Kell am Mittelrhein

Zur Geschichte von Kell

Zu sehen ist die Klosterruine in Bad Tönisstein
Klosterruine in Bad Tönisstein[Bild: Wikipedia]

Der kleine Ort Kell befindet sich knapp 10 km von der Kernstadt Andernach entfernt. Zwischen dem Brohltal und dem Richtung Eich führenden Pöntertal gelegen, gehört Kell bereits zur Eifel und ist dem Landkreis Mayen-Koblenz angegliedert. 

Ursprüngliche Lage

Laut alter Überlieferungen soll Kell früher an anderer Stelle, in unmittelbarer Nähe des heutigen Dorfes gelegen haben. Heute befindet sich hier das Flurstück "Plaitsdorf". Die Gründe für eine Verlagerung der Ortsgemeinschaft werden auf zwei Thesen gestützt. Zum einen soll der Ausbruch der Pest, zum anderen großer Wassermangel für das Aussterben des Ortes "Plaitsdorf" verantwortlich gewesen sein. Die erste These besagt, dass sich die gesunden Einwohner von Plaitsdorf während der Pestperiode nach 1666 in Andernach und Plaidt von den Pestkranken absondern wollten und etwas weiter nördlich zogen. Für die zweite Vermutung spricht die Tatsache, dass im Flurstück "Plaitsdorf" wegen des felsigen Bodens wenig Wasser zu finden ist, während das Gebiet des heutigen Kell sehr wasserreich ist. Dies belegen die vielen Brunnen im Dorf.

Zum ersten Mal erscheint der Name „Chella“, wie der Ort ehemals hieß, in einer Urkunde von 1103. Im Jahre 1147 wird Kell abermals in Verbindung mit der Bestätigungsurkunde der Laacher Güter von Papst Eugen erwähnt. Darin geht es um die Schenkung eines Hofes an die Abtei Laach, wobei es sich wahrscheinlich um den in der Gemarkung Kell gelegenen Hof im heutigen „Gertrudenweiden“ in der Nähe des Jakobsthals handelt.

Erweiterung und Herrschaftsgebiet

Es folgten zahlreiche Ankäufe von Höfen sowie eines Weinbergs in Kell, den der Ritter Johann von Deytze und sein Sohn Otto Wepeling dem Mönch Wilhelm von Ketge im Jahre 1395 abkauften. Im Gegensatz zu den Weinernten, die weniger Ertrag einbrachten, waren die Ernteerträge in Kell damals wohl beachtlich. Dies wird insbesondere aus dem Geschichts- und Urkundenbuch des „Kloster Laach“ ersichtlich, in dem es heißt: „So ward der freiadelige Hof in Kell eine der schönsten Besitzungen. Abgesehen von dem halben Ertrag an Trauben gab der Hof jährlich 75 Malter (1 Malter = 15) gutes Korn, 2 Malter Erbsen und 15 Reichstaler bar an Pacht.“ In der Mitte des 17. Jahrhunderts bestand der Hof bereits aus einem zwei Morgen großen Garten (ein „Morgen“ ist ein altes, bis etwa 1900 verwendetes Flächenmaß. Ursprünglich war es jene Fläche, die mit einem einscharigen Pferde- oder Ochsenpflug an einem Vormittag pflügbar ist), mit Mauern umgeben, 175 Morgen Ackerland, 27 Morgen Ödland, 20 Morgen Wiesen und 5 Morgen Weinbergen.

Im Jahre 1670 stand Kell unter der Herrschaft der Grafen von Bassenheim und bestand bereits aus 40 Bauernhäusern mit ca. 21 Morgen bebauter Fläche und Gärten. Hinzu kam das adelige Gut, der Pönterhof, damals im Besitz von Walbott von Bassenheim sowie der Rheinecker-Hof, Eigentum der Rheinecker Burggrafen. Desweiteren besaß der Graf von Sinzendorf-Rheineck noch 24 ha Wiesen zu Kell.

Kell unter Französischer Lehensherrschaft

Nach der französischen Besetzung des linken Rheinufers durch die Franzosen im Jahre 1795 wurde das gesamte Gebiet in Kantone eingeteilt, woraufhin Kell für 20 Jahre zum Kanton Andernach gehörte. Die Größe von Kell umfasste 1797 rund 79 Häuser und 354 Einwohner. Die Gemarkung beinhaltete um 1808 etwa 271 ha Ackerland, 10 ha Wiesen, 4 ha Weinberge und 207 ha Wald. Im selben Jahr soll der Hof für 28 920 französische Franken verkauft worden sein und war daraufhin eine eigenständige Gemeinde. Mit der Neuorganisation der Verwaltung durch Preußen gehörte Kell ab 1815 zu der "Bürgermeisterei" Burgbrohl, deren Verwaltung es bis zum 07. November 1970 unterstand. Daraufhin wurde Kell ein Stadtteil von Andernach. Bei der Angliederung lebten in Kell ca. 660 Menschen, im Jahre 2010 hatte der Ort ca. 970 Einwohner.

 

Nachweise

Verfasserin: Irina Holzer
Verwendete Literatur:
Franz-Josef Heyen (Hg.): Andernach. Geschichte einer rheinischen Stadt. Andernach 1988, S. 435-444.
Erstellt am: 26.02.2013