Niederwallmenach im Rhein-Lahn-Kreis

Geschichte von Niederwallmenach

Die Gemeinde Niederwallmenach wird erstmals im Jahr 1139 urkundlich als „Walmelach“ erwähnt. Möglicherweise kann dieser frühe Ortsname auf das lateinische „Valiniacum“ zurückgeführt werden, was etwa Landgut des Valinius heißt. Mutmaßlich bestand hier zur Römerzeit eine kleine römische Siedlung, da auch eine Straße zum Kohortenkastell am Limes in Holzhausen durch das Gebiet führte.

In der genannten Urkunde wird festgehalten, dass der sogenannte Zehnt von Niederwallmenach dem Kloster St. Goar abgegeben werden sollte. Die Gemeinde war also dem Kloster verpflichtet.

Zwischen Niederwallmenach und Bornich befinden sich die Ruinen der Burg Heppenheft. Diese mittelalterliche Höhenburg wurde vermutlich um 1122 durch die Herren von Heppenheft oder dem Mainzer Erzbischof als Bauherrn erbaut. Sie befand sich in der Nähe einer Handelsstraße, die von der Burg aus geschützt werden sollte. Mit Erlöschen des Geschlechts von Heppenheft wurde die Burg aufgegeben, schließlich 1492 zerstört und im 18. Jahrhundert als Steinbruch zum Bau eines Gehöfts verwendet.[Anm. 1] 

Bis in das 12. Jahrhundert unterstanden Niederwallmenach und einige umliegende Gebiete im Einrich-Gau den Grafen von Arnstein. Als deren letzter Erbe 1185 starb, kam Niederwallmenach in den Besitz der Herren von Isenburg. Diese verkauften wiederum 1414 Niederwallmenach und Reitzenhain an den Grafen von Nassau-Saarbrücken, der den Besitz kaum zwei Jahre später an die Grafen von Katzenelnbogen veräußerte.

Im Besitz der Niedergrafschaft Katzenelnbogen bildete Niederwallmenach zusammen mit Reitzenhain, dem Hof Schwall bei Nastätten und der Burg Heppenheft das Gericht Niederwallmenach. Als der letzte Erbe des Hauses Katzenelnbogen 1479 starb, kam Niederwallmenach nach dem Katzenelnbogischen Erbfolgestreit zwischen den Häusern von Hessen und Nassau-Dillenburg an Hessen-Kassel.

Niederwallmenach gehörte zusammen mit den Dörfern Lautert, Rettershain und Reitzenhain zum Kirchspiel von Oberwallmenach. Das bedeutete, dass der Pfarrer von Oberwallmenach die Kirchen der einzelnen Orte betreute. Wenn es keine Kirche im Ort gab, besuchten die Bewohner*Innen den Gottesdienst in Oberwallmenach. Die evangelische Pfarrkirche von Niederwallmenach wurde von 1717 bis 1719 errichtet. Zuvor hatte es schon eine alte Kapelle im Ort gegeben, deren Baudaten nicht mehr nachvollzogen werden können.

Schon 1722 gab es eine Schule im Ort. Das Gebäude wurde 1888 auf zwei Klassenzimmer vergrößert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zählte die Gemeinde über 420 Einwohner*Innen.[Anm. 2] Mit Fertigstellung der Mittelpunktsschule in Nastätten wurden die kleinen Schulen der umliegenden Orte aufgelöst.

Von 1806 bis 1813 war das Gebiet unter französischer Verwaltung Napoleons (Pays réservé de Catzenellenbogen). Im Wiener Kongress 1815 schließlich wurden Niederwallmenach und 34 andere Gemeinden dem Herzogtum Nassau einverleibt, welches wiederum im preußisch-österreichischen Krieg 1866 vom Königreich Preußen annektiert worden war. Es war zunächst der Provinz Hessen-Nassau zugeordnet und ab 1885 dem neu gegründeten Kreis Sankt Goarshausen.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Niederwallmenach von 1923 bis 1930 französisch besetzt. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg lag Niederwallmenach nach der Einnahme durch amerikanische Truppen am 27. März 1945 in der französischen Besatzungszone. Zur Zeit des Nationalsozialismus gab es auch in Niederwallmenach NS-Organisationen. Von den in einer Quelle aus dem Jahr 1845 genannten sechzehn jüdischen Einwohner*Innen gab es schon 1933 keine Nachkommen mehr in der Gemeinde, sodass sie von antisemitischen Ausschreitungen verschont blieb. Von den 125 als Soldaten eingezogenen Bewohnern kehrten 30 nicht mehr in ihre Heimat zurück. Um die so besonders in der Landwirtschaft fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren, wurden ab Anfang 1940 Kriegsgefangene aus Polen, Frankreich und Russland nach Niederwallmenach geschickt.

1946 kam Niederwallmenach in das neu entstandene Bundesland Rheinland-Pfalz. Seit 1972 gehört es der Verbandsgemeinde Nastätten im Kreis Rhein-Lahn an.

Verfasserin: Katrin Kober

Erstellt am: 08.09.2020

Dieser Artikel basiert auf: Ortsverwaltung Niederwallmenach (Hg.): Heimatbuch der Gemeinde Niederwallmenach. Niederwallmenach 1996.

 

 

Anmerkungen:

  1. „Heppenheft“. In: BurgDirekt, http://info.burgdirekt.de/cgi-bin/r20msvcshop_detail_anzeige.pl?&var_hauptpfad=../r20msvc_shop/&var_fa1_select=var_fa1_select%7C%7C285%7C&var_te1=9 (Aufruf am 04.09.2020). Zurück
  2. „Niederwallmenach – Bevölkerung – Zeitreihen“. In: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, https://infothek.statistik.rlp.de/MeineHeimat/tscontent.aspx?id=103&l=3&g=0714107097&tp=1027&ts=tsPop01 (Aufruf am 04.09.2020). Zurück