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Hinweis

Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Glossar von regionalgeschichte.net verfasst. Im Zuge der Umgestaltung des Glossars zu einem primären definitorischen Glossar im Jahr 2018, wurde dieser Beitrag aus dem Glossar entfernt und wird stattdessen hier als kurzer Aufsatz zur Verfügung gestellt.

Was ist ein Ritter

1.Ritter

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Der Stand der Ritter ist hervorgegangen aus der berittenen Gefolgschaft der germanischen Heerführer, vor allem aber aus der berittenen Kriegerschaft unter den karolingischen (751-814) und sächsischen Kaisern (919-1024). Diese Kriegerschaft bestand aus abhängigen Vasallen bzw. unfreien Dienstleuten (Ministerialen), die ihren Herren, den Fürsten und Grafen, u.a. zu Kriegsdiensten verpflichtet waren. Sie mußten in den Krieg ziehen, wenn der König von ihren Herren, den Fürsten und Grafen, militärische Unterstützung forderte. Aus diesem Kreis der berittenen Kämpfer entwickelte sich der "Beruf" des Ritters (miles). Grundsätzlich konnte jeder, ob frei oder unfrei, als Ritter dienen. Doch dazu eigneten sich nur solche Männer, die zum Reiterkampf ausgebildet waren und dank eines entsprechenden Besitzes die hohen Kosten für Kriegsausrüstung aufbringen konnten.

Als unter den salischen Königen (1024-1125) das Rittertum aufblühte, hatte es sich bereits zu einem regelrechten Stand entwickelt, der von seinen Angehörigen die Führung einer ritterlichen Lebensart, angemessene Rüstung und Bewaffnung sowie die förmlich durch die Schwertleite  verliehene Ritterwürde verlangte. In der Stauferzeit (1138-1250/54) erlebte das Rittertum seinen Höhepunkt. Um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert wurde die Ritterschaft zu einem Geburtsstand. Nun konnte nur noch Ritter werden, wer von einem Ritter abstammte, also ritterbürtig war (Abschließung des Ritterstandes). Als Sohn eines Ritters trug man, solange man nicht zum Ritter erhoben war, die Bezeichnung Edelknecht.

2.Schwertleite

Ursprünglich wurden die Edelknechte durch die sog. Schwertleite zum Ritter ernannt. Die Zeremonie der Schwertleite ist zwar erst seit Mitte des 12. Jahrhunderts bekannt, wird aber mit Sicherheit schon früher praktiziert worden sein.

Berühmt geworden ist die Schwertleite an Pfingsten 1184 auf dem großem Mainzer Hoffest, bei der beide Söhne Kaiser Friedrich Barbarossas (1152-1190) zu Rittern ernannt wurden.

Wie es bei der Schwertleite zuging, kann man anhand verschiedener Schilderungen in der höfischen Dichtung nachvollziehen. Am Vorabend des großen Tages nahm der Edelknecht zunächst ein rituelles Bad, um sich von seinen Sünden rein zu waschen. Am Abend begab er sich, nur mit einer einfachen Mönchskutte bekleidet, in die Kirche. Sein Schwert, seine Rüstung und sein Familienwappen wurden auf dem Altar niedergelegt, und der Anwärter verbrachte die Nacht betend und fastend bei seinen Waffen (Waffenwacht, Sporenwacht). Diese Nachtwache endete bei Tagesanbruch mit einer Morgenmesse. Dann wurde der Kandidat in edle Kleider gehüllt. Ein rotes Gewand sollte ihn an die Pflicht erinnern, notfalls sein Blut für den christlichen Glauben zu vergießen, und schwarze Strümpfe sollten ihn an den Tod mahnen. Dann wurde ihm feierlich sein Schwert an einem Waffengurt umgebunden. Als weiteres Zeichen seiner Ritterwürde überreichte man ihm (vergoldete) Sporen. Bei Tristans Schwertleite, die Gottfried von Straßburg anschaulich schildert, wurde Tristan noch einmal besonders auf die Pflichten und Tugenden des Ritters hingewiesen: ,,Jetzt ist dein Schwert gesegnet, jetzt bist du Ritter geworden, bedenke nun auch die ritterliche Ehre, deinen Stand, deine Person, deine Geburt, deinen Adel, sei demütig ohne Falsch, wohl erzogen, dem Armen gütig, den Mächtigen gegenüber hochgesinnt, halte dein Äußeres schön, ehre und liebe die Frauen, sei freigebig und treu, unverdrossen, dies immer wieder von neuem."

3.Ritterschlag

Während der Regierungszeit Karls IV. (1346-1378) setzte sich der Ritterschlag gegenüber der Schwertleite immer mehr durch. Erstmals erwähnt wird der neue Ritus im Jahr 1354. König Karl erhob in diesem Jahr die beiden Herren von Cararra zu Rittern, indem er ihnen mit der flachen Hand auf den Hals bzw. den Nacken schlug (collapa) und die Zeremonie mit der Anheftung der Sporen besiegelte.

Angeblich soll König Karl selbst im Jahr 1331 zusammen mit 200 anderen Knappen am gleichen Tag den Ritterschlag empfangen haben. Einem Bericht des Johann von Beka zufolge soll bereits 1246 der Ritterschlag unter dem Interregnumkönig Wilhelm von Holland (1248-1256) praktiziert worden sein. Doch die Schilderung Bekas wird für wenig glaubwürdig gehalten. Für Frankreich dagegen gibt es bereits aus dem 12. Jahrhundert glaubhafte Berichte über den Ritterschlag.

Bevor der Ritterschlag erfolgen konnte, musste der angehende Ritter kniend einen Eid leisten: Er gelobte, stets tapfer, edelmütig und großherzig zu sein, Selbstbeherrschung und Bescheidenheit zu üben, keinen Verrat zu begehen, Notleidende zu beschützen, dem Lehnsherrn "treu und hold" zu sein und seinen Pflichten als christlicher Ritter stets nachzukommen. Als äußerliche Zeichen der Ritterwürde trug er neben den Sporen, das Schwert, den Wappenschild und den Rittergurt.

Im ausgehenden Mittelalter kam verschiedentlich auch noch eine goldene Halskette hinzu. Wer keiner Ritterfamilie entstammte, also nicht ritterbürtig war, erhielt bei seiner Erhebung in den Ritterstand auch ein Wappen.

Den Abschluss der Rittererhebung bildete meist ein großes Festessen mit Musik und Tanz; bei hoch gestellten Persönlichkeiten konnte auch ein Turnier im Rahmen des Festakts stattfinden. Im ganzen Mittelalter wurde der eigentliche Schlag mit der Hand ausgeführt, der Ritterschlag mit dem Schwert auf die Schulter kam erst später auf.

4.Ritteralltag

Die tugendhaften Gelöbnisse des Rittereids erwecken den Eindruck, der Ritteralltag sei vor allem von höfischem Betragen und christlichen Idealen geprägt gewesen. Die Wirklichkeit sah aber oft ganz anders aus als es in der höfischen Dichtung geschildert wird. Das Leben eines Ritters war meist entbehrungsreich und bestimmt von Kampf. Gewalttaten, wie Beraubungen, Verstümmelungen und Tötungen von Gegnern und Gefangenen waren während der zahlreichen Fehden an der Tagesordnung.

Der Ritter war aber nicht nur Krieger, der seinen Besitz verteidigte, Fehden austrug und im Dienst seines gräflichen oder königlichen Herrn in den Krieg zog, sondern auch bäuerlicher Grundherr, der die Landwirtschaft seiner Bauern im Burgumfeld leitete. Seine grundherrlichen Pflichten durfte der Ritter nicht vernachlässigen, denn er war auf die Einnahmen aus Ackerbau und Viehzucht angewiesen, um sich die teure Kriegsausrüstung und die zuweilen mehrwöchigen Reisen überhaupt leisten zu können. Zwischen den Kriegsfahrten kehrten die Ritter stets auf ihre Güter zurück, legten Waffen und Rüstung beiseite und zogen ihr bäuerliches Gewand an. Ärmere Ritter mussten sich nicht selten sogar selbst hinter den Pflug stellen und hatten manchmal keinen höheren Lebensstandard als die Bauern.

5.Niedergang des Rittertums

Der Niedergang des Rittertums setzte Mitte des 13. Jahrhunderts ein. Die Krise begann, als das staufische Königtum abtreten musste und die aufstrebenden Fürsten sich lange Jahre auf keinen König einigen konnten. Viele staufischen Parteigänger, vor allem Ritter und Ministerialen, wurden "arbeitslos" und mussten, wenn sie nicht selbst über Güter und Einkünfte verfügten, in die Dienste eines vermögenden Herrn treten. Die Zahl der beschäftigungslosen Ritter erhöhte sich noch, als die gescheiterten und oftmals sozial entwurzelten Kreuzritter aus Palästina zurückkehrten. Mit diesen Ereignissen ging ein nachhaltiger Wandel in den Herrschaftsstrukturen, der Kriegführung, in Handel und Landwirtschaft einher.

Als sich die politische Landschaft zu ändern begann, wandelte sich auch die Funktion des Ritters. Die vielen kleinen Rittergüter wurden im Laufe der Zeit von mächtigeren Gebietsherren aufgekauft und vereinnahmt. Viele Ritter verloren so ihre relative Selbständigkeit als Lehnsmann und mussten sich bei mächtigen Herren verdingen, die sie für ihre Dienste nur noch mit Geld bezahlten. Die Entwicklung vom Lehnsmann zum bezahlten "Untertan" bedeutete einen entscheidenden Strukturwandel, der das Ende des Feudalismus einleitete und den Weg zum Staat ebnete.

Viele Ritter konnten sich den neuen Verhältnissen nicht anpassen und gerieten ins Abseits. Ihr wirtschaftlicher und sozialer Niedergang zog sich über mehr als zwei Jahrhunderte hin. Als "letzter Ritter" wird gemeinhin Kaiser Maximilian I. von Habsburg (1486-1519) bezeichnet. Mit der Verkündigung des "Ewigen Landfriedens" und der Modernisierung des Kriegswesens hatten die Ritter ihre Bedeutung endgültig verloren.

6.Schwindendes Selbstbewußtsein

Der tief verwurzelte Glauben und die Frömmigkeit waren wesentliche Grundlagen des Rittertums. Dieses Bewusstsein bildete den Zusammenhalt der Ritterschaft, eine Gemeinschaft von Rittern, die ähnlich dachten und für die gleiche Sache kämpften. Dies zeigte sich vor allem in den Kreuzzügen, denn die Ritter waren überzeugt, Gotteskrieger zu sein, die für die gerechte Sache und den wahren Glauben kämpften.

Während der 1. Kreuzzug (1096-1099) ganz unter französischer Leitung stattgefunden hatte, standen 1147 der Staufer Konrad III. (1138-1152) und der französische König Ludwig VII. (1131-1180 ) zusammen an der Spitze der Kreuzzügler. Während dieses 2. Kreuzzuges (1147-1149) kamen die deutschen Ritter verstärkt mit französischen Rittern zusammen, deren militärisches Gewusst-Wie und deren kulturelle Errungenschaften von den deutschen Rittern in vielen Bereichen (Lebensgewohnheiten, Waffen, Bauweise) übernommen wurden und Eingang in den deutschen Sprachgebrauch fanden (Donjon, Turnier, Visier usw.).

Wie sehr das Rittertum von religiösen Empfindungen durchdrungen war, zeigen die zahlreichen Visionen, das Erscheinen von helfenden Engeln und Heiligen, welche die Kreuzfahrer häufig gehabt haben sollen. Man war darüber hinaus zutiefst davon überzeugt, dass diejenigen Ritter, die im Krieg für Gott ihr Leben ließen, in das ewige Himmelreich einziehen würden.

Nach der vernichtenden Niederlage und dem endgültigen Verlust der Heiligen Stätten für das Christentum brach für die Gottesstreiter eine Welt zusammen. Sie fühlten sich von Gott verlassen, denn ihre hohen Ideale und das ritterliche Weltbild waren ins Wanken geraten. Das Selbstbewusstsein war erschüttert und das Rittertum verlor seine überlegene Kraft. Darüber hinaus machte sie immer stärker bemerkbar, dass die Kampfweise der stark gepanzerten und unbeweglichen Ritterheere überholt war.

Das "moderne" Heer bestand eher aus leicht gerüsteten Fußtruppen, die dank großer Mobilität und des optimalen Einsatzes der verschiedenen Truppenteile und Waffen wesentlich erfolgreicher kämpften.

Da es immer weniger Verwendung für sie gab, stürzten sich zahlreiche Ritter desillusioniert in ruinöse Fehden und Auseinandersetzungen mit Nachbarn.

Der Wegfall ritterlicher Ideale führte zu regelrechten Degenerationserscheinungen. Der Dichter Ulrich von Liechtenstein (ca. 1200-1275) klagt in seinem Buch "Frauendienst" (1255) zwar über den Verfall der höfischen Sitten, führte aber selbst das Leben eines vor allem der Renommiersucht erlegenen Ritters. Er soll als Frau verkleidet von Venedig nach Böhmen gezogen sein, um seiner Geliebten zu imponieren. Auf dieser Reise forderte er jeden Ritter zur Tjost heraus und versprach jedem, der sich zum Kampf stellte, einen goldenen Ring. Wer ihm unterlag, sollte sich zu Ehren seiner Angebeteten nach allen vier Himmelsrichtungen verneigen. Wer ihn besiegte, sollte als Preis seine Pferde bekommen. Es heißt, Ulrich habe auf seiner Reise innerhalb eines Monats 271 Ringe verteilt, im Kampf 307 Speere verstochen, aber alle seine Pferde behalten. All dies spricht für ritterliches Können und Reichtum, aber auch für die Narrheit Ulrichs. Er soll sich auch einen Finger abgehackt und diesen zusammen mit einem Liebesbrief seiner Angebeteten zugeschickt haben.

7.Wirtschaftlicher Abstieg

Der wirtschaftliche Niedergang vieler Ritter hing von mehreren Faktoren ab. Die aufkommende Geldwirtschaft verdrängte allmählich vor allem in Handel und Gewerbe die bisher übliche Naturalwirtschaft. Immer mehr Waren konnten nur gegen Geld erworben werden. Die "Ware" der Ritter, der Kriegsdienst, ließ sich aber nicht ohne weiteres in Geld aufrechnen. Viele Ritter verfügten zwar über Einkünfte aus Lehen- und Pachtgütern, die zwar die Getreide- und Weinlager füllten, aber nicht unbedingt Geld einbrachten. Wenn sich die Naturalien nicht zu Geld machen ließen, mangelte es ihnen an Barem. Da sie Verbindlichkeiten aller Art immer häufiger mit Geld bezahlen mussten und auch Waffenkäufe und andere Anschaffungen zunehmend nur noch mit Geld möglich waren, musste sich die Ritter Geld beschaffen. Liehen sie sich die benötigte Barschaft, drückten sie Schulden und Zinsen. Verpfändeten oder verkauften sie ihre Güter, beraubten sie sich ihrer Lebensgrundlage. Die Folgen waren Verarmung und gesellschaftlicher Abstieg.

In den Städten entwickelte sich aus der niederadligen Ministerialität eine Oberschicht, das sog. Patriziat. Im Zuge der wachsenden Demokratisierung ging die Stadtherrschaft vom Patriziat allmählich in die Hände der Zünfte über. Einige Niederadlige wichen dem Druck aus, zogen aufs Land und teilten dort das Los ihrer ritterlichen Standesgenossen. Andere passten sich an und taten es den städtischen Händlern gleich. Zwischen den "reichen Pfeffersäcken" in den Städten und den "armen Rittern" auf dem Land entbrannte eine tiefe Feindschaft, die sich in zahlreichen Fehden entlud.

Wer sich den neuen Gegebenheiten nicht anpasste und auf seinem gewohnten Ritterdasein beharrte, lebte mehr schlecht als recht auf seiner Burg oder musste sich bei reicheren Herren verdingen, um mit niederen Dienstleistungen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Einige Ritter wollten weder den sinkenden Lebensstandard hinnehmen noch fremden Herren dienen. Uneinsichtig und trotzig verlegten sie ihre Erwerbstätigkeit auf weniger ritterliche Handlungen: Sie nahmen sich, was sie nicht hatten, überfielen und plünderten Bauern, beraubten vorbeiziehende Kaufleute oder nahmen sie als Geiseln, um Bargeld zu erpressen. Doch obwohl massiv gegen diese "Raubritter" vorgegangen wurde, darf man nicht annehmen, dass überall nur gesetzlose Zustände herrschten.

Seit der Regierungszeit König Rudolfs von Habsburg (1273-1292) sind Maßnahmen gegen diese unritterlichen Räuber bekannt. König Rudolf ließ solche "landschädlichen Leute" gefangen nehmen, hinrichten und ihre Burgen zerstören.

Die Herren, die als "Raubritter" ihren Lebensunterhalt verdienten, waren absolut die Ausnahme. Sie taten ohnehin nur, was sie in den Ritterfehden kennen gelernt hatten. Doch übten sie jetzt Gewalt und Totschlag ohne fehderechtliche Grundlage. Die Übergriffe dieser Ritter waren vor allem den Handel treibenden Städtern ein Dorn im Auge, und sie waren es auch, die voller Wut die Bezeichnung "Raubritter" prägten.

Obwohl diejenigen Ritter, die ihren Lebensunterhalt mit Raub bestritten, eine ausgesprochene Minderheit darstellten, erfreuten sich ihre bisweilen spektakulären Beutezüge zu allen Zeiten großer Beachtung. Die übermäßige und teilweise reißerische Berichterstattung über das "Raubritterunwesen" in den zeitgenössischen Quellen, denen sich spätere Darstellungen bereitwillig anschlossen, haben den Eindruck entstehen lassen, jede zweite Burg sei der Stützpunkt eines räuberischen Burgherren gewesen. Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Nur wenige Adelige, denen es nicht gelang, sich auf die veränderte Situation einzustellen und neue Erwerbsquellen zu erschließen, wählten das Räuberdasein. Sie konnten es nicht verwinden, dass für die traditionellen Aufgaben des Ritters in der spätmittelalterlichen Gesellschaft kein Platz mehr vorhanden war. So versuchten sie, mit unrechtmäßigen Mitteln ihrem finanziellen Ruin und sozialen Abstieg zu entgehen. Ihre zuweilen einträglichen Raubzüge wurden bald von Königen, Adligen und Städten bekämpft und unterbunden. Das Raubrittertum blieb eine Episode, fand aber gleichwohl großen Widerhall in der Literatur.

8.Das Ritterbild in den Chroniken

Über das Leben der Ritter auf ihren Burgen herrschte bei ihren Zeitgenossen eine sehr geteilte Meinung. Folgt man den Quellen, so bestand die Arbeit des Ritters im Kampf. Die Helden der Romane ritten den ganzen Tag in der Gegend herum und erlebten ein Abenteuer nach dem anderen, um ihrer großen Liebe zu gefallen oder sie zu erobern. Einige Sittenpredigern des ausgehenden Mittelalters werfen den Rittern dagegen vor, auf Kosten der Allgemeinheit den großen Herrn zu spielen. In der Chronik des Sebastian Franck aus dem Jahr 1536 heißt es etwa:

Sie treiben keine andere Hantierung als Jagen, Beizen, Saufen, Prassen, Spielen, sie leben von Renten, Zinsen und Gülten in Überfluß köstlich. Da ist nichts denn Rennens, Stechens, Turnierens, sein Schild, Stamm und Namen hoch Aufwerfens, Spielens, Kriegens, Hetzens, Herrschens, Müßiggehens, Übermut Treibens ... sie halten köstliche Häuser, haben einen besonders prangenden Gang.

Der Kartäusermönch Werner Rolevink beschreibt dagegen den Adel ganz anders:

Sie entstammen edlen Geschlechtern, sind von hohem Wuchs, haben riesige Körperkräfte und auch rege Köpfe, sind von Natur aus gutmütig. Viel Böses lehrt sie und zu vielen Übeln treibt sie die unglückliche Armut ... Wie ich glaube, könntest du es nicht ohne Tränen mit ansehen, wie die hübschen Junker tagtäglich um ihr kümmerliches Brot und Kleid kämpfen.

Text: Stefan Grathoff