Niederheimbach am Mittelrhein

Zur Geschichte von Niederheimbach

Blick auf Niederheimbach am Mittelrhein.[Bild: Georg Dahlhoff]

Der Ort Niederheimbach im Mittelrheintal liegt linksrheinisch, gegenüber der Stadt Lorch, an der Öffnung des Bacharacher Tales bei der Mündung des Heimbaches in den Rhein und zu Füßen des Soonwald-Hanges. Erste Siedlungsspuren lassen sich bereits aus der Jungbronzezeit (ca. 1300-800 v. Chr.) finden; zudem lassen sich für Niederheimbach ein keltischer Wohnplatz sowie seit dem 1. Jahrhundert Siedlungsspuren aus römischer Zeit nachweisen. Ab dem 5. Jahrhundert war Niederheimbach als Reichsgut dem fränkischen Nahegau zugehörig und Grenzort zum benachbarten Trechirgau, später dann Scheide zwischen den Bistümern Mainz und Trier sowie zwischen dem Mainzer Erzstift und dem pfalzgräflichen Viertälergebiet.

Im Jahr 815 schenkte König Ludwig der Fromme das Gebiet um Niederheimbach dem von ihm gegründeten Kloster Cornelimünster bei Aachen. Im Jahr 983 erhielt zudem der Mainzer Erzbischof durch Schenkung Kaiser Ottos II. umfassende Gerechtsame zwischen Selz und Heimbach. Von den Burgen Reichenstein und Sooneck aus wurde das Gebiet der Abtei cornelimünster um Niederheimbach und Trechtingshausen durch Vögte geschützt und in weltlicher Hinsicht verwaltet: Zunächst waren dies die Rheinboden von Bingen, ab 1213 die Herren von Bolanden und vom Jahr 1241 an schließlich die Herren von Hohenfels. Spätestens seit 1235 war für den Ort zur Unterscheidung vom jüngeren Oberheimbach der Name „Niederheimbach“ geläufig.

Im Jahr 1270 verkaufte Cornelimünster den Ort sowie die umliegenden Güter und Rechte samt den Burgen Sooneck und Reichenstein bei Trechtingshausen zu zwei Dritteln an das Mainzer Domkapitel sowie zu einem Drittel an das Mariagredenstift zu Mainz – Ortsherr war hierdurch nunmehr der Mainzer Erzbischof. Als 1290 die Hohenfelser Vogtei auf Burg Reichenstein durch Dietrich von Hohenfels an den Pfalzgrafen bei Rhein verkauft wurde, ließ der Mainzer Erzbischof um 1294 im Gegenzug die Heimburg oberhalb des Ortes als Gegenburg errichten. 1314 verzichtete Pfalzgraf Ludwig der Bayer endgültig auf Burg Reichenstein und die dortige Vogtei zur Sicherung der Stimme des Mainzer Erzbischofes für Königswahl Ludwigs im selben Jahr. Erst 1344 entschied sich die Vormachtstellung über Niederheimbach zugunsten des Mainzer Erzbischofes, indem der Pfalzgraf schließlich auf den Ort verzichtete. Zusammen mit Trechtingshausen erhielt Niederheimbach nun einen gemeinsamen domkapitelischen Amtmann mit Sitz auf der Heimburg.

Blick auf Niederheimbach und die Heimburg.[Bild: Rolf Kranz (CC BY-SA 4.0)]

In ökonomischer Hinsicht war Niederheimbach im Mittelalter sowie in der Frühen Neuzeit ein Ort von mitunter überregionaler Bedeutung: Zentral war neben dem seit 1075 verbürgten Weinbau auf den Hanglagen oberhalb des Ortes der seit 1292 bezeugte Wochenmarkt. Ein Rheinverladekran existierte in Niederheimbach seit 1396; im 15. Jahrhundert war der Ort überdies zeitweise Sitz einer Zollstelle. Jedes Schiff auf der damals klippenreichen und gefährlichen Fahrt nach Bingen nahm hier einen Lotsen an Bord. Der Lotsen- und Fährdienst war ein einträglicher Erwerbszweig für die Ortsbewohner. Darüber hinaus wies er mehrere Mühlen auf; bedeutend war seit dem 15. Jahrhundert zudem das lokale Gerbereiwesen. Nennenswerten Grundbesitz besaßen die Klöster Aulhausen und Eberbach. Darüber hinaus war der links des Heimbaches gelegene Fronhof des Kölner Mariengradenstiftes das weitaus größtes Gehöft bei Niederheimbach. 

Im 17. Jahrhundert war der Ort stark von den kriegerischen Auseinandersetzungen der Zeit betroffen: Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) erlebte er einen starken Rückgang seiner Einwohnerzahl (von 400 auf 300 Personen); im Jahr 1640 wurde Niederheimbach von den Schweden niedergebrannt. 1625 und 1666 wütete die Pest im Ort, 1678 brannte zudem der Ortsteil Hinterbach nieder. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) wurde außerdem die oberhalb Niederheimbachs liegende Heimburg zerstört.

Im 18. Jahrhundert setzten dann eine rege Bautätigkeit sowie ein starkes Bevölkerungswachstum ein – 1790 hatte der Ort an die 650 Einwohner. Ab den Jahren 1792/93 bzw. seit 1797 war Niederheimbach von den Franzosen besetzt und wurde 1798 unter französischer Herrschaft in den Kanton Bacharach im Rhein-Mosel-Département eingegliedert. Nach dem Ende der Franzosenzeit wurde der Ort schließlich 1815 Bestandteil des Königreich Preußen bzw. der preußischen Rheinprovinz sowie Sitz eines Amtes im Kreis St. Goar.

Figur des "Froschkönigs" im ehemaligen Niederheimbacher Märchenhain.[Bild: Marion Halft (CC BY-SA 3.0)]

Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts war die Gemeinde mehrfach von schwerem Hochwasser betroffen. Mit dem Bau des Eisenbahndamms der Bahnstrecke Bingerbrück–Koblenz 1858/59 (eine Bahnstation besaß der Ort ab 1878; ab 1909 existiert der heutige Ortsbahnhof) wurde Niederheimbach schließlich vom Rheinufer abgeschnitten. Dort wurde 1911 die heutige Rheinpromenade mit Lindenallee eingerichtet. 1931 eröffnete der Bildhauer Ernst Heilmann südlich der Heimburg den international beachteten Märchenhain, wodurch der Fremdenverkehr in Niederheimbach einen starken Aufschwung erlebte. Auch die Bevölkerung des Ortes war seit Mitte des 19. bis zur ersten ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark angewachsen – 1950 zählte Niederheimbach 1.229 Einwohner. Seit dem Jahr 1969 gehört der Ort zum Kreis Mainz-Bingen; 2005 hatte die Gemeinde knapp 800 Einwohner.

Nachweise

Verfasser: Felix Maskow

Literatur: 

  • Becker, Damian J.: Die Rheinischen Ortschaften Niederheimbach und Trechtingshausen und ihre Gemeinde- und Gerichtsordnung vom Jahre 1529. Trier 1912, S. 93-97.
  • Dehio, Georg (Hrsg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Rheinland-Pfalz. Saarland. 2. Aufl. Berlin 1984, S. 741.
  • Krienke, Dieter (Bearb.): Kreis Mainz-Bingen. Städte Bingen und Ingelheim, Gemeinde Budenheim, Verbandsgemeinden Gau-Algesheim, Heidesheim, Rhein-Nahe und Sprendlingen-Gensingen. Worms 2007 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz 18.1), S. 558-562.
  • Rettinger, Historisches Ortslexikon Rheinland-Pfalz. Bd. 2: Der ehemaliger Landkreis St. Goar (s. rechte Spalte).

Erstellt am: 20.06.2022