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Alte Universität Mainz (1477-1798)

von Wolfgang Stumme

0.1.Erste Universitäten in Europa

Bevor sich im Hochmittelalter in Mittel- und Westeuropa erste Universitäten etablierten, gab es bereits im Alten Ägypten, in der europäischen Antike und in Mesopotamien erste Ausbildungszentren. [Anm. 1]
Die ersten Universitäten in Europa entwickelten sich aus Kloster- und Domschulen. 1088 wurde in Bologna, Oberitalien, die erste Universität errichtet. Es folgten Universitätsgründungen im 12. Jh. in England (Oxford, 1170), im 13. Jh. in Spanien (Salamanca, 1218), Frankreich (Toulouse, 1229) und Portugal (Lissabon, 1290).
Die ersten Universitäten im deutschsprachigen Raum – Prag (1348), Wien (1365), Heidelberg (1386), Köln (1389) und Erfurt (1389) – wurden im 14. Jh. gegründet. In Deutschland nahmen die Universitätsgründungen ab dem 14. Jh. erheblich zu. Für viele kleine Herrschaften war eine Universitätsgründung ein geeignetes Mittel zur Mehrung des Ansehens und der Macht, aber auch zur Kontrolle über die Ausbildung der eigenen Eliten. Diese Entwicklung führte dazu, dass Deutschland am Ende des Mittelalters zum hochschulreichsten Land in Europa wurde.

0.2.Gründung der Mainzer Universität im Jahre 1477

Gründungsurkunde der Universität in Mainz von 1476[Bild: Stadtarchiv Mainz]

In Deutschland sind Universitäten im Mittelalter in der Regel durch päpstliche Errichtungsbriefe oder kaiserliche Gründungsurkunden entstanden.
Kurfürst Diether von Isenburg, Erzbischof von Mainz, entschied sich – er war ja selbst Repräsentant der Kirche – für den päpstlichen Errichtungsbrief. Er wandte sich 1476 mit der Bitte an den Papst, die Mainzer Universität mit denselben Privilegien der renommierten, viel älteren Universitäten von Bologna, Paris und Köln auszustatten. Außerdem bat er darum, in der päpstlichen Bulle [Anm. 2] klarzustellen, dass die in der Mainzer Hochschule erworbenen Titel europaweit garantiert würden.
Der damalige Papst, Sixtus IV, entsprach dem Wunsch des Kurfürsten. Die beiden einleitenden Sätze der päpstlichen Bulle, mit der 1477 die Gründung der Mainzer Universität genehmigt wurde, lauteten in deutscher Übersetzung:
“Sixtus, Bischof, Knecht der Knechte Gottes zum ewigen Gedächtnis des folgenden Sachverhalts:
Der Herr hat uns ohne unser Verdienst auf den Posten der höchsten apostolischen Würde gesetzt, und von dort richten wir gleichsam als Hirte der gesamten uns anvertrauten göttlichen Herde unseren Beobachterblick so hoch und so weit wie möglich auf alle unserer wachen Fürsorge übertragenen Länder der Gläubigen und achten auf ihr Wohlergehen und ihren Vorteil, und wir erwägen sorgsam in unserem Herzen, dass durch das Studium der Wissenschaften die Gläubigen reich an Kenntnissen werden, das Richtige vom Unrechten unterschieden wird, die Wolken der Unwissenheit vertrieben, die Verehrung des göttlichen Namens und der Dienst des katholischen Glaubens ausgebreitet, die Gerechtigkeit gepflegt, das Gemeinwesen und die Privatangelegenheiten wohl verwaltet werden und alle Hoffnung auf Besserung des Menschenloses Auftrieb erhält. Deshalb fühlen wir uns veranlasst und halten es auch für angemessen, unsere Hirtensorge eifrig darauf zu richten, wie solche Studien an hierfür gut geeigneten Orten zu gründen und einzupflanzen und tagtäglich mit Gottes Hilfe zu mehren sind und wie gelehrte Männer andere in die Wissenschaft einführen und sie dann mit akademischen Graden schmücken können.”
[Anm. 3]
Die Sprache dieser Gründungsurkunde erscheint uns heutzutage floskelhaft. Sie ist aber typisch für die damalige Zeit.
Anders als sein Vorgänger, Kurfürst Adolf II. von Nassau, der ja bereits über die päpstlichen Universitätsprivilegien verfügt hatte, aber nicht in der Lage war, die vom Papst geforderten 300 rheinischen Goldgulden aufzubringen, gelang es Kurfürst Diether von Isenburg jedoch, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, Lehrer zu berufen und die Finanzierung zu sichern.
Am 1. Oktober 1477 wurde die Universität feierlich von Kurfürst Diether von Isenburg eröffnet.

0.3.Das mittelalterliche Universitätsviertel

Mitten in der Mainzer Altstadt, entstand das erste Universitäts-Viertel. Die St. Christophskirche (erbaut: 1292 – 1325) war die erste Universitätskirche in Mainz.
In unmittelbarer Umgebung befanden sich die Bursen, in denen die Studenten gemeinsam mit ihren Lehrern lebten und in denen auch die Lehrveranstaltungen abgehalten wurden. Zu den ersten Bursen gehörten der ‘Hof zum Gutenberg’, in dem der Erfinder der Buchdruckkunst, Johannes Gensfleisch, gen. Gutenberg geboren wurde, sowie der ‚Algesheimer Hof‘, in dem Gutenberg vermutlich gestorben ist. [Anm. 4] Beide Gebäude waren in Folge der Stiftsfehde (1459 - 1463) von Kurfürst Adolf von Nassau konfisziert worden und wurden nun der Universität von seinem Nachfolger Diether von Isenburg zur Verfügung gestellt. 1509 kam dann der ‚Hof zum Schenkenberg‘ [Anm. 5] als weitere Burse dazu.
Der Hof zum Schenkenberg wurde bereits 1520 durch den Zukauf von Nachbargebäuden erweitert. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts wurde dieser frühere Adelshof als Burse genutzt. [Anm. 6]

0.4.Das Grundstudium in der ‚Artistenfakultät‘

Mittelalterliche Universitäten verfügten immer über eine sogenannte Artistenfakultät. In dieser Fakultät wurden die sieben freien Künste, die "artes liberales” [Anm. 7], gelehrt. Die Artistenfakultät hatte die Hauptaufgabe, den meist noch sehr jungen Studenten, die mit ganz unterschiedlicher Vorbildung an die Universität gekommen waren, jene Allgemeinbildung zu vermitteln, die sie für das eigentliche Studium in der Theologischen, der Juristischen oder der Medizinischen Fakultät benötigten.
Das Studium der sieben freien Künste in der Artistenfakultät gliederte sich in das Trivium und das darauf aufbauende Quadrivium.
Das Trivium umfasste Grammatik (also Lateinunterricht), Rhetorik und Dialektik (Logik). Dieser Studienabschnitt schloss mit einer Zwischenprüfung, dem Baccalaureat („examen ad baccalaureatum“), ab, nach deren Bestehen der Student den untersten akademischen Grad eines Baccalaureus artium erlangte.
Zum Quadrivium gehörten die Disziplinen Arithmetik, Geometrie, Musik (Musiktheorie) und Astronomie. Nach dem Abschluss des Quadriviums und dem Ablegen der entsprechenden Prüfung konnte nach insgesamt 4 bis 5 Jahren der Magistergrad erworben werden.

0.5.Die höheren Fakultäten (Theologie, Jura, Medizin)

Viele Universitäten in Europa hatten neben der Artistenfakultät nur eine oder zwei „höhere Fakultäten“. Die Mainzer Universität konnte jedoch von Anfang an neben der Artistenfakultät alle drei höheren Fakultäten errichten.
Wer die Universität nicht verließ, begann nun mit dem Studium an einer höheren Fakultät (Theologie-, Jura- oder Medizin), das mit dem Doktorgrad abgeschlossen werden konnte. Viele dieser Magister unterrichteten parallel zu ihren eigenen weiterführenden Studien auch jüngere Studenten der Artistenfakultät – d.h. sie waren zugleich Studenten und Hochschullehrer.

0.6.Aufbau des Studiums im Jahr 1477

Aufbau des Studiums an der Universität Mainz im Jahre 1477
[Bild: Wolfgang Stumme]

0.7.Personalia

Jährliche Wahl des Rektors
Als Besonderheit wurde in Mainz die jährliche Rektorwahl eingeführt.
Hierfür konzipierte Jakob Welder eine dreistufige Wahlordnung für die jährliche Rektorwahl. Zunächst bestimmten die vier Fakultäten, die Artistenfakultät (die Fakultät der sieben freien Künste) sowie die Theologische, die Juristische und die Medizinische Fakultät in getrennten Sitzungen je einen Wahlmann; diese vier Wahlmänner wählten ihrerseits jeweils einen weiteren Vertreter der vier Fakultäten sowie einen ‘virum dignum’ (einen würdigen Mann) aus der Reihe der Studenten. Durch eine Art Losverfahren wurde das so gebildete Neunergremium auf einen engeren Kreis von drei Wahlmännern reduziert, die die eigentliche Wahl des Rektors zu treffen hatten. Erst nach vollzogener Wahl konnten sie das Konklave in der Karmeliterkirche verlassen.
Erster Rektor der Mainzer Universität wurde der vormalige Dekan des St. Peter-Stiftes: Jakob Welder; nach ihm ist heute eine Straße auf dem Campus der Universität benannt. Welder stammte aus Siegen und hatte vier Jahre zuvor schon bei der Gründung der Universität in Trier eine wichtige Rolle gespielt.
Der Rektor stand an der Spitze der Universitätsverwaltung, so dass er nicht nur die Verantwortung für die Finanzen wahrnahm, sondern auch überblickte, welche Studenten eingeschrieben waren. Er vertrat die Universität nach außen. Daneben hatte er auch die Gerichtsgewalt über die Hochschulangehörigen.

Kanzler
Als Kanzler der Universität hatte Papst Sixtus IV. in der Stiftungsbulle bereits Georg Pfinzing ernannt. Pfinzing war zuvor Probst der Kirche St. Mariengreden in Mainz. Der Kanzler manifestierte die kirchlich-obrigkeitliche Macht. Seine Hauptaufgabe waren die Überwachung von Prüfungen und die Vergabe von Titeln. Somit hatte er die Möglichkeit, Einfluss auf die Lehrangebote zu nehmen.

Professoren
Im Jahr 1477 berief der Kurfürst 14 Professoren:

  • Sieben Professoren für die Fakultät der sieben freien Künste (Artistenfakultät) sowie
  • zwei Theologie-,
  • vier Jura- und
  • einen Medizinprofessor.

Einer der vier Jura-Professoren lehrte weltliches römisches Recht, die übrigen lehrten kirchliches Recht.

Kanonikate zur Finanzierung der Professoren
Die 14 Professoren wurden aus den Einkünften von 14 Kanonikaten mit den dazu gehörenden ‘Präbenden’ [Anm. 8] innerhalb des Bistums Mainz finanziert.
Mainz (innerhalb der Stadtmauer): Liebfrauen, St. Johannes, St. Stephan
Mainz (außerhalb der Stadtmauer): St. Viktor, St. Peter, St. Alban, Maria im Felde
Fritzlar: St. Peter
Aschaffenburg: St. Peter und Alexander
Bingen: St. Martin
Frankfurt am Main: St. Bartholomäus, Liebfrauen, Maria und Georg (vormals St. Leonhard)
Oppenheim: St. Katharinen

Dass der Kurfürst die Versorgung der Professoren durch derartige "Lektoralpräbenden” fundierte und somit die Erstausstattung der Hochschule mit 14 Lehrstühlen weit über die Verhältnisse anderer Anstalten hervorheben wollte, spiegelt etwas von seinem Ehrgeiz wider, in Mainz eine große Landesuniversität zu errichten, die seiner Funktion und seinem Rang als Erzkanzler des Reiches und als Vorsitzender des Kurfürstenkollegs angemessen sein sollte.
Die 14 Professoren unterrichteten ca. 100 Studenten. Eine Forschung im heutigen Sinn gab es an den Universitäten noch nicht.

0.8.Vorlesungen

Im Zentrum des akademischen Lehrbetriebes standen die Vorlesungen, denen im Mittelalter wohl ein noch höherer Stellenwert zukam, als dies heutzutage der Fall ist. [Anm. 9]
Eine mittelalterliche Vorlesung machte ihrem Namen alle Ehre: Sie bestand meist wirklich aus dem Vorlesen (lectio) des Lehrstoffes, der wegen der seltenen und somit kostbaren Bücher wohl auch kaum anders zu verbreiten gewesen wäre. Der Dozent bettete dieses Vorlesen in Ausführungen über Entstehung und Bedeutung des Textes ein, daraufhin erklärte er das Vorgelesene Satz für Satz, Wort für Wort. Die Vertiefung des Stoffes erfolgte im Wege von Rededuellen (disputatio), bei denen nach scholastischer Methode zwei widersprüchliche Thesen einander gegenübergestellt wurden – auf diese Art und Weise sollten einerseits gesicherte Erkenntnisse erreicht und andererseits das Wissen der Studierenden überprüft werden.

0.9.Zur Bedeutung eines universitären Abschlusses

Ein mittelalterliches Studium [Anm. 10] diente den meisten Studenten nicht zum Erwerb akademischer Grade, es war häufig von vorneherein nicht einmal auf einen Abschluss hin angelegt. Die klare Mehrheit der Studierenden gehörte an allen Universitäten der Artistenfakultät an, deren Besuch als Voraussetzung für eine der höheren Fakultäten galt.
Schon dieser Umstand beweist die hohe Zahl von „Studienabbrechern“, die die Universität wieder verließen, ohne ein Studium der Theologie, Jurisprudenz oder Medizin überhaupt angefangen zu haben, häufig sogar ohne einen Abschluss an der Artistenfakultät. ‚Scholaris simplex‘ nennen die zeitgenössischen Quellen diesen Studententyp, der im Schnitt nur 1,8 Jahre an der Universität verweilte, um sie dann ohne jeden Titel oder Abschluss wieder zu verlassen. Nicht selten legten mehr als 50 Prozent der Studenten eines Studiums Generale dieses Studienverhalten an den Tag. Das Phänomen des scholaris simplex muss differenzierter gesehen werden:

  • Die Artistenfakultät sollte eine Art Grundbildung vermitteln, deren Schwerpunkte die lateinische Sprache und mathematische Kenntnisse bildeten. So umfasste die rhetorische Unterweisung (als Teil des Triviums) auch die vielseitig verwendbare Briefschreibekunst, deren Beherrschung bereits zur Übernahme unterer Verwaltungsaufgaben befähigt haben mag. Insofern werden die dem Studienanfänger zu vermittelten Allgemeinkenntnisse durchaus ein Anreiz für die Immatrikulation, nicht aber zum Studium über die Artistenfakultät hinaus gewesen sein.
  • Weiterhin darf das geringe Alter der Studenten nicht außer Acht gelassen werden, die im Schnitt 14 bis 16 Jahre alt waren, wenn sie zur Universität kamen. So könnte auch ein gewissermaßen jugendlicher Wankelmut den häufigen Studienabbruch ebenfalls mit beeinflusst haben.
  • Darüber hinaus werden wohl auch die mit einem Hochschulstudium einhergehenden Kosten einiges zur Abbruchsstatistik beigetragen haben. So waren Kost und Logis, Lehrmittel und (zumindest darüber besteht Einigkeit) auch Prüfungsgelder zu bezahlen.Ÿ 

Dazu kommen jene, die das Trivium erfolgreich meisterten, um dann mit dem untersten universitären Grad eines Baccalaureus artium die Heimreise anzutreten.
Aber auch unter den verhältnismäßig Wenigen, die ihre Magisterprüfung ablegten und dann ein weiterführendes Studium antraten, finden sich noch viele, die ihre Studien ohne einen Abschluss in der danach gewählten Disziplin beendeten.
Die Gründe für dieses Verhalten sind vielschichtig: So befanden sich zumindest Mediziner und Theologen noch über Jahrhunderte hinweg in Konkurrenz mit ihren nichtstudierten Kollegen, zwingende Ausbildungswege für diese Berufe, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht. Infolgedessen dürfte das Hauptanliegen der Studenten eher auf die Erlangung von Kenntnissen und Fertigkeiten gerichtet gewesen sein, als auf den Erwerb eines akademischen Grades, dessen sie sowieso nicht zwingend bedurften. Dieser Umstand erklärt die vielen Studienabbrecher der höheren Fakultäten.
Wer ein Studium an der Universität, in die er sich zunächst eingeschrieben hatte, nicht vollendete, ist möglicherweise auch an eine andere Universität gegangen.

0.10.Bursen

Die Bursen waren bestimmten Fakultäten zugeordnet. Sie wurden als Wohn- und Lehrgemeinschaften genutzt. (In den englischen colleges hat sich diese Form studentischen Lebens noch erhalten.) Einer Burse stand in aller Regel ein Magister vor, der Lebensführung und Studieneifer der noch jungen Studenten zu überwachen und die Einhaltung gemeinschaftlicher Regeln durchzusetzen hatte.
Das Gemeinschaftsleben vollzog sich nach einer festen Tagesordnung. Der Tag begann gemeinschaftlich um 5 Uhr und endete um 21 Uhr. Vorlesungen wurden vormittags und nachmittags gehalten.
Die meisten Studenten waren Söhne von Kaufleuten, wohlhabenden Handwerkern und zunehmend von Adligen, die bald erkannten, dass neben der Abstammung auch eine solide Ausbildung für einen beruflichen Erfolg wichtig war. In seltenen Fällen erhielten finanziell benachteiligte Studenten auch Stipendien.
Weibliche Studenten gab es keine, die deutsche Universität des Mittelalters war eine reine Männergesellschaft.

Verhaltensregelungen für Studenten
Studienanfänger verfügten bereits über einige Grundkenntnisse der lateinischen Sprache, die ihnen z. B. auf einer Klosterschule vermittelt worden waren. Dennoch war der Lateinunterricht fester Bestandteil des Grundstudiums. Das Beherrschen der lateinischen Sprache, die als Wissenschaftssprache von keiner mittelalterlichen Universität hinweg zu denken war, war eine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Studium.
Als Studienanfänger konnte nur aufgenommen werden, wer in einer Burse wohnte und ordnungsgemäß immatrikuliert war. Infolge des jungen Alters der Studenten gab es eindeutige Verhaltensregeln. Die Magister hatten die Studenten zu regelmäßigem Kirchgang, zur Teilnahme an Prozessionen, zum Empfang der Sakramente sowie zu gesittetem Betragen in der Burse, der Kirche und auf der Straße anzuhalten. Die Bursen waren abends nur bis zu einer bestimmten Zeit geöffnet; wer zu spät kam, wurde bestraft.
Die Regelungen lassen erkennen, welche Verfehlungen damals häufig vorkamen <ANM<Für die Zeit zwischen 1710 und 1734 sind Ausschreitungen von Studenten gegenüber Juden, deren Wohnviertel unmittelbar an das Universitätsviertel angrenzte, nachgewiesen. Die Ausschreitungen erfolgten meistens in den freien Tagen nach der jährlichen Rektorwahl. : Der Besuch von Vorlesungen wurde kontrolliert: Versäumnisse – u. a. auch die Verwendung der deutschen Sprache – wurden ebenso bestraft wie Wirtshausbesuche, Waffentragen, ungebührliche Kleidung und häusliche Störungen. Jeden Donnerstag dagegen durfte der Spielleidenschaft nachgegangen werden.

Verhaltensregelungen für Magister
Auch die Lehrer wurden zu anständigem Verhalten aufgefordert. Insbesondere wurden sie vor dem Umgang mit Frauen von zweifelhaftem Ruf gewarnt. Sie sollten sich nicht gegenseitig die Schüler abwerben, sich nicht laut über das Essen in der Mensa beschweren und interne Angelegenheiten nicht an die große Glocke hängen.

0.11.Exkurs: Die Jesuiten in Mainz

Wie überall in Deutschland spielten im 16. Jh. die Jesuiten – eine von Ignatius von Loyola [Anm. 11] 1534 gegründete Ordensgemeinschaft der katholischen Gegenreform – auch in Mainz eine zentrale Rolle. Kurfürst Daniel Brendel von Homburg berief auf Empfehlung des Kaisers 1561 Jesuiten, die seinerzeit führend in der Ausbildung waren, nach Mainz. Grund für die Berufung war wohl der zunehmende humanistische Einfluss an der Mainzer Universität. In der juristischen Fakultät wurde zudem hauptsächlich das römische Zivilrecht unterrichtet, während eigentlich das kanonische (also kirchliche) Recht die Norm war. Auch die Anwesenheit von Anhängern Luthers und Zwinglis in Mainz verstärkten den Einfluss des Humanismus in der katholischen Universität. Etwa ab dem Jahr 1520 versuchte die Universität dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit der Reformation hatte ihren Höhepunkt erreicht und der damalige Erzbischof Albrecht von Brandenburg (1514 – 1545) wollte die Universität von allen nicht-katholischen Einflüssen befreien.
Die Jesuiten hatten einen enormen Zulauf. Die Zahl der Schüler und Studenten explodierte. 1590 waren allein im Jesuitenkolleg ca. 900 Schüler.
Als Kirche nutzten sie zunächst die Chistophskirche. 1577 wurde den Jesuiten auf Anordnung des Kurfürsten das Franziskanerkloster überlassen.
Kurfürst Daniel Brendel von Homburg (1555 – 1582) übereignete dem Jesuitenorden den ‘Algesheimer Hof, in dem sie ein Kolleg einrichteten. Eine wesentliche Erweiterung brachte dann die teilweise Nutzung des Hofes zum Schenkenberg, der durch den Erwerb von Nachbargebäuden erweitert worden war. Die Schüler lebten und besuchten das erste Gymnasium in Mainz im Jesuitenkolleg.
Bereits ein Jahr später (1562) wurde ihnen von Daniel Brendel die Mitgliedschaft und Lehrerlaubnis an der (allgemeinbildenden) Artistenfakultät der Universität erteilt. Zusätzlich übertrug man dem Orden die Priesterausbildung und ernannte 1562 gegen den Widerstand der Professoren mehrere Jesuiten zu Inhabern von Theologie-Lehrstühlen.
Im Jahr 1615 erwarben die Jesuiten vor dem Franziskanerkloster sechs kleine Häuser. Dies wurde der Baugrund für die "Domus Universitatis”, die die Mainzer als Alte Universität kennen. Die Domus Universitatis wurde unmittelbar vor dem Dreißigjährigen Krieg (1618) in Betrieb genommen. Sie war ein reines Schul- und Hörsaalgebäude und damit das erste dieser Art in Mainz. In der Aula im obersten Geschoss wurden u. a. von Jesuiten geschriebene Dramen aufgeführt.
1773 übernahm die Universität das Hörsaalgebäude als Domus Universitatis. [Anm. 12]
Das Ende der Jesuiten in Mainz [Anm. 13] kam mit dem Verbot des Jesuitenordens im Jahre 1773 [Anm. 14] durch Papst Clemens XIV. Damit war der Weg frei für einen grundlegenden Paradigmenwechsel.
Durch das Verbot des Ordens verlor die Scholastik deutlich an Einfluss. An die Stelle der Ausrichtung der Lehre an der Antike einerseits und dem Christentum andererseits trat in der Zeit der späten Aufklärung mehr und mehr naturwissenschaftliches Denken.

0.12.Neue Burse

Auf der nördlichen Seite der Großen Bleiche, die noch nach dem Dreißigjährigen Krieg Burgstraße [Anm. 15] hieß, standen bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts einfache Fachwerkhäuser. 1710 wurden diese Gebäude im Zusammenhang mit der Trockenlegung und systematischen Bebauung des Bleichenviertels abgerissen. Der Kurfürstliche Kapaunen-Stopfer [Anm. 16] - Anton Wilckening errichtete an der Westseite des Neubrunnenplatzes, in der Burgstraße 27 und 27 1/10 zwei barocke Gebäude.
1740 kaufte Kurfürst Philipp Karl von Eltz die Gebäude für 13.000 Gulden und übereignete sie der Universität. Die Gebäude am Neubrunnenplatz erhielten den Namen "Neue Burse”.
Das dem Neubrunnen zugewandte Gebäude verfügte über breite Treppenaufgänge mit kunstvoll geschnitzten Geländern. Die Decken, an denen Kristalllüster hingen, waren reichlich mit Stuck verziert, und an den Wänden hingen wertvolle Tapeten.
Im großen Saal zum Neubrunnen hin fanden die Vorlesungen, Disputationen und Promotionen statt. In dem Raum hinter dem Hörsaal war die Bibliothek untergebracht. Im Zimmer zur Großen Bleiche hin wurden Prüfungen abgehalten. In einem Nebengebäude befand sich der Karzer der Universität.
Nach 1793 verblieben in diesen Räumen nur noch die Universitätsbibliothek [Anm. 17] und der Karzer.
1891 hatte der Universitätsfonds die Gebäude verkauft. Bei dem großen Bombenangriff am 27. Februar 1945 wurden sie und der noch erhaltene Karzer zerstört.

0.13.Universitätsapotheke

1747 erhielt die Universität eine eigene Apotheke, die "Universitätsapotheke zum Güldenen Engel“. [Anm. 18]

0.14.Botanischer Garten und Anatomie

Ebenfalls im Jahre 1747 wurde zwischen Heidelbergerfassgasse, Schloss, Hinterer Bleiche und Kaiserstraße ein Botanischer Garten mit Treibhäusern und Schulgärten angelegt.

Geplant war auch ein Neubau für die Anatomie [Anm. 19] im Bleichenviertel, der jedoch nie realisiert wurde.

0.15.Universitätsreform

Bereits Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763 – 1774) hatte ein aufgeklärtes Reformprogramm begonnen. Dies betraf die Bereiche der Verwaltung, der Wirtschaft, des Rechtswesens und der Finanzen. Auch die Armenfürsorge war davon betroffen. Ebenso bekamen Schulen und Klöster den "frischen Wind” zu spüren. Die Klöster wurden von den aufgeklärten Herrschern häufig als überholte Einrichtungen angesehen, bei denen sich ungeheure Reichtümer und zu große Macht angesammelt hatten. Dieser neue Geist war in der zweiten Hälfte des 18. Jh. in Europa weit verbreitet und dürfte auch zur Aufhebung des Jesuitenordens beigetragen haben. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) war eines der wichtigsten Bollwerke kirchlichen Einflusses auf die Bildung gebrochen.
Der Kurfürst begann, die Universität neu zu organisieren. Nach seinem Tod im darauf folgenden Jahr führte Kurfürst Karl von Erthal (1774 – 1802) die begonnenen Reformen konsequent weiter. Er hatte in Anselm Franz von Bentzel (1738 – 1786) einen gebildeten und mit Organisationstalent ausgestatteten Mann gefunden, der Anfang der 1780er Jahre eine Hochschulreform durchsetzte. Er führte die Mainzer Universität an die Spitze der katholischen Universitäten im Reich – u. a. durch eine Abkehr von der mittelalterlichen Scholastik und eine Öffnung gegenüber der Aufklärung. Männer mit Rang und Namen wurden in dieser Epoche der Spätaufklärung nach Mainz berufen. So z. B. Mediziner wie Johann Peter Weidmann, Georg Christian Wedekind und Samuel Thomas Sömmering, die das hohe Niveau der Medizinischen Fakultät begründeten, aber auch der Leitende Universitätsbibliothekar Johann Georg Forster, der Historiker Johannes von Müller oder der Nationalökonom Friedrich von Pfeiffer. Die Studentenzahl stieg immerhin vom Jahr 1783 bis zum Jahr 1786 von 440 auf 727 an.
Im Sinne der Toleranzbestrebungen wurden Professoren mit Rang und Namen, darunter auch Protestanten, in dieser Epoche der Spätaufklärung nach Mainz berufen; m Sinne der Toleranzbestrebungen jener Zeit gestattete man auch Juden und Protestanten die Promotion an der Universitas Moguntina semper catholica.

0.16.Universitätsfonds

Gründungsurkunde der Universität in Mainz von 1476[Bild: Stadtarchiv Mainz]

Die seit der Gründung der Universität in Mainz im Jahre 1477 bestehenden ökonomischen und personellen Verflechtungen mit geistlichen Stiften und klösterlichen Gemeinschaften wurden beendet. Die Universität wurde finanziell auf eigene Füße gestellt und erhielt eigenes Vermögen – den "Universitätsfonds“. Zu diesem Zweck wurden mit Billigung des Papstes Pius VI. (1775 – 1799) und des Kaisers Joseph II. (1765 – 1790), aber gegen den erbitterten Widerstand aus der Mainzer Bevölkerung, die Klöster Kartause (außerhalb der Stadt gelegen), Reichklara (jetzt: Naturhistorisches Museum) und Altmünster aufgelöst. Der Grundbesitz dieser Klöster – und damit auch die daraus zu erzielenden Einkünfte – wurden dem Universitätsfonds übertragen.
Der Universitätsfonds existiert noch heute und macht die Universität Mainz zu einem der größten Grundbesitzer des Landes Rheinland-Pfalz.

0.17.Zwei neue Fakultäten

Mit Hilfe des Universitätsfonds konnte Kurfürst Karl von Erthal 1784 zwei neue Fakultäten gründen. Zu den klassischen Bereichen Philosophie, die ihre Wurzeln in der früheren Artistenfakultät hat, Theologie, Jurisprudenz und Medizin kamen eine wirtschaftswissenschaftliche (kameralistische) und eine historisch-statistische Fakultät hinzu.
Durch die Schaffung dieser zusätzlichen, sehr modernen Fakultäten konnte es die Universität Mainz mit der damals fortschrittlichsten Universität Deutschlands in Göttingen aufnehmen und war auf dem Weg, die führende katholische Universität im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu werden.

0.18.Vorbote radikaler Veränderungen

Das Zusammenleben der Studenten mit anderen Gleichaltrigen in der Stadt war nicht immer harmonisch. 1790 gab es einen Zwischenfall. Studenten hatten einigen Schreinern auf dem Tanzboden deren Mädchen ‘abgenommen’. Die Handwerker klagten, fanden aber kein Gehör. Daraufhin beschlossen sie – denn auch sie hatten von den großen Idealen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit jenseits der Grenze gehört – sich das zu nehmen, was man ihnen verweigerte. Die Handwerksburschen zogen, nach Zünften geordnet, mit ihren Fahnen durch die Stadt und misshandelten mehrere Tage lang die Studenten, die sie sogar in deren Wohnungen aufsuchten. Die Unruhen weiteten sich schließlich zu einem regelrechten Aufstand gegen das kurfürstliche Stadtregiment und das Ancien Régime aus. Die Handwerksburschen hatten z. B. mit voran getragener Trikolore die Burse in der Großen Bleiche gestürmt. Erst fremden Truppen, die in die Stadt geholt wurden, gelang es, die Ordnung wiederherzustellen.

0.19.Das Ende der Universität

An der Universität Mainz studierten unter anderem auch viele französische Adelige. Mit ihnen und durch die geografische Nähe hielten in Mainz zunehmend die Ideen der Französischen Revolution Einzug. Im Jahr 1792 wurde Mainz von der französischen Armee erobert. Nicht wenige Professoren und Studenten sympathisierten mit den Idealen der Französischen Revolution und wandten sich den Franzosen zu, die dem Ancien Régime der geistlichen Kurstaaten am Rhein in den 1790er Jahren ein jähes Ende setzten. Nach Abschluss des Friedens von Campo Formio (1797) wurde Mainz den Franzosen übergeben und mit dem Dèpartement Mont-Tonnerre in die Republik Frankreich eingegliedert.
Die Mainzer Universität wurde 1798 unter französischer Herrschaft offiziell aufgehoben. Ein Teil der akademischen Elite wich nach Aschaffenburg, der Nebenresidenz der Mainzer Kurfürsten, aus. Es waren überwiegend Theologen und Juristen. Dort nahmen sie die Vorlesungen wieder auf.
Der Streit, ob die Universität – zumindest in Form des Universitätsfonds, des Accouchement und des Priesterseminars mit seinem Lehrbetrieb – nicht doch ohne Unterbrechung bis zur Wiedereröffnung 1946 fortbestand, ist nicht entschieden. De facto jedoch bestand die Universität zwischen 1798 und 1946 nicht.
Die in Mainz verbliebenen Professoren – es waren vorwiegend die Mediziner – hatten unter dem napoleonischen Empire verschiedene Versuche erlebt, das Bildungswesen neu zu ordnen. Eine provisorische Medizinische Fakultät, wenn auch ohne Promotionsrecht, existierte noch bis 1822.
Das Ende der kurfürstlich-mainzischen Universität wurde letztlich durch den einschneidenden politischen Umbruch der französischen Revolution und die daraus resultierenden Veränderungen herbeigeführt.

Dass die Mainzer Universität bei der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress 1814/15 nicht wieder auflebte, lag vor allem daran, dass das Großherzogtum Hessen nicht finanzkräftig genug war, um neben der Universität Gießen eine zweite Hochschule in Mainz zu unterhalten. Aus eigener Kraft, d.h. aus dem Universitätsfonds, konnte sich die Universität auch nicht mehr erhalten, zumal das Vermögen nun auf die linksrheinischen Grundstücke reduziert war.

Verfasser: Wolfgang Stumme

Redaktionelle Bearbeitung: Sarah Traub

Verwendete Literatur:

  • Alma Mater Moguntina. Die Geschichte der Mainzer Universität. URL:http://www.alte-uni-mainz.de/ (Aufruf 01.08.2016)
  • Institut für Geschichtliche Landeskunde (Hg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt - digital. CD-ROM (Redaktion: Rettinger, Elmar - Technische Realisierung: Eulberg, Peter u. a.). Mainz 2001.

Aktualisiert am: 01.08.2016

Anmerkungen:

  1. Etwa 2000 v. Chr. begann man im ‘Mittleren Reich‘ in Ägypten damit, den Verwaltungsnachwuchs nach streng festgelegten Regeln auszubilden. – Eine derartige staatliche Lenkung der Ausbildung war in der europäischen Antike unbekannt; zunächst waren es einzelne Gelehrte, die die Ausbildung vermittelten. Hieraus entwickelten sich Philosophenschulen. – Das Wissen der Antike wurde zur Zeit der Völkerwanderung in Akademien in Mesopotamien weiter getragen. – Daran knüpften im frühen Mittelalter die arabischen Koranschulen (z. B. in Bagdad und Damaskus, aber auch in Córdoba und Toledo) an. Zurück
  2. Die ‚päpstliche Bulle‘ leitet sich von der ‚bulla‘ (= Kapsel) her, mit der das kreisrunde, päpstliche Siegel geschützt wurde. Zurück
  3. Die deutsche Übersetzung der Gründungsurkunde der Mainzer Universität von 1477 wurde entnommen: Institut für Geschichtliche Landeskunde.(Hg.): 2000 Jahre Mainz. Geschichte der Stadt - digital. CD-ROM (Redaktion: Rettinger, Elmar - Technische Realisierung: Eulberg, Peter u. a.). Mainz 2001. Zurück
  4. Im Dreißigjährigen Krieg sind beide Bursen beim Einmarsch der Schweden (1631) zerstört worden. Zurück
  5. Diese Burse, die bis 1740 durch Zukäufe benachbarter Grundstücke erweitert wurde, bildet heute in etwa das Areal des Städtischen Alters- und Pflegeheimes in der Altenauergasse. Zurück
  6. Von 1701 – 1719 wurden die Gebäude nach und nach durch Neubauten ersetzt und der gesamte Komplex wurde bis 1773 als Jesuitennoviziat, danach bis 1798 als Priesterseminar genutzt. Zurück
  7. „Artes liberales“ = die „freien Künste“, d.h. die Wissenschaften, die einem freien Mann anstehen, im Gegensatz zu den „schmutzigen“, d.h. mit körperlicher Arbeit verbundenen Künsten, die seit der Antike  für einen Freigeborenen als nicht standesgemäß galten. Zurück
  8. Präbenden (von lat. „praebere“ = geben, gewähren, liefern). = ‘Pfründen’: Einkünfte aus kirchlichen Gütern. Zurück
  9. Zum Verständnis der Struktur der Vorlesungen ist auf das Wesen der Scholastik hinzuweisen: Diese von ca. 1050 bis etwa 1500 Philosophie und Theologie beherrschende Geisteshaltung, deren namhaftester Vertreter Thomas von Aquin war, ist durch den Versuch gekennzeichnet, Wissen und Glauben, Antike und Christentum widerspruchsfrei zu vereinen. Geprägt wird diese Epoche durch die Beschäftigung mit den Texten des Aristoteles. Der Umgang mit ihnen sollte den Verstand schulen und so gleichermaßen der Interpretation biblischer Texte wie der Verteidigung des Glaubens gegen Ketzer dienen. Die Orientierung an den beiden nicht zu hinterfragenden Autoritäten – also der Bibel auf der einen und Aristoteles (bzw. einer Vielzahl antiker Autoren) auf der anderen Seite – führte längerfristig, insbesondere mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften, zum Erstarren scholastischen Denkens.  Zurück
  10. Die Erlangung eines akademischen Grades war – bis hin zum Examensschmaus – genau geregelt.  Zurück
  11. Der Offizier und Kämpfer aller damaligen Waffengattungen Ignatius von Loyola wurde im Alter von 30 Jahren in der Schlacht von Pamplona (1521) durch eine Kanonenkugel schwer verletzt. Auf dem Krankenlager las er religiöse Schriften. Der nach einem Studium von ihm gegründete Orden Sociatas Jesu hatte in Europa einen bedeutsamen Anteil an der katholischen Reaktion auf die von ihr als Ketzerei betrachtete protestantische Reformation. Zurück
  12. Nach der Schließung der Universität durch den französischen Staat im Jahre 1798 wurde die Domus Universitatis als Kaserne genutzt. Von 1899 an nutzte die Höhere Mädchenschule das Gebäude bis sie 1908 einen Neubau erhielt. Heutzutage ist hier u. a. das 1950 von der französischen Militärregierung gegründete, universitätsunabhängige Institut für Europäische Geschichte sowie das "Journalistische Seminar” der Universität untergebracht. Seit 2012 ist das Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und nennt sich Leibniz-Institut für Europäische Geschichte. Zurück
  13. 1759 wurde der Orden in Portugal verboten, nachdem er sich der Krone mehrfach auch militärisch widersetzt hatte. 1764 erfolgte auch in Frankreich ein Verbot. Nachdem 1767 auch Spanien die Societas Jesu verboten hatte, verlor der Orden weite Teile Europas und fast die gesamte außereuropäische Welt. Dem Druck Portugals, Frankreichs und Spaniens musste sich Papst Clemens XIV. schließlich beugen.  Zurück
  14. 1814 wurde der Orden durch päpstlichen Entscheid wieder zugelassen. Zurück
  15. Die Burgstraße führte direkt zur Martinsburg, die erst in Napoleonischer Zeit abgerissen wurde. Zurück
  16. Ein Kapaun ist ein kastrierter Masthahn. Zurück
  17. Nach der Schließung der Universität im Jahre 1798 übernahm die Stadtbibliothek den umfangreichen Bestand, in dem sich nun auch die Bibliotheken des Jesuitenordens sowie der 1781 aufgelösten Klöster Kartause, Altmünster und Reichklara befanden. 1845 zog die Stadtbibliothek dann in das Kurfürstliche Schloss. Zurück
  18. Die in der Großen Bleiche gelegene Engel-Apotheke wirbt bis heute noch mit diesem Namen. Zurück
  19. Von 1748 (erste Erwähnung) bis1784 war die Anatomie der Universität im Zuchthaus untergebracht. Danach befand sie sich im Altmünsterkloster. Zurück