Nister im Westerwald

Zur Geschichte der Ortes Nister

Nister wurde im Mai 1270 erstmals in einer Schenkungsurkunde an die Abtei Marienstatt urkundlich erwähnt. Alle unterschiedlichen Deutungsansätze des Ortsnamens sehen in Nister eine alte Stellenbezeichnung, die von dem Bach abgeleitet wurde. Am wahrscheinlichsten ist die Ableitung vom indogermanischen nid-stra (fließen, strömen). Der örtliche Ursprung des Dorfes Nister war die Burg Nistria nahe der heutigen Abtei Marienstatt. Das Gebiet um den Burgberg sowie die in der Nähe befindlichen Gutshöfe bildeten die alte Ortschaft Nister. Um 1500 wandelte sich nach und nach die alte Streusiedlung in ein bäuerliches Haufendorf unter einer gleichzeitigen Verlagerung des Ortskernes um rund 3 km nach Osten zum heutigen Standort.

Zur Geschichte der Burg Nister

Die älteste Burg der edelfreien Herren von Nister scheint die Turmburg in der Nähe von Streithausen gewesen zu sein. Scherbenfunde deuten drauf hin, dass diese Burgstelle um das Jahr 950 bewohnt war. Bei Streithausen blieb nur der künstlich angelegte Hügel der Motte mit einem breiten, heute trockenem Wassergraben erhalten, der einst von der dicht dabei fließenden Nister gespeist wurde. Die angeblich heute noch vorhandenen Steinfundamente der Burg[Anm. 1], sind heute nicht mehr sichtbar.

Vielleicht schon im 11. Jahrhundert bauten die Herren von Nister im Mittelpunkt ihrer Grundherrschaft[Anm. 2], innerhalb eines Mäanders der Großen Nister knapp nw der Abtei Marienstatt ein Burg. Wenngleich für eine frühe Erbauung der Burg keine weiteren Belege vorliegen, darf man als sicher annehmen, dass die Burg Nistria (castrum Nystria) spätestens Anfang des 12. Jahrhunderts bestand. Seit 1117 ist Dietfryt von Nister benannt.[Anm. 3]

Die Herren von Nister waren ursprünglich Vasallen der Landgrafen von Thüringen. Den thüringischen Besitz im Land verwalteten die Herren von Landsberg, die damit territoriale Konkurrenten der Grafen von Sayn waren.

Mit der Heirat des Grafen Heinrich III. von Sayn (regierte 1202-1247) mit Mechthild von Meißen-Landsberg gelangte die ehemalige Siegburger Grundherrschaft Nister mit der Burg Nister als Heiratsgut an das Saynsche Grafenhaus.

Als man sich um 1180 zur Gründung von Burg und Stadt Hachenburg entschloss und gleichzeitig die Gründung der Abtei Marienstatt unterstützte, die mit der Überlassung des Baugrundes aus der Nisterer Grundherrschaft erst möglich wurde, ließ Graf Heinrich III. von Sayn die nun störende Burg Nister im Jahr 1206 schleifen.[Anm. 4] Eine weitere Überlegung kam wohl hinzu. Die Edelherren von Nister standen als thüringische Vasallen auf der Seite der Landsberger. Im Zusammenhang mit der Sayn-Landsberger Fehde musste der Graf Burg Nister als einen gegnerischen Stützpunkt ansehen, den er wohl gerne beseitigt sah. Um sie an sich zu binden, nahm der Graf die Edelherren von Nister in seine Gefolgschaft auf. Schnell erscheinen Familienmitglieder als gräfliche Statthalter in Hachenburg. Die ehemalige Burgstelle schenkte Graf Graf Heinrich III. 1222 der neu gegründeten Abtei Marienstatt.[Anm. 5]

Die Herren von Isenburg, wohl Verwandte der Vögte von Hachenburg, verzichteten 1248 auf Verlangen Mechthilds von Meißen-Landsberg, Witwe des 1247 verstorbenen Grafen Heinrichs III., auf jegliche Ansprüche auf die Grundherrschaft Nister.[Anm. 6]

Anfang des 14. Jahrhunderts bebaute Graf Johann II. von Sayn die verwaiste Burgstelle erneut. Er ließ eine neue Burg errichten, die 1340 als Burg Vroneck erstmals genannt wird, als sein Bruder Gottfried II. sie dem Erzstift Trier zu Lehen auftrug. Über diesen Neubau beschwerte sich die Abtei Marienstatt beim Kölner Erzbischof. Alle Beteiligten einigten sich darauf, die Burg wieder zu beseitigen. Nähere Einzelheiten dazu sind nicht bekannt. Im Dezember 1343 gelobten Graf Johann II. von Sayn und seine Ehefrau Elisabeth den Vertretern der Abtei, den Burgberg vor dem Kloster nie mehr zu verbauen bzw. zuzulassen, dass andere dies tun würden.[Anm. 7]. Im Juli 1344 war Burg Vroneck bereits abgetragen.[Anm. 8]

Anmerkungen:

  1. Vom Leben im Hachenburger Land S. 28 Zurück
  2. Gensicke, Landesgeschichte S. 197. Die Abtei Siegburg hatte bei ihrer Gründung um 1065 von Erzbischof ANno von Köln Güter zu Nister erhalten. Die Herren von Nister hielten die Vogtei über diese Besitzungen. Zurück
  3. Gensicke, Landesgeschichte S. 197 Zurück
  4. MRUB III Nr. 34; Gensicke, Landesgeschichte S. 197; Nach den sog. Marienstatter Tafeln soll GRaf Heinrich III, die Burg 1211/1212 geschleift haben. Zurück
  5. Struck, Cistercienserkloster Nr. 8. Zurück
  6. Vgl. HHStA Wiesbaden Best. 1032 Nr. 7; MRUB 247 von 1272. Zurück
  7. Struck, Cistercienserkloster Nr. 140. Zurück
  8. HHStA Wiesbaden Best. 1032 Nr. 7; Struck, Cistercienserkloster Nr. 415. Zurück