweise

Verfasser: Felix Schmidt

Erstellungsdatum: 20.08.2014

 

Verwendete Literatur:

 

  • Tröss, Rudolf Karl: Die „Fasanerie“ – ein Königspark. Vor 250 Jahren gegründet, in: Heimatkalender für die Stadt und den Landkreis Zweibrücken 1967, hrsg. von der Stadt und dem Landkreis Zweibrücken, Neuwied 1967, S. 93f..
  • Glück-Christmann, Charlotte: Der Exilaufenthalt von König Stanislaus I. Leszczynski von Polen (1714-1719), in: Die Wiege der Könige. 600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, hrsg. von Charlotte Glück-Christmann, Zweibrücken 2010, S. 151-153.

 

 

Anmerkungen:

  1. Vgl. Tröss, Rudolf Karl: Die „Fasanerie“ – ein Königspark. Vor 250 Jahren gegründet, in: Heimatkalender für die Stadt und den Landkreis Zweibrücken 1967, hrsg. von der Stadt und dem Landkreis Zweibrücken, Neuwied 1967, S. 93f. und Glück-Christmann, Charlotte: Der Exilaufenthalt von König Stanislaus I. Leszczynski von Polen (1714-1719), in: Die Wiege der Könige. 600 Jahre Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, hrsg. von Charlotte Glück-Christmann, Zweibrücken 2010, S. 152.  Zurück
  2. Vgl. Glück-Christmann, S. 153.  Zurück