Diethardt im Rhein-Lahn-Kreis

Diethardt

Das Kirchspiel Diethardt wurde erstmals im Jahr 1260 urkundlich erwähnt. Um 1345 wurde der Ort noch als „Dieprode“ bezeichnet, woraus sich schließen lässt, dass der Ort aus einer Waldrodung entstanden ist. Die Vorsilbe „Diet“ stammt vermutlich von dem Namen des Gründers der Siedlung, beispielsweise Dieter.

Im Mittelalter gehörte der Ort zur niederen Grafschaft Katzenelnbogen, ab 1361 zum Landgericht der vier Herren auf dem Einrich. Das bedeutet, dass Diethardt vier verschiedenen Autoritäten unterstand: Den Grafen von Hessen, Nassau, Oranien Usingen und Weilburg. Aus dieser Konstellation ergaben sich häufig Schwierigkeiten für die Einwohner*Innen, die als Leibeigene verschiedene Verpflichtungen und Abgaben zu leisten hatten. Nach dem Aussterben der Grafen von Katzenelnbogen fielen Diethardt und die umliegenden Orte der Niedergrafschaft an die Landgrafschaft Hessen.

Die Pfarrei von Diethardt war im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit im Vergleich mit den eher bescheidenen Lebensverhältnissen der umliegenden Dörfer reich ausgestattet.

Im Dreißigjährigen Krieg erfuhr Diethardt wie fast alle umliegenden Dörfer großes Leid durch die umherziehenden Truppen, Seuchen und Hungersnöte. Der Ort wurde völlig verwüstet und die Gemeindekirche zerstört. Auf Veranlassung des Landgrafen Ernst I. von Hessen-Rheinfels wurde Diethardt im Jahr 1666 neu besiedelt. Der Landgraf trägt deshalb den Ruf des „zweiten Gründers“ der Gemeinde. Die Kirche wurde ab 1738 wiedererrichtet.

Das erste Schulhaus in Diethardt wurde 1747 errichtet. Die Schule wurde ebenfalls von den Kindern der zum Kirchspiel Diethardt gehörenden Orte Weidenbach und Münchenroth besucht. Im Jahr 1818 waren es 71 Schüler*Innen, im Laufe des Jahrhunderts über 90. Mit Bau der Schule in Nastätten 1970 wurde der Schulbetrieb in Diethardt eingestellt.

1775 kam Diethardt wie andere Orte der Umgebung in den Besitz der Landgrafen von Hessen-Kassel. Von 1806 bis 1813 war das Gebiet der Niedergrafschaft unter französischer Verwaltung Napoleons (Pays réservé de Catzenellenbogen). Im Wiener Kongress 1815 schließlich wurden Diethardt und 34 andere Gemeinden dem Herzogtum Nassau einverleibt, welches wiederum im preußisch-österreichischen Krieg 1866 vom Königreich Preußen annektiert worden war. Es war zunächst der Provinz Hessen-Nassau zugeordnet und ab 1885 dem neu gegründeten Kreis Sankt Goarshausen.

Im Jahr 1905 zählte die Gemeinde 260 Einwohner*Innen.[Anm. 1]

Im Ersten Weltkrieg kämpften 33 Soldaten aus dem Kirchspiel Diethardt, mehr als zehn davon fielen. Auch die Zahl der Schüler*Innen war bis 1920 auf 50 gesunken, bis 1925/26 waren es in Folge des Kriegs nur noch 35. Trotz der Kriegswirren bekam die Gemeinde im Januar 1920 elektrisches Licht.

Der Aufstieg der NSDAP wurde in Diethardt mehrheitlich begrüßt. Nationalsozialistische Organisationen fanden regen Zulauf aus dem Dorf. Im Zweiten Weltkrieg fielen neun Soldaten aus Diethardt, sechs gelten als vermisst. Aus Münchenroth fielen acht Männer und es gibt zwei Vermisste, in Weidenbach zwei. Durch einen Fliegerangriff am 3. Oktober 1944 starben drei Zivilisten in Diethardt, sowie eine weitere Einwohnerin bei einem Angriff am 2. Februar 1945 außerhalb der Gemeinde. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es Teil der französischen Besatzungszone.

1946 kam Diethardt in das neu entstandene Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 1972 gehört es der Verbandsgemeinde Nastätten im Kreis Rhein-Lahn an. Am 10. Juni 1979 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Münchenroth mit ihren 60 Einwohner*Innen nach Diethardt eingemeindet.

Nachweise

Verfasserin: Katrin Kober

Erstellt am: 08.09.2020

Dieser Artikel basiert auf:

  • Ortsgemeinden Diethardt und Weidenbach (Hg.): Abriss zur Geschichte der heutigen Ortsgemeinden Diethardt mit Münchenroth und Weidenbach. Diethardt u.a. 2001.
  • Gemeindeverwaltung Diethardt (Hg.): 750 Jahre Diethardt. Diethardt 2010.

 

 

Anmerkungen:

  1. „Diethardt – Bevölkerung – Zeitreihen“. In: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, https://www.infothek.statistik.rlp.de/MeineHeimat/tscontent.aspx?id=103&l=3&g=0714107502&tp=2047&ts=tsPop01 (Aufruf am 28.08.2020). Zurück