Bockenau im Naheland

Geschichte von Bockenau

Bockenau - Ortskern[Bild: giggel (CC BY 3.0)]

Die erste urkundliche Erwähnung von Bockenau geht auf den Grafen Eberhard von Sponheim (987-1044) zurück. In einer Urkunde von 1044 wurde Bockenau damals noch „Bogenau“ geschrieben. [Anm. 1] Bockenau gehörte zu der Zeit zur Vorderen Grafschaft Sponheim, die ihren Sitz auf der Kauzenburg in Bad Kreuznach hatte. [Anm. 2]

Fundstücke wie Steinbeile und Scherbenreste bei Bockenau verweisen jedoch bereits auf eine Besiedelung in der jüngeren Steinzeit (3.500-1.800 v. Chr.). Aus der nachfolgenden Bronzezeit (1.800-700 v. Chr.) können Zuwanderungen im Rahmen von Völkerwanderungen angenommen werden. Die nächsten Fundstücke stammen aus der Eisenzeit, circa 600 v. Chr., in Form von keltischen Grabhügeln, die in der Nähe von Bockenau gefunden worden. [Anm. 3] Aus der Römerzeit um circa 50 v. Chr. bis 500 n. Chr. sind Münzen in der Gegend gefunden worden, die in das 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. [Anm. 4] Bockenau gehörte damals zur römischen Provinz Obergermanien (Germania superior). [Anm. 5] Aus der danach folgenden Zeit bis ins frühe Mittelalter hinein gibt es keine Besiedelungsspuren.

Bockenau - Evangelische Kirche[Bild: giggel (CC BY 3.0)]

In einer Urkunde von Abt Johannes Trithemius (1462-1516) wird rückwirkend berichtet, dass Graf Eberhard von Sponheim (987-1044) den Grundstein zum Bau einer Kirche bei Sponheim gelegt habe. Darin ist „Bogenau“ als „bäuerliche Hofstatt“ erwähnt. Der Abt berichtet auch, dass Bockenau 1198 in Brand gesteckt wurde und komplett niederbrannte. Das damals auf der rechten Seite des Ellerbachs gelegene Dorf wurde danach auf der linken Seite des Baches wieder neu aufgebaut.

1557 kam die Reformation nach Bockenau, und mit ihr 1565 der erste evangelische Pfarrer. [Anm. 6] Die Gottesdienste wurden in der 1358 entstanden St. Jakobs Kapelle gefeiert. Ab 1700 war der evangelische Pfarrer auch für den Ort Sponheim zuständig. [Anm. 7]

Der Weinbau wurde vermutlich um das Jahr 1600 in Bockenau eingeführt. [Anm. 8] 1601 sind „34 Herdstellen mit 153 Einwohner“ in Bockenau verzeichnet. [Anm. 9] 1730 wurde der erste Lehrer in Bockenau eingesetzt und ein Schulhaus gebaut. 1748 wurde die evangelische Kirche gebaut. Sie diente bis ins Jahr 1900 als „Simultaneum“, als Kirche, die gemeinsam von evangelischen und katholischen Christen genutzt wurde und steht heute unter Denkmalschutz. [Anm. 10] Das „Simultaneum“ wurde 1695 eingeführt. [Anm. 11]

Katholische Kirche Bockenau[Bild: Edgar El (CC BY 3.0)]

Nach der französischen Revolution geriet das gesamte linksrheinische Gebiet, darunter auch Bockenau, unter französische Herrschaft. [Anm. 12] Nach dem Wiener Kongress und dem Anschluss der linksrheinischen Gebiete an Preußen wurde Bockenau 1816 dem von Preußen gegründeten Landkreis Bad Kreuznach zugeordnet. [Anm. 13]

Ab 1896 führte eine Kleinbahn zwischen Bad Kreuznach und Winterburg über Bockenau. [Anm. 14] Die Bahn bewirkte eine Teilindustrialisierung des Gebietes und u.a. auch die Inbetriebnahme eines Steinbruchs. [Anm. 15] Die Strecke musste 1936 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden. [Anm. 16] 1903 wurde der Grundstein für die katholische Kirche gelegt. [Anm. 17]

Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Handwerkstraditionen um die Knopfindustrie und die Metallverarbeitung in Bockenau. Die damalige Schmiedewerkstatt Johann Hay GmbH & Co. KG eröffnete 1925 ihren Standort in Bockenau. 1951 wurde sie zur Zahnradfabrik erweitert. [Anm. 18] Auch das Töpfer- und Küferhandwerk war zu der Zeit in Bockenau üblich. [Anm. 19]

Wegen des Zweiten Weltkriegs konnte die 900-Jahr-Feier von Bockenau im Jahr 1944 nicht begangen werden. Daher wurde das 950-jährige Jubiläum im Jahr 1994 gefeiert. [Anm. 20]

Seit einer Verwaltungsreform, bei der 1970 die Verbandsgemeinde Rüdesheim/Nahe entstand, gehört zur Bockenau zu dieser Verbandsgemeinde. [Anm. 21] Der Verbandsgemeinde gehören 32 eigenständige Ortsgemeinden an, der Verwaltungssitz ist in der namensgebenden Gemeinde Rüdesheim an der Nahe.

NACHWEISE

Verfasserin Text: Marion Nöldeke

Verwendete Literatur:

  • Förderverein 950 Jahre Bockenau e.V. 1044-1994: 950 Jahre Bockenau. Jubiläumsfestschrift Ortsgemeinde Bockenau 1994.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Kreis Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1987, S. 44, www.edoweb-rlp.de/resource/edoweb:7004231/data  (Aufruf: 26.02.2021)

Erstellt am: 26.02.2021

Anmerkungen:

  1. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 21.  Zurück
  2. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 27.  Zurück
  3. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 21.  Zurück
  4. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 23.  Zurück
  5. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 51.  Zurück
  6. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 23.  Zurück
  7. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 79.  Zurück
  8. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 25.  Zurück
  9. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 23.  Zurück
  10. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 79.  Zurück
  11. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 79.  Zurück
  12. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 27.  Zurück
  13. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 27 und „Geschichte des Landkreises Bad Kreuznach“ www.kreis-badkreuznach.de/landkreis/portraet-des-landkreises/zahlen-daten-fakten-wissenswertes/geschichte-des-kreises/ (Aufruf: 26.02.2021)  Zurück
  14. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 25.  Zurück
  15. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 51.  Zurück
  16. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 25.  Zurück
  17. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 25.  Zurück
  18. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 25. „Standort Bockenau – Musashi Bockenau GmbH & Co. KG“ Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 25. „Standort Bockenau – Musashi Bockenau GmbH & Co. KG“ https://www.boc.de.musashi-group.com/unternehmen/standorte/bockenau/ bzw. „Historie“ https://www.boc.de.musashi-group.com/index.php?id=180&L=1%27A%3D0 (Aufruf: 26.02.2021)  Zurück
  19. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 51.  Zurück
  20. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 21.  Zurück
  21. Förderverein 950 Jahre Bockenau, S. 27.  Zurück