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Glossar: Buchstabe N

Nadelöhr

Mauertür

Das Nadelöhr ist ein anderer Begriff für Mannpforte oder Katzenloch (siehe dort), eine Schlupfpforte im Burg- oder Stadtmauertor.

Naginata

Naginata ist eine Schwerlanze, die zwischen 150 und 200 cm lang ist. Sie ist vermutlich in Japan während der Nara-Periode (710-784) entstanden ist. Die Naginata besteht aus einem Stock und einer Klinge.

Nasalhelm

Form des Ritterhelms

Der Ritter des 11. Jahrhunderts trug einen Helm, der aus einer halbkugeligen gerundeten oder eher spitz zulaufenden Helmschale bestand, die bis zur Stirn reichte. Die Helmschale war aus einem Stück Eisen getrieben und dadurch recht widerstandsfähig. Vorne wurde ein Nasenschutz (Nasal), ein schmales senkrecht über den Nasenrücken verlaufendes Eisenband, angenietet. Unter dem Helm trug der Ritter eine gepolsterte Kapuze bzw. eine lederne Helmhaube.  

(Text: Stefan Grathoff)

Naseneisen

Teil des Helms

Als Naseneisen wird der Schutz der Nase im Helm bezeichnet.

nassauern

Eine Leistung erschleichen (umgspr.)

Das Herzogtum Nassau hatte keine eigene Universität. Wollte ein nassauischer Gymnasialabsolvent nicht im "Ausland" (sprich: in Hessen oder irgendwo in Deutschland) studieren, blieb für ihn nur die "Hohe Schule" von Herborn. Diese besaß jedoch kein Promotionsrecht. Um nassauischen Studenten ein vollwertiges "inländisches" Studium zu ermöglichen, schloss Herzog Wilhelm von Nassau am 28. Oktober 1817 einen Staatsvertrag mit dem Königreich Hannover, wonach die Königlich Hannoversche Georg-August-Universität zu Göttingen zur Nassauischen Landesuniversität wurde. Als Anreiz zur Aufnahme des Studiums gewährte der Herzog seinen Studenten Stipendien in Form eines "Freitisches". Die Stipendiaten konnten bei einem Göttinger Wirt, mit dem die herzogliche Regierung einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hatte, umsonst essen. Blieb ein Nassauer Student dem Freitisch fern, fand sich schnell jemand, der sich als Nassauer ausgab und das Mahl einnahm. Als "Nassauer" bezeichnet man also jemanden, der auf Kosten und anstelle anderer gegessen und getrunken hatte.

Neidkopf

Abwehrsymbol vornehmlich an Burg- und Stadtmauern

An Giebeln, Toren und Türmen angebrachte Fratzen oder Tierköpfe aus Stein oder Holz, die böse Gewalten abwenden sollten (Schreckkopf). Sie stellen ein psychologisch wirkendes Abwehrsymbol dar.

Niedere Gerichtsbarkeit

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Recht im Mittelalter.

Niederungsburg

In der Ebene gelegene Burg. Niederungsburgen waren häufig Wasserburgen mit einem Wassergraben.

Nobilitierung

Standeserhebung

Die unter Karl IV. ausgebildete Adelsklassifikation mit Ritter-, Freiherren- Grafen- und Fürstenstand ist unter Standeserhebungen zusammenzufassen. Die Nobilitierung knüft einerseits an den Ritterschlag, andererseits an die Wappenverleihung an. Die Nobilitierung ist mit einer Reihe von Privilegien verbunden, die in der Regel einzeln im Adelsdiplom aufgeführt werden, darunter als wichtigstes die Führung eines adligen Wappens, der privilegierte Gerichtsstand und die Befugnis, Lehen zu tragen. Auch die Ausübung von Gerichtsrechten über eigene Untertanen sowie der Eintritt in die Reichsritterschaft, bestimmte Domkapitel und Ritterorden hatten den Adel zur Voraussetzung. Bürgerliche Gewerbe und offener Handel "zu Kram und Laden" waren dem Adligen verboten. Dies betraf vor allem nobilitierte Patrizier. Die durch die Nobilitierung erfolgte rechtliche Angleichung an den Adel verschaffte dem "Neuadel" nicht unmittelbar die intendierte gesellschaftliche Integration in die Gruppe des "Uradels" und deren Korporationen. Hier kam es darauf an, welche persönlichen Qualitäten, beruflichen Verbindungen und Finanzmittel er einbringen konnte.

Nokturnen

Näheres zu diesem Begriff finden Sie unter dem Stichwort Mönch.

Non

Klösterliches Stundengebet

Die Klosterinsassen sangen zu den verschiedenen Zeiten des Tages Stundengebete, die den Tag gliederten. Non war das Gebet zur neunten Stunde der früheren Tageseinteilung (am Nachmittag).

Noricum

Römische Provinz

Das Noricum ist ein von den Römern so benanntes Gebiet, welches grob das Ostalpengebiet südlich der Donau umfasst, also den Großteil des Gebietes des heutigen Österreichs, sowie angrenzende Gebiete Bayerns östlich des Inn und Sloweniens (Unterkärnten). Im Westen grenzte das Gebiet an Raetien, im Osten an Pannonien. Benannt wurde es nach dem Stamm der Noricer, die in diesem Gebiet siedelten. Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. stand die Region in Handelsbeziehungen mit Rom und wurde wohl zusammen mit Raetien 15 v. Chr. durch Augustus erobert. Spätestens unter Claudius wurde Noricum dann römische Provinz. Der Statthaltersitz befand sich in Virunum, dem heutigen Zollfeld bei Maria Saal in Kärnten.

Verfasser: Lutz Luckhaupt

Normanneneinfälle

Normannen fallen im 9. Jahrhundert ins Reichsgebiet ein

Die Normannen, auch Wikinger genannt, lebten im Gebiet des heutigen Dänemark und Skandinaviens. Sie waren als kühne Seefahrer und kompromisslose Kämpfer an allen europäischen Küsten gefürchtet. An der Nordseeküste eroberten sie zahlreiche Plätze und drangen flussaufwärts bis in das Moselgebiet und Burgund vor. Schon 839/40 ruderte eine erste Normannengruppe den Rhein hinauf bis Köln. In den Jahren 881/882 wurden erneut Köln und zudem Prüm und Trier geplündert. Die Normannen besiegten die Sachsen und fielen auch in den französischen Teil des Frankenreiches ein. In den Jahren 885/886 belagerten sie sogar Paris. Erst König Arnolf von Kärnten (887-899) konnte 891 die Einfälle der Normannen im ostfränkischen Reich mit seinem Sieg bei Löwen an der Dyle stoppen. Die Nordmänner setzten sich seit 911 in der Normandie fest und besiedelten von dort aus das heutige England (1066 Schlacht bei Hastings). Teile der Normannen wandten sich nach Süden, suchten das Rhônetal und die italienische Küste heim und wanderten noch im 11. Jahrhundert nach Unteritalien und Sizilien ab. Dort errichteten sie ein relativ eigenständiges Königreich.

Notariatsinstrument

Weitgehend normiertes und beglaubigtes Schriftstück eines Notars

Form der Urkundenbeglaubigung durch einen öffentlich bestellten Notare. Der Notar fertigt nach überlieferten Regeln Schrifstücke aus, die er mit seiner Unterschrift und seinem Notariatszeichen (Signet) versieht. Von Italien kommend, verbreitet sich diese Urkundenform seit dem 13. Jahrhundert auch im Deutschen reich.

Numismatik

Münzkunde

Die Numismatik ist die Kunde von historischen Münzen, deren Auswertung und Kategorisierung. Münzen stellen als "komprimierte" Informationsträger eine äußerst wichtige Quellengattung innerhalb der Geschichte dar. Eine daumennagelgroße Münze kann Auskunft über Zeit, Persönlichkeiten, Wirtschaft und sogar kulturgeschichtliche Zusammenhänge geben. Neben allgemeinen Informationen zur Münzkunde und Münze, deren Aufbau und Informationsgehalt, können auch weitere Informationen über die nebenstehenden Links gewonnen werden.

Die Numismatik gehört zu den sog. "Hilfswissenschaften".

(Redakt. Bearb. Stefan Grathoff)