Dreifelden im Westerwald

Zur Geschichte von Dreifelden

Dreifelden[Bild: Wolkenkratzer (gemeinfreies Bild)]

Dreifelden dürfte wie andere Orte, deren Namen die Endung -felden enthalten, um bzw. vor 1100 entstanden sein.[Anm. 1] Erstmals erwähnt wird Dreifelden im Jahr 1319. Damals gehörte der Ort zum Hof Rückeroth.[Anm. 2]

Der Graf im Engersgau Meffried, der vor 1129 die Burg Altwied errichtet, nannte sich nach seiner Burg und begründete das 1. Grafenhaus derer von Wied. Doch das von ihm begründete Geschlecht starb im Jahr 1244 aus. Ein Teil der wiedischen Güter fiel an die Grafen von Isenburg-Braunsberg, die schließlich auch die übrigen Besitztümer der wiedischen Familie in ihrer Hand vereinigen konnten. Seit dem Jahr 1388 nannten sie sich dann selbst Grafen von Wied.

Dreifelden gehörte seit dem 12. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich der Grafen von Wied. Im Umkreis des Ortes war die Familie Bell vom Hof Bellen bei Altstadt (1450-1645) begütert.[Anm. 3].

Im Jahr 1342 taucht Dreifelden erneut in einer Urkunde auf. Graf Wilhelm von Braunsberg (1324-1383) war es gelungen, die in verschiedene Besitzanteile zergliederte Grafschaft Wied wieder in einer Hand zu vereinigen. Er nannte sich nun folgerichtig Graf von Wied, Herr zu Isenburg und Braunsberg. Er war damals mit dem Kaiser und dem Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg (1307-1454) als obersten Landesherrn wegen eines Münzvergehens in Streit geraten. Auch deshalb musste er dem Erzbischof im Jahr 1342 versprechen, die Rohrburg, die er zu Dreifelden »auf dem Bruch« erbauen wollte, der Trierer Kirche zu Lehen aufzutragen[Anm. 4]. Das bedeutet, dass das Eigentum an der Burg auf den Erzbischof überging, die Burg aber in der Verfügungsgewalt des Grafen blieb. Das letzte Wort hatte allerdings der neue Eigentümer. Der Trierer wollte offensichtlich nicht hinnehmen, dass von eine dynastischen Burg in der Nähe seiner eigenen Burg Hartenfels eigenständige Ziele verfolgt wurden.

Stich der Westerwälder Seenplatte. Aus: Begleitschrift zu einer Ausstellung im Landschaftsmuseum Hachenburg 1994.

Dreifelden trat erneut in den Mittelpunkt des Interesses, als Graf Friedrich von Wied (1634-1698) sich entschloss, die Weiher der Dreifelder Seenplatte anzulegen, um Fischzucht betreiben zu können. Er weilte des Öfteren auf dem nahen Hof Schönerlen.[Anm. 5]. Gleichzeitig ließ der Graf das Haus Seeburg zu einem herrschaftlichen Hof ausbauen. Wohl in den 1650er und 1660er Jahren entstanden so der Dreifelder Weiher, der Hofmannsweiher, der Brinkenweiher (um 1660 angelegt), der Postweiher (um 1655angelgt) und der Hausweiher in ihrer heutigen Ausdehnung. Der Haiden-Weiher (1691 erwähnt), ursprünglich viel größer, wurde später verkleinert. Etwas weiter südöstlich wurde als siebter See der Wölferlinger Weiher angelegt.

Dreifelder Weiher und Haiden-Weiher werden von der Wied gespeist, der Hoffmannsweiher bekommt sein Wasser vom Fehlchesbach, während der Brinkenweiher, der Postweiher und der Hausweiher durch Stauung des Holzbaches ermöglicht wurden. Der Wölferlinger Weiher, zu einem großen Teil verlandet, empfängt sein Wasser vom Saynbach.

Am Postweiher wurde im Jahr 1912 ein Badesteg genehmigt, aus dem 1929 das Strandbad Freilingen entstand. 1950 wurde südlich des Strandbades auch ein Campingplatz angelegt.

Verschiedene Jagdaufenthalte auf Seeburg bildeten die Grundlage für die Angaben des Naturforschers, Ethnologen, Zoologen und Forschungsreisenden Prinz Maximilian zu Wied (1782-1867) zur Tierwelt des Westerwaldes, die er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts festhielt.

Gericht Dreifelden

Genannt wird Dreifelden als Ort eines Gerichtes erstmals im Jahr 1511. Die Grafen von Wied hatten in Rückeroth ein Zentgericht eingerichtet, vor dem im Rahmen der niederen Gerichtsbarkeit allgemeine Rechtsfälle verhandelt wurden. Dieses Gericht, auch »Hohe Feste Rückeroth« genannt, wird im Jahr 1427 erstmals erwähnt, dürfte aber wohl schon 1346 bestanden haben. Im Bereich dieser Hohen Feste lagen im 16. Jahrhundert die Kirchspielgerichte Dreifelden, Nordhofen, Rückeroth, Maxsain und Freirachdorf.[Anm. 6]

Im Jahr 1598 wurde aus den Kirchspielen Rückeroth und Nordhofen das Amt Selters gebildet. Somit gehörte auch Dreifelden zum Amts Selters. Ein P. Stein zu Dreifelden war 1780-1800 Schultheiß in Rückeroth.[Anm. 7]

Als das Trier Erzstift im Gefolge der französischen Besetzung des Rheinlandes im Jahr 1803 (im sog. Reichsdeputationshauptschluss) aufgelöst wurde und als oberster Landesherr ausfiel, wurden die rechtsrheinischen Gebiete des ehemaligen Erzstiftes dem Herzogtum Nassau zugeschlagen. Von Neuerungen in Dreifelden in nassauischer Zeit ist nur bekannt, dass das Schulwesen neu geordnet und eine Schule (Elementarschule) für die Gemeinden Dreifelden und Linden ins Auge gefasst wurde.[Anm. 8]. Verwaltungstechnisch gehörte Dreifelden nach wie vor zum Amt Selters.

Eine Forderung im Zuge der »Deutschen Revolution« von 1848 bestand darin, die Rechtspflege von der allgemeinen Verwaltung zu trennen. Mit Wirkung vom 4. April 1849 wurde dies für den Bereich des Herzogtums Nassau beschlossen. Das Gesetz trat am 1. Juli 1849 in Kraft. Die alten Ämter blieben als Justizämter unter der Aufsicht des Justizministeriums bestehen. Für die Verwaltung, die der Aufsicht des Innenministerium unterstand, wurden zehn Kreisämter gebildet. Die Verwaltungsaufgaben des Amtes Selters wurden vom Kreisamt Hachenburg wahrgenommen, die Rechtsprechung vom Justizamt Selters. Doch im Jahr 1854 wurden die Kreise wieder abgeschafft und die alten Ämter wiederhergestellt.

Als das Herzogtum Nassau nach der verlorenen Entscheidungsschlacht im »Deutschen Krieg« im Jahr 1866 vom Königreich Preußen annektiert wurde, teilte man die Amtsgerichte neu ein. Dreifelden lag nun im Landgerichtsbezirk Neuwied und gehörte zum Amtsgerichtsbezirk Hachenburg.

Als mit der neuen Kreisordnung von 1885 der Oberwesterwaldkreis mit dem Sitz in Marienberg entstand, wurde Dreifelden diesem Kreis zugeteilt.[Anm. 9] Die französische Besatzungsmacht vereinigte nach dem 2. Weltkrieg den nördlichen Teil ihres Gebietes, darunter auch den Oberwesterwaldkreis zum Land Rheinlandpfalz. Der zuständige Regierungsbezirk war Montabaur, seit 1968 dann der Regierungsbezirk Koblenz. Der Oberwesterwaldkreis wurde am 16. März 1974 mit dem Unterwesterwaldkreis zum Landkreis Westerwald zusammengelegt. Dieser wurde am 1. August 1974 in Westerwaldkreis umbenannt. Seit dieser Zeit ist Dreifelden Bestandteil des Westerwaldkreises.

Nachweise

Verfasser: Stefan Grathoff

Literatur:

Webadressen:

Erstellt am: 28.04.2020

Anmerkungen:

  1. Gensicke, Landesgeschichte S. 13. Zurück
  2. Gensicke, Landesgeschichte S. 145. Die Urkunde dazu liegt im Fürstliche Wiedischen Archiv in Neuwied (71). Zurück
  3. Gensicke, Landesgeschichte S. 221. Zurück
  4. Gensicke, Landesgeschichte S. 258f. Zurück
  5. Gensicke, Landesgeschichte S. 335. Zurück
  6. Gensicke, Landesgeschichte S. 42 und S. 427f. mit weiteren Einzelheiten. Vgl. ebd. S. 474f. Zurück
  7. Gensicke, Landesgeschichte S. 523. Zurück
  8. HHStA Wiesbaden Best. 241 Nr. 350. Vgl. zu den Schulinspektionen auch ebd. Abt. 211 Zurück
  9. Gensicke. Landesgeschichte S. 490f. Zurück