Bledesbach in der Pfalz

Bledesbach

0.1.Allgemeine Angaben

Ortsteil der Stadt Kusel in der Verbandsgemeinde Kusel

Einwohner: ca. 300

Wohnplätze: Ortskern, Bärenfelderhof

 

0.2.Lage

Bledesbach als Stadtteil von Kusel liegt südwestlich des Stadtkerns zum großen Teil rechts eines Baches, der ebenfalls Bledesbach heißt. Der Bledesbach fließt bei dem Stadtteil Diedelkopf, knapp 3 km von Bledesbach entfernt, mit dem Pfeffelbach zusammen. Durch diesen Zusammenfluss entsteht der Kuselbach. Bledesbach ist so von Kusel aus einmal durch das Tal über die B 420 zu erreichen, auf einem etwas kürzeren Weg auch über den Roßberg unter Benutzung der Landesstraße L 360. Die Berge beiderseits des Bachlaufs erreichen Höhen von über 350 Metern über dem Meeresspiegel (Bledesberg 368 m, Roßberg 351 m, Galgenberg 346 m). Der Stadtteil selbst liegt etwa 250 m über NN.

0.3.Siedlung und Wohnung

Als Kern der Siedlung ist die geballte Ortsmitte im Bereich der Bledesbachbrücke beiderseits des Baches anzusehen. Darüber hinaus erweiterte sich der Ort entlang der früheren Durchgangsstraße, die oberhalb der Brücke der rechten Bachseite und unterhalb dieser der linken Bachseite entlang lief. Weitere Erweiterungen ergaben sich auf der rechten Talseite entlang des Roßberghanges (nach 1900) und in einem Seitentälchen südlich der Straße, die über den Roßberg nach Kusel führt (nach dem 2. Weltkrieg). Die sehr belebte Bundesstraße B 420 führt im Westen an dem Ort vorbei. Lediglich das ehemalige Schulhaus (Eckstraße 6) liegt jenseits der B 420 und ist durch eine Unterführung zu erreichen. Es wurde inzwischen zum Dorfgemeinschaftshaus umgestaltet. Die ehemalige Mühle steht am Südende des ursprünglichen Ortsbereiches gleich oberhalb der Brücke. Insgesamt hat sich Bledesbach, im Gegensatz zum nahe gelegenen Stadtteil Diedelkopf, seinen ursprünglichen dörflichen Charakter bewahrt.

In der Vorstadt von Kusel

0.4.Wüstungen

Dimschweiler lag wahrscheinlich am Bledesbach zwischen den früher selbständigen Dörfern Bledesbach und Diedelkopf. Der Ort wurde zuerst 1446 als Dynnsweiler und zuletzt 1588 bei Johannes Hoffmann als Timsweiler erwähnt, wobei der Ort damals schon verlassen war. Es heißt dort: "Timbsweiler, die alte Hofstatt, hat gelegen unter dem Dorf Bledesbach hart an der Bledesbach" (Lißmann o. J. S. 173)

 

0.5.Name

Das Grundwort des Namens bezieht sich wahrscheinlich auf einen Personennamen, etwa Bleder, das Bestimmungswort auf den vorbeifließenden Bach. Die Ortsgründung könnte demnach als die Siedlung eines Mannes mit Namen Bleder erfolgt sein. Die Ersterwähnung im Jahre 1436 als "Bledeßbach" erfolgte verhältnismäßig spät. Wahrscheinlich wurde der Ort nicht vor dem 11. Jahrhundert gegründet. Weitere Nennungen in Urkunden sind: Bledersbach 1456, Bledetzbach 1458, Bledisbach 1480, Bledesbach 1546, Blödesbach 1609 (Vgl. Dolch/Greule 1991 S. 100)

0.6.Wappen

Bledesbach führte nie ein eigenes Wappen, infolge der Eingemeindung nach Kusel konnte auch kein neues Wappen gestaltet werden.

0.7.Geschichtlicher Abriss

0.7.1.Frühgeschichte

Die Umgebung von Bledesbach war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt, was in benachbarten Fluren durch z. T. noch heute bestehende Grabhügel beispielsweise auf dem Gaisberg und in der Winterhelle bezeugt ist. Dass die weitere Umgebung des Ortes auch während der Römerzeit bewohnt war, beweisen Funde aus der Römerzeit in den benachbarten Orten, vor allem in Kusel und Diedelkopf.

 

0.7.2.Mittelalter

Das Dorf lag bei seiner Gründung innerhalb des Reimser Besitzes um Kusel und Altenglan, dessen Grenzen genau bekannt sind. Wahrscheinlich bestand vom frühen Mittelalter her ein Kloster innerhalb der Stadt Kusel, von dem aus das gesamte "Remigiusland " betreut wurde. In der Mitte des 12. Jahrhunderts gründeten die Mönche aus Reims ein neues Kloster auf dem Remigiusberg, und fast gleichzeitig übernahmen die Grafen von Veldenz die Vogtei über das Reimser Gebiet. Die Grafen von Veldenz versuchten, den Einfluss der Bischöfe von Reims zurück zu drängen und größeren Einfluss über das Kirchengebiet zu gewinnen. Innerhalb des Amtes Lichtenberg gehörte Bledesbach zu der Schultheißerei Pfeffelbach. Ein mittelalterliches Huberweistum aus Bledesbach, das wahrscheinlich im 16. Jahrhundert zum ersten Mal schriftlich fixiert wurde, verwahrt das Landesarchiv Speyer unter den Sal- und Lagerbüchern des Klosters Remigiusberg. In ihm wird ausgesagt, dass sich die Bauern zu ihrem Lehnsherren bekennen sollen, und es werden alle Abgaben aufgeführt, die sie dem Lehensherren schulden. (Vgl. Weizsäcker 1962 S. 492)

0.7.3.Neuzeit

Die Grafschaft Veldenz war 1444 im Mannesstamm erloschen, die Tochter des letzten Veldenzer Grafen Friedrich III. heiratete den Pfalzgrafen Stephan, einen Sohn König Ruprechts. Aus Eigenbesitz aus der Kurpfalz und der Grafschaft Veldenz gründete Stephan die Pfalzgrafschaft (das Herzogtum) Zweibrücken. Die Pfalzgrafen von Zweibrücken als Nachfolger der Grafen von Veldenz wurden nun bis zum Ende der alten Feudalzeit in der Französischen Revolution auch die Herren über Bledesbach. Das Dorf verlor während des 30-jährigen Krieges einen großen Teil seiner Bewohner, wurde nach dem Krieg neu besiedelt, aber während der Eroberungskriege König Ludwigs XIV. erneut niedergebrannt. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts vollzog sich ein beständiger Aufschwung, indem die Einwohnerzahl von 20 im Jahre 1675 auf etwa 150 zu Beginn des 19. Jahrhunderts anstieg.

0.7.4.Neueste Zeit

Architektur in der Vorstadt

Zur Napoleonszeit von 1801 bis 1814 gehörte das Dorf zu Frankreich, zu Mairie und Canton Kusel, zum Arrondissement Birkenfeld im Saardepartement. Während der bayerischen Zeit wurde Kusel zum Sitz eines "Landkommissariats" (heute Landkreis), das aus den Kantonen Kusel, Lauterecken und Wolfstein gebildet wurde. Statt zur Mairie Kusel gehörte Bledesbach nun zur Bürgermeisterei Kusel. 1974 wurde Bledesbach in die Stadt Kusel eingemeindet. Dem Verwaltungsakt lag ein "Eingemeindungsvertrag" zu Grunde, der zwischen dem Stadtrat von Kusel und dem Ortsgemeinderat von Bledesbach ausgehandelt wurde und am 14. März 1974 in Kraft trat. Bledesbach erhielt einen Ortsbeirat, der in allen Fragen zu hören ist, die speziell den Ortsbereich Bledesbach betreffen.


0.8.Wahlergebnisse (Auswahl) in Prozent. Neuere Ergebnisse siehe Kusel

SPD KPD Zentr./BVP NSDAP
Reichstag 1928 30,3 21,1 --- ---
Reichstag 1930 45,9 23,0 --- 5,4
Reichstag 1933 23,6 13,3 --- 62,4
SPD CDU FDP Grüne Rep. NPD WG
Landtag 2001 60,4 23,2 8,3 9,8 2,4 0,6 1,2
SPD CDU FDP Grüne Rep. PDS Tierschutz Schill
Bundestag 2002 54,8 24,2 5,1 7,0 4,5 2,6 0,6 1,3

0.9.Zeittafel

8. Jahrh. Mögliche Gründung des Dorfes
1436 Ersterwähnung
1147 Bledesbach in der Grafschaft Veldenz
1444 Bledesbach in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken
nach 1500 Huberweistum von Bledesbach
1537 Einführung der Reformation
1575 Ersterwähnung der Mühle in B.
1635 Zerstörung während des 30-jährigen Krieges
1677 Zerstörung durch die Truppen Ludwigs XIV.
1801 Bledesbach in der Mairie Kusel und im Kanton Kusel, im Arrandissement Birkenfeld des Departements Saar.
1816 Bledesbach im Königreich Bayern (Bürgermeisterei, Kanton, Landkommissariat Kusel
1974 Eingemeindung nach Kusel

Religiöse Verhältnisse

Bledesbach gehörte vom Mittelalter an zu dem Kirchspiel der Stadt Kusel. Eine eigene Kirche gab es nicht in dem Dorf. Entsprechend der kirchengeschichtlichen Entwicklung in der Pfalzgrafschaft Zweibrücken schlossen sich die Bewohner während der Reformationszeit dem lutherischen Glauben an (ca. 1537) und mussten um 1588 nach dem Willen des Pfalzgrafen Johannes I. zum reformierten Glauben übertreten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde auch die römisch-katholische Konfession wieder zugelassen, ebenso die lutherische Konfession. Für Bledesbach war das nicht von Bedeutung, denn bis zur Einführung der protestantischen Union 1821 lebten in Bledesbach durchweg Reformierte nach der Lehre Calvins. Katholische Christen gab es zunächst nur vereinzelt, doch 1961 gehörten von 309 Einwohnern bereits 21 zur katholischen Konfession, während sich sieben Bewohner nicht mehr zum christlichen Glauben bekannten.

0.10.Bewohner

Ursprünglich war Bledesbach ein kleines Dorf, dessen Bewohner fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebten. 1609 wurden hier 70 Einwohner gezählt, die in nur 14 Familien lebten. Nach den Verlusten durch den 30-jährigen Krieg und durch die Kriege Ludwigs XIV. ließen sich neue Familien in dem Dorf nieder. Allmählich gingen die Bewohner auch anderen Berufen nach, arbeiteten im Baugewerbe und im örtlichen Steinbruch, begannen verstärkt außerhalb des Dorfes dem Broterwerb nachzugehen. So vollzog sich die Umwandlung vom Bauerndorf zu einer Arbeiter-Wohngemeinde mit 1960 etwa 300 Einwohnern. Damals lebten 30 % der Bevölkerung hauptsächlich von der Landwirtschaft. 30 Einwohner waren in weiteren örtlichen Betrieben beschäftigt (Geschäfte, Gasthäuser, Steinbruch). 21 Beschäftigte von auswärts fanden zumeist Arbeit im Steinbruch. 51 Bewohner gingen auswärts dem Broterwerb nach, 23 in Kusel, 14 im Saarland, 6 bei den Amerikanern in Miesau, 8 in den Steinbrüchen von Konken und Albessen.

Ehemaliges Bauernhaus

0.11.Einwohnerzahlen (nach Alter: Pfalzatlas), neuere Ergebnisse unter Kusel

1609 1675 1802 1825 1835 1873 1905 1939 1961 1997
gesamt 70 20 158 179 229 252 279 279 309 300
ev. 178 282
kath. 1 21
sonstige 6

0.12.Schule, Kultur, Vereine, Gesundheits- und Sozialwesen

0.12.1.Schulen

Seit der Reformationszeit bemühten sich die Herzöge von Zweibrücken in besonderem Maß um die Förderung des Schulwesens in ihrem Fürstentum. Anfangserfolge gingen jedoch im 30-jährigen Krieg verloren, und der eigentliche Aufbau des Schulwesens erfolgte erst im 18. Jahrhundert. 1749 stellte Bledesbach einen Lehrer mit Namen Friedrich Müller ein. Ihm folgte von 1762 bis 1765 Peter Schalber. 1777 wurde ein Lehrer Buchmann genannt, 1785 ein Johann Jakob Thomas. 1792 unterrichtete Philipp Conrad 17 Kinder. Ein eigenes Schulhaus erhielt Bledesbach 1842. Ein neues Schulhaus, heute Dorfgemeinschaftshaus, entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Stets wurde in den örtlichen Schulen einklassig unterrichtet. Seit der Umstrukturierung und Zentralisierung des Schulwesens in der Zeit um 1970 besuchen alle Schüler der Vorstadt die entsprechenden Schulen im Stadtgebiet. Weiterführende Schulen und Sonderschulen werden ebenfalls in Kusel besucht.

0.13.Brauchtum, Vereinswesen, Gesundheits- und Sozialwesen

Von eigenständigem altem Brauchtum ist heute wenig erhalten geblieben. Gepflegt werden im allgemeinen solche Sitten, die auch andernorts üblich sind.

Das Vereinswesen entspricht dem in der Stadt Kusel, ebenso das Gesundheits - und Sozialwesen.

0.13.1.Wirtschaft und Verkehr

Ursprünglich gab es neben den landwirtschaftlichen Betrieben nur die üblichen Handwerksbetriebe. Von weiterer wirtschaftlicher Bedeutung war die Mühle, für die 1575 ein Erbbestandsbrief ausgestellt wurde. Sie war Bannmühle für die Orte Bledesbach, Ehweiler, Schellweiler, Hüffler und Albessen. Inzwischen hat sie ihren Betrieb eingestellt. Heute lassen sich eher modernere Kleinbetriebe nieder, z. b. ein Musikproduzent.

Verkehr

Bledesbach ist mit zwei Ausfahrten an die B 420 angebunden. Stichstraßen führen zusätzlich von hier aus in Richtung Ehweiler - Albessen und in Richtung Schellweiler - Hüffler. Ferner gibt es die direkte Verbindung über den Roßberg zur Stadtmitte. Die Autobahnauffahrt Kusel ist etwa 1 km weit entfernt. Zum Bahnhof Kusel sind es etwa 4 km.

Straßenbild

0.14.Nachweise

Verfasser: Ernst Schworm

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Rohe, Ralf: „Ich hab' mich noch nirgends so wohlgefühlt“. Wölk-Art wählt Bledesbach als Firmensitz, in: Westrichkalender 2000, S. 168-169.
  • Schworm, Ernst: Kusel, Geschichte der Stadt, Kusel 1987.
  • N.N.: Die Arbeiter-Wohnorte Bledesbach und Blaubach, in: Westrichkalender Kusel 1960, S. 81-83.
  • Weizsäcker, Wilhelm: Pfälzische Weistümer Bd. I, Speyer 1962 (Huberweistum Bledesbach, S. 492).