Oberwinter am Mittelrhein

Zur Geschichte von Oberwinter

Das Bild zeigt die Rheinpromenade von Oberwinter
Oberwinter vom Rhein aus gesehen[Bild: Wikipedia]

Der Remagener Stadtteil Oberwinter liegt am linken Rheinufer an der Südspitze der Insel Nonnenwerth. Das Gebiet war schon vor der Ankunft der Römer, die der Siedlung den Namen vinitorium ("Winzerort") gaben, dicht besiedelt. Die erste Erwähnung Oberwinters findet sich in einer Urkunde des Klosters Prüm aus dem Jahr 886. Im Mittelalter bildete der Ort zusammen mit Birgel, Bandorf, Einsfeld, Kirchdaun und Gimmingen die "Herrlichkeit Oberwinter", deren wichtigste Grundherren die Reichsritterschaft Landskrone, genauer die Linien Quad und Manderscheidt, waren.

Die Landskroner Linie derer von Quad unterstand wiederum dem Pfalzgrafen bei Rhein als ihrem Lehnsherren. Nachdem Kurfürst Friedrich II. die Reformation in der Kurpfalz eingeführt hatte, galt das evangelische Bekenntnis ab 1565 auch in Oberwinter. Nach dem Erlöschen der Grafen von Manderscheidt kam das Dorf jedoch seit 1593 mehr und mehr unter die Kontrolle des Herzogtums Jülich-Berg, was wiederum eine Rückkehr zum katholischen Bekenntnis nach sich zog. Bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) hatte Oberwinter bereits mehrmals die Seiten gewechselt. Entsprechend verfahren waren die konfessionellen Verhältnisse im Dorf.

Im Lauf des Krieges selbst hatten die Bewohner hier wie überall entlang des Rheins unter Einquartierungen und Plünderungen zu leiden, die sich im darauffolgenden Pfälzischen (1688-1697) und Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) fortsetzten. Nach dem Tod des letzten Herren von Quad fiel die "Herrlichkeit Oberwinter" 1766 vollständig an das Herzogtum Jülich-Berg.

Als im Jahr 1794 die Zeit der französischen Besatzung begann, lösten sich auch in Oberwinter die alten Herrschaftsverhältnisse auf. Das Herzogtum Jülich ging 1801 mit dem Frieden von Lunéville nach siebenjähriger Besatzung auch offiziell an Frankreich über. Oberwinter gehörte seitdem zum französischen Kanton Remagen, alle geistlichen Güter wurden verweltlicht. Nach der Niederlage Napoleons im Jahr 1815 kam das Dorf dann an Preußen.

Die neue Verwaltung veranlasste mehrere Straßenbaumaßnahmen und sorgte für stabile politische Verhältnisse. Seit den 1890er wurde Oberwinter von der Reblauskatastrophe heimgesucht, weshalb viele Winzer in den darauffolgenden Jahren den Weinbau aufgeben und z.B. Obstbäume pflanzen mussten. Eine uralte Tradition, die das Dorf jahrhundertelang geprägt hatte, ging so zu Ende. Es gab aber auch wirtschaftliche Fortschritte: 1899 erhielt die Gemeinde einen eigenen Bahnhof, so dass sich mit dem Aufkommen des Fremdenverkehrs neue Einnahmequellen ergaben. Das änderte sich allerdings schlagartig mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Das Ausbleiben der Fremden trug zur den wirtschaftlichen Schwierigkeiten dieser Zeit, verursacht durch Arbeitskräftemangel und Nahrungsmittelknappheit, zusätzlich bei. Insgesamt fielen 53 Oberwinterer im Ersten Weltkrieg.

Die Zwanziger Jahre brachten dem Rheinland neben französischer Besatzung, Inflation und der gescheiterten Ausrufung einer "Rheinischen Republik" auch verheerende Rheinhochwasser in den Jahren 1920, 1924 und 1926. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Reich wurden auch in Oberwinter oppositionelle Gemeinderatsmitglieder aus ihren Ämtern gedrängt und durch Parteigänger der NSDAP ersetzt. In die Dreißiger Jahre fällt der Bau der heutigen B9 entlang des Rheins, der unter den Oberwinterern für Unwillen sorgte und sogar zu öffentlichen Protestkundgebungen führte, die von der örtlichen Parteiführung unterdrückt wurden. Widerspruch gegen die politischen Verhältnisse regte sich auch in der evangelischen Gemeinde, die mit Kirchenrat Dr. Carl Sachsse von einem Vertreter der "Bekennenden Kirche" geleitet wurde.

Im Zweiten Weltkrieg fielen mehr als 50 Oberwinterer. Noch kurz vor Kriegsende kam es zu einem Luftangriff auf den vor Oberwinter ankernden Rheindampfer "Goethe", bei dem ungefähr 20 russische Kriegsgefangene getötet wurden. Am 7. März 1945 überschritten schließlich die Amerikaner den Rhein bei Remagen und nahmen das Dorf ein.

Nach dem Krieg hatte die Entscheidung für Bonn als neue westdeutsche Hauptstadt auch Auswirkungen auf Oberwinter. Die stetig wachsende Gemeinde nahm immer mehr Zugezogene aus dem Bonner Raum auf, die hierher kamen, um die landschaftliche Schönheit des Mittelrheins zu genießen. 1969 wurde Oberwinter ein Stadtteil von Remagen.

Nachweise

Verfasserin: Sarah Schrade
Verwendete Literatur: Hans Atzler und Heinz Wilms: 1100 Jahre Oberwinter 886 - 1986; und Bandorf, Birgel, Rolandseck. Rommerskirchen 1986.
Erstellt am: 15. Januar 2013