Dautenheim in Rheinhessen

Kloster Weidas bei Dautenheim

Gedenkstein für das Kloster Weidas

Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Marienborn[Anm. 1], auch Weidas genannt, südwestlich von Dautenheim gelegen, wurde 1237 (nach Brilmayer im 12. Jahrhundert) gegründet.[Anm. 2] Bis heute zählt es zu dem urkundlich am frühesten belegten Frauenklostern im Umkreis von Alzey.[Anm. 3] Es wurde so reichlich mit Schenkungen bedacht, dass ihm fast die ganze Ortsgemarkung zustand und es die Dorfherrschaft erringen konnte.

Erstmals urkundlich erwähnt wird es im Jahr 1251[Anm. 4]. Zunächst stand das Kloster ab seiner Gründung unter dem Schutz des Pfalzgrafen. Durch geographische Erweiterungen in der Folgezeit[Anm. 5] gehörte dem Kloster später das Patronat der Kirche zu Gau-Heppenheim, der Zehnte zu Hangen-Weisheim und das Dorf Eimsheim. Der ursprüngliche Besitz des Klosters bestand vermutlich aus einem Alzeyer Reichsgut. Durch Schenkungen pfälzischer Ministerialfamilen, bezeugt ist z.B. die Schenkung des Wolfram von Löwenstein 1296, konnte das Kloster seinen Besitz vergrößern.[Anm. 6]

Anfang des 16. Jahrhunderts bezog das Kloster Einkünfte aus zahlreichen Orten. Am 22. Oktober 1531 traten die Äbtissin Apollonia von Frankenstein und der Konvent des Klosters das halbe Dorf Dautenheim an Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz ab.[Anm. 7] Darunter fiel neben der Gerichts- auch die gesamte Obrigkeit vorbehaltlich ihrer Zinsen, Gülten sowie die liegenden und fahrenden Güter.[Anm. 8] Während im Jahr 1498 20 Chorfrauen, 17 Laienschwestern, 7 Schülerinnen und eine Novizin in den Klostergebäuden lebten, nahm in der Zeit der Reformation die Anzahl der Nonnen im Kloster Weidas stetig ab, so dass sich schlussendlich neben der Äbtissin nur noch 4 weitere Nonnen dort befanden.[Anm. 9]

Mit Erlaubnis des Papstes Julius III. wurde das Kloster 1551 von der Pfalz aufgehoben und die Einkünfte der Universität Heidelberg überweisen[Anm. 10].  Das Kloster kam aber 1553 durch einen Vergleich, den Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz mit der Hohen Schule einging, mit seinen Einkünften an die kurfürstliche Rentkammer[Anm. 11] 

Aus den Steinen des Klosters – die Kirche wurde 1570-1580 abgebrochen – wurde 1584 das Alzeyer Rathaus am Fischmarkt erbaut. An diese Tatsache erinnert eine Schrifttafel an der Rathausmauer. Auch die Steine des Rathauses in Kettenheim stammen von den Klostergebäuden. Das Kloster war damit nicht mehr existent und wurde in der Folgezeit auch nicht mehr errichtet. An seinem ursprünglichen Standort erinnert heute ein Gedenkstein an das ehemalige Kloster

Grabsteine aus dem Klostergelände sind heute im Landesmuseum in Darmstadt und in der Nikolaikirche Alzey zu finden.

Nachweise

Verfasserin: Donata Gerhards

Redaktionelle Bearbeitung: Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Böhn, Georg Friedrich: Beiträge zur Territorialgeschichte des Landkreises Alzey. Meisenheim am Glan 1958. (Mainzer Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, Bd.1).
  • Brilmayer, Karl Johann: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart. Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen nebst einer Einleitung. Neudruck. Würzburg 1985.
  • Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2. Aufl. München 1985.
  • Rödel, Volker: Regesten zur Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Sion. In: Alzeyer Geschichtsblätter 25 (1990), S. 3-50.
  • Hornschild, Wilhelm: Die Steine des Klosters Weidas. In: Alzeyer Geschichtsblätter 20 (1986), S. 48-72.
  • Rödel, Volker: Regesten zur Geschichte des Zisterzienserinnenkloster Weidas. In: Alzeyer Geschichtsblätter 20 (1986), S. 73-91.

Aktualisiert am: 01.09.2017

Anmerkungen:

  1. Benannt nach einer nahegelegenen Quelle, die um 1900 versiegt ist. Siehe: Hornschild, Wilhelm: Die Steine des Klosters Weidas. In: Alzeyer Geschichtsblätter 20 (1986), S. 48-72, hier S. 54. Zurück
  2. Rödel, Volker: Regesten zur Geschichte des Zisterzienserinnenkloster Weidas. In: Alzeyer Geschichtsblätter 20 (1986), S. 73-91, hier S. 73. Zurück
  3. Rödel 1986, S. 74. Zurück
  4. Rödel 1986, S. 76, Regest Nr. 1 Zurück
  5. Hornschild 1986, S. 56. Zurück
  6. Böhn, Georg Friedrich: Beiträge zur Territorialgeschichte des  Landkreises Alzey. Meisenheim am Glan 1958. (Mainzer Abhandlungen zur mittleren und neueren Geschichte, Bd. 1), S. 126. Zurück
  7. Rödel 1986, S. 85, Nr. 43 Zurück
  8. Böhn 1958, S. 126. Zurück
  9. Hornschild 1986, S. 59. Zurück
  10. Rödel 1986, S. 87f. Zurück
  11. Ebenda, S. 91, Nr. 57. Zurück