Attenhausen im Rhein-Lahn-Kreis

Geschichte von Attenhausen

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Attenhausen wurde 1142 als Stiftungsgut des Klosters Arnstein erstmals urkundlich erwähnt. Die Abtei hatte zu jener Zeit acht Bauernhöfe im Ort. Die Mitra im Wappen von Attenhausen nimmt noch heute Bezug auf die historische Verbundenheit mit diesem Kloster. Damals hieß der Ort noch Hattenhausen. In einer Urkunde von 1146/56 wird er Hattenhusen genannt.[Anm. 1]

Wie die ganze Umgebung gehörte auch Attenhausen zum Einrichgau mit dem Gericht in Marienfels unter der Herrschaft der Grafen von Arnstein. Der letzte dieser Grafen, Ludwig III., übergab das Gebiet 1140 seinem Vetter Reinhold von Isenburg und zog sich kinderlos in sein selbstgegründetes Kloster zurück. 1160 wurde der Einrich von den Isenburgern an die Grafen von Nassau und die Grafen von Katzenelnbogen verkauft. 1255 teilte sich das Haus Nassau in eine walramische und eine ottonische Linie, 1260 entstanden Alt- und Neukatzenelnbogen. Ab jenem Jahr nennt man dieses Herrschaftsgebiet deshalb das "Vierherrische".

Das Dorf Attenhausen war von jeher eine Filiale des Kirchspiels Kördorf, wurde aber nach 1813 zusammen mit Singhofen ins Kirchspiel Seelbach eingepfarrt.[Anm. 2] Die Nassauer Grafen führten zwischen 1535 und 1540 die Reformation ein.

Die Getreideähren im Wappen nehmen Bezug auf die Landwirtschaft, dem wichtigsten Erwerbszweig der Dorfbewohner. Attenhausen ist auch heute noch eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde. Anfang der 1960er Jahre gab es über 60 landwirtschaftliche Mittel- und Kleinbetriebe. Heute werden die landwirtschaftlichen Flächen von drei Vollerwerbsbetrieben und ein paar Nebenerwerbsbetrieben bearbeitet.[Anm. 3] Im 18. Jahrhundert kam mit dem Bergbau in der Region eine weitere Erwerbsquelle hinzu. 1767 ist ein Attenhausener als erster Zuwanderer in Charlottenberg belegt. Er fand Arbeit in der Grube Holzappel.[Anm. 4]

Ab 1806 war der Attenhausen Teil des neu gegründeten Herzogtums Nassau, das 1866 von Preußen annektiert wurde. Seit 1946 ist der Ort Teil des Landes Rheinland-Pfalz und seit 1969 Teil des Landkreises Rhein-Lahn-Kreis. 2019 kam es zum freiwilligen Zusammenschluss der Verbandsgemeinden Bad Ems und Nassau zur Verbandsgemeinde Bad-Ems-Nassau, der auch Attenhausen angehört.

20. Jahrhundert

Am 17.07.1909 wurde der heutige Turn- und Sportverein Attenhausen e.V., damals noch als Turn-Verein „Gut Heil“ Attenhausen, gegründet.[Anm. 5] Die Chronik dieses Vereins gibt Auskunft über die Geschichte des 20. Jahrhunderts in Attenhausen. Am 09.05.1911 brach im Ort ein Brand aus, der die Scheunen der Gastwirtschaft Wilhelm Pfaff und eines Herrn Fischer zerstört. Dabei wurden auch alle Geräte des Turnvereins, die in einer der Scheunen lagerten, zerstört, was diesen in existenzielle Schwierigkeiten brachte.[Anm. 6] 1912 wird eine Bäckerei im Ort eröffnet.[Anm. 7]

Die Schulchronik zählt im Ersten Weltkrieg für das erste Kriegsjahr sechs Gefallene aus Attenhausen. Weitere Zahlen liegen dem Verfasser leider nicht vor.[Anm. 8] Am 27. Oktober 1917 kam es zu einem erneuten Brand in Attenhausen. Die Scheune und das Wohnhaus des Herrn Heinrich Ruhl brannten dabei nieder. Laut Schulchronik wurde Attenhausen am 17. Dezember 1918 von zwei französischen Kompanien und einer Maschinengewehrabteilung besetzt, diese blieben bis zum 19. Juli 1919.[Anm. 9]

Ab Februar 1921 hatte die Gemeinde elektrisches Licht, das durch die Untermühle am Dörsbach erzeugt wurde.[Anm. 10] Eine weitere Mühle, die Blechmühle, wurde am 18. Juni 1924 durch ein Feuer zerstört.[Anm. 11]

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und das Terrorregime der Nationalsozialisten begann. Nach der Gleichschaltung der Vereine 1935 kam auch die Vereinsarbeit des Turnvereins ab 1937 zum Erliegen und für 16 Jahre sind keine Aufzeichnungen vorhanden.[Anm. 12] Trotz der geringen Überlieferung sind einige Verbrechen an jüdischen MitbürgerInnen belegt. Am 19.10.1935 zerstörte Jungvolk - eine Unterorganisation der Hitlerjugend für Jungen zwischen 10 und 14 Jahren - von Attenhausen und Seelbach Gedenktafeln auf dem jüdischen Friedhof in Seelbach.[Anm. 13] Die Gemeinden des Kreises sollten "judenrein" gemacht werden. In einem Tagschachtgelände in Friedrichssegen wurden ab Juli 1941 60 Juden einquartiert. 11 Emser, 9 Lahnsteiner Juden, dazu noch Juden aus Kamp, Weyer, Lierschied, Welterod, Herschbach, Montabaur, Erbach, Eltville und Rauenthal. Tagsüber waren die Männer im Tonwerk dienstverpflichtet. Im Jahr darauf fanden in drei Schüben Deportationen statt. Am 23. Mai 1942 wurde eine Emser Jüdin nach Theresienstadt, deportiert, am 10. Juni 1942 und 28. August folgten weitere Transporte nach Theresienstadt. Mindestens 323 Jüdinnen und Juden aus 35 Orten des Kreises wurden durch das NS-Regime ermordet. Vier von ihnen stammten aus Attenhausen.[Anm. 14]

Attenhausen hat heute etwa 422 EinwohnerInnen.[Anm. 15]

Nachweise

Verfasser: Lutz Luckhaupt

Verwendete Literatur:

  • Krings, Bruno: Das Prämonstratenserstift Arnstein a. d. Lahn im MIttelalter (1139-1527). Wiesbaden 1990.
  • Matern, Wolf-Dieter (2009): Kaiserkult und Klassekicker. Wie wir wurden, was wir sind. 1909-2009. 100 Jahre Geschichte und Geschichten des Turn- und Sportvereins Attenhausen e.V. Festschrift zur Jubiläumsfeier vom 22. - 25. Mai 2009.
  • Merz, Stefan: 100 Jahre Kath. Kirche St. Anna in Seelbach 1912-2012. 100 Jahre Kirchweih "ANNE-KERB". Geschichte, Legenden und Tatsachen rund um das Kirchspiel Seelbach. Seelheim 2012.
  • Seibert, Hubertus: Zwischen Integration und Deportation. Zur Geschichte der Juden im Rhein-Lahn-Gebiet 1918-1945. In: Agnes Allroggen-Bedel (Hg.): Der Rhein-Lahn-Kreis. Landschaft, Geschichte, Kultur unserer Heimat. Oberwesel/Rhein 1987, S. 252–278.
  • Simon, Heinz: Charlottenberg. Ein Dorf bewahrt seine Geschichte. In: Förderverein "Heimatmuseum Esterau" e.V. Holzappel (Hg.): Die Esterau. Aus der Geschichte einer ehemaligen Grafschaft, S. 56–63.
  • Website der Verbandsgemeinde

Erstellt am: 31.07.2020

Anmerkungen:

  1. Website der Verbandsgemeinde. Siehe auch Krings, Bruno: Das Prämonstratenserstift Arnstein a. d. Lahn im Mittelalter (1139-1527). Wiesbaden 1990, S. 83. Zurück
  2. Website der Verbandsgemeinde. Für die Einpfarrung nach Seelbach siehe Merz, Stefan: 100 Jahre Kath. Kirche St. Anna in Seelbach 1912-2012. 100 Jahre Kirchweih "ANNE-KERB". Geschichte, Legenden und Tatsachen rund um das Kirchspiel Seelbach. Seelheim 2012, S. 16.  Zurück
  3. Website der VerbandsgemeindeZurück
  4. Simon, Heinz: Charlottenberg. Ein Dorf bewahrt seine Geschichte. In: Förderverein "Heimatmuseum Esterau" e.V. Holzappel (Hg.): Die Esterau. Aus der Geschichte einer ehemaligen Grafschaft, S. 56–63, hier S. 59. Zurück
  5. Matern, Wolf-Dieter (2009): Kaiserkult und Klassekicker. Wie wir wurden, was wir sind. 1909-2009. 100 Jahre Geschichte und Geschichten des Turn- und Sportvereins Attenhausen e.V. Festschrift zur Jubiläumsfeier vom 22. - 25. Mai 2009. Attenhausen, S. 17. Zurück
  6. Ebd., S. 21. Zurück
  7. Ebd., S. 22. Zurück
  8. Ebd., S. 24. Zurück
  9. Ebd., S. 24. Zurück
  10. Ebd., S. 25. Zurück
  11. Ebd., S. 27. Zurück
  12. Ebd., S. 30-31. Zurück
  13. Seibert, Hubertus: Zwischen Integration und Deportation. Zur Geschichte der Juden im Rhein-Lahn-Gebiet 1918-1945. In: Agnes Allroggen-Bedel (Hg.): Der Rhein-Lahn-Kreis. Landschaft, Geschichte, Kultur unserer Heimat. Oberwesel/Rhein 1987, S. 252–278, hier S. 264-265. Zurück
  14. Ebd., S. 275-276. Zurück
  15. Stand: 31.12.2019. http://www.statistik.rlp.de/de/regional/geowebdienste/bevoelkerung/. Zurück